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Obwalden

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Eine der vier Waldstätten, vielleicht schon kurz nach 1291, wohl vor 1309 als Teil Unterwaldens Ort der Eidgenossenschaft, bis 1798 unter der Bezeichnung Unterwalden ob dem (Kern-)Wald. An der Tagsatzung geteilte Stimme mit Nidwalden. 1798-1803 Distrikt Sarnen des helvet. Kt. Waldstätten. 1803-1999 unter der Bezeichnung Unterwalden ob dem Wald Halbkanton der Eidgenossenschaft. Mit der Bundesverfassung von 1999 wurde die schon früher gebräuchl. Bezeichnung O. offiziell, wobei diese trotz der geteilten Vertretung im Ständerat und der nur halb gewerteten Standesstimme auf den Begriff Halbkanton verzichtet. Franz. Obwald, ital. Obvaldo, rätorom. Sursilvania. Amtssprache ist Deutsch. Hauptort ist Sarnen.

Das Kernterritorium umfasste das Tal der Sarner Aa vom Brünigpass bis zum Alpnachersee sowie dessen Seitentäler, das Tal der Gr. Schliere im Westen und das Kl. sowie das Grosse Melchtal im Osten. 1815 kam die Talschaft und ehem. Klosterherrschaft Engelberg als Exklave dazu.

Fläche (2006)490,5 km² 
Wald/bestockte Fläche197,3 km²40,2%
Landwirtschaftliche Nutzfläche185,8 km²37,9%
Siedlungsfläche15,8 km²3,2%
Unproduktive Fläche91,6 km²18,7%

Bevölkerungs- und Wirtschaftsstruktur
Jahr 18501880a1900195019702000
Einwohner 13 79915 32915 26022 12524 50932 427
Anteil an Gesamtbevölkerung der Schweiz0,6%0,5%0,4%0,5%0,4%0,4%
Sprache       
Deutsch  15 25414 95821 67623 22429 920
Italienisch  88254239773329
Französisch  933113117144
Rätoromanisch  412282932
Andere  13693662 002
Religion, Konfession       
Katholischb 13 78315 07815 00921 25623 38225 992
Protestantisch 162772498271 0182 492
Christkatholisch    18414
Andere  12241053 929
davon jüdischen Glaubens 165
davon islamischen Glaubens     51985
davon ohne Zugehörigkeitc     181 212
Nationalität       
Schweizer 13 77915 20714 78821 45022 91228 573
Ausländer 201224726751 5973 854
Jahr  19051939196519952005
Beschäftigte im Kanton1. Sektor 5 8936 2892 2932 406d2 057
 2. Sektor 1 9542 0544 0225 3315 794
 3. Sektor 2 1261 9773 2607 9898 319
Jahr  19651975198519952005
Anteil am Schweiz. Volkseinkommen 0,3%0,3%0,3%0,3%0,3%

a Einwohner, Nationalität: Wohnbevölkerung; Sprache, Religion: ortsanwesende Bevölkerung

b 1880 und 1900 einschliesslich der Christkatholiken; ab 1950 römisch-katholisch

c zu keiner Konfession oder religiösen Gruppe gehörig

d gemäss landwirtschaftl. Betriebszählung 1996

Quellen:HistStat; eidg. Volkszählungen; BFS

Autorin/Autor: Angelo Garovi

1 - Von der Urzeit bis ins Hochmittelalter

1.1 - Ur- und Frühgeschichte

Den bisher ältesten Fund in O. stellt das im Brand bei Lungern zum Vorschein gekommene Mikrorückenmesser aus dem ausgehenden 8. Jt. v.Chr. dar. Aus dem 4. Jt. v.Chr. stammen mehrere Einzelfunde; der Horgener Kultur sind wohl das Beil und die beiden Knochenklingen von Giswil sowie die Hammeraxt aus Wilen zuzuordnen. Diese Funde deuten darauf hin, dass die Täler im Gebiet von O. im 4. Jt. begangen wurden und vielleicht auch temporär besiedelt waren. Eindeutige Belege für neolith. Ackerbau oder für Dauersiedlungen aus dem 4. und 3. Jt. v.Chr. liegen aber bis heute nicht vor.

Das frühbronzezeitl. Grab vom Foribach in Kerns macht eine Siedlung im umliegenden Gebiet für die Zeit zwischen 2000 und 1700 v.Chr. plausibel. Auf eine bronzezeitl. Siedlung am Sarnersee deutet auch der einer vorkelt. Namensschicht angehörende Name Sarnen hin. Streufunde aus der Zeit von 1500 bis 1100 v.Chr., etwa Bronzebeile und -dolche, kamen u.a. an den versch. Passwegen (Frutt, Brünig, Surenenpass) zum Vorschein; bronzezeitl. Siedlungsspuren wurden auf dem Renggpass (Gem. Hergiswil NW, unweit der heutigen Kantonsgrenze), im Brand bei Lungern und auf dem Landenberg festgestellt. Für den Renggpass lässt sich zudem die - zumindest temporäre - Haltung von Ziegen und Schafen nachweisen. Demnach dürften im 2. Jt. auch Obwaldner Gebiete in höheren Lagen bereits teilweise genutzt worden sein. Keltische oder von den Römern übernommene kelt. Ausdrücke in gallorom. Flurnamen weisen auf die den Römern vorangehenden Kelten hin.

1914-15 wurde in Alpnach ein röm. Gutshof ausgegraben, der vom späten 1. Jh. n.Chr. bis in die 2. Hälfte des 3. Jh. bewohnt gewesen war. Ob nach dem Brand der Villa um 270 n.Chr. in Alpnach noch einzelne Teile des Betriebs weitergeführt wurden, ist unklar.

Autorin/Autor: Angelo Garovi

1.2 - Früh- und Hochmittelalter

Die alemann. Besiedlung des Obwaldnerlands begann um 700, wie frühalemann. Funde in Sachseln und v.a. lautverschobene rom. Ortsnamen zeigen. Die Alemannen liessen sich zuerst um die Seen nieder; die bereits ansässigen Galloromanen wohnten offenbar etwas höher auf den Plateaus. Die Ortsnamen auf -ingen, -wil- und -hofen zeigen, wo die Kernzonen der Alemannensiedlungen am Sarnersee und auf dem Kernserplateau in der Zeit vom 8. bis etwa ins frühe 11. Jh. lagen. Die galloröm. Bevölkerung hat v.a. im Gebiet des Pilatus, am Sachsler Berg und im Melchtal sowie am Giswilerstock ihre rom. Namen hinterlassen. Auch in O. stellt sich die Landnahme demnach als Vermischungsprozess zwischen Galloromanen und Alemannen dar, in dem die alteingesessene galloröm. Bevölkerung immer mehr in Minderheit geriet, bis sie in der germ.-alemann. Bevölkerung aufging. Die Alemannen gründeten mit Vorliebe Einzelhöfe. Aus diesen entstanden nach und nach durch Erbteilungen und den Zuzug neuer Siedler Weiler, die sich später um eine Kirche zu Pfarrdörfern ("Kilchgenossengemeinden") entwickelten.

O. gehörte wohl seit dem 9. Jh. zum Zweiten Königreich Burgund, das nach dem Feldzug im Winter 1032-33 vom salischen Ks. Konrad II. dem Dt. Reich zugeschlagen wurde. Damit kamen die Lenzburger aus dem Aargau ins Land. Mit dem Bau der Burg auf dem Landenberg durch die Gf. von Lenzburg scheint in O. die Erschliessung des Landes inter silvas vorangetrieben worden zu sein. Flurnamen, insbesondere Rodungsnamen mit Schwand und Schwendi geben einen Hinweis auf diesen Vorgang, wobei der Landesausbau sich bis ins 15. Jh. hinzog.

Mit der Erschliessung des Landes ging die Ausbildung von Grundherrschaften einher. Neben den Klöstern und Stiften (v.a. Murbach-Luzern und Beromünster) treten schon früh auch weltl. Grundherren wie die Gf. von Lenzburg und die Frh. von Rotenburg-Wolhusen in Erscheinung. Um 1200 kamen dann auch adlige Geschlechter aus dem damals von den Zähringern beherrschten Kleinburgund in die Innerschweiz. So setzten sich z.B. die über den Brünig ausgreifenden Frh. von Brienz-Ringgenberg, begleitet von Ministerialen wie etwa den Herren von Rudenz, in O. fest.

Die grundherrl. Organisation des Klosters Murbach-Luzern, das Höfe in Sarnen, Giswil und Alpnach besass, und jene des Stiftes Beromünster gaben wichtige Impulse für die Ausbildung der Pfarreiorganisation und der allmähl. Durchsetzung der Pfarr- und Zehntsprengeln. Im 12. Jh. kam diese Entwicklung zu einem ersten Abschluss. Der erste Bau der 1036 erw. Peterskirche in Sarnen, der Mutterkirche O.s, wurde im 8. Jh. errichtet (karoling. Fundamente); die Marienkirche von Alpnach dürfte auf das 8. oder 9. Jh. zurückgehen. Die Kirchen von Kerns, Sachseln und Giswil erhielten spätestens im 12. Jh. das Pfarreirecht. In Lungern ist um 1275 eine Kirche bezeugt.

Das Patronatsrecht der Kirche von Sarnen teilten sich das Stift Beromünster und das Kloster Murbach-Luzern. In Alpnach hatte das Luzerner Kloster den alleinigen Besitz. Dieser ging wie die Patronate der Kirchen von Sachseln und Giswil 1291 an Habsburg über. Im Besitz des Stifts Beromünster blieb die Kirche von Kerns. 1358 wurde auch St. Niklausen (heute Gem. Kerns) ins Stift Beromünster inkorporiert. 1367 ging das Patronatsrecht an das Männerkloster Engelberg. Das Frauenkloster Engelberg war schon 1305 in den Besitz des Patronatsrechts von Lungern gekommen. 1415 gelangten all diese Patronatsrechte de facto und 1460 de iure an die jeweiligen Kilchgenossengemeinden und bildeten damit sog. Volkspatronate.

