Willisau (Vogtei, Amt)

Ehem. Landvogtei sowie Amt und Wahlkreis im Kt. Luzern. W. bildete den zentralen, zur habsburg.-gräfl. Burg W. gehörenden Besitz, aus dem sukzessive Twing- und Bannrechte abgeleitet wurden. Die Habsburger übergaben die Grafschaft, zu der die Landgerichtsstätten Egolzwil und Buchen bei W. gehörten, 1321/24 pfandweise den Frh. von Hasenburg. Kirchensatz und -vogtei der ausgedehnten Pfarrei W. könnten im 12. Jh. Besitz der kaum belegten Frh. von W. gewesen sein und erscheinen 1245 bei den Frh. von Hasenburg. Diese vereinten mit Kirchenvogtei und Grafschaft die Grundlagen des späteren Amts. Sie erbauten nach der Mitte des 13. Jh. die Hasenburg und gründeten Anfang 14. Jh. die Stadt W. Über eine Erbtochter gelangte der Komplex W. in den 1360er Jahren an die Gf. von Aarberg-Valangin, die ihn mit Verpfändungen, Darlehens- und Steuerforderungen überluden. 1407 verkauften ihn die Witwe und Kinder des Gf. Johann II. an Luzern. Das Freiamt bzw. die Grafschaft, immer noch österr. Pfand, wurden nun der luzern. Oberhoheit unterstellt.

Im MA hatten auch andere Herren Rechte in W.: Den Kyburgern gehörten die Herrschaften Kasteln und Wikon, dem Stift Beromünster Langnau bei Reiden, den Gf. von Rapperswil die Einsiedler Vogtei. Mehrere Burgstellen bei W. erinnern an die Vielfalt der Herrschaften, so die bereits um 1300 aufgegebene Burgstelle Gütsch der Frh. von Wediswil, die einen Viertel des Twings W. besassen, die Hasenburg und die über dem Landgerichtsplatz Buchen (Fronhof?) erbaute, 1386 von Hzg. Leopold zerstörte, ursprünglich habsburg. Burg W. Die Hasenburger errichteten auch in der Stadt eine im 15. Jh. verschwundene kleine Burg.

Das Freiamt reichte bis Schöftland und Murgenthal. Darin lebte u.a. ein Drittel der Wolhuser, die dem Amt Ruswil dienst- und abgabenpflichtig waren. Sie wurden 1459 weitgehend dem Amt Ruswil zugeteilt. Der auf der Vogtei über Freie beruhende Blutgerichtssprengel W. wurde von Luzern im 15. Jh. instrumentalisiert zur Durchsetzung hochgerichtl. und landesherrl. Ansprüche in Grenzräumen, v.a. im Norden. Die nach dem Erwerb durch Luzern neu gebildeten Vogteien Wikon und Knutwil blieben weiterhin der Willisauer Blutgerichtsbarkeit unterstellt; das Suhrental bei Büron und Triengen, ebenfalls ein Teil der alten Grafschaft, wurde nach 1455 zu einem eigenen Amt erhoben. Bis 1798 bildete Bognau bei Sursee eine Exklave des Amts.

Der Luzerner Vogtei stand jeweils ein Kleinrat vor, der nach dem Bauernkrieg 1653 in W. residierte. 1690-95 wurde das repräsentative Landvogteischloss durch Landvogt Franz Bernhard Feer gebaut. Ein Willisauer Amtsrecht erscheint 1437. Die Landgerichtsstätte Egolzwil wurde aufgehoben. Das Stadtgericht W. fungierte seit dem 15. Jh. zugleich als Amtsgericht, d.h. es war Appellationsgericht für das ganze Amt sowie Zivilgericht für gewisse Gebiete. Der Schultheiss amtierte als Statthalter des Landvogts, der Stadtschreiber als Amtsschreiber. Im Zwiebelnkrieg (1513-15), der durch einen Konflikt um den Schultheissen von W. ausgelöst wurde, und im Bauernkrieg (1653) trat das Amt als einer der führenden Träger des Konflikts hervor, formulierte Forderungen und stand dabei gelegentlich in Gegensatz zur Stadt W. In der Helvetik wurde das Amt vorübergehend zu einem um die Nord- und Ostgemeinden wesentlich reduzierten und um Grosswangen erweiterten Distrikt umgewandelt. 1803-14 war der Gerichtsbezirk Dagmersellen dem Amt Sursee zugeteilt. 1831 kam Menznau zum Amt.


Quellen
SSRQ LU II, 1-3
Literatur
– F. Glauser, J.J. Siegrist, Die Luzerner Pfarreien und Landvogteien, 1977
– A. Bickel, W., 2 Bde., 1982

Autorin/Autor: Waltraud Hörsch