08/10/2009 | Rückmeldung | PDF | drucken

Aubonne (Herrschaft, Bezirk)

Vom 11. Jh. bis 1701 Adelsherrschaft, bis 1798 bern. Vogtei, dann helvet. Distrikt bzw. ab 1803 Bezirk des Kt. Waadt, der sich von den Rebhängen am Genfersee bis zu den Jurahöhen erstreckt. Die erste gesicherte Erwähnung eines Herrn d'A. fällt in die 2. Hälfte des 11. Jh., genealog. Zusammenhänge werden erst im 12. Jh. genauer fassbar. Von den drei Brüdern, die 1234 der Stadt A. ihre Freiheiten bestätigten, verkaufte der älteste, Guerricus, 1255 Burg, Stadt und Spital dem Gf. Peter II. von Savoyen, dem der Sohn seines Bruders Jakob, Begr. der Linie der Mitherren von A., bereits 1242 gehuldigt hatte. Die Herrschaft A. fiel später als savoy. Lehen an die Thoire-Villars, danach an die Alamandi und schliessl. an Wilhelm von Grandson. 1393 wurde sie dessen Sohn Otto III. entfremdet und den Gf. von Greyerz verliehen. Bis zum Rückkauf der Freiherrschaft Waadt durch den Gf. von Savoyen 1359 und bis zur Ausdehnung des Waadtländer Landrechts gehörte A. zur Grafschaft Genf. Danach sassen die Herren von A., die sich als Frh. bezeichneten, in den Waadtländer Landständen. Von den Burgunderkriegen blieb A. 1476 verschont, da der Gf. von Greyerz ein Verbündeter der Eidgenossen war. 1536 unterwarf sich A. widerstandslos den bern. Truppen, blieb aber bis 1553 im Besitz der Gf. von Greyerz. In der Folgezeit wechselte die Herrschaft häufig den Besitzer. 1670 kaufte sie der Franzose Jean-Baptiste Tavernier, 1685 Henri Duquesne, der sie 1701 Bern verkaufte. Die Mitherrschaft A. blieb zunächst noch in den Händen einer Linie des Hauses d'A. Als diese 1448 im Mannesstamm ausstarb, kam die Mitherrschaft im Erbgang an die de Menthon, welche ihrerseits 1556 ihre Besitzungen innerhalb der Stadt A. dem damaligen Herrn von A. verkauften. Die zur Mitherrschaft gehörigen Besitzungen ausserhalb der Stadt (hors les franchises) wechselten häufig den Besitzer und wurden schliessl. von Gabriel-Henri de Mestral 1754 Bern verkauft. Die Vogtei A. war eher klein. Verglichen mit dem Bez. A. gehörten nicht zu ihr: Apples (Exklave der Vogtei Romainmôtier), Berolle, Bière, Mollens, Saint-George, Saint-Oyens und Bougy (Teil der Vogtei Morges, heute Bougy-Villars). Dagegen gehörten zur Vogtei A.: Burtigny (heute Bez. Rolle), Etoy, Lavigny und Yens (alle drei heute Bez. Morges). Die Vogtei verfügte über drei Gerichte (A., Etoy, Gimel) und weitere Lehnsgerichte. Kirchl. bildete A. ein Kolloquium im Kapitel Morges. 1798 wurde A. ein Distrikt des helvet. Kt. Waadt. Die bestehenden Grenzen des Bez. A. wurden jedoch erst 1803 festgelegt. Er umfasst heute 17 Gem., die drei Gerichtsbez. A., Ballens und Gimel.


Literatur
– L. de Charrière, Les dynastes d'A., 1870
– G. Castelnuovo L'aristocrazia del Vaud fino alla conquista sabauda, 1990

Autorin/Autor: Jean-Jacques Bouquet / AW