Quinten

Ortsgem. der polit. Gem. Quarten SG. Abgeschiedene, idyll. Siedlung am Nordufer des Walensees, nur mit dem Schiff oder zu Fuss erreichbar, mit südländ. Klima ("Gandria der Ostschweiz"). Um 1300 Quinten. 1835 171 Einw.; 1986 31; 2000 56.

Trotz röm. Münzfunde bleibt die frühe Geschichte ungewiss. Der Name dürfte von der Hofnummerierung der bischöfl. Verwaltung in Chur stammen. Das Kloster Pfäfers verfügte ab dem 9. Jh. über Grundbesitz. Im 13. Jh. wurde Q. vom Hof Quarten, der nach Walenstadt pfarrgenössig war, verwaltet und kirchlich betreut. Vor 1438 gehörte Q. zur österr. Herrschaft Windegg, danach zur Landvogtei Gaster. 1523 wurde Q. Teil der Pfarrei Quarten, die sich im selben Jahr von Walenstadt löste. Die spätma. St.-Bernhards-Kapelle am Seeufer wich 1765 einem Neubau im Dorf. Die Genosssame erscheint urkundlich im 16. Jh. (1549 Streit mit Murg über Holzhaurechte in Q.). Weide-, Wald- und Alpnutzung bildeten bis Mitte des 20. Jh. die Lebensgrundlage. Die Bergwälder und die Alp Säls unterhalb der Churfirsten sind im Besitz der Ortsbürger. Die Gründung der Schiffbauerei Q. 1910 blieb ohne nachhaltige Entwicklung. Ohne Bahn- und Strassenverbindung machte Q. weder die Industrialisierung noch den wirtschaftl. Aufschwung nach dem 2. Weltkrieg mit. Auswanderung führte zur fast vollständigen Aufgabe des Dorfes. Die Schule wurde 1972 geschlossen. Der 1960 gegr. Schiffbetrieb Q. machte das Dorf zum Zentrum der Walenseeschifffahrt. Die folgende starke Zunahme des Tourismus brachte neue Arbeitsplätze ins Dorf. Seit Anfang April 2010 wird die Walenseeschifffahrt von Unterterzen aus geführt. Die Mehrheit der Erwerbstätigen lebt zu Beginn des 21. Jh. vom Tourismus und vom Rebbau. Die landwirtschaftl. Produktion nimmt generell ab, der Rebbau aber zu. Ein Teil des fruchtbaren Bodens ist mit Ferienhäusern (1960 19, 1970 60 Häuser) überbaut.


Literatur
– L. Pfiffner, Quarten, 1971
– G. Städler, Walensee-Schiffahrt, Linth-Schiffahrt, 1996

Autorin/Autor: Paul Gubser