29/04/2010 | Rückmeldung | PDF | drucken

Oberurnen

Polit. Gem. GL. Industriedorf im Glarner Unterland, ältester Dorfteil auf dem Schuttkegel der Rüfirunse. Um 1340 Obern Urannen. 1850 691 Einw.; 1900 862; 1950 1'181; 2000 1'811. Zusammen mit Niederurnen gehörte O. im HochMA zum Kloster Schänis und war dem Kloster Säckingen abgabenpflichtig. Die Vorburg, auf einem Felssporn oberhalb des Dorfs gelegen, ist die bedeutendste Burgruine des Kantons. Sie wurde vermutlich als habsburg. Verwaltungssitz um 1300 errichtet, 1369 einem Rudolf Stucki verpfändet und spätestens im 15. Jh. verlassen. O. beteiligte sich nach 1280 am Bau der Molliser Kapelle, die 1319 zur Kirche auch für Näfels und O. erhoben wurde. Da diese beiden Gem. die Reformation ablehnten, bildeten sie 1532 eine eigene kath. Pfarrei und bauten 1592 die Dreifaltigkeitskapelle mit z.T. wertvoller Ausstattung. 1868 trennte sich O. von der Pfarrei Näfels und weihte die eigene Kirche St. Georg ein. O.s Landwirtschaft basierte im MA auf der Schafzucht, die sich allmählich auf die Grossviehzucht verlagerte. Im Berggebiet der Gem. wurden 1704 die Schwänditalalpen auf drei Alpkorporationen verteilt, zu denen sich die Dorfgenossen vermutlich zur Steigerung des Ertrags zusammenschlossen. 1839 kaufte O. die Sonnenalp. Kurz nach der Linthkorrektion setzte die Industrialisierung ein. 1833 wurde eine Spinnerei und 1836 eine Baumwolldruckerei eingerichtet. Letztere wurde 1890 durch eine Seidenweberei abgelöst, die 1974 einging. 1887 nahm die Schraner AG ein Gesenkschmiedewerk in Betrieb. Das 1851 erbaute Dorfschulhaus wurde 1927 vergrössert. Gemeinsam mit Näfels errichtete O. 1860 ein Schulhaus im Schwändital für die Schüler des Berggebiets. 1875 erhielt die Gem. Anschluss ans Eisenbahnnetz der Schweiz. Nordostbahn. 1906 ging das Elektrizitätswerk in Betrieb. 1963-64 wurde ein weiteres Schulhaus gebaut, 1969 die heilpädagog. Tagesschule (seit 2004 Heilpädagog. Zentrum Glarnerland) eröffnet und 1976 das Mehrzweckgemeindehaus eingeweiht. Kleinere Industrie- und zahlreiche Gewerbebetriebe bieten Beschäftigung. 2005 stellte der 1. Sektor 21%, der 2. 31% und der 3. 48% der insgesamt 266 Arbeitsplätze der Gemeinde. Die Fusion von O. mit den Gem. Bilten, Filzbach, Mollis, Mühlehorn, Näfels, Niederurnen und Obstalden wurde per 2011 genehmigt.


Literatur
– I. Tschudi-Schümperlin, J. Winteler-Marty, Glarner Gemeindewappen, [1941], 167 f.
Glarner Nachrichten, 20.2.1976, (Beil.)
O., 1978, (Gemeindebroschüre)

Autorin/Autor: Karin Marti-Weissenbach