Emmetten

Polit. Gem. NW, entstanden 1850 als Bezirksgemeinde. 1877 bildete sich die Schulgemeinde als selbstständige Institution. Strassendorf entlang der Kantonsstrasse Beckenried-Seelisberg beidseits des Übergangs "Egg" am Vierwaldstättersee. Um 1160 Empnoten. 1743 378 Einw.; 1850 659; 1860 603; 1880 632; 1900 593; 1950 680; 2000 1'184. Urspr. Streusiedlung. 1150 wird E. erstmals urkundlich in einem Urbar des Klosters Engelberg erwähnt. 1348 trennte sich die Ürte E. zusammen mit Beckenried von Buochs und Ennetbürgen, 1732 löste sie sich auch von Beckenried. 1367 entstand in E. eine Filialkapelle der Pfarrkirche Buochs. Seit dem Abkurungsstreit 1454-90 ist E. faktisch, seit 1593 wohl auch de jure eine selbstständige Pfarrei. 1479 wurde die St. Jakobskirche errichtet, 1614-15 wegen eines Erdbebens neu erbaut (1932-33 ersetzt). 1710 folgte der Neubau des Beinhauses mit dem "Totentanz" (heute in der 1791 erbauten Heiligkreuz-Kapelle). 1741 gingen beim Brand des Pfarrhauses die Tauf- und Sterbebücher verloren.

Wirtschaftlich war E. bis weit ins 20. Jh. hinein von der Landwirtschaft geprägt (Milchproduktion und Rinderzucht, ausgedehnte Alpen auf Niederbauen, Oberbauen und im Choltal). Käsespeicher im Choltal (1998 unter Denkmalschutz gestellt) zeugen von der Hartkäseproduktion. Holzverarbeitung war eine weitere Einnahmequelle. Im 19. Jh. scheiterte der Versuch, mit (Verlags-)Seidenweberei den Verdienst der Bevölkerung aufzubessern. Das 1863 erbaute Kurhaus "Schöneck", ab 1874 eine europäisch bekannte Kaltwasser-Kuranlage (Niedergang mit dem 1. Weltkrieg), wurde nach dem Konkurs 1932 in ein Priesterseminar der Bethlehem Mission Immensee umgewandelt und 1983 abgebrochen. Bis 1850 bestand am Saumweg Richtung Beroldingen (Gem. Seelisberg) eine Zollstelle. 1880 wurde die Fahrstrasse von Beckenried nach E. ausgebaut, und 1913 folgte der Bau einer Seilbahn auf den Niederbauen. Investitionen im Tourismusbereich stoppten die in den 1950er Jahren verstärkt einsetzende Abwanderung. Das Ski- und Wandergebiet ist heute mit der Klewenalp (Gem. Beckenried) zusammengeschlossen. 2000 stellte der 3. Sektor fast zwei Drittel der Arbeitsplätze in E., der 2. ein Sechstel und der 1. ein Zehntel. Mehr als die Hälfte der in E. wohnhaften Erwerbstätigen waren Wegpendler, v.a. in den Raum Stans-Luzern.


Literatur
– H. Muster, E./Seelisberg, o.J.
Kdm Unterwalden, 21971, 88-101
– K. Achermann, Ämättergschichte, 1997
– T.K. Zimmermann, Schöneck, 1999

Autorin/Autor: Peter Steiner