Autorin/Autor: Angelo Garovi

2 - Herrschaft und Politik vom Hochmittelalter bis zum Ende des 18. Jahrhunderts

2.1 - Die Verselbstständigung des Landes im Spätmittelalter

Im frühen 12. Jh. übertrugen die Gf. von Lenzburg einen grossen Teil der Güter an ihr Hauskloster Beromünster. Nachdem die älteste Burg auf dem Landenberg um 1210 wieder verlassen worden war, entstanden im 13. Jh. im Land kleine Turmburgen, die dem lokalen Adel, den klösterl. und dynast. Dienstleuten als repräsentative und wehrhafte Behausungen dienten. In Sarnen sassen auf der unteren Burg die Kellner von Sarnen, die von der Mitte des 13. Jh. bis ins frühe 14. Jh. bezeugt sind, in Giswil auf der Burg Hunwil die Herren von Hunwil und auf der Burg Rosenberg im Kleinteil die Meier von Giswil, murbach.-habsburg. und wolhus. Ministeriale. Auch in Lungern sind die Herren von Vittringen als rotenburg.-wolhus. Dienstleute nachgewiesen. Welche Güterkomplexe zu diesen Burgen gehörten, ist unklar.

Erstmals fassbar sind die Leute von Sarnen (de Sarnon locorum homines) in der päpstl. Bulle von 1247, die sie mit den Leuten von Schwyz exkommunizierte, weil sie Friedrich II. unterstützt und sich so ihrem rechtmässigen Herrn, Rudolf von Habsburg-Laufenburg, entzogen hatten. In der Bulle erscheinen die Leute von Sarnen überdies erstmals als Talgemeinde im Sinne der kirchenrechtl. universitas. 1257 veräusserten die Gf. Gottfried, Rudolf und Eberhard von Habsburg unter lehensrechtl. Bedingungen ihr Besitztum in Unterwalden an die Getreuen Ulrich von Alpnach, Heinrich von Kerns, Burkhard von Zuben, Konrad von Einwil, Walter von Oberdorf, Heinrich im Feld sowie Rudolf, den Ammann (minister) von Sarnen. Die Urkunde benennt damit einerseits die polit. Führungsschicht in der Mitte des 13. Jh. und weist andererseits auf habsburg.-laufenburg. Grundbesitz hin, der durch den Kellner von Sarnen verwaltet wurde. Dank des Kaufs der versch. Murbacher Herrschaftstitel in den "oberen Landen" 1291 durch die Habsburger dürfte die Gleichstellung aller Leute einer Gerichtsgemeinde ein wesentl. Grund zur Ausbildung der Talgemeinde als universitas vallis gewesen sein. Die Talgemeinde wurde dann 1309 durch die Freiheitsbriefe Kg. Heinrichs VII. an Unterwalden reichsunmittelbar sowie von jeder auswärtigen Gerichtsbarkeit ausser der königlichen befreit. Die lantlüte und eidgenoze von Unterwalden schlossen mit denjenigen von Uri und Schwyz das Bündnis von 1315; die Hauptrolle bei der Abfassung des Morgartenbriefs dürfte allerdings Schwyz gespielt haben.

Die Herrschaftsrechte kamen von den Wolhusern und deren Rechtsnachfolgern, den Hzg. von Österreich, im frühen 14. Jh. als Lehen an die Edlen von Rudenz und von Hunwil, die sich im Land niederliessen. Die in der 2. Hälfte des 13. Jh. führenden Kellner von Sarnen scheinen sich nach 1307 aus der Politik zurückgezogen zu haben; die im "Weissen Buch" von Sarnen erw. Episode der Eroberung der unteren Burg von Sarnen könnte mit diesem Rückzug in Verbindung stehen. Das "Weisse Buch" gibt auch über die Bündnispolitik aus der Sicht der Länderkantone interessante Hinweise. Die mächtigen, mit den Dynasten von Strättligen und Ringgenberg verschwägerten Herren von Hunwil prägten die Entwicklung in der 1. Hälfte des 14. Jh. Dank diplomat. Vorgehens gelang es ihnen, die noch reale Präsenz der Habsburger in den 1330er und 40er Jahren weiter einzudämmen, bis nur noch eine vage Lehenshoheit bestand, und die versch. Rechtsansprüche im Land unter eine einheitl. Führung zu bringen. Auf dem Lehenstag von Zofingen wurden sie 1361 von Österreich mit dem Meieramt Giswil belehnt, die von Rudenz erhielten den Hof Alpnach. Das grosse Gewicht der Herren von Hunwil, die das Amt des Landammanns ab 1328 innehatten, führte aber auch zur Bildung einer Opposition innerhalb der zu Reichtum gelangten bäuerl. Oberschicht, die eine Erweiterung ihrer Weidgebiete über den Glaubenberg und durch das Mariental ins Entlebuch bzw. über den Brünig ins Haslital schon lange anstrebte und dafür im Gegensatz zu der dominierenden Adelsfamilie auch bereit war, den Bruch der Beziehungen mit Bern und Habsburg in Kauf zu nehmen. Nachdem Sprüche zweier eidg. Schiedsgerichte - beide tagten unter dem Vorsitz von Verwandten der von Hunwil - anlässlich des Ringgenberger Handels und eines Marchenstreits um Alpgebiete westlich von Giswil solchen Vorstössen 1381 einen Riegel geschoben hatten, beschloss die Landsgemeinde 1382 in Wisserlen, Angehörige der von Hunwil, von Tottikon und von Waltensberg für immer von Ämtern, Rat und Gerichten auszuschliessen. Auswärtigen und Klöstern wurde der Erwerb von Grundbesitz in O. noch im gleichen Jahr untersagt.

Bei der Eindämmung des habsburg. Einflusses im 2. und 3. Viertel des 14. Jh. hatten die neuen bäuerl. Führungsschichten, für die der Auskauf der Grundherrschafts- und Zehntrechte im Vordergrund stand, wahrscheinlich noch eng mit den Herren von Hunwil zusammengearbeitet. Diese Grossbauern standen an der Spitze der lokalen Teilsamen (Korporationen), die sich Ende des 14. und im Verlauf des 15. Jh. festigten, und waren auch in den Einrichtungen der Kirchgenossengemeinden (Kilchgänge) wie der sich herausbildenden Eigenverwaltung des Landes vertreten. Die sechs lokalen Kirchgenossengemeinden bestimmten - eben vermutlich v.a. aus dieser grossbäuerl. Schicht - die 1352 erstmals bezeugten Rats- und Gerichtsherren des Landes, so z.B. 1387 Sarnen und Kerns je sechs Ratsherrn, Sachseln, Alpnach, Giswil und Lungern je vier, die zum Teil auch als Richter des örtl. Siebnergerichts (lokale untere Gerichtsbehörde) fungierten. Über allen Rats- und Gerichtsinstanzen stand die ab 1373 zu fassende Landgemeinde, die wahrscheinlich seit dem späten 14. Jh. den Landammann wählte.

Vom Ende des 14. Jh. an war das Fünfzehnergericht für wichtigere Zivilsachen zuständig und auch Appellationsinstanz für Urteile der Siebnergerichte der sechs Kilchgänge. Es wurde jedes Jahr neu zusammengesetzt: Die beiden grossen Kilchgänge wählten als Richter je zwei, die vier kleinen je einen ihrer Ratsherren, den dritten bzw. zweiten Richter wählten sie ausserhalb des Kirchenrats aus. Nach Bedarf tagten die vierzehn Richter unter dem Vorsitz des regierenden Landammanns.

In der 1. Hälfte des 15. Jh. setzte sich die Herrschaft des Landes O. vollends durch: Aufgrund eines Schiedsgerichts mussten die Giswiler 1432 auf ihr eigenes Hochgericht zugunsten des Landes verzichten. Im Meieramt Giswil, das die Herren von Hunwil um 1400 an die Kirchgenossen von Giswil verkauft hatten, lebten noch alte Herrschaftsrechte fort, die einer umfassenden Gerichtshoheit, wie sie O. von Kg. Sigismund 1415 in einem Blutgerichtsbarkeitsprivileg zugesprochen worden war, weichen mussten. Zeichen dieser Landeshoheit waren das nach 1415 erbaute Rathaus und das Zeremonialschwert des Landammanns.

O. beanspruchte von der Mitte des 14. Jh. bis 1798 in allen eidg. und gemeinsamen Landessachen von Unterwalden ob und nid dem Wald zwei Drittel. Insbesondere stellte O. auch den Gesandten an die Tagsatzung jeweils zwei Jahre hintereinander, Nidwalden diesen nur jedes dritte Jahr.

Die 1381/82 an die Macht gelangte bäuerl. Oberschicht war aber nicht nur an der Ausdehnung der Alpgebiete in die Nachbarterritorien, sondern wegen des Welschlandhandels auch an einer Expansion gegen Süden interessiert. 1403 besetzten Uri und O. die Leventina (Ennetbirgische Feldzüge); 1415 dehnte Kg. Sigismund den O. verliehenen Blutbann auch auf die Leventina aus. 1419 kam auch die Stadt Bellinzona unter Urner und Obwaldner Herrschaft. Mit der Niederlage in der Schlacht bei Arbedo 1422 verloren O. und Uri diese Eroberungen wieder, ebenso die ab 1410 im Val d' Ossola gewonnenen Gebiete, an denen O. wegen der Brünig-Grimsel-Griesspass-Route schon ab dem 14. Jh. besonders gelegen war. Der Friedensvertrag zwischen den Eidgenossen und Mailand, das 1. Mailänderkapitulat von 1426, wurde 1427 durch einen in Brig zwischen O. und Mailand geschlossenen Handelsvertrag ergänzt, der den Handelsverkehr über den Griespass durch das Val d'Ossola regelte und O. damit erhebl. Vorteile brachte.

