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Filzbach

Ehemalige politische Gemeinde GL, seit 2011 mit Bilten, Mollis, Mühlehorn, Näfels, Niederurnen, Oberurnen und Obstalden Teil der neuen Gemeinde Glarus Nord. Dorf und Streusiedlung auf der Terrasse des Kerenzerbergs oberhalb des Walensees. 1394 Vilentzspach. 1888 418 Einw.; 1900 407; 1950 393; 2000 542. Ruine eines Wachtturms aus augusteischer Zeit in Voremwald, der 16 n.Chr. verlassen wurde (archäolog. Ausgrabung 1959). F. kam erst im Zusammenhang mit dem Sempacherkrieg 1386 zu Glarus. Die Einwohner waren nach Schänis, ab dem 14. Jh. nach Obstalden kirchgenössig. Sie nahmen die Reformation 1528 an. Um 1400 entstand die sog. Hausrechtsgenossame, mit welcher die gemeinsame Nutzung der Wälder, Allmende und Alpen durch die drei Geschlechter, die westlich des Sallerntobels wohnten, geregelt wurde. Selbstversorgende Landwirtschaft bestand bis ins 17. Jh., Obstbau im 18. Jh. und Alpwirtschaft bis heute. Durch die Handspinnerei konnte der Wohlstand im 18. Jh. gesteigert werden. Die 1889 erbaute Seidenweberei wurde 1990 geschlossen. 1838 erfolgte die Einweihung des heutigen Primarschulhauses. Schon im 19. Jh. gab es in F. einen bescheidenen Tourismus. Seit 1926 beherbergt der Ort das Ferienheim Lihn des Blauen Kreuzes. Nach dem Bau der Walenseestrasse 1964 erfuhr der Tourismus einen Aufschwung. Zuerst wurden zwei Sesselbahnen gebaut, 1970 das Sportzentrum des Kt. Zürich, dessen Hallenbad 2002 renoviert wurde.


Literatur
– F. Legler-Staub et al., «Ein frühröm. Wachtposten bei F. auf dem Kerenzerberg», in JbGL 59, 1960, 5-32
– F. Stucki, Die Rechtsqu. des Kt. Glarus 4, 1985, 1943-60
150 Jahre Schulhaus F., 1988 (LBGL)

Autorin/Autor: Karin Marti-Weissenbach