10/08/2004 | Rückmeldung | PDF | drucken

Birseck (Vogtei)

Das Kernstück der Herrschaft B. bildete eine Schenkung in Arlesheim, welche die hl. Odilie 708 dem elsäss. Kloster auf Hohenburg machte. Die zuletzt an die Gf. von Frohburg vergebene Kastvogtei über diesen Besitz führte zur Bildung eines von land- und pfalzgräfl. Rechten exemten Vogteibezirks. 1239 erwarb der Fürstbf. von Basel die Vogtei B., zu welcher der Twing und Bann über die Dörfer Arlesheim, Reinach, Oberwil, Allschwil, Hochwald und Füllinsdorf, die Vordere B. und in geringem Umfang damit direkt verbundener Grundbesitz gehörten. Der Bischof setzte auf die Vordere B. einen Amtmann, der die Vogtei B. und benachbarte bischöfl. Besitzungen und Rechte verwaltete. 1373-1435 war die Vogtei B. an die Herren von Ramstein verpfändet. 1439 ging Füllinsdorf durch Verpfändung für immer verloren. In den folgenden Jahrzehnten wurde B., nunmehr auch als Amt bezeichnet, territorial erweitert und herrschaftlich geschlossen. 1459 kam in Therwil ein Meierhof mit eigenem Twing und Bann als habsburg. Lehen hinzu. 1477 löste der Fürstbischof die verpfändete Dorfherrschaft über Binningen und Bottmingen. 1509 erzwang Solothurn den Verkauf von Hochwald. Therwil und Ettingen wurden 1522 von den Gf. von Thierstein übernommen und in das bischöfl. Amt B. eingegliedert; von diesem Zeitpunkt an wurde auch die Bezeichnung "Herrschaft B." gebräuchlich. 1467-1719 waren dem Vogt von B. auch die rechtsrhein. Dörfer des Fürstbistums als "Niederes Amt" unterstellt.

Reinach, Oberwil, Ettingen, Allschwil und Therwil traten 1525 in das Burgrecht der Stadt Basel ein und wandten sich der Reformation zu, blieben aber unter bischöfl. Obrigkeit. 1534 kaufte die Stadt Basel dem Fürstbischof die Dörfer Binningen und Bottmingen ab. Unter Fürstbischof Jakob Christoph Blarer von Wartensee setzte 1581 die Gegenreformation ein: 1585 musste die Stadt Basel im Vertrag von Baden in die fakt. Entkräftung ihres Burgrechts mit den Birsecker Gemeinden einwilligen. Die Fürstbischöfe bauten in den folgenden Jahrzehnten ihre landesherrl. Stellung entscheidend aus. 1627 waren alle Dörfer des B. rekatholisiert, und der Fürstbischof erliess eine für das ganze Amt gültige Dorf- und Gerichtsordnung. Während des Dreissigjährigen Kriegs litt das B. schwer unter durchziehenden Armeen. An den Landestroublen von 1730-40 war die Bevölkerung nur am Rande beteiligt. 1792 wurde das B. durch franz. Truppen besetzt. Nach kurzer Zugehörigkeit zur Raurachischen Republik (Nov. 1792-März 1793) stand das B. bis 1814 als Teil der Dep. Mont-Terrible (1793-1800) und Haut-Rhin (1800-14) unter franz. Herrschaft. Der Wiener Kongress schloss das B. als Bezirk dem Kt. Basel an. Seit der Kantonstrennung von 1833 gehört das Gebiet zum Bez. Arlesheim des Kt. Basel-Landschaft.


Literatur
– H. Berner, Gem. und Obrigkeit im fürstbischöfl. B., 1994
– K. Weissen, "An der stuer ist ganz nuett bezalt", 1994

Autorin/Autor: Kurt Weissen