O. strebte nach den Burgunderkriegen nochmals eine Gebietserweiterung an; der Versuch des Landammanns Heinrich Bürgler, den Luzernern das Entlebuch zu entreissen, löste 1478 den Amstaldenhandel aus. Aber auch dieser Versuch scheiterte und führte zu weiteren Händeln mit den übrigen Eidgenossen und dem Hause Österreich (Mötteli- und Kollerhandel). O. gelang es im Gegensatz zu Schwyz oder Uri im SpätMA nicht, sein Territorium auszudehnen.

Autorin/Autor: Angelo Garovi

2.2 - Die Häupterherrschaft der frühen Neuzeit

Die Landsgemeinde nahm in der Zeit der konfessionellen Spannungen mit Zürich gegen die Reformation Stellung. Nach der Badener Disputation (1526) waren die Fronten auch in O. klar gezogen. Mit einer betont altgläubigen Haltung trat O. nun den reformierten eidg. Orten entgegen. Das führte auch zu krieger. Intermezzi wie dem von Johannes Salat beschriebenen Auszug über den Brünig von 1528, der die Freunde im Oberhasli zum Festhalten am alten Glauben ermutigen sollte. Der Zug, den die Berner abwehrten, bildete mit den Anlass zum 1. Kappelerkrieg 1529. Nach dem kath. Sieg von Kappel 1531 und dem 2. Landfrieden verfolgte O. eine streng gegenreformator. Linie, was v.a. in den Auszügen in die Hugenottenkriege und in den Allianzen und Bündnissen mit der span. und mit der franz. Krone vom 16. bis ins 18. Jh. zum Ausdruck kam. Im 18. Jh. waren insbesondere die politisch führenden Fam. von Flüe und Stockmann profranzösisch eingestellt.

Seit Ende des 15. Jh. bestellten die grossen Kilchgänge Sarnen sowie Kerns je fünfzehn und die kleinen Kilchgänge Sachseln, Alpnach, Giswil sowie Lungern je sieben Kirchenräte an der Maigemeinde. An der Martinigemeinde im November wurden besondere Beamte gewählt, für die Finanzverwaltung der Seckelmeister, für die Pfarrkirchen- und die Kapellenverwaltungen der Kirchenvogt und die Kapellenvögte sowie für die Verwaltung der Armenkapitalien der Spendvogt. Ein Weibel und ein Unterweibel besorgten die Verbindung zwischen Kirchenrat und Gemeindebürgern. Jeder Kilchgang besass im Siebnergericht eine Gerichtsbehörde. Dieses entschied zivilrechtl. Fälle bis zu einem bestimmten Streitwert endgültig und beurteilte Fälle mit höheren Streitwerten als erste Instanz.

Das Landvolk versammelte sich in Sarnen zur Landsgemeinde, ab 1647 jeweils am letzten Sonntag des Aprils. Teilnahmeberechtigt war jeder Landmann ab dem 14. Altersjahr. Zu den alljährl. Geschäften gehörte die Wahl des regierenden Landammanns aus der Reihe von gewöhnlich vier Altlandammännern. In der Rangfolge nach den vier Landammännern standen der Statthalter (ab ca. 1630 gewählt), der Landseckelmeister und der Landesbauherr (1564 erstmals bezeugt), die in ihrem Kilchgang automatisch dem Kirchenrat angehörten. Neben den sieben zivilen gab es mit den zwei Landsfähnrichen oder Landsvennern (seit 1622 bezeugt), den zwei Landshauptmännern (seit 1597 bezeugt) und dem Pannerherrn (Träger des Unterwaldner Panners) fünf militär. Ämter. Trotzdem zählten die "Ringherren" bzw. die "Landesvorgesetzten" - diese Bezeichnungen waren in der frühen Neuzeit für die von der Landsgemeinde gewählten Amtsträger gebräuchlich - nicht zwölf Personen, denn meistens wurden die militär. Ämter zivilen Ringherren übertragen; der Pannerherr war immer ein Landammann. Der Landrat wählte bis Ende des 18. Jh. die zwei Zeugherren, dann die Landsgemeinde ab 1803 den ersten und ab 1811 den zweiten, womit beide auch zu den Ringherren gehörten. Der Oberzeugherr war ebenfalls gewöhnlich ein Landammann; erst ab 1804 wurde nur noch das Amt des Pannerherrn mit einem zivilen verbunden.

Die 58 Ratsherren der Kilchgänge und die Ringherren bildeten den Landrat. Für den Zweifachen und den Dreifachen Rat suchte sich jeder Landrat einen respektive zwei Männer als Begleiter aus, bis 1785 auch deren Wahl in die Kompetenz der Kilchgangsversammlung gelegt wurde.

Regeln für die Aufteilung der Verwaltungsgeschäfte zwischen den Ringherren und den drei Ratsgremien bestanden nicht. Welcher Rat einzuberufen war, entschieden die Ringherren. Es gab keine Gewaltentrennung. Die Ringherren und die drei Räte waren auch Strafgerichtsinstanzen, denen die Fälle abgestuft nach ihrer Schwere zugeordnet wurden. Die Verhängung der Todesstrafe fiel in die Kompetenz des Dreifachen Rates; 1629 war die Malefizgerichtsbarkeit von der Landsgemeinde auf ihn übergegangen. Von 1612 -1877 hatte O. einen eigenen Henker.

Die Verteilung der Ringherren lässt eine Geschlechterherrschaft erkennen: Im 17. Jh. stellten die Wirz sechs Landammänner; die Fam. hatte das Amt während 92 Jahren inne. Von den 24 Landammännern des 18. Jh. stammten sechs aus dem Geschlecht von Flüe und je vier aus den Fam. Stockmann und Bucher, die Sarner Imfeld und die Wirz konnten dagegen nur je zwei stellen. Die Wirz hatten ihre im 17. Jh. genossene Vorrangstellung verloren. Sie waren nur noch während zwölf Jahren im Landammannamt, die Imfeld dagegen während 36, die Stockmann während 64, die Bucher während 84 und die von Flüe während 105 Jahren.

In den Ennetbirgischen Vogteien (Locarno, Lugano, Mendrisio, Maggiatal) und den fünf dt. (Baden, Freie Ämter, Frauenfeld, Rheintal, Sargans) Landvogteien stellte alle zwei Jahre einer der mitregierenden Orte den Landvogt (Gemeine Herrschaften). Wenn in drei Umgängen Unterwalden an der Reihe war, ernannte O. diesen zweimal und Nidwalden einmal. Von den 25 Obwaldner Landvögten des 18. Jh. entsandte die Landsgemeinde je drei Landräte, Landschreiber und Landsfähnriche, zwei Landsbauherren, fünf Landseckelmeister und neun Altlandammänner. Auch hier widerspiegelt sich die Geschlechterherrschaft, fielen doch von den Wahlen sechs auf die Sachsler von Flüe, vier auf die Kernser Bucher und je drei auf die Sarner Imfeld und Stockmann. Zur Rechnungsabnahme in den Tessiner Vogteien bestimmte die Landsgemeinde den abtretenden, zu jener in den dt. Vogteien den neu gewählten regierenden Landammann, dem als zweiter Gesandter ein weiterer Ringherr oder Landrat beigesellt wurde.

Die Landesartikel (Landesgesetze) waren in den Landbüchern von 1525/26 und 1635 gesammelt. 1792 wurde das Landbuch überarbeitet und die Landesartikel übersichtlicher dargestellt.

Die Wehrpflicht galt für die 16- bis 60-jährigen Männer; die jungen Leute wurden in ihrem Kilchgang im Mai in die leeren Plätze der Kompanien eingeteilt. O. konnte 30 Kompanien zu je 90 Mann aufbieten. Für militär. Auszüge standen zwei Fähnlein zu je 200 Mann zur Verfügung, denen ein Landsvenner die Feldzeichen voran trug und die von einem Landshauptmann befehligt wurden. 1755 leistete O. mit beiden Fähnlein Uri Bundeshilfe gegen die Aufständischen in der Leventina und im Febr. 1798 wurde Bern ein Fähnlein gegen die anrückenden Franzosen zu Hilfe geschickt. Beide Abteilungen konnten zusammen mit einem Nidwaldner Fähnlein aufgeboten werden; einem solchen Auszug trug der Pannerherr das Landespanner voran. Im 18. Jh. kam es 1712 im 2. Villmergerkrieg zum einzigen Pannerauszug. Das gemeinsame Unterwaldner Panner und das Pannerherrenamt lagen bei O., den gemeinsamen Landshauptmann stellte Nidwalden, bis dieses 1768 den Pannereid nicht mehr leistete und seine militär. Selbstständigkeit beanspruchte.

Autorin/Autor: Niklaus von Flüe

3 - Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur vom Hochmittelalter bis ins 18. Jahrhundert

3.1 - Bevölkerung und Siedlung

Der im 11. Jh. begonnene Landesausbau wurde durch Rodungen seit dem späten 14. und frühen 15. Jh. energisch vorangetrieben, nicht zuletzt infolge des Handels mit Italien. Im 15. Jh. hatten sich die wichtigsten Dörfer mit ihren Weilern gebildet. Die Zeit des 16. und 17. Jh. ist durch eine Siedlungsverdichtung, die sich in sekundären Rodungsnamen niederschlug, gekennzeichnet, wobei die Streusiedlung und der Einzelhof für O. typisch blieben.

