29/11/2007 | Rückmeldung | PDF | drucken

Heerbrugg

Dorf in den polit. Gem. Au (SG), Balgach und Berneck, Region Rheintal. Industrie-, Verkehrs- und Dienstleistungszentrum des Mittelrheintals. 1303 Herbrugge. 1810 8 Häuser beim Schloss; 1900 500 Einw. (270 in Au, 230 in Balgach); 1941 865 (606/259); 1960 1'514 (1'194/320); 1990 2'782 (2'613/169). Die Festung Hêrburch, um 1078 vom St. Galler Abt Ulrich III. im Rheintal errichtet, ist nicht lokalisierbar. Das Schloss H. diente vor 1598 bis 1727 als Landsitz der Schobinger von St. Gallen. Neubau nach Brand 1774, Erweiterung und Turm 1910. 1839-71 im Besitz des Erziehers und Politikers Karl Völker (mit Schulinternat, landwirtschaftl. Versuchsbetrieb und ab 1858 Ziegelei). 1867-71 Übernahme von Schlossgut und Ziegelei durch Jakob Schmidheiny, der hier die Bedeutung seiner Fam. begründete. Die Eröffnung der Rheintalbahn 1858 machte H. zum Verkehrszentrum; 1897 Bau der Strassenbahnen nach Berneck und Altstätten, 1915 nach Diepoldsau; 1940 Aufnahme des Busbetriebs. Ab 1880 Entwicklung der Talsiedlung zwischen Berg und Bahnhof, 1902-14 unter wesentl. Einfluss des Architekten Johann Labonté in Bau, Infrastruktur und Planung. Den Haupterwerb bildeten die Ziegelei (hoher Italieneranteil in der Bevölkerung) und die Stickereiindustrie. Ab 1921 begannen Heinrich Wild und Jakob Schmidheiny junior mit dem Aufbau eines Optikwerks (seit 1989 Leica AG). Das demograf. Wachstum führte 1906 zur Gründung von Schule und Schulgemeinde, 1912 zur Bildung der kath. Kapellgenossenschaft, zum Bau der kath. (1943) und der evang. Kirche (1964). Seit 1954 besteht eine kath. Kirchgemeinde. Kantonsschule seit 1975.


Literatur
– M. Kaiser, «Johann Labonté, ein Rheintaler Jugendstil-Architekt», in Unser Rheintal 38, 1981, 115-125
Industriekultur am Bodensee, hg. von D. Stender, 1992, 63, 70
– W. Frei et al., Au und H. seit 1900, 1992
– L. Zoller, 50 Jahre Bruder-Klausen-Kirche H., 1993

Autorin/Autor: Markus Kaiser