Historisches Lexikon der Schweiz (HLS) Dictionnaire historique de la Suisse (DHS) Dizionario storico della Svizzera (DSS)

3.3 - Gesellschaft

Im 13. Jh. setzte sich die weltl. Oberschicht aus dem auf dem Münsterhügel und auf der Achse St. Leonhard-St. Peter residierenden Ritteradel und der lehnsfähigen Bürgerschaft, den sog. Achtburgern, zusammen. Ritter und Achtburger waren in der zunftähnl. Ges. der "Hohen Stube" vereinigt. Zu den Achtburgern zählten ausser den Kaufleuten auch die nach 1300 aus Oberitalien eingewanderten Bankiers (Lombarden).

In Anbetracht der vielen Kirchen und Klöster muss der Anteil geistl. Personen an der städt. Gesamtbevölkerung gut 10% betragen haben. Sie bildeten allerdings eine heterogene, gelegentl. auch in sich zerstrittene Gruppe von Domherren, Leutpriestern, Kaplänen, Mönchen und Klosterfrauen, Beginen und Begarden.

Die weibl. Zuwanderer aus der ländl. Untertanenbevölkerung hatten in erster Linie den Bedarf der stadtbürgerl. Haushalte an Dienstboten zu decken, während sich die Männer über den Status des Handwerksgesellen ins Bürgertum zu integrieren trachteten.

In der Handwerkersiedlung am Birsig (v.a. an der Gerbergasse) lebten die Juden, die zweimal eine Gem. bildeten (ca. 1200-1349, 1370-1400) und über Begräbnisplätze sowie eine Synagoge verfügten. Im Pestjahr 1349 steckten vermutlich die "Lombarden" hinter der blutigen Verfolgung der Juden, die eine unerwünschte Konkurrenz im Kreditgeschäft bedeuteten. Die zweite Judengem. löste sich gegen 1400 auf, da ihre Angehörigen aus Angst vor einer gewaltsamen Schuldentilgung B. verliessen.

Erst im 15. Jh. wird ein vermutlich älteres Quartier auf dem Kohlenberg in den Quellen fassbar, das von den städt. Randgruppen (u.a. Henker, Abdecker, Prostituierte, Fahrende sowie Freiheitsknaben, d.h. Kloakenreiniger und Lastenträger) bewohnt war und einen eigenen Gerichtsbez. bildete.

Autorin/Autor: Werner Meyer