Da bis heute keine demograf. Untersuchungen oder Schätzungen vorliegen, ist es schwierig, Einwohnerzahlen für das MA und die frühe Neuzeit zu benennen, auch wenn sich die Bevölkerungsgrösse vom SpätMA an wenig verändert haben dürfte. Die ersten statist. Angaben lieferten 1743 die Ortspfarrer mit ihren Listen der Kommunikanten und Nichtkommunikanten. Sie ergab für die sechs Gem. 8'885 Einwohner. 1799 zählte O. 10'580 Einwohner.

Autorin/Autor: Angelo Garovi

3.2 - Wirtschaft

Um die wachsende Nachfrage nach Vieh, Pferden und landwirtschaftl. Produkten der lombard. sowie z.T. auch der venezian. und piemontes. Städte zu befriedigen, intensivierte die grossbäuerl. Führungsschicht die Alpwirtschaft; archäolog. Grabungen auf der Frutt (Müllerenhütte, 1997) belegen für die Zeit nach 1400 den Ausbau von kleineren Alphütten zu stattl. Gebäuden. Gleichzeitig suchte die Führungsschicht, die Exporte nach Italien durch Eroberung von Gebieten längs der Passrouten sowie durch eine ennetbirg. Handelspolitik abzusichern.

Im 15. Jh. setzte ein Aufschwung der Käseausfuhr in den Süden ein, der in den Rechnungsablagen des Klosters Engelberg für das 16. Jh. gut dokumentiert ist. Im 16. Jh. wurde bereits ein lagerfähiger, fetter Hartkäse hergestellt, der alle Eigenschaften des später bekannten Sbrinz oder Spalenkäses aufwies. Als direkter Handelsweg für den Käseexport wurde bis ins 19. Jh. die Brünig-Grimsel-Griespass-Route ins Val d'Ossola gegenüber der Gotthardstrasse bevorzugt; inwieweit dies für den Viehexport ebenfalls zutrifft, lässt sich wegen der schlechten Quellenlage nicht entscheiden. Aus Italien wurde Wein und Getreide importiert. V.a. im Winter führten Obwaldner Säumer in der frühen Neuzeit Salz aus dem Salzkammergut und Tirol ins Simmental, ins Saanenland, mit dem das Land ab dem 15. Jh. enge Beziehungen pflegte, sowie an den oberen Genfersee aus, von wo sie auf der Rückkehr Wein mitbrachten.

Ab 1426 ist auch die Erzgewinnung auf der Erzegg (Frutt) belegt. Die Pest raffte um 1450 Unternehmer und Arbeiter dahin. Erst 1551 reaktivierte eine Erblehensgesellschaft den Erzabbau, gab ihn aber bereits 1568 wieder auf. Die ertragreichste Periode des Abbaus begann dann 1620 unter der Leitung von Obwaldner Bergherren. Die Zeit des 1. Villmergerkriegs brachte dem Obwaldner Bergbau eine Blütezeit, Erzgewinnung und Erzverarbeitung wurden zur eigentl. Kriegsindustrie. Aber schon 1689 wurde das Unternehmen infolge Misswirtschaft für immer stillgelegt.

Die Obwaldner Handwerksleute waren in einer zunftähnl. Handwerksbruderschaft zusammengeschlossen. Vorschriften für die Handwerker hatte die Regierung schon im 16. Jh. erlassen. Im 18. Jh. nahmen diese Bestimmungen bereits arbeitsrechtl. Züge an: Die Gewerbetreibenden wurden zu angemessener Entlöhnung ihrer Arbeiter und zu fairer Rechnungsstellung angehalten, die Handwerker zu sauberer und solider Arbeit ermahnt. Kessler und Flicker mussten eine Arbeitsbewilligung einholen und durften ihre Kupferware nur aus einheim. Material herstellen.

Die Reisläuferei und das Militärunternehmertum wurden ab der 2. Hälfte des 15. Jh. in O. zu einem wirtschaftl. und polit. Faktor. Sie brachten Reichtum ins Land. Ab Anfang des 16. Jh. war der Solddienst durch Verträge reglementiert; solche Kapitulationen wurden mit dem Kg. von Frankreich, dem Papst, dem Hzg. von Mailand, dem Dogen von Venedig und mit Spanien-Neapel geschlossen. In span. und in kaiserl. Diensten stiegen Mitglieder der Fam. Wirz aus Sarnen in die höchsten militär. und polit. Ämter auf. Die Offiziersfamilien Imfeld und von Flüe standen indes in franz. Diensten. Der franz. Solddienst brachte allerdings auch die Politik in Abhängigkeit von Frankreich, was sich etwa Ende des 17. Jh. im Widerstand O.s gegen das Wiler Defensionale zeigt. Obwaldner Söldner waren v.a. in den Religionskriegen des 16. Jh. in Frankreich und in den Niederlanden engagiert sowie in den Türkenkriegen Venedigs im späten 17. Jh. auf dem Peloponnes. Die erfolgreichsten Solddienstunternehmer im 18. Jh. waren die von Flüe aus Sachseln.

Autorin/Autor: Angelo Garovi

3.3 - Gesellschaft

Neben dem ritterl. Ministerialadel hatte sich im 13. und 14. Jh. eine einheim. Führungsschicht von Grossbauern etabliert, deren Vertreter gemeinsame Sache mit den Rittern und Dienstleuten machten, bis sie 1381/82 die Macht übernahmen. Diese Grossbauern hatten in den sich bildenden Teilsamen infolge ihrer grösseren wirtschaftl. Basis eine dominierende Stellung inne. Bezeugt ist die Aufteilung einer Kirchgenossengemeinde in kleinere Einheiten, welche die gemeinsame Nutzung von Wald, Weide und Alpen regelten, erstmals 1390 in Sarnen. Diese Teilsamen drängten sich als zweite lokale Ebene in die Landesverwaltung ein, vermochten aber die Einheit der Kirchgenossengemeinden nicht zu durchbrechen.

Auch die Kleinbauern kamen dank Viehverpachtung und Viehverstellung (Lehnkühe) meist zu genügend Arbeit und Vieh. Während ursprünglich der Besitz einer Hofstätte Anspruch auf die volle Nutzung bedeutet hatte, wurden in einer späteren Entwicklung neu Hinzugezogene nur zu beschränkter Nutzung zugelassen. Es kam daher im Verlaufe der Jahrhunderte in den meisten Gem. zu Auseinandersetzungen zwischen den alten Genossen und den Zuzügern (Beisassen oder Hintersassen).

Im 15. und 16. Jh. machte die Oberschicht O.s einen Prozess der Aristokratisierung durch. Ihre Angehörigen legten sich Wappen und Baronentitel zu, Landammann Niklaus Imfeld führte z.B. ab 1548 den Rittertitel. Bis ins 18. Jh. hatte sich ein enger Kreis von Geschlechtern herauskristallisiert, der die wirtschaftl. und - eine Folge des Prinzips der Kooptation - die polit. Führungspositionen besetzt hielt. Seine Machtstellung beruhte teils auf Grundbesitz, teils auf Kapital, das in Unternehmungen wie dem Viehhandel und dem Soldwesen steckte. Die Obrigkeit gab sich selbstherrlich und regierte oft willkürlich.

Im Verlauf des 16. Jh. wurde die staatl. Gewalt ausgebaut. Sie stützte sich auf die mit weitreichenden Kompetenzen ausgestatteten Gerichte, die zunehmend in alle Lebensbereiche eingriffen. Die Vorstellungen des Klerus von Frömmigkeit, Sitte und Gehorsam wurden zur polit. Richtschnur. Immer zahlreicher wurden Verordnungen und Verbote, die das Volk unter die Kontrolle der Obrigkeit bringen sollten. Sittenmandate reglementierten das Trinken, das Fluchen, das Spielen, das üppige Essen, die unanständige und nicht standesgemässe Kleidung, den Wirtshausbesuch und das Rauchen.

Autorin/Autor: Angelo Garovi

3.4 - Kirchliches und kulturelles Leben

Seit dem HochMA waren die Pfarrkirchen der Mittelpunkt des religiösen Lebens. Dessen Aufschwung im MA bezeugen neben den spätrom.-frühgot. Pfarrkirchen auch die spätgot. Kapellen, wie etwa das Beinhaus St. Michael mit seiner bedeutenden Holzdecke in Sarnen und die Kapelle St. Nikolaus mit den wertvollen Wandmalereien aus dem späten 14. Jh. in Sankt Niklausen. Im SpätMA entwickelte sich auch eine Vielfalt von volkstüml. Frömmigkeitsformen im Heiligen- und Reliquienkult, in Kreuzgängen und Wallfahrten, so etwa der Musegger Umgang in Luzern am Feste Mariä Verkündigung (25. März), die Wallfahrten nach Einsiedeln und Santiago de Compostela (Rodel der St.-Jakobs-Bruderschaft in Sachseln). Die Sakramentskapelle in Giswil und die Legende vom Hostienraub (Ende 15. Jh.) weisen auf die hohe Verehrung der Eucharistie hin.

Niklaus von Flüe, der Eremit im Ranft und spätere Landespatron der Schweiz, wurde schon zu Lebzeiten wie ein Heiliger verehrt. Nach seinem Tod wurde Sachseln zu einem viel besuchten Wallfahrtsort und im Ranft entstand um 1501 die spätgot. Kapelle St. Maria mit dem fragmentarisch erhaltenen Bruder-Klaus-Zyklus (ca. 1530-40). 1618 wurde zu Ehren von Karl Borromäus, der 1570 das Grab von Bruder Klaus besucht hatte, eine Kapelle auf dem Flüeli erbaut, die sich durch ihre hochstehende kunsthandwerkl. Innenausstattung auszeichnet. Die Seligsprechung des Bruder Klaus 1649 gab dem kirchl. Leben in O. und insbesondere der Wallfahrt zu dessen Grab weitere Impulse. Die zu klein gewordene Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Theodul wurde 1672-84 durch einen repräsentativen Bau des Frühbarocks ersetzt.

