• <b>Naturschutz</b><br>Eines der ersten Plakate des Schweizerischen Bunds für Naturschutz, gestaltet von  Anton Christoffel,   1908 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste). Der Braunbär auf dem Plakat spielt auf den 1904 im Val S-charl im Unterengadin geschossenen vorläufig letzten Bären an.

Naturschutz

Aus der Zivilisations- und Industriekritik (Fortschritt) entwickelten sich in der 2. Hälfte des 19. Jh. im Zusammenhang mit neuen Vorstellungen über die Natur in verschiedenen industrialisierten Staaten Vorläufer des N.es. In der Schweiz wurden in den 1870er Jahren erste Schutzmassnahmen gesetzlich verankert, so 1876 das Forstgesetz. In den 1880er Jahren stand die Schaffung eines Nationalparks zur Diskussion. Die Schweiz. Naturforschende Gesellschaft gründete 1906 die Schweiz. Naturschutzkommission (SNK), auf deren Anregung 1909 der Schweiz. Bund für N. (SBN, seit 1997 Pro Natura) ins Leben gerufen wurde. Seit den Anfängen des N.es ist dieser eng mit dem 1905 gegr. Schweiz. Heimatschutz verbunden, da die Natur in der Schweiz als Teil des Kulturguts und der Heimat betrachtet wird.

Im Zentrum des N.es standen zu Beginn nicht die Natur (Fauna, Flora) und die Verantwortung für deren Erhalt, sondern das ästhet. und patriot. Empfinden der Zeit, welches die Verschandelung und Zerstörung von Natur und Heimat beklagte. Nicht der haushälter. Umgang mit Ressourcen war das vordringl. Anliegen, sondern der Schutz gefährdeter Objekte. Erste Erfolge erzielten die Natur- und Heimatschutzorganisationen im Kampf um den Erhalt von Findlingen (z.B. Pierre des Marmettes bei Monthey, 1905), gegen den Bau von Bergbahnen (z.B. Matterhornbahn 1908) und in der Einrichtung von Naturschutzgebieten. Weniger erfolgreich waren hingegen die frühen Bestrebungen gegen Wasserkraftwerke (z.B. Rheinau 1952-54).

<b>Naturschutz</b><br>Eines der ersten Plakate des Schweizerischen Bunds für Naturschutz, gestaltet von  Anton Christoffel,   1908 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).<BR/>Der Braunbär auf dem Plakat spielt auf den 1904 im Val S-charl im Unterengadin geschossenen vorläufig letzten Bären an.<BR/>
Eines der ersten Plakate des Schweizerischen Bunds für Naturschutz, gestaltet von Anton Christoffel, 1908 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).
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Von den 1920er Jahren bis in die 40er Jahre standen die Ziele des N.es bedingt durch Wirtschaftskrisen und das Primat der Landesverteidigung im Hintergrund. 1935 berief der Bund zwar eine Natur- und Heimatschutzkonferenz ein, die der SBN mit dem Ziel einer gewissen Verstaatlichung des N.es angeregt hatte. Aus dieser Konferenz ging 1936 lediglich die Schaffung der eidg. Natur- und Heimatschutzkommission als Konsultativorgan des Bundes hervor. Zu diesem Zeitpunkt lehnten auch die Kantone eine eidg. Gesetzgebung noch mehrheitlich ab. Gesetzlich war der N. vorerst nur im Zivilgesetzbuch von 1907 (Art. 702) und neben den Gesetzesartikeln aus dem 19. Jh. hauptsächlich in den neuen Gesetzen über Wasserkraft und Gewässerschutz verankert. Nach dem 2. Weltkrieg erhielt er aufgrund des Wirtschaftswachstums und den damit verbundenen Umweltproblemen (Umwelt, Ökologie) eine neue Dringlichkeit. Zurückgehend auf Motionen aus den 1920er Jahren und nach den Initiativen der 1950er Jahre (u.a. Wasserrechtsinitiative 1956) wurde 1962 in der Volksabstimmung eine Ergänzung der Bundesverfassung um einen Artikel über den Natur- und Heimatschutz (BV 1874 Art. 24sexies, BV 1999 Art. 78) angenommen, der vorsieht, dass die Kantone für den Natur- und Heimatschutz zuständig sind. Mit dem Verfassungsartikel erhielten ökolog. Argumente gegenüber ästhetischen mehr Gewicht, was auch auf eine verstärkte wissenschaftl. Auseinandersetzung mit der Thematik zurückzuführen ist (z.B. Inventare, Gewässerschutz). Das darauf folgende Gesetz von 1966 löste wichtige Impulse aus und führte dazu, dass in den meisten Kantonen Naturschutzbehörden geschaffen wurden. 1971 wurde das Bundesamt für Umweltschutz (seit 2006 Bundesamt für Umwelt) ins Leben gerufen.

In der Entwicklung des internat. N.es spielte die Schweiz eine führende Rolle: Die SNK regte unter ihrem ersten Präs. Paul Sarasin 1913 eine erste internat. Konferenz in Bern an. Nach einer längeren Unterbrechung erfolgte nach einer dritten internat. Konferenz 1948 durch die Vermittlung des SBN im selben Jahr die Gründung des Internat. Naturschutzverbands.

Klass. Aufgabengebiete des N.es sind neben dem Artenschutz (Pflanzen und Tiere, Schutz von Auen und Mooren, Jagdbanngebiete), der Flächenschutz (Landschaftsschutz, Raumplanung) und die Bewahrung aussergewöhnl. Naturdenkmäler. Seit den 1980er Jahren wird der N. zudem durch den Umweltschutz ergänzt, der sich mit globalen Umweltproblemen statt mit lokalen Schutzvorhaben auseinandersetzt und durch den Einzug Grüner Parteien in die Parlamente und Exekutivbehörden (Ökologische Bewegung) auch eine starke polit. Stimme gefunden hat.


Literatur
– D. Burckhardt, «Die Wiege des N.es stand in Basel - Streiflichter auf Entstehung und Entwicklung des N.es in der Schweiz», in Verh. der Naturforschenden Ges. in Basel, 1992, 3-45
– F. Walter, Bedrohl. und bedrohte Natur, 1996 (franz. 1990)
– S. Bachmann, Zwischen Patriotismus und Wissenschaft, 1999
– T. Wirz, «100 Jahre für die Natur», in Die Stimme der Natur, 2009, 123-182

Autorin/Autor: Stephanie Summermatter