Altenrhein

Orts-, Kirch- und Schulgem. in der polit. Gem. Thal SG. Offene Hofraumsiedlung am Ende einer Landzunge zwischen fossilen Armen des Rheindeltas. 890 wohl noch eine Insel. 983 Rinisgemünde, 1402 zum vornechtigen Rhin, seit dem 17. Jh. A. 1783 32 Haushaltungen; 1834 150 Einw.; 1902 307; 1991 648. 983 schenkte der Bf. von Konstanz A. als Stiftungsgut dem Kloster Petershausen (D). 1163 erhielt Rudolf von Pfullendorf Viehweiden bei A. als Lehen. Ab der Mitte des 14. Jh. waren Einkünfte und Besitzungen ze Rine bei den St. Galler Ministerialen von Rorschach. Im SpätMA bildete sich allmähl. eine Siedlung aus. Diese war 1469-1797 eine Hauptmannschaft im äbt. Gericht Rorschach und erhielt 1542 eine Hofrechts- und Einzugsordnung, 1639 eine äbt. Gemeindeordnung. Ortsbürgergeschlechter waren jahrhundertelang nur Noger und Dudler. Die vor 1556 erbaute Kapelle wurde 1842 zur Filialkirche erhoben. Bis 1914 zur Pfarrei Rorschach gehörig, wurde sie dann zur selbständigen Pfarrkirche und 1958 durch eine neue Kirche ersetzt. Neben der Bewirtschaftung von Feldern und Weiden lebte die Bevölkerung vorwiegend von Rhein und Bodensee (Fischerei, Schifffahrt, Totholz, Kies, Sand). Die Überschwemmungen von 1739, 1770 und 1817 zwangen zur Evakuierung der Dorfbevölkerung. Wuhre sind bereits 1639, Dammbauten 1783 belegt. Seit dem Fussacher Durchstich 1900 wird der Rheinlauf bei A. nur noch vom Rheintaler Binnenkanal gespeist und verödet. Die Ufer- und Riedlandschaft 1973 wurde unter Schutz gestellt. 1803 kam A. zur polit. Gem. Thal, wahrte jedoch seine Eigenständigkeit. 1926-27 entstanden der Flugplatz und das Dornier-Flugzeugwerk A., das 1949 in die Flug- und Fahrzeugwerke AG A. (Flug- und Fahrzeugwerke Altenrhein (FFA)) umgewandelt wurde. 1967 schlossen sich elf Gem. zum "Abwasserverband A." zusammen, der 1967-75 die Kläranlage baute. Heute ist A. ein Wassersport-, Tourismus- und Naherholungsgebiet.


Literatur
– R. Schuttanner, «Geschichtliches von A. und Umgebung», in Mitteilungsbl. des Verkehrsvereins A., 1980-86
– M. Kaiser, «Menschen im Rheindelta», in Das Rheindelta, 1991, 14-28

Autorin/Autor: Peter Müller