1615 wurde das Mitte des 12. Jh. gegr. Benediktinerinnenkloster Sankt Andreas von Engelberg nach Sarnen verlegt. Die 1642 in Sarnen niedergelassenen Kapuziner engagierten sich für die Festigung des alten Glaubens im Sinn des Konzils von Trient. 1739-42 erfolgte in Sarnen der einzelne Teile der rom. Vorgängerin miteinbeziehende Neubau der Pfarrkirche St. Peter und Paul, ein Meisterwerk des Rokokos mit dem originellen, übereck gestellten und mit Zwiebelhauben bekrönten Turmpaar, von dem Einflüsse auf das Baugeschehen der Innerschweiz ausgingen. Die vielen im 17. und 18. Jh. erbauten Kirchen und Kapellen machen O. zu einer eindrückl. Sakrallandschaft.

Im 17. und 18. Jh. wirkten bedeutende Orgelbauer wie z.B. Niklaus Schönenbüel aus Alpnach in O. Mit den Sachsler Organisten Johann und Johann Chrysostomus z'Bären, dem Einsiedler Stiftskapellmeister Justus Burach, dem Konstanzer Domkapellmeister Anton Omlin sowie dem Wettinger Abt Nikolaus von Flüe stellte es fünf hervorragende Musiker und Komponisten. Als bedeutendster Maler des Barocks aus O. gilt Sebastian Gisig. Wolfgang Rot, Johann Zurfluh und Johann Peter Spichtig mit seinem Dreikönigsspiel von 1659 waren die wichtigen Theaterautoren und -spielleiter im Land.

Die Schule entstand aus der Reform des Konzils von Trient und diente v.a. der religiösen Unterweisung. Hauptfach war Religion. Die erste öffentl. Schule entstand 1540 in Sarnen. 1573 wurde vom Rat festgelegt, dass in allen Gem. Schulen einzurichten seien, was 1639 erreicht war. Weil es an Lehrern fehlte, wurden die Schüler meist von einem Kaplan unterrichtet. Mit dem vom Jesuiten Johann Baptist Dillier hinterlassenen Vermögen baute die Landesregierung in Sarnen das Kollegium (heute kant. Verwaltungsgebäude), in dem sie 1752 eine höhere Lateinschule eröffnete.

Autorin/Autor: Angelo Garovi

4 - Der Staat im 19. und 20. Jahrhundert

4.1 - Verfassungsgeschichte

Unter dem Einfluss der im franz. Solddienst aufgestiegenen von Flüe und der meisten Geistlichen im Land nahm O. als erster Urkanton am 1.4.1798 die helvet. Verfassung an, wurde dann aber doch von seinen Urschweizer Nachbarn zum Widerstand gegen die Franzosen gedrängt. Nach der Niederlage und der Zusammenlegung der Urkantone und Zugs zum Kt. Waldstätten bildete O. nur noch den Distrikt Sarnen. Für die lokale Verwaltung im Zentralstaat stellten sich die meisten ehem. Ring- und Ratsherren zur Verfügung und suchten den Forderungen der helvet. Behörden und der franz. Besatzungstruppen nachzukommen.

Die Mediationsakte von 1803 stellte in ihrem 15. Kapitel für Ob- und Nidwalden die Staatsordnung und die Behörden des Ancien Régime wieder her und anerkannte die Teilung des Kt. Unterwalden in die Halbkantone "ob dem Wald" und "nid dem Wald". O. musste auf seinen alten Zweidrittelsvorrang verzichten. Die führenden "Helvetiker" verloren die Gunst ihrer Mitbürger, aber ein grosser Teil jener, die schon vor 1798 als Ratsherren und unter der helvet. Staatsordnung als Beamte mitgewirkt hatten, wurden von der Landsgemeinde und in den Kilchgangsversammlungen wiedergewählt. Die wesentl. Änderung bestand in der Heraufsetzung der Altersgrenze für das Wahlrecht und die Militärdienstpflicht auf das 20. Lebensjahr. Rückgängig gemacht wurde die Gleichberechtigung zwischen Ortsbürgern und Beisassen.

Das Landbuch von 1792 wurde 1814 der ersten selbst entworfenen Kantonsverfassung zu Grunde gelegt, wobei alle Bezüge zu den verschwundenen Gemeinen Herrschaften dahinfielen. Die Verwaltungs- und Gerichtskompetenzen der Landräte wurden systematischer aufgezählt. Ein Landgericht, bestehend aus dem Landrat, der bei offener Tür des Ratsaals Vermächtnisse und testamentar. Verordnungen genehmigte, wurde neu geschaffen, die Siebnergerichte und das Geschworenengericht blieben erhalten; Letzteres zählte ab 1816 wegen der neuen "kleinen" Gem. Engelberg unter dem Vorsitz des Landammanns 16 Richter.

Zur Landsgemeinde wurde jeder Landmann ab 20 Jahren zugelassen, zu den Kilchgangsversammlungen aber nur die in der Gemeinde ansässigen Korporationsbürger. Zum Tagsatzungsgesandten wählte die Landsgemeinde in der Regel den regierenden Landammann. Neben der Kantonsverfassung blieb das Landbuch von 1792 rechtsverbindlich. Ab 1854 wurden die Gesetze und Verordnungen in einem Amtsblatt veröffentlicht, ab 1899 in der Reihe der Landbücher, welche anstelle der seit 1853 in loser Folge erschienenen Gesetzessammlungen trat.

1815 schlossen sich das Tal und das Kloster Engelberg wegen der restaurativen Politik Nidwaldens ihnen gegenüber O. an; Engelberg wurde dessen siebte Gemeinde. Ihr und dem Kloster wurden in der Vereinigungsurkunde vom 19. und 24.11.1815 die alten Rechte teilweise zugesichert.

Die Verfassung erfuhr 1816 nach dem Anschluss von Engelberg einige Anpassungen. 1829 wurden die Volksrechte dahingehend eingeschränkt, dass die Landleute ihre Anträge nicht mehr aus dem Ring heraus stellen konnten. Nach der Niederlage des Sonderbunds erzwangen die radikal-liberalen Sieger 1847 die Abschaffung des Pannerherrn sowie der Lebenslänglichkeit der Ämter und die Einführung von Amtsdauern, eine Reaktion auf das in mancher Hinsicht selbstherrl. Regiment des Landammanns Nikodem Spichtig in den 1830er und 40er Jahren, der O. in den Sarner- und in den Sonderbund geführt hatte. Nach der Niederlage schied Spichtig aus allen Ämtern aus.

Nur widerwillig unterzog sich O. der Bundesverfassung von 1848, die es mit grosser Mehrheit abgelehnt hatte. 1850 beschloss es eine neue Kantonsverfassung. Sie schuf die militär. Ringherren ab. Von den neuen dreizehn Regierungsräten wurde jeder Gem. mindestens einer zugesichert. Landammann und Landstatthalter waren erst nach einer einjährigen Unterbrechung wieder wählbar. Dies führte fast regelmässig zu einem Wechsel zwischen den beiden Amtsträgern. Die Gewaltentrennung wurde verbessert und das Geschworenen- durch ein verkleinertes Kantonsgericht ersetzt. Von der helvet. Verfassung wurde die Trennung der Kilchgänge in Einwohner- und Bürgergemeinden übernommen. Bei den Wahlen der Einwohnergemeinden in den Landrat und in den Dreifachen Rat - der Zweifache wurde aufgehoben - kamen ausser in Alpnach die ehem. Beisassen noch lange kaum zum Zug. Die Kantonsverfassung enthielt neu einen Katalog von Freiheitsrechten gemäss der Bundesverfassung und einen Rechtsgleichheitsartikel. Widersprüche zwischen Bundes- und Kantonsverfassung führten zu kleinen Teilrevisionen.

1867 wurde die Kantonsverfassung totalrevidiert. Nachdem die kath. Konfession schon 1850 als Staatsreligion anerkannt worden war, erhielten jetzt auch die Reformierten die Möglichkeit, eigene Schulen zu führen. Die Trennung von ausführender und richterl. Gewalt wurde konsequenter durchgeführt. Die neue Gerichtsorganisation schuf in den Gem. das Vermittleramt und auf kant. Ebene als erste Instanz die Civil-, Kriminal- und Polizeigerichte sowie darüber das Obergericht. Eine weitere Neuheit war das Revisions- und Kassationsgericht. Die Landsgemeinde blieb oberste Legislative. Sie wählte weiterhin den nun siebenköpfigen Regierungsrat - die Berücksichtigung jeder Gem. wurde fallengelassen - und neu die Mitglieder und das Präsidium des Obergerichts. Sie erhielt jetzt auch gewisse Finanzkompetenzen. An die Stelle von Landrat und Dreifachem Rat trat ein auf 80 Mitglieder vergrösserter Kantonsrat, dem auch die Regierungsräte angehörten. Die Kantonsratsmandate wurden nach Anzahl Einwohner auf die Gem. verteilt, welche je einen Wahlkreis bilden.

Bis zur Verfassungsrevision von 1902 hatte O. ein patriarchalisch geprägtes Regiment bewahrt. Die Einschränkung der demokrat. Rechte des Landmanns von 1829 wurden in den Verfassungen von 1867 und 1902 zurückgenommen: Schriftlich an den Landammann gerichtete Anträge eines Bürgers mussten der Landsgemeinde vorgelegt werden. 400 Bürger konnten ab 1902 gegen ein Gesetz das Referendum ergreifen. In den folgenden Jahren wurden zahlreiche Initiativen und Referenden eingereicht, die teilweise Mehrheiten fanden. Den Höhepunkt erreichte die Volkrechtsbewegung 1909, als 1'200 Bürgern die Möglichkeit gegeben wurde, eine geheime Abstimmung über Verfassungsrevisionen zu verlangen. Weiter geschwächt wurde die Landsgemeinde 1922 mit der Einführung der Urnenabstimmung über Verfassungs-, Gesetzes- und Steuervorlagen.

