• <b>Hagel</b><br>Hagel in der Region Zug am 5. August 1586. Kolorierte Federzeichnung aus einem der 24 Handschriftenbände der Chronik des Chorherrn  Johann Jakob Wick (Zentralbibliothek Zürich, Handschriftenabteilung, Wickiana, Ms. F 34, Fol. 216v). Für die Jahre zwischen 1560 und 1587 erwähnt der Chorherr 16 schlimme Hagelunwetter. Das hier dargestellte betraf das Gebiet zwischen Zugerberg und Hirzel.

Hagel

Aus Gewittern fallender Niederschlag in Form von kugeligem Eis mit 5 bis 50 mm Durchmesser. Die Hagelkörner entstehen in rasch aufsteigender feuchter Luft durch das Anlagern von unterkühltem Wasser an Eiskristalle. Schwere Hagelgewitter können über weite Strecken (100-200 km) hinweg grosse Verwüstungen anrichten, insbesondere in dicht besiedelten Regionen. Die Schweiz (v.a. Jura, Zentralschweiz, Tessin) zählt zu den am meisten gefährdeten Gebieten Europas.

<b>Hagel</b><br>Hagel in der Region Zug am 5. August 1586. Kolorierte Federzeichnung aus einem der 24 Handschriftenbände der Chronik des Chorherrn  Johann Jakob Wick (Zentralbibliothek Zürich, Handschriftenabteilung, Wickiana, Ms. F 34, Fol. 216v).<BR/>Für die Jahre zwischen 1560 und 1587 erwähnt der Chorherr 16 schlimme Hagelunwetter. Das hier dargestellte betraf das Gebiet zwischen Zugerberg und Hirzel.<BR/>
Hagel in der Region Zug am 5. August 1586. Kolorierte Federzeichnung aus einem der 24 Handschriftenbände der Chronik des Chorherrn Johann Jakob Wick (Zentralbibliothek Zürich, Handschriftenabteilung, Wickiana, Ms. F 34, Fol. 216v).
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Ab 1277 liegen schriftl. Berichte über H. vor. Vom 6.8.1576 wird von riesigen Schäden im ganzen Mittelland berichtet. Im 20. Jh. gelten der 26.8.1971 und der 21.7.1992 (100 Mio. Fr. Schaden) als schlimme Hageltage. Die ma. und frühneuzeitl. Menschen interpretierten H. als göttl. Strafe - im Alten Testament zählt H. zu den zehn Plagen -, was zur Entstehung eines Hagelbrauchtums (Läuten der Kirchenglocken, Prozessionen) führte, oder als das Werk von Hexen, welche böswillig die Ernte vernichteten. Erst im 18. und 19. Jh. begriff man H. als Naturphänomen (Naturkatastrophen, Meteorologie) und begann auf Hagelabwehr und Versicherungen zu vertrauen. Nach versch. Vorläufern (z.B. 1818 Ajoie, 1825 Bern) wurde 1880 die Schweiz. Hagel-Versicherungs-Gesellschaft gegründet, die ab 1943 die einzige Versicherung für die Landwirtschaft darstellte. Die Landwirte versuchten auch - allerdings erfolglos -, den H. mittels Hagelschiessen zu vermindern. 1950 wurde die Eidg. Kommission zum Studium der Hagelbildung und Hagelabwehr ins Leben gerufen, die Versuche mit Silberjodid-Impfungen in den Gewittern durchführte. Die Kommission wurde nach den negativen Resultaten des Grossversuchs IV, der 1977-83 im Napfgebiet durchgeführt wurde, aufgelöst. Seither hat sich die Hagelforschung u.a. mit dem Klimawandel befasst (Klima).


Literatur
– B. Federer, «Hagelforschung und Hagelabwehr», in NZZ, 27.8.1975
– H. Schmitt-Lermann, Der H. und die Hagelversicherung in der Kulturgesch., 1984
– H.-H. Schiesser et al., Klimatologie der Stürme und Sturmsysteme anhand von Radar- und Schadendaten, 1997
– C. Pfister, H. Schweiz, Euro-ClimHist Datenbank (Hist. Inst. Univ. Bern)

Autorin/Autor: Hans-Heinrich Schiesser