Neuamt

Obervogtei der Stadt Zürich, die einen ca. 5 km breiten Landstreifen umfasste, der sich links der Glatt von Oberglatt bis zur Mündung des Flusses in den Rhein erstreckte. Sie entstand 1442 durch Abspaltung von der Grafschaft Kyburg. 1467 lebten in der Obervogtei rund 950 Einw., 1634 3'000, 1689 5'500 und 1790 4'300. Die Offnung des Twinghofs zu Neerach, wo sich eine Gerichtsstätte für Gotteshausleute der Umgebung befand, wurde zum Amtsrecht erweitert. Das Amtsgericht tagte ab der Mitte des 16. Jh. regelmässig in Niederglatt, wo auch die Huldigung entgegengenommen wurde, und setzte sich aus dem Amtsuntervogt, den beiden Amtsweibeln sowie zwölf Richtern zusammen. Nach 1600 wurden Streitsachen erstinstanzlich zumeist von den beiden Obervögten in der Stadt Zürich entschieden, wo ab Beginn des 17. Jh. auch der Landschreiber der Obervogtei seine Kanzlei hatte. Das Amt verfügte über eine Amtsbüchse. 1798 betrug deren Inhalt mehr als 33'000 Gulden. Im Rahmen der damals erfolgten neuen Bezirkseinteilung wurde das Geld unter die Gem. der aufgelösten Vogtei verteilt. Noch im 15. Jh. bestanden fast überall örtl. Gerichtsherrschaften. Nach 1600 bildete nur noch das Dorf Weiach eine gesonderte bischöfl.-konstanz. Gerichtsherrschaft.


Literatur
– P. Kläui, «Die Gerichtsbarkeit im Zürcher Unterland», in Jahresh. des Zürcher Unterländer Museumsvereins, 1947/48, Nr. 7, 3-36

Autorin/Autor: Thomas Weibel