Aus dem Kampf für die Erweiterung der Volksrechte entstand 1908 die liberale Volkspartei, nachdem sich schon 1873, nach der Ablehnung der Bundesverfassungsrevision, vorübergehend ein liberaler Verein gebildet hatte. 1919 formierten auch die Konservativen eine Partei. 1956 trennten sich die Christlich-Sozialen von dieser ab und bildeten eine eigene Partei. 1997 ging die SP aus dem 1992 gegr. Demokratischen O. hervor. 1999 entstand die kant. SVP, 2008 eine Sektion der Bürgerl.-Demokrat. Partei.

Wahlen in die Bundesversammlung 1919-2007 (ausgewählte Jahre)
 1919193919471959197919911995199920032007
Ständerat
KK/CVP1111111   
LP/FDP       111
Nationalrat
KK/CVP111111111 
SVP         1

Quellen:HistStat; BFS

Zusammensetzung des Regierungsrats 1920-2010 (ausgewählte Jahre)
 1920194019501960197419861994200220062010
KK/CVP6664534222
LP/FDP1112122112
CSP   1111221
Parteilos     1    
Total Sitze7777777555

Kantonsratswahlen 1974-2010a
 1974197819821986199019941998200220062010
KK/CVP26262825282725212320
LP/FDP15131612141413111010
CSP8769710108108
Demokratisches Obwalden     4    
SP      7b866
SVP       7611
Fraktionslos25261     
Freie Fraktion Obwalden (FFO)    5     
Total Sitze51515252555555555555

a bis 1982 Wahlen nach Majorz-, 1986 erstmals nach Proporzsystem

b inkl. Demokratisches Engelberg

Quellen:BFS; StAOW

1968 erfolgte die vorläufig letzte Totalrevision der Kantonsverfassung, die mehr Übersichtlichkeit, aber wenig Neuerungen brachte, ausser dass die Regelung verschiedener polit. Anliegen auf den Gesetzesweg verwiesen wurde. Der Kantonsrat wird seit 1984 im Proporzverfahren gewählt und seine Grösse wurde 1989 auf 55 Mitglieder fixiert. 1972 wurde das Frauenstimmrecht und 1983 das Stimmrechtsalter 18 in die Verfassung aufgenommen. Die Abschaffung der Landsgemeinde 1998 und die Verkleinerung der Exekutive 2002 auf fünf Regierungsräte markierten den verfassungsrechtl. Übergang ins 21. Jh.

Autorin/Autor: Niklaus von Flüe

4.2 - Staatsverwaltung

Die staatl. Leistungen waren bis 1848 vergleichsweise bescheiden. Der Landesbauherr hatte neben der Aufsicht über die staatl. Hochbauten (Rathaus, Zeughäuser, Kollegium) lediglich den Zustand der Landstrasse zwischen Alpnachstad und dem Brünig zu überwachen. Für deren Unterhalt musste erst ab 1786 jeder Haushalt jährlich ein Tagwerk leisten oder eine Ersatzabgabe bezahlen. Ab 1820 erledigte eine Komm. die Strassengeschäfte. Als der Kanton um 1860 die vom Bund subventionierte Brünigstrasse und um 1870 die Strasse nach Engelberg baute, entstanden ihm erhebl. Kosten. In den frühen 1930er Jahren begann der Kanton, die Strassen zu asphaltieren. Als Teil des Nationalstrassennetzes wurde 1966 der Bau der A8 über den Brünig in Angriff genommen.

Kranke, Sträflinge und Arme wurden in das Spittel und das Armenhaus in Sarnen aufgenommen, über deren Stiftungskapitalien zwei Landräte, der Spitalherr und der Siechenvogt, Rechnung führten. Ab 1856 brachte der Kanton Arme, Kranke und Sträflinge im neu gebauten Spital in Sarnen unter. Für Sträflinge wurde 1884 in Sarnen ein Zuchthaus errichtet.

Im 18. Jh. hatten Ratsherren dem Landrat die Salzlieferverträge und die Salzregalrechnung unterbreitet. Von 1785 an verwaltete ein Mitglied der Regierung als Salzdirektor das Salzregal, bis dessen Administration 1942 in das Finanzdepartement integriert wurde. Die Rechnung über das obere Zeughaus führte bis 1798 der Oberzeugherr, jene über das untere der Unterzeugherr, 1803-50 fielen diese Aufgaben dem ersten bzw. dem zweiten Zeugherrn zu. Letzterer war ab 1752 auch für die Rechnung des in Sarnen neu erbauten Kollegiums verantwortlich. 1804 kam noch die Verwaltung des konstanz. Diözesanfonds dazu.

Das geringe Ausmass der Staatstätigkeit lässt sich auch den Landseckelrechnungen entnehmen: Die Sitzungsgelder und Verwaltungskosten betrugen 1700 rund 2'500 Gulden und verdoppelten sich bis 1850. Die Kanzleiarbeiten bewältigte ein einziger Landschreiber, zu dessen Unterstützung 1709 ein zweiter gewählt wurde. Erst nach der Mitte des 19. Jh. wurden zwei weitere Kanzlisten angestellt. Im 18. Jh. hatten die Einnahmen des Landseckels neben Bussen und Gültzinsen v.a. aus den Pensionengeldern und dem Anteil an der Verwaltungsrechnung der dt. Vogteien bestanden. Beide Einnahmequellen versiegten 1798. Seither brachten die Konsumsteuern auf Alkoholika und und die Zölle bedeutende Einnahmen. Die weniger ergiebigen Pulver- und Postregalien und auch die Zölle verschwanden mit dem Bundesstaat. Landessteuern auf dem Vermögen wurden nur gelegentlich als Kriegssteuern zur Deckung grösserer Defizite in der Landseckelrechnung oder zur Rückzahlung von Anleihen erhoben. Die verfassungsmässige Grundlage für direkte Steuern auf Einkommen und Vermögen schuf die Verfassung von 1867, auf die sich das erste Steuergesetz von 1870 abstützte. Vorerst wurden zeitlich beschränkte Landessteuern v.a. für die Gewässerkorrektionen bezogen. Ab 1912 verlangten die steigenden Staatsausgaben alljährl. Steuerbezug.

Ein Indiz für die zunehmende Staatstätigkeit, die zum Teil eine Folge der Bundesgesetzgebung war, bildet die Anzahl der Staatsangestellten, die trotz des Wegfalls der Zoller, des Landläufers und des Sustmeisters stieg. Die 1868 geschaffenen Departemente beschäftigten den Oberförster, den Kantonsingenieur, die Kantonsschullehrer und andere Verwaltungsangestellte als Mitarbeiter. 1889 hatte O. 20, im Jahr 2000 325 Kantonsangestellte. Ein weiterer Gradmesser sind die Staatsausgaben: Die ordentl. Aufwendungen, die 1860 24'000 Fr. betragen hatten, überschritten 2000 die Grenze von 200 Mio. Fr.

Autorin/Autor: Niklaus von Flüe

5 - Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur im 19. und 20. Jahrhundert

5.1 - Bevölkerung und Siedlung

Die Bevölkerung O.s zählte 1798/99 10'580, 1850 13'799, 1900 15'260, 1950 22'125 und 2000 32'427 Einwohner. Das durchschnittl. Bevölkerungswachstum betrug 1798-1910 4,2o/oo und 1910-90 6,4o/oo. In beiden Perioden fiel das Bevölkerungswachstum O.s tiefer aus als dasjenige der gesamten Schweiz, für welche die Werte bei 6,7o/oo bzw. 7,3o/oo lagen. 1850-60 sowie 1880-88 hatte O. Bevölkerungsrückgänge um 2,9o/oo bzw. 2,4o/oo zu verzeichnen. Zwischen 1868 und 1900 wanderten 1'815 Personen aus O. nach Amerika aus.

1743 zählte von den beiden grossen Gem. Sarnen 2'730 Einwohner, ein Drittel mehr als Kerns (1'820). Von den vier kleinen Gem. war Sachseln (1'292) deutlich grösser und Lungern (868) deutlich kleiner als Alpnach (1'135) und Giswil (1'040). Ab 1850 wurde die Unterscheidung in grosse und kleine Gem. fallen gelassen. 2004 hatte Alpnach (5'156) Sachseln (4'456) überholt und lag nahe bei Kerns (5'236), Giswil (3'420) und Engelberg (3'493) waren etwa gleich auf, Sarnen (9'445) rangierte immer noch an der Spitze, Lungern (1'956) am Schluss.

In den Gem. wohnten 1850 mehrheitlich Gemeindebürger. Nur in Alpnach überwogen die 818 Beisassen, also die Bürger aus anderen Obwaldner Gem., die 556 Ortsbürger. Da Berner Bauern in Alpnach viele Grundstücke gekauft hatten, machten die 248 ausserkant. Einwohner 16,5% aus, während sie im ganzen Kanton kaum 5% erreichten. Dies änderte sich mit der von der Bundesverfassung 1848 verordneten Niederlassungsfreiheit; schon 1900 waren 25% der Einwohner Schweizerbürger anderer Kantone. Die Niederlassungsfreiheit förderte auch die Ansiedlung von Reformierten und von Ausländern.

Die Wohnbautätigkeit veränderte die Obwaldner Bauerndörfer in der 2. Hälfte des 20. Jh.; in Industriezonen wurde Raum für die wirtschaftl. Entwicklung geschaffen. Die Wohnbauzonen wurden vergrössert. Arbeitskräfte liessen sich besonders im Raum Alpnach-Sarnen nieder, von wo sie in die Wirtschaftszentren Luzern, Zug und Zürich pendeln.

