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Elm

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Ehemalige politische Gemeinde GL, seit 2011 mit Betschwanden, Braunwald, Engi, Haslen, Linthal, Luchsingen, Matt, Mitlödi, Rüti, Schwanden (GL), Schwändi und Sool Teil der neuen Gemeinde Glarus Süd. Hinterstes Dorf im Sernftal mit den Weilern Sulzbach, Schwändi, Müsli, Untertal, Vogelsang, Töniberg, Obmoos, Steinibach und Wald. Ausgangsort diverser kleinerer Alpenübergänge sowie des Panixerpasses. 1344 Elme. 1730 516 Einw.; 1789 765; 1850 1'051; 1900 913; 1950 867; 1990 791; 2000 761. Ursprünglich der Kirche Glarus zugehörig, ab 1273 nach Matt kirchgenössig, das damals eine Pfarrkirche erhielt. 1493 päpstl. Erlaubnis zum Bau einer Filialkirche in E. 1528 Einführung der Reformation mit Bildersturm (22. März). 1594 Loslösung von der Mutterkirche Matt. Alpwirtschaft (Schafhaltung) schon für 1000 nachgewiesen. Bis ins 17. Jh. hauptsächlich selbstversorgende Landwirtschaft, die in der 1. Hälfte des 18. Jh. durch Baumwollspinnerei in Heimarbeit ergänzt wurde. Im 17. Jh. starke Zunahme der Alpsömmerung von Rindern für den Viehexport nach Oberitalien (Welschlandhandel), der 1750 in dieser Region seinen Höhepunkt erreichte. 1547 erste Erwähnung des Wichlenbads, das bis zu seiner Verschüttung 1762 rege benutzt wurde. Mehrere charakteristische Holzbauten sind erhalten, so das Grosshaus (1585/86) und das Zentnerhaus (1799). Das Suworowhaus (1671 renoviert, 1772 erweitert) verdankt seinen Namen einer Übernachtung des russ. Generals Suworow, bevor dieser am 5.10.1799 mit seinem Heer den Panixerpass überquerte. Seit Mitte des 18. Jh. eigene Schule. Ab 1861 am Tschingelberg intensive Gewinnung von Schiefer, der zu Schreibtafeln und Griffeln verarbeitet wurde. Unsachgemässer Abbau führte am 11.9.1881 zum Bergsturz, der in drei Schüben 114 Menschen und 83 Gebäude unter sich begrub. Das 1898 eröffnete Kurhaus erlebte seine Blütezeit vor 1914; später wurde es das Altersheim der drei Sernftaler Gemeinden. Ab 1905 verband ein elektr. Strassenbahn E. mit Schwanden; sie wurde 1969 durch einen Busbetrieb ersetzt. Die 1929 gegr. Mineralquellen Elm AG ist bis heute der einzige Industriebetrieb. Die tourist. Erschliessung des Skigebiets am Schabell seit 1973, am Pleus seit 1982 und die Nutzung der Alp Wichlen ab 1978 als Panzerübungsplatz brachten wirtschaftl. Aufschwung. Für die Erhaltung des Dorfbilds erhielt E. 1976 eine Auszeichnung des Europarats und 1981 den Wakker-Preis. Bei einer land- und alpwirtschaftl. Nutzfläche von 4'600 ha zählte 2000 noch etwa ein Viertel der Arbeitsplätze zum 1. Sektor.


Literatur
– W. Fromm, « Vor 100 Jahren: Der Bergsturz von E.», in Neujahrsbote für das Glarner Hinterland 15, 1981, 7-53
– K. Hürlimann, «50 Jahre Mineralquellen E.», in Neujahrsbote für das Glarner Hinterland 15, 1981, 137-143
– U. Schelbert, «E. und seine Schieferbrüche», in Neujahrsbote für das Glarner Hinterland 15, 1981, 54-107
– W. Fromm, Chronik der Gem. E., 1985
Das Martinsloch zu E., 1996
Am Tag danach, hg. von C. Pfister, 2002, 113-130

Autorin/Autor: Karin Marti-Weissenbach