Ruswil (Vogtei)

Ehem. Amt in der Herrschaft Wolhusen, später bis 1798 Luzerner Landvogtei. Das Gebiet gehörte zur inneren und äusseren Burg Wolhusen, die in der Pfarrei R. lagen. Die Inhaber der inneren Burg beanspruchten das hohe Gericht. Im Sempacher Krieg 1386 übernahm Luzern die Herrschaft Wolhusen, der ab etwa 1392 ein Vogt aus dem Luzerner Kl. Rat vorstand und die um 1396 in die Ämter R. und Entlebuch aufgeteilt wurde. Ebenfalls 1392 wird ein Vogt zu R. erwähnt. Das Amt R. umfasste die Kirchgänge Buttisholz, Grosswangen, Menznau und Geiss (Gem. Menznau) sowie einen Grossteil des Kirchgangs R., Grossdietwil jedoch nicht mehr. Neues Verwaltungszentrum war das Dorf R. und das Landgericht tagte in Buholz (Gem. R.). Um 1400 dehnte sich R. mit Berufung auf alte Wolhuser Blutgerichtsbereiche und mit Luzerner Hilfe in österr. Gebiete bis vor Sursee und ins Eiamt (Michelsamt) aus. 1443 wurden die Grenzen zum Eiamt ausgemarcht, 1424 und 1459 expandierte R. auf Kosten der Grafschaft Willisau. Die aus der Zeit der Frh. von Rothenburg herrührenden Rothenburger Exklaven Sigigen und Honig im Amt R. existierten bis zur Helvetik und wurden im 19. Jh. in die Gem. R. integriert. Das Amt wurde durch neun Geschworene vertreten. 1513 ging von R. der Zwiebelnkrieg aus, in dem sich die Amtleute gegen die Einschränkung der polit. Mitsprache sowie die obrigkeitl. Sold- und Pensionenpolitik wehrten. Ab 1627 existierten Gerichtsbücher. Während der Helvetik war R. ein Distrikt, ohne Grosswangen und die Nottwiler Höfe, aber um Schachen (heute Gem. Werthenstein) und das Amt Malters erweitert. 1814 wurde das alte Amt R. mit veränderter Nordgrenze als Gerichtsbezirk des Amts Sursee wiederbelebt (ab 1831 ohne Menznau). Der Gerichtsbezirk R. ging 1912 im Amtsgericht Sursee auf.


Literatur
– F. Glauser, J.J. Siegrist, Die Luzerner Pfarreien und Landvogteien, 1977, v.a. 52-65
R., 1987

Autorin/Autor: Waltraud Hörsch