Val-de-Ruz (Tal)

Bezirk NE, der die Gem. V. und Valangin umfasst. Das V., dt. früher Rudolfstal, ein muldenförmig zwischen Höhenzügen des Juras eingebettetes Tal mit einer Fläche von 128 km2, liegt zwischen den Städten La Chaux-de-Fonds und Neuenburg. Der 1848 gebildete Bezirk entspricht dem Gebiet der ehem. Mairie V. (Herrschaft Valangin); Montmollin gehörte jedoch erst ab 1888 dazu. 1750 3'866 Einw.; 1800 5'402; 1850 7'197; 1900 9'622; 1950 8'691; 2000 14'528. Hauptort war 1848-77 Fontaines, der geogr. Mittelpunkt des V., dann Cernier, das wirtschaftl. Zentrum und die bevölkerungsreichste Gemeinde. Letztere beherbergt die Sekundarschule des V. sowie die Ecole cantonale des métiers de la terre et de la nature, die aus der ehemaligen kant. Landwirtschaftsschule hervorging. In Cernier finden auch diverse kulturelle Anlässe von regionaler Bedeutung statt. Das V. setzte früh auf interkommunale Zusammenarbeit, so ab 1880 beim Oberstufenunterricht oder ab 1903 bei der Regionalbahn Les Hauts-Geneveys-Villiers, die 1948 durch einen Trolleybus ersetzt wurde, der wiederum 1986 einem Autobus wich. Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Unterrichtswesen wurden jeweils im Rahmen interkommunaler Zweckverbände geregelt, die das Gemeindegesetz von 1964 einführte. Dank dem Bundesgesetz über Investitionshilfe für Berggebiete konnte die Association Région V., welche die Gem. des V. sowie Lignières, Enges, Rochefort und Brot-Dessous zusammenfasst, ab 1983 weitere Projekte wie Verwaltungs-, Schul- und Sportzentren fördern. Ein interkommunaler Sozialdienst besteht seit 1999. Ab 1970 traten KMU in den Bereichen Mikromechanik und Informatik an die Stelle der Uhrenindustrie. Landwirtschaft wird weiterhin betrieben, doch die Zahl der Bauernhöfe ist rückläufig. In fast allen Dörfern wurden ab den 1960er Jahren Wohnzonen ausgeschieden. 2011 haben die Generalräte des V. - ausser demjenigen von Valangin, das sich aus dem laufenden Verfahren zurückzog - eine Vereinbarung zum Zusammenschluss der Gem. angenommen, der die Bürger der jeweiligen Gem. im gleichen Jahr mit über 64% Ja zustimmten. Mit der Fusion 2013 entstand die neue Gem. V.


Literatur
– M. Evard, Le V. dans la seconde moitié du XIXe siècle, 1980
– M. Evard, Le V. à la Belle Epoque, 1990

Autorin/Autor: Maurice Evard / AHB