Nyon (Herrschaft, Bezirk)

Ab dem 10. Jh. Herrschaft, 1536-1798 bern. Vogtei, 1798-1803 Bez. des Kt. Léman, seit 1803 Bez. des Kt. Waadt. Dt. früher Neuss. 1850 10'764 Einw.; 1900 14'471; 1950 16'494; 2000 61'974. N. war im 10. Jh. eine burgund. Grafschaft und kam 1032 zum Erzbistum Besançon, das die Grafschaft in den 1130er Jahren aus administrativen Gründen den Herren von Prangins als Lehen überliess. 1272 gingen die Hoheitsrechte über Stadt und Herrschaft N. an das Haus Savoyen über, das sie erst nach langem Kampf gegen die Herren von Prangins 1293 mit Waffengewalt durchsetzen konnte. Nach der Eroberung der Waadt 1536 übernahm Bern die Herrschaft. Die Kirchengüter und regionalen kirchl. Einrichtungen (Priorat und Franziskanerkloster in N., Kartäuserkloster in Oujon, Priorate in Bassins und Genolier) wurden während der Reformation säkularisiert. Bern trat sowohl die weltl. als auch die kirchl. Herrschaft an und organisierte das Gebiet als Vogtei mit Zentrum N., das mit Moudon schon vorher Sitz der savoy. Freiherrschaft Waadt gewesen war. Nur die Dörfer Arzier-Le Muids, Bassins, Eysins, Saint-Cergue, Signy-Avenex und Trélex unterstanden direkt der Vogtei, die anderen wurden von Lehensherren verwaltet. N. war auch Sitz des Vogteigerichts. Das Gerichtswesen umfasste 13 Gerichtshöfe und die zehn Pfarreien zählten 17 Sittengerichte. Das bedeutende Angebot an Feudalbesitz um N. zog im 18. Jh. mehr als andernorts viele Käufer an. Von da an liess sich in N. eine gebildete Elite nieder, die Karl Viktor von Bonstetten als einen Anhänger der Aufklärung erkannte und ihn als besten Landvogt (1787-93) lobte. 1798 bildete N. mit der Vogtei Bonmont einen Bezirk mit 32 Gemeinden, unterteilt in die vier Kreise N., Begnins, Coppet und Gingins. 2006 wurde der Bez. Rolle und der westl. Zipfel des Bez. Aubonne in den Bez. N. integriert, der nun 47 Gemeinden umfasste. Der Bezirk entwickelte sich seit den 1960er Jahren dank handwerkl. Kleinbetriebe, Dienstleistungen und Mikrotechnik, aber auch Wein- und Obstbau konnten sich halten. 2003 wurde ein Regionalrat für Wirtschaftsförderung gegründet.


Literatur
– E. Pélichet, N., 1947
– L. Bridel, Les grands traits de l'évolution de la population du district de N., 1965
– G. Dous, Le district de N., 1991

Autorin/Autor: Patrick-R. Monbaron / BE