Andelfingen (Herrschaft, Bezirk)

Spätma. Herrschaft, 1482-1798 Zürcher Landvogtei, 1798-1803 Distrikt, 1814-31 Oberamt und seit 1831 Bez. im Kt. Zürich. Zusammen mit dem nördl. Teil des Bez. Winterthur wird das Gebiet des Bez. A. auch als Zürcher Weinland bezeichnet. Indes deckt sich der Kern der Herrschaft A. nicht mit dem Umfang des heutigen Bez. oder der Region.

Im späten 14. Jh. zerfiel das habsburg. Amt Diessenhofen, ein kyburg. Erbe in der Landgrafschaft Thurgau, infolge von Verpfändungen in einzelne Splitter. Einen solchen, der als Amt A. bezeichnet wurde, lösten die Habsburger 1371 teilweise aus, verpfändeten ihn aber bereits 1377 erneut Hug von Hohenlandenberg. Namentl. erw. wurden dabei die Dörfer A., Ossingen, Guntalingen, Waltalingen und Dörflingen mit dem Nieder- und Hochgericht. Folgerichtig erscheint fortan die Bezeichnung Herrschaft A. Als Österreich 1424 die Grafschaft Kyburg der Stadt Zürich verpfändete, wurde A. zwar vorerst ausgeklammert, doch musste Beringer von Hohenlandenberg die Herrschaft A. 1434 auf Druck Ks. Sigismunds an Zürich abtreten. Bei der Rückgabe der Grafschaft Kyburg an Österreich konnte Zürich 1442 die Herrschaft A. behalten. Zürich verwaltete A. zunächst als Obervogtei, d.h. durch ein in der Stadt residierendes Mitglied des Kl. Rats. 1465-73 war die Herrschaft A. vorübergehend mit der Landvogtei Kyburg vereinigt. 1482 wurde sie von Zürich zur Landvogtei erhoben.

1434 hatte Zürich den 1377 erw. Kernbestand übernommen, von Dörflingen jedoch nur das Hochgericht. Ausserdem fand gegenüber 1377 eine Erweiterung nach Süden statt, die jedoch im Einzelnen nicht überliefert ist. Gemäss dem Zürcher Steuerrodel von 1450 zählten zum südl. der Thur gelegenen Herrschaftsgebiet die 1377 noch nicht erw. Dörfer Thalheim an der Thur, Dätwil, Gütighausen, Dorf, Nieder- und Oberwil, (teilweise) Henggart sowie Humlikon. Die Blutgerichtsbarkeit umfasste im weiteren Kleinandelfingen und die Gerichtsherrschaft Flaach-Volken, die nach ihrer Auflösung 1780 vollst. in die Landvogtei A. integriert wurde. Der Landvogteisitz in A. ging wohl aus der 1361 erw. Burg hervor. Die Burganlage wurde 1614 durch einen Neubau ersetzt. Der heute noch bestehende ehem. Landvogteisitz entstand 1780-82. 1534 liess Zürich für A. ein Herrschaftsrecht aufzeichnen. 1540 traf die Stadt mit dem eidg. Landvogt in Frauenfeld eine Vereinbarung über den Grenzverlauf zum Thurgau. In der Helvetik war A. Distriktort; z.Z. der Mediation wurde die ehem. Landvogtei A. in den Bez. Winterthur eingegliedert. Die Restauration machte A. 1814 wieder zum Sitz eines Oberamts, die Regeneration 1831 zum Bezirkshauptort. Gegenüber der Landvogtei A. wurde der Gebietsumfang des Oberamts bzw. Bez. A. wesentl. erweitert.


Quellen
– SSRQ ZH (Ms.), StAZ
Literatur
– E. Stauber, Gesch. der Kirchgem. A., 3 Bde., 1940-43
– R. Hantke et al., Zürcher Weinland, 21987

Autorin/Autor: Martin Illi