Nidfurn

Ehemalige politische Gemeinde GL, seit 2011 Teil der Gemeinde Glarus Süd. 2006-10 gehörte N. mit Leuggelbach zu Haslen. Südlich von Schwanden auf der linken Talseite gelegenes Strassendorf im Glarner Hinterland. Um 1300 ze Nitfúre. 1701 135 Einw.; 1860 477; 1900 348; 1950 390; 2000 258. N. zählte im MA zu den ertragreichsten Glarner Gütern und gehörte bis 1395 dem Kloster Säckingen. Das Dorf war nach Glarus, ab 1349 nach Schwanden kirchgenössig. Seit 1528 sind die Einwohner mehrheitlich reformiert. Politisch bildete N. mit Luchsingen und Leuggelbach den Eschentagwen, ökonomisch aber war es von jeher eine Bürgergemeinde mit gesonderter Tagwensrechnung und eigener Allmende. In N. wurden Schafe, später bis ins 20. Jh. Ziegen gehalten und Rinder gezüchtet. Die Milchwirtschaft wurde im 18. Jh. intensiviert. 1496 ist erstmals eine Holzgenossenschaft mit den Nachbarorten belegt, die Wälder wurden 1735 und 1882 geteilt. Eine Bleicherei stellte 1660-1850 den einzigen Gewerbebetrieb dar, die Baumwollhandspinnerei war von 1714 bis um 1770 verbreitet. Ab 1780 verfügte N. über eine eigene Schule, 1835 wurde ein Schulhaus gebaut und ab 1991 gehörte das Dorf zum Primarschulkreis N.-Haslen-Leuggelbach. 1879 erhielt die Gem. einen Anschluss ans Eisenbahnnetz der Nordostbahn. N. besass nie Industrie, über 80% der Erwerbstätigen arbeiteten 2000 in auswärtigen Betrieben. Das Dorfbild wurde zu Beginn des 21. Jh. von den stattl. Blumerhäusern geprägt.


Literatur
– G. Heer, «Luchsingen und der Eschentagwen», in JbGL 27, 1892, 8-57
– W. Blumer, Die Stammhäuser der Blumer in N. und Schwanden und ihre Bewohner, 1951

Autorin/Autor: Karin Marti-Weissenbach