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Mollis

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Polit. Gem. GL, im Unterland auf der rechten Seite des Linthtals, deren Gebiet vom Linthkanal und Walensee bis zum Schlattbach bei Netstal reicht und das gleichnamige Dorf, den Rieterbezirk in der Linthebene, den Weiler Beglingen am Kerenzerberg und die Alp Mullern umfasst. 1288 Mollis. 1554 440 Einw.; 1701 1'150; 1799 1'654; 1850 2'041; 1900 1'912,;1950 2'191; 1970 2'628; 2000 2'974. Der auf Hüttenböschen, einer kleinen Erhebung 100 m westlich des Walensees, entdeckte galloröm. Umgangstempel dürfte zwischen 50 und 150 n.Chr. entstanden und bis ins 4. Jh. benutzt worden sein. Im 8. Jh. fiel grosser Grundbesitz in M. ans Kloster Säckingen. Die Teile einer ma. Letzimauer bei Beglingen wurden evtl. erst nach der Schlacht bei Näfels (1388) erstellt. Die 1280 errichtete Kapelle wurde 1319 zur Kirche erhoben; 1444 erfolgte die Ablösung von der Pfarrei Glarus, zu der M. früher gehört hatte; die neue Pfarrei umfasste auch Näfels und Oberurnen. Fridolin Brunner, 1523-25 Pfarrer in M., leitete die Reformation ein. Wegen starken Widerstands der Altgläubigen wurden Bilder und Messe erst 1529 abgeschafft. Näfels und Oberurnen bildeten in der Folge eine eigene kath. Pfarrei. Trotz der vertragl. Regelung von 1532 trugen diese und die Kirchgemeinde M. noch lange ernste Zwiste aus. 1761 wurde die heutige Kirche durch Hans Ulrich Grubenmann errichtet (bemerkenswerte Dachstuhlkonstruktion, viele Umbauten). Die kath. Marienkirche, die der Pfarrei Näfels untersteht, stammt von 1963.

Bis ins 15. Jh. dominierte selbstversorgende Landwirtschaft auf der Grundlage von Schafzucht; dann setzte sich die Grossviehzucht für den Export durch, was den Ausbau der Alpwirtschaft nach sich zog. Im 18. Jh. stellten die Bauern ihre Betriebe auf Milchwirtschaft um. Die im 16. Jh. einsetzende gewerbl. Tätigkeit entfaltete sich v.a. im 17. und 18. Jh. Bäder bestanden am Walenberg im 16. Jh. und an der Rüfi von ca. 1600 bis ins 19. Jh. Zwischen 1714 und 1789 führte Baumwollhandspinnerei, ab 1760 vermehrt Handweberei zu Wohlstand bei der ganzen Bevölkerung; ein Zeugnis dieser frühen Industrialisierung ist der sog. Fabrikhof, eine um 1785 in Gestalt eines spätbarocken Herrschaftsgebäudes errichtete Manufaktur. Wegen der vielen Molliser, die als Offiziere in fremden Diensten standen, galt der Ort während der Helvetik als "Aristokratennest"; er wurde durch Kriegshandlungen und Einquartierungen 1798-1803 stark in Mitleidenschaft gezogen. Der Bau des Escherkanals 1807-11 und die bis 1827 vollendete Linthkorrektion ermöglichten die Beilegung alter Streitigkeiten mit Nachbardörfern um die Linthverbauungen. Die Kerenzerbergstrasse wurde 1836-51 erstellt. 1859 erfolgte der Anschluss ans Netz der Vereinigten Schweizerbahnen (Bahnhof Näfels-M.). Im 19. Jh. entstanden mehrere Textilfabriken und Stoffdruckereien. Bis 1967 hielt sich die 1856 gegr. Spinnerei und Weberei Jenny. Die 1860 eingerichtete Wäschefabrik Pfeiffer AG wurde 2000 von der amerikan. Firma Standard Textile Company Inc. übernommen. An die Stelle der Textilunternehmen traten nach und nach zahlreiche Firmen aus unterschiedl. Branchen. Schon seit dem 18. Jh. werden die Steinbrüche an der Linthbrücke und im Haltengut betrieben.

Die Gem. errichtete erst 1862 ein Schulhaus. Die Sekundarschule, die 1863-72 und dann ab 1883 geführt wurde, steht seit 1973 auch Schülern aus Kerenzen offen. Die 1846 gegr. Mädchenerziehungsanstalt (später Kinder- und Jugendheim) wurde 1983 geschlossen. Der 1782-84 erbaute Landsitz Haltli beherbergte 1850-70 und 1890-92 ein Töchterinstitut, seit 1912 werden die Gebäude von einem Sonderschulheim genutzt. Das Alters- und Pflegeheim Hof öffnete 1973. Der Militärflugplatz auf der Allmende wurde 1936 angelegt (seit 2005 Sportflugzeugplatz). Das Ortsbild von nationaler Bedeutung wird durch mehrere Herrensitze aus dem 17. und 18. Jh. bereichert.


Literatur
– H. Thürer, Gesch. der Gem. M., 1954
– R. Laur-Belart, «Hüttenböschen. Ein galloröm. Vierecktempel am unteren Ende des Walensees», in JbGL 60, 1963, 5-24
– C.H. Brunner, «Muren zwischen iren bergen. Zur Sondierung der Letzi Beglingen 1981», in JbGL 72, 1988, 35-46
M., 1995

Autorin/Autor: Karin Marti-Weissenbach