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Stansstad

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Polit. Gem. NW, zu der auch Kehrsiten, Obbürgen, Fürigen sowie der Weiler Rotzloch gehören, am Fusse des Bürgenstocks, an der Seeenge zwischen Alpnacher- und Vierwaldstättersee gelegen. Um 1160 Stansstad, 1199 in littore Stannis. 1850 778 Einw.; 1900 851; 1950 1'318; 1970 2'469; 2000 4'325.

Die erste neolith. Seeufersiedlung am Alpennordrand aus dem 5.-4. Jt. v.Chr. wurde 2003 vor Kehrsiten entdeckt. Am Lopper, bei der sog. Loppburg, ist eine jungsteinzeitl. bis frühma. Höhensiedlung nachgewiesen, nicht aber eine ma. Burg. Die verkehrspolit. Schlüsselposition S.s für die Brünigroute sowie für Nidwalden und Engelberg verdeutlichen die hoch- bis spätma. Uferbefestigungsanlagen, die sog. Palisaden, sowie der Schnitzturm. Dieser wurde in der 2. Hälfte des 13. Jh. als Wehr- und Wohnturm gebaut und wird als Rest einer kleinen Burganlage zu Verwaltungs- und Repräsentationszwecken interpretiert. Die ab 1538 belegte Sust des Klosters Engelberg in S. diente auch den Nidwaldner Landleuten als Warenlager. Nach der Zerstörung von S. durch die franz. Armee 1798 baute Nidwalden zusammen mit Engelberg die Sust wieder auf. S. erwarb diese 1979 vom Kanton und liess sie 1989-91 renovieren; heute wird sie für Kulturveranstaltungen genutzt.

Als Vorläuferin der seit 1850 bestehenden polit. Gemeinde lässt sich ab dem 13. Jh. eine Ürte nachweisen. Um 1420 spaltete sich diese von der Genossenkorporation Stans ab und schloss sich mit der Ürte von Kehrsiten sowie 1480 mit derjenigen von Obbürgen zusammen. Für S. ist 1502 eine erste Kapelle St. Christophorus bezeugt. 1942-43 wurde die Pfarrkirche hl. Familie in S. errichtet. Bis 1958 kirchlich zu Stans gehörig, bildet S. seither eine eigene Pfarrei, Obbürgen seit 1973. Kehrsiten gehört weiterhin zur Pfarrei Stans.

Bis ins 20. Jh. blieb S. ein bäuerlich geprägtes Fischerdorf. Allerdings war sowohl für die Protoindustrialisierung als auch für die Industrialisierung das Rotzloch wichtig. Mit der Eröffnung der Hotels auf dem Bürgenstock 1873 entwickelte sich S. zu einem bekannten Kur- und Fremdenort. Der Bau der ersten Achereggbrücke brachte S. und dem Kt. Nidwalden 1860 den Anschluss ans Strassennetz der übrigen Schweiz. Mit dem Ausbau der 1898 eröffneten S.-Engelberg-Bahn zur Luzern-Stans-Engelberg-Bahn gelang 1964 auch der Anschluss an den schweiz. Schienenverkehr (seit 2005 Zentralbahn). 1966 erfolgte die Eröffnung der Autobahn Luzern-Stans. S. verdankt der optimalen Verkehrslage einen Boom, der noch zu Beginn des 21. Jh. anhielt. Zu den Sehenswürdigkeiten der Gem. zählt das Festungsmuseum Fürigen, eine Réduit-Stellung der Schweizer Armee aus dem 2. Weltkrieg.


Literatur
Kdm Unterwalden, 21971, 976-1004
S. aktuell: Gemeindeinformationen S., Kehrsiten, Obbürgen, [1995]-
– J. Obrecht, P. Gutzwiler, Die Loppburg - eine befestigte Höhensiedlung, 2007

Autorin/Autor: Christoph Baumgartner