27/11/2006 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Hünenberg

Polit. Gem. ZG und Dorf zwischen Reuss, Lorze und Zugersee. 1173 de Hunberg (Fälschung), 1185 de Hunoberg, 1239 de Hunaberc. 1771 812 Einw.; 1850 1'032; 1900 943; 1950 1'409; 1970 1'819; 1980 4'105; 2000 6'987. Eine jungsteinzeitl. Siedlung lag bei Chämleten am Zugersee (Horgener Kultur), ein alemann. Gräberfeld beim Hof Marlachen. Im FrühMA gehörte das Gemeindegebiet wohl zum karoling. Königshof in Cham, der 858 an das Zürcher Fraumünster überging. Einzelne Rechte und Güter besassen im Hoch- und SpätMA die Klöster Schänis, Muri, Kappel, Frauenthal und Eschenbach. Die grösste Bedeutung hatten die Herren von H. mit ihrer gleichnamigen, als Ruine erhaltenen Stammburg, welche im 13. und 14. Jh. als Lehensträger der Herren von Rüssegg und der Habsburger eine starke regionale Position aufbauen konnten. 1414 und 1415 verkauften sie ihre Güter und Rechte im Twing Hünenberg an die Gem., die sich aus Nutzungsverbänden innerhalb des Niedergerichts herausgebildet hatte. 1416 schlossen die Twingleute ein Burgrecht mit der Stadt Zug, das ihnen viel Autonomie verschaffte (eigene Vogtwahl, Gericht mit Untervogt und Vierern), aber langfristig in die Abhängigkeit führte. Konflikte zwischen den Gemeindeteilen Ober- und Unterhünenberg sowie zwischen Genossen und Beisassen, deren Streit um Nutzungsrechte erst 1816 begelegt wurde, ermöglichten der Stadt Zug den Ausbau ihrer Stellung. Ein Streit um die gerichtl. Autonomie der Vogtei führte anfangs des 18. Jh. zum sog. Vogthandel, einer schweren Krise zwischen Stadt und Amt Zug. 1640-41 baute die Stadt Zug die als Verbindung ins Freiamt verkehrsgeografisch und militärisch wichtige, mit einer Zollstätte verbundene Sinser Reussbrücke. Das aus Weilern und Einzelhöfen bestehende H. besass bis ins späte 20. Jh. kein Zentrum. Kirchlich gehörte H. bis 1975 zur kath. Pfarrei Cham, die 1798 zur Grundlage der Munizipalitätsgemeinde Cham-H. wurde. 1799 trennte sich H. von dieser, ist aber bis heute ein Teil der gleichnamigen kath. Kirchgemeinde. Polit. Mitte der Vogtei und der neuen Gem. war das sog. Gesellenhaus zur Wart. Der Weiler Sankt Wolfgang, zugleich eine Kaplanei, war bis 1934 eine Exklave der Stadt Zug.

Ab 1866 führte die Nachfrage der Kondensmilchfabrik in Cham zu einer Ausdehnung der Milchwirtschaft in der bisher vom Ackerbau geprägten Gemeinde. Bis in die 2. Hälfte des 20. Jh. blieb H. eine stagnierende, bäuerl. Gemeinde, die 1900 nicht mehr Einwohner hatte als 100 Jahre zuvor. Noch 1965 zählten fast drei Fünftel der Arbeitsplätze zur Landwirtschaft, deren Anbaufläche in der grossen Reussverbauung der 1910er und 1920er Jahre erweitert worden war. In den 1970er Jahren setzte ein rascher Strukturwandel ein (Autobahnanschluss 1979). 1970-80 wuchs die Bevölkerung um 125%, die Zahl der Arbeitsplätze verdoppelte sich fast, jene der Pendler stieg auf mehr als das Dreifache. Das Wirtschaftswachstum hielt in den folgenden Jahrzehnten an, und zwar sowohl im industriell-gewerblichen wie im Dienstleistungsbereich. 2004 erfolgte der Anschluss an die Stadtbahn Zug.


Literatur
– A. Baumgartner, Herrschaftswandel und Gemeindebildung im Zuger Ennetsee 1300-1550, Liz. Zürich, 1997
– A. Setz-Frey, H., 1998

Autorin/Autor: Renato Morosoli