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Sachseln

Polit. Gem. OW, Wallfahrts- und Kurort am Sarnersee mit den Weilern Edisried, Ewil und Flüeli-Ranft (Flüeli). 1173 Sahcslen. 1799 1'250 Einw.; 1837 1'358; 1850 1'506; 1880 1'701; 1900 1'628; 1950 2'423; 2000 4'305.

Ein vermutlich frühma. Gräberfeld liegt im Unterdorf. Archäolog. Untersuchungen brachten den Nachweis einer rom. Kirche des 12./13. Jh., von welcher noch der Glockenturm erhalten ist. 1275 erscheint das Gotteshaus (Patrozinium St. Theodul und Mauritius) im "Liber decimationis" des Bistums Konstanz als ärmste Kirche der Innerschweiz. Der Neubau von 1672-84, ein bedeutendes Denkmal des schweiz. Frühbarocks, ist seit 1679 Grabeskirche des Bruder Klaus. In der an den Turm angebauten Marienkapelle befindet sich das ursprüngl. Grab des Eremiten. Gf. Ulrich von Lenzburg hatte um 1100 seine Güter in S. an das Stift Beromünster vergabt. Hofrechte besassen bis ins 15. Jh. auch die Klöster St. Blasien im Schwarzwald und Murbach-Luzern. Den Kirchensatz hatten im 14. Jh. die Habsburger inne. Das Kollaturrecht kam 1415 de facto, 1461 de iure an das Land Obwalden, nach 1786 an die Kirchgenossen- und 1970 an die Kirchgemeinde S. Die lokale Verwaltung nahm vom 14. Jh. an die Kirchgenossengemeinde wahr. Sie wurde nach der Kantonsverfassung von 1850 in Einwohner-, Bürger- und Korporationsgemeinde aufgeteilt. 1970 entstand die Kirchgemeinde, und 1992 wurde die Bürger- der Einwohnergemeinde inkorporiert. Trägerin des nutzbaren Gemeinguts (Wald, Allmend, Alpen) ist die Korporationsgemeinde.

Die Wallfahrt liess bereits im 15. und 16. Jh. Gasthäuser entstehen und beeinflusst seither das Leben im Dorf. Weiter prägten Ackerbau und Viehzucht die dörfl. Wirtschaft bis in die Mitte des 20. Jh. Der Bau der Brünigstrasse (um 1860) und der Anschluss an die Brünigbahn (1888) förderten den Fremdenverkehr und liessen S. zum Kurort werden. Um 1900 entstand in S. eine Holzwarenfabrik. Infolge der kant. Industrieförderung in den 1950er und 60er Jahren siedelten sich weitere bedeutende Firmen in der Gemeinde an (Nahrungsmittel, Antriebstechnik, Metallfilter); 1990 boten Gewerbe und Industrie 54% der Arbeitsplätze, 2005 dann über 60%. Die Industrialisierung brachte indes auch eine Zersiedelung und eine Verstädterung des früher geschlossenen Dorfbilds. In der unverbaubaren korporationseigenen Allmend konnten dagegen Naherholungsgebiete erhalten werden. 1868 wurde ein repräsentatives Schulhaus erbaut, dem 1958 und 1973 zwei moderne Erweiterungsbauten (u.a. von Ernst Studer) angefügt wurden. Das 1784 erstellte Peter-Ignaz-von-Flüe-Haus beherbergt seit 1976 ein Bruder-Klausen-Museum und eine Heinrich-Federer-Ausstellung.


Literatur
– A. Küchler, Gesch. von S., 1901
Kdm Unterwalden, 21971
– W. Stöckli, J. Sarott, «Die Baugesch. der Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Theodul zu S.», in ZAK 36, 1979, 28-43
Die Urschweiz und ihre Wappen, 1990

Autorin/Autor: Angelo Garovi