Die Handwerke und Gewerbe der Stadt B. waren den 15 Zünften unterstellt und streng geregelt. Sie arbeiteten für die Kunden in der Stadt, für die eigene Landschaft mit ihren Märkten in Liestal, Waldenburg und Sissach sowie für die übrige Umgebung bis etwa zu den Messen in Zurzach und Strassburg. Die Kaufleute dagegen liessen sich durch Reglemente nicht allzu stark einengen. Sie mussten auch eine Zunft annehmen, hatten aber die Möglichkeit, je nach Geschäftstätigkeit mehreren anzugehören. Diese Mehrzünftigkeit erleichterte später die Entwicklung der Exportgewerbe ausserhalb zünft. Schranken. Das Papiergewerbe blieb bis ans Ende des 18. Jh. wichtig dank den Firmen Düring, Dürr und Heusler. Die Bedeutung des Buchdrucks ging nach 1550 zurück. Erst in der 2. Hälfte des 18. Jh. erlangte er, v.a. dank Johann Jakob Thurneysen d.J., wieder grössere Ausstrahlung.
Der Handel steigerte sich in der 2. Hälfte des 16. Jh. mit dem Transit zwischen Oberitalien und Flandern. Damals liessen sich unter den Glaubensflüchtlingen auch namhafte Vertreter der Seidengewerbe nieder (z.B. Battier, Passavant, Socin, Werthemann). Neben dem Seidenhandel betrieben sie die Spinnerei, Färberei, Band- und Samtweberei. Diese am Anfang kaum behinderten Gewerbe überlebten unter dem Einfluss der Zünfte nur als bescheidene Handwerke. Im Dreissigjährigen Krieg brachten weitere Flüchtlinge neue Handelsbeziehungen. Zudem war der Austausch zwischen Frankreich und dem Reich im 17. Jh. kriegsbedingt häufig erschwert und lief dann über neutrale Orte wie B. Einen Aufschwung erlebte infolgedessen der Handel mit franz. Modeartikeln; dazu kamen aus Holland importierte Tuche und Kolonialwaren.
Emanuel Hoffmann führte 1667 aus Holland den ersten Webstuhl ein, auf dem man statt einem gleichzeitig mehrere Seidenbänder verfertigen konnte. Schon in den Jahrzehnten davor hatten Kaufleute gegen den Willen der Zünfte auf der Landschaft Leute im Verlagssystem beschäftigt. Sie liessen Seidenbänder, vereinzelt auch Strümpfe und Tuche, herstellen und exportierten diese. In den 1670er Jahren fasste der Kl. Rat grundlegende Beschlüsse: Den zünft. Handwerkern blieb der regionale Markt vorbehalten. Die Kaufleute durften gegen eine fiskal. Abgabe für ihren Handel en gros weiterhin solche Textilien produzieren lassen, und der mehrgängige Bandwebstuhl konnte sich durchsetzen.
Abgesehen von vereinzelten Einbrüchen der Konjunktur entwickelte sich die Wirtschaft bis ins 19. Jh. hinein mit stetigem Erfolg. Die Seidenbandfabrikation beherrschte die Stadt und mit dem Verlagssystem auch Teile der Landschaft. Daneben bestanden mehrere ähnlich organisierte Strumpf- und Tuchfabriken, und in der 2. Hälfte des 18. Jh. entwickelte sich die Indiennefabrikation. Dazu kam ein vielfältiger Grosshandel v.a. mit Tuchen, Baumwolle, Eisen und Kolonialwaren. Weiter sicherten umfangreiche Kommissions- und Bankgeschäfte (Battier, De Bary, Ehinger, Ochs) einen zunehmend bedeutenderen Platz im internat. Handel.
Vom Wirtschaftskrieg Napoleons gegen England ("Kontinentalsperre") war v.a. die Seidenbandindustrie betroffen. Es gab jedoch auch Unternehmer, welche aus den preistreibenden Auswirkungen der Blockade Gewinn zu erzielen vermochten, unter ihnen Christoph Merian-Hoffmann. Dieser legte in jener Zeit den Grundstock für ein Riesenvermögen, das sein Sohn später der noch heute bedeutenden Christoph-Merian-Stiftung vermachte.
Autorin/Autor: Hans Berner, Niklaus Röthlin