Bevölkerungsentwicklung 1850-2000
JahrEinwohnerAusländer- anteilAnteil KatholikenAnteil ProtestantenAlters- struktur (Anteil >59)ZeitraumGesamt- zunahmeaGeburten- überschussaWanderungs- saldoa
185013 7990,1%99,9%0,1% 1850-1860-2,9o/oo-0,7o/oo-2,2o/oo
186013 3760,7%99,3%0,7%8,3%1860-18707,7o/oo9,1o/oo-1,4o/oo
187014 4430,8%97,5%2,5%8,8%1870-18806,3o/oo9,5o/oo-3,2o/oo
188015 3290,8%98,2%1,8%10,9%1880-1888-2,4o/oo4,7o/oo-7,1o/oo
188815 0433,0%97,8%2,2%12,0%1888-19001,2o/oo6,7o/oo-5,5o/oo
190015 2603,1%98,4%1,6%12,5%1900-191011,8o/oo11,9o/oo-0,1o/oo
191017 1614,7%97,0%3,0%11,5%1910-19202,3o/oo9,2o/oo-6,9o/oo
192017 5673,6%97,3%2,6%9,9%1920-193010,0o/oo10,1o/oo-0,1o/oo
193019 4015,4%95,8%3,9%10,2%1930-19414,3o/oo10,1o/oo-5,8o/oo
194120 3402,6%95,7%3,9%12,2%1941-19509,4o/oo14,3o/oo-4,9o/oo
195022 1253,1%96,1%3,7%12,3%1950-19604,5o/oo12,6o/oo-8,1o/oo
196023 1355,3%96,0%3,8%13,0%1960-19705,8o/oo11,8o/oo-6,0o/oo
197024 5096,5%95,4%4,2%16,5%1970-19805,4o/oo6,7o/oo-1,3o/oo
198025 8656,8%92,1%5,4%18,2%1980-199011,5o/oo6,7o/oo4,8o/oo
199029 0258,6%88,0%7,2%18,1%1990-200010,8o/oo4,4o/oo6,4o/oo
200032 42711,9%80,2%7,7%18,2%    

a mittlere jährliche Zuwachsrate

Quellen:HistStat; eidg. Volkszählungen; BFS

Autorin/Autor: Niklaus von Flüe

5.2 - Wirtschaft

O. blieb bis weit ins 20. Jh. hinein ein Gebiet der Land-, Alp- und Forstwirtschaft. Der Käseexport nach Italien brach ab den 1870er Jahren ein, als die neuen Möglichkeiten des Bahntransports die Konkurrenz verschärften. Die 1886 gegr. Kantonalbank hatte von Gesetzes wegen der Volkswirtschaft zu dienen und sollte u.a. verschuldeten Kleinbauern helfen, ihre Gülten zu amortisieren. Die Regierung erliess zur Föderung der Agrarwirtschaft 1891 eine Viehzuchtordnung sowie 1893 ein Landwirtschaftsgesetz.

In der 2. Hälfte des 19. Jh. entstanden die Holz verarbeitende Industrie sowie v.a. in Engelberg das Tourismusgewerbe. Der Bau der Brünigbahn (1888), der Pilatusbahn (1889) und der Stans-Engelbergbahn (1898) begünstigte den Fremdenverkehr. 1893 erschloss eine Standseilbahn das Stanserhorn, das sich innert hundert Jahren neben dem Pilatus zum zweiten Unterwaldner Hausberg entwickelte. In den zweiten Rang zurückversetzt wurde der Sommertourismus bis Ende des 20. Jh. durch den Wintersport: Engelberg, Melchsee-Frutt und Lungern-Schönbühl sind bekannte Skistationen.

Stroh wurde Ende des 19. Jh. in Heimarbeit, dann industriell verarbeitet; im 2. Weltkrieg ging die Strohflechterei ein. Der seit 1903 bestehende Steinbruch Guber in Alpnach überwand dagegen seine Krise mit einer neuen Betriebsgesellschaft. Ab 1888 bauten zuerst Private, dann die Gem. Kerns, Sarnen und Alpnach und schliesslich der Kanton Elektrizitätswerke. 1980 kaufte O. das 1921 durch die Centralschweiz. Kraftwerke erbaute Lungererseewerk zurück; seitdem führt es dieses in eigener Regie.

Bis 1950 förderten die Kantonsbehörden die Industrie nur wenig, dann setzten sie auf eine wirtschaftl. Diversifizierung und bemühten sich, Industrien anzusiedeln. Während ein Glasbläserbetrieb wieder wegzog, entwickelten sich die Nahrungsmittel- (Familia in Sachseln) und Kunststoffindustrie (Sarna in Sarnen) und der Apparatebau (Maxon in Sachseln) und expandierten sogar ins Ausland. Daneben behaupteten sich auch viele Kleinbetriebe in der Elektro- und Autobranche sowie in der Käseherstellung. Der 1. Sektor stellte 2005 noch 13% der Arbeitsplätze im Kanton, der 2. Sektor 36% und der 3. 51%. Weil O.s Wirtschaftsentwicklung mit der gesamtschweizerischen nicht Schritt hielt und der Kanton steuerschwach blieb, setzten Regierung und Volk Anfang des 21. Jh. auf eine schrittweise Revision der Steuergesetze, um Unternehmungen und kapitalkräftige Zuzüger anzuziehen. Diese Revisionen beinhalteten die Einführung der sog. Flat-Rate-Tax mit flachem und proportionalem Steuersatz auf das Jahr 2008.

Erwerbsstruktura
Jahr1. Sektor2. Sektor3. SektorbTotal
18604 45557,6%1 86224,1%1 41318,3%7 730
1870c3 92860,6%1 89129,2%66310,2%6 482
1880c4 03358,9%2 09230,5%72610,6%6 851
18883 65955,2%1 57623,8%1 39421,0%6 629
19003 40148,5%2 18531,2%1 42520,3%7 011
19103 32844,5%2 16929,0%1 98626,5%7 483
19203 70649,0%1 79823,8%2 06027,2%7 564
19303 16737,6%2 80233,3%2 45229,1%8 421
19413 30238,5%2 59530,2%2 68931,3%8 586
19503 01733,6%3 13834,9%2 83731,5%8 992
19603 06332,4%3 86040,9%2 52726,7%9 450
19702 22421,1%4 26440,4%4 06038,5%10 548
19801 90016,2%4 57539,1%5 22844,7%11 703
19901 42210,0%4 95634,9%7 82655,1%14 204
2000d1 0926,3%5 06929,5%11 03464,2%17 195

a bis 1960 ohne Teilzeitangestellte

b Residualgrösse einschliesslich "unbekannt"

c ortsanwesende Bevölkerung

d Die Beschäftigtenzahlen der Volkszählung 2000 sind wegen der grossen Zahl "ohne Angabe" (2 316) nur begrenzt mit den vorhergehenden Daten vergleichbar.

Quellen:HistStat; eidg. Volkszählungen

Autorin/Autor: Niklaus von Flüe

5.3 - Gesellschaft

Die Mehrheit der Bevölkerung war in der 1. Hälfte des 19. Jh. arm; der Rückgang der Nachfrage nach Söldnern und schliesslich das Verbot des Reislaufens 1859 verschärften für viele Bedürftige die Situation. In Sachseln hatten 1800 von 263 Haus- und Grundbesitzern 24% weniger als 1'000 Fr. Vermögen, 40% weniger als 2'000 Fr., während die drei Reichsten Eigentum zwischen 20'800 und 22'200 Fr. besassen. In Giswil galten zur gleichen Zeit von 1'033 Einwohnern 700 als Arme. Ihre Lage wurde mit der Einführung des Armengesetzes von 1851 teilweise verbessert, da nun die Gem. und nicht mehr die Verwandtschaft für die Armenunterstützung verantwortlich war. Mehrere Gem. errichteten danach Waisenhäuser, die erst nach dem 2. Weltkrieg - auch wegen der Einführung der AHV 1948 - überflüssig wurden.

Ein Teil der Bauernsame waren die Älpler. Ihre Organisation als Bruderschaft oder Älplerverein reicht in einzelnen Gem. bis ins 17. Jh. zurück. Die Älpler von Sarnen gaben sich 1882 erste Statuten. Die Älplergesellschaften hielten sich auch in einem veränderten wirtschaftl. Umfeld bis in die Gegenwart. Die Tradition ihrer Älplerkilbi mit den Auftritten des Wildmas (wilder Mann) und des Wildwybs (wildes Weib) erreicht heute aber nur mehr eine Minderheit der Obwaldner Gesellschaft.

Im Laufe des 20. Jh. hat sich die gesellschaftl. Stellung der Frau tiefgreifend verändert. Als Heimarbeiterin für die Strohindustrie trug sie an der Wende vom 19. zum 20. Jh. zum Familieneinkommen bei. Sie konnte als Mitglied von kath. Müttervereinen für die Kirche und für die Familienpolitik aktiv werden. Rosalie Küchler-Ming engagierte sich auf schweiz. Ebene 1929 für das Frauenstimmrecht, allerdings ohne grosses Echo bei den Obwaldnerinnen und Obwaldnern. Noch der Verfassungsrat von 1947 mass dem Frauenstimmrecht wenig Bedeutung bei. 1961 gründeten Obwaldnerinnen eine Sektion des Schweiz. Frauenbunds, die sich aber im Vorfeld der Verfassungsrevision von 1968 nicht für die Einführung des Frauenstimmrechts aussprach. 1972 erhielten die Frauen in O. das volle Stimm- und Wahlrecht, im gesellschaftl. Leben hatten sie sich schon vorher emanzipiert.

