Hirschberg

Einzelhofgebiet entlang dem Hügelzug des Innerrhoder Bez. Oberegg. Als Flurnamen (Hirsberg) erstmals im 11. Jh. erwähnt. Seit den Appenzeller Freiheitskriegen (1403-05) gehörte das weitläufige Gebiet als Teil der Rhode Trogen zum Land Appenzell. Die Wegbrief-Urkunde von 1470 benennt "die Nachbarschaft am H." im Gebiet der heutigen Ausserrhoder Gem. Reute und Walzenhausen sowie des Innerrhoder Bez. Oberegg. Nach 1597 wurde das Gebiet in einen Ober- und Unterhirschberg aufgeteilt. Sie machten fortan je einen Zwölftel der Rhode Trogen aus, wählten eigene Hauptleute und stellten Vertreter in Klein- und Grossrat. Existenzgrundlage waren Landwirtschaft (Acker-, Wein- und Obstbau sowie Viehzucht) und Textilgewerbe (Weberei, später auch Grobstickerei).

Kirchgenössig waren die Oberhirschberger nach den Rheintaler Gem. Berneck, Marbach oder Altstätten, die Unterhirschberger nach St. Margrethen. Die komplizierten kirchl. und polit. Verhältnisse sowie die starke Mischung der Konfessionen seit der Reformation (um 1600 420 ref., 434 kath. Einw.) führten bei der Teilung des Landes Appenzell (1597) zu einer einzigartigen Lösung: Die Katholiken gehörten mit "Gericht und Recht" zum innerrhod. Oberegg, die Reformierten zum ausserrhod. Reute. Auf eine klare, abgeschlossene Grenzziehung wurde verzichtet. Erst 1870 erfolgte auf Intervention des Bundes eine endgültige Grenzziehung mittels Güteraustausch. Die polit. Entwicklung zu den heute eigenständigen Gem. und Bez. setzte mit dem Bau der örtl. Kirchen und der Ablösung von den Rheintaler Kirchgem. ein. Der Untere H. ging 1638 ins spätere Walzenhausen über; die Reformierten im Oberen H. standen ab 1688 für die selbstständige Kirchgem. bzw. polit. Gem. Reute; die Katholiken des Oberen H.s bildeten zusammen mit denen der benachbarten Oberen-Egg die Halbrhode Oberegg-H., welche mit Inkrafttreten der Innerrhoder Kantonsverfassung 1872 zum Bez. Oberegg wurde.


Literatur
– J. Rohner, Die Gesch. der Gem. Reute, 1954
AppGesch 2
– E. Züst et al., Chronik der Gem. Walzenhausen, 1988
Kdm AI, 1984

Autorin/Autor: Ivo Bischofberger