Greifensee (Herrschaft, Vogtei)

Mittelpunkt der ehem. Herrschaft und zürcher. Landvogtei (1402-1798) war die Burg G., vermutlich eine Gründung der Gf. von Rapperswil. Der Umfang ergibt sich aus der Urkunde von 1300 über die Verpfändung durch Elisabeth von Rapperswil um 600 Mark Silber an den älteren Marschall Hermann II. von Landenberg und dessen Sohn: Burg und Stadt G. mit dem See, genannt Glattsee, die Höfe Fällanden, Maur, Niederuster, Uster (Laubishof, in den der Kirchensatz gehörte), Nossikon, Nänikon, Werrikon, Schwerzenbach, Hegnau, Hof (Gem. Egg ZH) und das Meiergut von Bertschikon (Gem. Gossau ZH), ferner Leibeigene und Streubesitz ohne hoheitl. Pertinenzen in grösserem Umkreis. Die Verpfändung war befristet und mit einer Kaufklausel zugunsten der Gläubiger versehen. Eine Auslösung fand nicht statt. Die Landenberger dieses Zweiges setzten ihrem Namen in der Folge denjenigen der Herrschaft bei. Sie verkauften diese 1369, nach erfolglosem Einschaltungsversuch Zürichs (1367), um 7'923 Gulden an die Gf. von Toggenburg. In der Zwischenzeit waren namentl. Besitzungen um den Pfäffikersee und im Tösstal dazugekommen, erwähnt sind auch mehrere Mühlen.

1402 verpfändete Friedrich VII. von Toggenburg die Herrschaft um 6'000 Gulden der Stadt Zürich, welche freilich das Kapital durch Emission von Zinsrenten bei Basler Bürgern aufnehmen musste. Nach rechtsgeschäftl. Änderungen der Pfandsumme unterblieb die Wiederauslösung. Zürich richtete in G. seine erste äussere Vogtei ein, für deren anfänglich ohne feste Amtsdauer gewählten Inhaber Residenzpflicht auf der Burg bestand. 1445-50, nach dem Alten Zürichkrieg, wurde G. mit einjähriger Amtsdauer als innere Vogtei verwaltet. Die hohe Gerichtsbarkeit der Herrschaft G. umfasste nirgends das Blutgericht; dieses lag bei Kyburg und Grüningen. Die Blutgerichtsgrenze verlief quer durch den See und entlang dem Aabach. In der Landvogtei G. bestanden die Niedergerichtsherrschaften Kirchuster-Nossikon bis 1544 und Maur bis 1775. G. war die am stärksten zerstückelte Zürcher Vogtei mit fünf Exklaven: Robenhausen-Robank, Irgenhausen, Auslikon, Hutzikon-Tössegg-Schalchen und Neubrunn im Tösstal.

In der Helvetik wurde aus dem Kern der Landvogtei zusammen mit Wetzikon der Distrikt Uster gebildet. Das Oberamt G. der Restauration entsprach territorial bereits dem seit 1831 bestehenden Bez. Uster.


Archive
– StAZ, Akten
Literatur
– A. Largiadèr, «Die Anfänge des zürcher. Stadtstaates», in Festgabe Paul Schweizer, 1922, 1-92
– A. Largiadèr, Die Anfänge der zürcher. Landschaftsverwaltung, 1932
– K. Hürlimann, Soziale Beziehungen im Dorf. Aspekte dörfl. Soziabilität in den Landvogteien G. und Kyburg um 1500, 2000

Autorin/Autor: Bruno Schmid