Malval

Dorf in der polit. Gem. Dardagny GE, am rechten Ufer des Rhonezuflusses Allondon an der franz.-schweiz. Grenze. Vor 1100 Marval, Malvaz. 1412 25 Haushalte; 1517 18; 2000 36 Einw. M. war Sitz einer vor 1100 bezeugten Herrschaft, die zuerst dem Bf. von Genf, später der Herrschaft Genf unterstellt war. Lehensherrin war die Fam. von M., die im bischöfl. Schloss Bregnoz am linken Allondon-Ufer residierte. Dieses war Sitz des Mandement M., das zwischen 1311 und 1342 im Mandement Peney aufging. Die M. besassen auch eine ab 1299 bezeugte Burg am rechten Ufer, die 1303 von Amadeus V. von Savoyen für seinen Vasallen wieder aufgebaut, 1306 vom Herrn von Gex zerstört und danach erneut in Stand gestellt wurde. Beide Bauwerke sowie die befestigte Erdburg (Motte du Crêt) verfielen im 2. Viertel des 15. Jh. Bis 1795 bildete M. mit Confignon, Dardagny und Russin das Lehen von Châteauvieux. 1752-89 ist in M. eine Dorfgenossenschaft bezeugt. 1798 wurde das Dorf der Gem. Dardagny angeschlossen. M. war Sitz eines Priorats und bildete mit Les Granges, Essertines und Les Baillets eine Pfarrei. Die ältesten Teile der Kapelle Sainte Marie-Madeleine, die sich zuhinterst in einem kleinen Tal befindet, stammen aus dem 10. Jh. Das Gebäude gehörte zu einem 1275 nachgewiesenen Cluniazenserpriorat, das dem Priorat Asserans (Ain) unterstand und wie dieses der Abtei (bzw. dem Konventualpriorat) Nantua angeschlossen war. Nachdem zu Beginn des 14. Jh. die letzten Mönche weggezogen waren, diente die Kapelle zuerst als Pfarrkirche, dann, nach dem Übertritt der Pfarrei Dardagny-M.-Russin zur Reformation 1544, als ref. Kirche. Der 1757 im Dorf erbaute Glockenturm wurde 1938 durch einen an die Kirche angebauten Turm mit Rundbögen ersetzt. Ab dem 15. Jh. existierte bei Granges-sous-M. eine Mühle. Im 17. und 18. Jh. waren einige Einwohner von M. als Uhrmacher in Heimarbeit beschäftigt. Zu Beginn des 21. Jh. dominierte in M. immer noch die Landwirtschaft, insbesondere der Rebbau. Die 1845 gebaute Brücke über den Allondon verbesserte die Verbindung nach Satigny und Genf.


Literatur
– L. Blondel, «Un prieuré inconnu», in Genava, NS 12, 1964, 107-121
– A. Brulhart, E. Deuber-Pauli, Ville et canton de Genève, 1985, 377 f. (21993)
HS III/2, 363 f.
– B. Crettaz et al., La commune de Dardagny, 1991
– M. de La Corbière et al., Terres et châteaux des évêques de Genève, 2001, 75-95

Autorin/Autor: Martine Piguet / MD