Haut-Rhin

Franz. Departement mit Hauptort Colmar (dt. Oberrhein). H. ist nicht zu verwechseln mit dem Oberrhein. Kreis, der einer der zehn Reichskreise des Hl. Röm. Reiches war und u.a. Worms, Speyer, Strassburg und Basel umfasste. Im Dez. 1789 erfolgte die Aufteilung der Provinz Elsass in H. und Bas-Rhin. 1798 wurde H. um das mit Frankreich vereinigte Mülhausen erweitert. Als 1800 mit der Gebietsreform durch das Konsulatsregime das Dep. Mont-Terrible aufgelöst und dem H. zugeteilt wurde, wurden das ehemalige Fürstbistum Basel und die Grafschaft Montbéliard dem Elsass zugeschlagen. Das Gebiet reichte also von der Umgebung Schlettstadts bis nach Biel und La Neuveville. Neben Colmar umfasste der H. vier weitere sog. Arrondissements communaux (Altkirch, Belfort, Delsberg und Pruntrut), die je von einem Unterpräfekten verwaltet wurden. Die Zentralisierung unter Napoleon führte in den beiden jurass. Arrondissements zur Wiederherstellung der Gem. und Pfarreien. Nach dem Wiener Kongress 1815, der das ehemalige Fürstbistum mit Bern und Basel vereinte, herrschte bei den Zeitgenossen der Eindruck vor, ein Teil der Grande Nation sei diesen beiden Kantonen einverleibt worden.

Das Konsulatsregime schaffte sich dank stabiler Regierung und geschickter Propaganda Sympathien. Die Wiedereinführung des Kultes im neuen Bistum Strassburg sowie im Rahmen der ref. und luther. Konsistorien, die Eröffnung von Kollegien in Pruntrut, Monbéliard und Delsberg unter Aufsicht der Akad. von Strassburg trugen ihren Teil dazu bei. Für lange Zeit beeinträchtigten weder die hohe Belastung durch direkte und indirekte Steuern noch die Kriege im Ausland den Mythos Napoleons I. als siegreichen Helden, der die Schäden der Revolution beseitigt hatte.

Der Friede von Paris vom 30.5.1814 bestätigte die Souveränität Frankreichs über die Stadt Montbéliard, die vom Dep. H. getrennt wurde. 1816 wurde Montbéliard anstelle von Saint-Hippolyte eine Unterpräfektur des franz. Departements Doubs. Das Dep. H., das nur noch aus dem Oberelsass bestand, wurde zum Spielball in den franz.-dt. Konflikten. Nach der Bismarck'schen Reichsgründung bildete H. einen der drei elsäss. Bezirke des Reichslandes Elsass-Lothringen. Nach dem Verlust von Belfort, das bei Frankreich blieb, gehörte H. 1871-1918 und 1940-44 zum Dt. Reich, 1918-40 und seit 1944 zu Frankreich. Im Zuge der Dezentralisierungsreform (Gesetz vom 2.3.1982) wurden die Dep. Bas-Rhin und H. zur neuen Region Elsass zusammengefasst.


Literatur
– F. L'Huillier, Recherches sur l'Alsace napoléonienne, 1947
Histoire de l'Alsace, hg. von P. Dollinger, 1970
– A. Bandelier, Porrentruy, sous-préfecture du H., 1980
Nouveau dictionnaire de biographie alsacienne, 1982-
– M. Hau, L'industrialisation de l'Alsace (1803-1939), 1987

Autorin/Autor: André Bandelier / MD