14/11/2005 | Rückmeldung | PDF | drucken

Engi

Polit. Gem. GL. Vorderstes Dorf im Sernftal, rechts des Sernf gelegen, bestehend aus den Teilen Vorderdorf, Dörfli und Hinterdorf. Um 1350 ze engi. 1777 267 männl. Glarner Bürger; 1850 1'197 Einw.; 1900 1'160; 1950 1'122; 2000 656. Die 1471 erwähnte Engibrücke war einst ein für den Talverkehr wichtiger Übergang. Bis 1395 bestanden Abgabepflichten gegenüber dem Kloster Säckingen. Ursprünglich nach Glarus kirchgenössig, gehört E. seit 1273 zur damals in Matt erbauten Kirche. 1528 Einführung der Reformation, heute ref. Kirchgem. Matt-E. 1984 Bau einer kath. Kapelle. 1408 Kauf der Gandalp vom Land Glarus als Allmendgebiet der Tagwanlüt ... ze Engi. Seit dem SpätMA Viehwirtschaft mit Alpsömmerung. Schieferabbau am Landesplattenberg spätestens vom 16. Jh. an bis 1961. In der 1. Hälfte des 19. Jh. Baumwoll-Handweberei. Die Krise der Handweberei und die Kartoffelkrankheit führten ab 1845 zu einer Auswanderungswelle, v.a. nach Nord- und Südamerika. 1855 galt E. als "Bettelgemeinde". Seit 1847 Textilindustrie. 1864 Gründung der "Weberei Sernfthal" durch Leonhard Blumer. Die schwere Krise der 1930er Jahre führte zum Verlust von Arbeitsplätzen und zwang zu einer Rationalisierung des noch Ende des 20. Jh. unter dem Namen Weseta bestehenden Unternehmens. 1905 Eröffnung der Sernftalbahn, 1969 Umstellung auf Busbetrieb. E. ist Domizil zweier Transportunternehmen, einer Lokalbank und Standort der taleigenen Kläranlage. Mit Matt bildet E. seit 1981 einen Schulkreis. Im Jahr 2000 waren rund ein Drittel der in E. Erwerbstätigen im 2. und die Hälfte im 3. Sektor beschäftigt.


Literatur
– H.C. Peyer, 100 Jahre Vereinigte Webereien Sernftal, Weberei Azmoos, 1964
– M. Baumgartner-Marti, Ein Bergtal öffnet sich, 1980
– K. Marti-Weissenbach, E. - Ein hist. Spaziergang, 1996

Autorin/Autor: Karin Marti-Weissenbach