Raurachische Republik

Erste Schwesterrepublik der Franz. Republik. Die R. wurde am 17.12.1792 offiziell ausgerufen und am 23.3.1793 durch die Vereinigung des nördl. Teils des Fürstbistums Basel mit Frankreich als Departement Mont-Terrible wieder aufgehoben. Sie ging aus den Unruhen im Fürstbistum hervor, das von franz. Freiwilligenbataillonen besetzt war: Am 27.4.1792 war Fürstbf. Franz Joseph Sigismund von Roggenbach geflohen, es folgte der Umsturz der sog. Vierundzwanzig (23 ehem. Staatsräte und Josef Anton Rengger), die sich am 27. November zur "Nationalversammlung" erklärt hatten. Schliesslich hatte General Armand Louis de Gontaut Biron, Kommandant der Rheinarmee, dazu aufgerufen, Abgeordnete zu wählen, um republikan. Institutionen einzurichten. Drei aufeinanderfolgende Versammlungen prägten die "freie und unabhängige R." Die erste, von Kommandant Odon Nicolas Demars, Johann Baptist Joseph Gobel und Rengger dominierte Versammlung vom 17.12.1792 bis 8.1.1793 wurde vom franz. Aussenminister als widerrechtlich erklärt, da die Ausarbeitung einer Verfassung in polit. Kämpfen untergegangen war. Die zweite Versammlung vom 8. Januar bis 16. Februar erschöpfte sich in Debatten über die Zulassung von Gemeindevertretern und in internen Kämpfen. Die Rückberufung Demars läutete schliesslich das Ende dieser Institution ein, in der Renggers Partei die Macht erneut an sich gerissen hatte. Die Versammlung wurde von General Jean Etienne Philibert Desprez-Crassier aufgelöst, als zwei raurach. Abordnungen sich vor dem franz. Nationalkonvent gegenseitig angriffen. Am 7. März versprach die dritte Nationalversammlung die Einrichtung eines eigenen Verwaltungsbezirks sowie die Anerkennung des kath. Glaubens und beschloss in einer manipulierten Abstimmung die Angliederung an Frankreich, was als "frei geäusserter Wunsch des souveränen Volks des Landes Pruntrut" ausgelegt wurde.


Literatur
– G. Gautherot, La Révolution française dans l'ancien évêché de Bâle 2, 1908
– J.-R. Suratteau, Le Département du Mont-Terrible sous le régime du Directoire, 1964, 33-38
– P. Froidevaux, «Le destin de l'évêché de Bâle», in 1798-1998 Mulhouse, 1997, 119-123

Autorin/Autor: André Bandelier / ANS