Ennenda

Ehemalige politische Gemeinde GL, seit 2011 Teil der Gemeinde Glarus. Auf der rechten Seite der Linth gegenüber von Glarus am Fuss des Schilt gelegen. Sie besteht aus dem fächerförmigen E. mit dem am Abhang liegenden ältesten Dorfteil Oberdorf, dem Weiler Sturmigen, der Dorfschaft Ennetbühls und der Bergsiedlung Ennetberge. 1303-07 Obront-Ennant-A und Nydern-Ennant-A. 1554 204 Einw.; 1763 1'018; 1850 2'313; 1870 2'783; 1900 2'494; 1950 2'940; 1960 3'076; 2000 2'808. Wahrscheinlich besiedelten bereits die Kelten, dann die Alemannen das Gebiet. Bis 1395 war E. dem Kloster Säckingen abgabepflichtig. Die Einwohner waren nach Glarus kirch-, ab 1594 auch schulgenössig. 1528 erfolgte der Übertritt zur Reformation. 1774 wurde die ref. Kirche, 1775 das Pfarrhaus gebaut. Die Mehrheit der Ennetbühlser blieb bis 1877 bei der Kirche von Glarus.

Im MA wurde wohl weitgehend selbstversorgende Landwirtschaft betrieben. Erst nach Eindämmung der Linth im Verlauf des 16. Jh. konnte auch der ebene Talboden genutzt werden, vorerst als Allmende. Schon 1417 sind aber an dessen Rand Mühle, Säge, Hanf- und Flachsstampfe bezeugt. 1616 begann Jakob Bellersheim aus Hessen Schiefertische herzustellen. Dank des Aufschwungs dieses Gewerbes waren von Mitte des 17. Jh. bis Mitte des 18. Jh. zeitweise fast alle Haushalte an der Herstellung oder am europaweiten Export von Schiefertischen beteiligt. 1670 wurde eine Indigofärberei am Dorfbach bei Ennetbühls errichtet. Als Handelsdorf erlebte E. in der 2. Hälfte des 18. Jh. goldene Jahre. 1750 liess sich die “Wienerhandlung” Jenny-Aebli & Comp., eine der grössten Handelsgesellschaften der alten Eidgenossenschaft mit Hauptsitz in Wien, nieder, die Leinwand und Baumwolle nach Österreich, Ungarn, Polen und Russland ausführte. Im gleichen Zeitraum entstanden die “Deutschländerhandlung” der Firma Markus Oertli & Sohn in Riga sowie die “Holländer Handelsgesellschaft” Weber-Aebli & Comp. mit Niederlassungen in Amsterdam, London und St. Petersburg. Nach dem Untergang der Handelsfirmen etablierten sich im 19. Jh. v.a. Stoffdruckereien mit den charakterist. Tröcknetürmen (“Hänggitürme”). 1885 wurde die Feinpappenfabrik Tschudi & Cie. in Ennetbühls gegründet. Auf dem Talboden entstanden neue Wohnquartiere und prächtige Villen. Im 20. Jh. lösten neue Industriezweige die Stoffdruckereien ab (u.a. im Bereich Teppichherstellung, Metallwaren, Aufzüge, Elektroapparate, Konfiserieprodukte). 1786 wurde eine Schule im Pfarrhaus eröffnet, 1832 das erste Schulhaus des Kantons eingeweiht. 1880 folgte der Bau des Gemeindehauses. 1894 erstellte die Freie Evang. Gemeinde eine eigene Kapelle und gründete 1917 das Alters- und Pflegeheim Salem (Neubau 1987). 1922-24 wurde die Strasse in die Ennetberge gebaut. 1975 eröffnete das Alterswohnheim Bühli. 2000 waren mehr als die Hälfte der in E. Erwerbstätigen im 2. und über ein Drittel im 3. Sektor beschäftigt.


Literatur
– A. Jenny, Handel und Industrie des Kt. Glarus 1, 1898, 14-18
Glarner Nachrichten, 23.3.1961, (Beil.)
Evang. Kirche E., 1967
E., Ennetbühls: das Dorf mit Lebensqualität, 1989

Autorin/Autor: Karin Marti-Weissenbach