Gäu

Bez. SO seit 1988, ab 1798 Teil des helvet. Distrikts Balsthal mit gleichnamigem Hauptort. 1803 dem solothurn. Oberamt Balsthal zugeteilt, ab 1832 eigener Wahlkreis, der die Gerichte Oensingen und Egerkingen umfasste und 1841 die Bezeichnung Balsthal-G. erhielt. Seit 1986 Bez. und Wahlkreis in der Amtei Thal-G. (Hauptort Balsthal), an welche die beiden Bez. Thal und G. 2004 ihre Funktion als Wahlkreise abtraten. Der Bez. G. erstreckt sich über 62 km2 und umfasst die polit. Gemeinden Egerkingen, Härkingen, Kestenholz, Neuendorf, Niederbuchsiten, Oberbuchsiten, Oensingen und Wolfwil.

Geografisch und geschichtlich bezieht sich der Lokalname G. auf das Kernland der ehem. Landgrafschaft Buchsgau von Oensingen bis an die westl. Stadtgrenze von Olten, im Norden begrenzt von den Kämmen der ersten Jurakette und der Belchenflue, im Süden von der Aare. Am Jurafuss entstanden Schuttkegelsiedlungen, im Mittelgäu Strassensiedlungen mit z.T. gut erhaltenen röm. Grenzen sowie im Aaregäu Bachsiedlungen nahe des Flusses mit je einer Fähre. 1402 kaufte Solothurn eine Hälfte der Herrschaft Neu-Falkenstein im Thal, dazu auch die Vogtei Äusseres Amt Falkenstein im G. mit Egerkingen als Gerichtsort, Härkingen, Neuendorf und wahrscheinlich auch Wolfwil mit der Siedlung Far. 1415 gelangte Solothurn mit Bern in den Mitbesitz der Herrschaft Neu-Bechburg mit Oensingen; 1416 kamen Oberbuchsiten, Niederbuchsiten sowie Kestenholz dazu. Diese vier Siedlungen wurden bei der Teilung von 1463 Solothurns alleiniger Besitz. 1518 legte man auch Wolfwil mit Far zur Herrschaft Bechburg. Die fünf genannten Siedlungen bildeten bis 1798 die Vogtei Bechburg Oberes Amt mit dem Gerichtsort Oensingen. Bis zum Bau der Autobahnen A1 und A2 und der Eröffnung des Autobahnkreuzes Egerkingen war das G. vornehmlich agrarisch geprägt. Seither wurde es stark überbaut, und es entstanden u.a. Verteillager und Einkaufszentren.


Literatur
– J. und E. Pfluger, Solothurn. G., 1963
– U. Wiesli, Geographie des Kt. Solothurn, 1969

Autorin/Autor: Erich Schenker