Föhn

Der F. ist ein warmer trockener Fallwind im Lee von Gebirgen. In den Alpen entsteht er durch den Ausgleich zwischen Hoch- und Tiefdruckzonen, die durch das Alpenmassiv getrennt sind. Die aufsteigende Luft wird abgekühlt und bewirkt Regen. Die ausgetrocknete Luft fällt in die Täler auf der andern Alpenseite, wird erwärmt und kann als Wind sturmartige Formen annehmen. Die meisten Täler im Schweizer Alpenraum sind Föhngebiete. Der F. erwärmt das Klima und begünstigt die Vegetation (Obst- und Weinkultur, Kastanienhaine, hoch gelegene Alpweiden). Andererseits kann er zu plötzl. Schneeschmelze, heftigen Regenfällen und Hochwasser führen, was wiederum den Siedlungs- und Wirtschaftsraum einschränkt und umfangreiche Wuhrarbeiten sowie Lawinenverbauungen erfordert. Die Stürme bedrohten die Wasserwege (Urner-, Walensee) und hemmten den Verkehr. Dadurch wurden die nur auf dem Seeweg erreichbaren Dörfer zu grösstmöglicher Autarkie gezwungen (z.B. Sisikon, Quarten), und der Bau von Landverbindungen drängte sich auf (Axen-, Kerenzerbergstrasse). Die durch den F. entfachten oder beförderten Dorfbrände (z.B. Glarus, Altdorf UR, Meiringen) riefen seit dem 15. Jh. feuer- und baupolizeiliche Vorschriften und Institutionen hervor. Die medizin. Forschung vermutet in den Druckschwankungen vor Einbruch des F.s eine Ursache der seit Jahrhunderten bekannten körperlichen und seelischen Beschwerden.


Literatur
Föhnstudien, hg. von M. Kuhn, 1989 (mit Bibl.)
– K. Frey, «Der F., seine Eigenschaften und Erscheinungsformen», in Mitt. der Naturforschenden Ges. Solothurn 37, 1996, 185-199 (mit Bibl.)

Autorin/Autor: Hans Stadler