Schützengesellschaften entstanden in O. ab dem Ende des 17. Jh. 1860 zählte der Halbkanton 36 Vereine, darunter sechs Musikvereine sowie zehn Schützenvereine auf Gemeindeebene und die 1852 gegründete kant. Schützengesellschaft. Die Offiziere hatten sich 1856 zusammengeschlossen, die Unteroffiziere vor 1885.

Viele konfessionell neutrale Vereine wurden in der 2. Hälfte des 20. Jh. ins Leben gerufen, v.a. Sportvereine (Fussball, Volleyball, Unihockey), für welche die Gem. eine entsprechende Infrastruktur errichteten. Schweiz. und kant. Grosswettkämpfe belebten die sportl. Aktivitäten im Kanton. Seit 1904 führen die Ob- und Nidwaldner Schwingerverbände sowie die Haslitaler Sektion den populären Brünigschwinget durch. Dem Ende des 20. Jh. lancierten Projekt des " Obwaldner Sportvalleys" war nur wenig Erfolg beschieden.

Autorin/Autor: Niklaus von Flüe

5.4 - Kultur und Bildung

Das älteste Obwaldner Zeitungsprodukt war das 1854 herausgegebene "Amts-Blatt des Kt. Unterwalden ob dem Wald" (seit 1936 "Obwaldner Amtsblatt"). Die 1862 erschienene "Obwaldner Wochenzeitung" (1865-73 "Obwaldner Zeitung") wurde von Ständerat Nicolaus Hermann redigiert, der dem Halbkanton den Bundesstaat näher zu bringen suchte. Als Konkurrenzblatt gegen Hermanns liberale Zeitung gründete Landammann Simon Ettlin 1870 den kath.-konservativen "Obwaldner Volksfreund". Der ab 1923 von Gottfried Burch in Lungern edierte kath.-konservative "Anzeiger für Lungern und Umgebung" (1927-30 "Obwaldner Zeitung und Anzeiger für Lungern", 1931-46 "Obwaldner Zeitung", 1947-72 "Lungerer Bote") fusionierte 1972 mit dem "Obwaldner Volksfreund" zum "Obwaldner". Ab 1975 gab der Presseverein in Lungern die Zeitung "D'r Lungerer" (ab 1981 "Obwaldner Wochenblatt") als Nachrichtenblatt für den oberen Kantonsteil heraus. Ab 1893 erschien "Der Unterwaldner" zunächst als unabhängiges Organ in Giswil (1893-98) und dann in Sarnen (1898-1909). 1908 wurde er zum Sprachrohr der liberalen Obwaldner Volkspartei. Nach der Übernahme des "Nidwaldner Boten" 1909 wurde er von den Liberalen beider Halbkantone in Stans herausgegeben. 1980 ging er im "Luzerner Tagblatt" auf, das sich 1991 seinerseits mit dem "Vaterland" zur "Luzerner Zeitung" vereinigte. Seit 1993 bringt der Verlag Neue Luzerner Zeitung die "Obwaldner Zeitung" (seit 1996 "Neue Obwaldner Zeitung", Auflage 2008 6'054 Exemplare) und das "Obwaldner Wochenblatt" (Auflage 2008 4'512 Exemplare, im Aug. 2009 eingestellt) heraus.

Ein vielfältiges Brauchtum prägt das kulturelle Leben O.s. Die - zum Teil wiederbelebten - Bräuche kirchl. oder welt. Ursprungs durchziehen das ganze Jahr. Bekannt sind das Dreikönigssingen (ehemals Neujahrssingen) am 6. Januar, das Bläsimutschli (besondere Brötchen zum Blasiustag) am 3. Februar, die Agathaprozession und das Agathabrot am 9. Februar, die aus geistl. Spielen früherer Jahrhunderte entstandenen Dorftheater zur Fastnachtszeit, das Römern (Nachtwallfahrt) vor Karfreitag, die Landeswallfahrt nach Einsiedeln Anfang Mai, die Alpauf- und -abfahrten und Älplerkilbi sowie die Chlauseinzüge (um den 6. Dezember).

Seit dem 19. Jh. führen die Laientheatergesellschaften regelmässig Volksstücke auf. Die Studenten am Kollegium Sarnen und an der Stiftsschule in Engelberg sowie die Theatergesellschaften von Sarnen, Sachseln und Giswil bringen auch anspruchsvolle Inszenierungen auf die Bühne. Heimatbezogene Werke schrieben Heinrich Federer und Rosalie Küchler-Ming. Mundartliteratur schufen Hedwig Egger-von Moos, Margarete Haas und Julian Dillier. Karl Imfeld verfasste Gedichte, Prosatexte und Übersetzungen in Mundart sowie ein Obwaldner Mundartwörterbuch.

Obwaldner Volksliedgut wurde von Alfred Leonz Gassmann gesammelt. Ruedi Rymann machte das Obwaldner Jodellied ("Schacher Seppli") im ganzen Land bekannt. Bedeutende Komponisten waren Josef Garovi und Caspar Diethelm. Robert Barmettler, Blasmusikkomponist, schuf 1939 das "Landiliedli". August Wirz und Francesco Raselli komponierten v.a. für Blasmusiken. Leo Kathriner verfasste als Orgellehrer am Konservatorium Freiburg ein Lehrbuch. Das Kloster Engelberg besitzt die grösste Orgel der Schweiz (gebaut 1875, 1924-26 und 1992-93 modernisiert). In den Gem. pflegen Musikschulen, Musikgesellschaften, Kirchen- und Jodelchöre sowie Gesangsvereine das musikal. Leben. Guggenmusiken haben seit 1957 in grosser Anzahl die Fastnacht erobert. Der Kanton, der seit 1985 über eine Kulturabteilung verfügt, führte mit "Obwald 2006" ein erstes Volkskulturfest durch.

Der Tiroler Bildhauer Franz Abart, Joseph Maria Ettlin und Nikodem Kuster schufen in Kerns religiöse und hist. Bildwerke. Ihren Stil setzte der Holzschnitzer Beat Gasser fort. Xaver Ruckstuhl und Hugo Imfeld waren hervorragende Bildhauer des 20. Jh. Als Maler bekannt wurde Franz Andreas Heymann mit seinen kirchl. Kunstwerken und Porträts. Den bäuerl. Alltag zeigen die Bilder Karl Buchers. Anton Stockmann bewies sein grosses Talent mit seinen Werken in der Tradition der Nazarener und des franz. Impressionismus. Der Basler Emil Schill erkor O. zu seiner Wahlheimat und schuf realist. Landschaftsbilder. Ebenfalls mit solchen, aber auch mit seinen Glasmalereien machte sich Bepp Haas einen Namen. Glasgemälde und Grafiken waren die Stärke von Albert Hinter. Hervorragende graf. Arbeiten schufen auch Herbert Matter und Paul Diethelm. Die Holzschnitte von Giuseppe Haas-Triverio sind von Realismus und die Bilder von Josef von Rotz expressionistisch geprägt. Meinrad Burch-Korrodi war ein Pionier der modernen Goldschmiedekunst. Über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist der Bildhauer Kurt Sigrist.

Das geschichtl. Erbe bewahren das Hist. Museum Obwalden in Sarnen, 1877 vom hist.-antiquar. Verein geschaffen, das 1976 eingerichtete Museum Bruder Klaus in Sachseln mit einer Ausstellung über den Schriftsteller Heinrich Federer sowie der Sammlung Christian Sigrist (Miniaturen aus dem Bauernleben) und das seit 1988 bestehende Talmuseum Engelberg. Seit 1998 kümmert sich die Heimatkundl. Vereinigung Giswil um Geschichte und hist. Zeugen der Gemeinde. Das Staatsarchiv O. hütet unter seinem hist. Schrifttum als bedeutendstes Dokument das "Weisse Buch von Sarnen", das eine um 1475 verfasste Gründungsgeschichte der Eidgenossenschaft enthält. Die 1895 gegr. Kantonsbibliothek O. ist seit 1980 im Grundacherhaus in Sarnen untergebracht.

1849 erklärte O. in seinem ersten Schulgesetz den sechsjährigen Schulbesuch für obligatorisch. Die Schulzeit wurde durch Revisionen des Schulgesetzes 1947 auf sieben, 1978 auf acht und 1992 auf neun Jahre ausgedehnt. Die Schulen werden von den Gem. unterhalten. Seit 1935 engagiert sich der Kanton für die Berufschulen; seit 1971 betreibt er diese teilweise in Zusammenarbeit mit Nidwalden. Die Maturitätsschule in Sarnen, die ab 1841 von Benediktinern aus dem aufgehobenen Stift Muri in Aargau geführt wurde, ist seit 1966 ein kant. Gymnasium. Das Gymnasium in Engelberg ist eine Privatschule des Klosters, aber kantonal anerkannt. Seit 1995 ist ihm eine Sportmittelschule angeschlossen. Für höhere Fachschulen hat O. mit dem Kt. Luzern Konkordate geschlossen. 2001-04 erhöhte sich die Anzahl der Studierenden aus O. an höheren Schulen von 402 auf 498, während die Schülerzahl im Kanton minimal von 5'695 auf 5'679 fiel. 1850 hatten rund 1'200 Kinder die Schule besucht.

Die Obwaldner Bevölkerung war 1848 zu 100%, 1950 zu 96% und 2000 zu 80% katholisch. O. zählte bis 1814 zum Bistum Konstanz, 1819 kam es provisorisch zum Bistum Chur. Die Frage der Bistumszugehörigkeit blieb seitdem ungelöst; die Obwaldner Behörden favorisierten in den 1820er und 30er Jahren einen Anschluss an das Bistum Basel und später dann die Gründung eines eigenen Bistums für die Urkantone. Das 1970 errichtete Generalvikariat Urschweiz wurde 2008 in ein Bischofsvikariat umgewandelt. Das 1971 enstandene Dekanat O. umfasste 2008 elf Pfarreien. Die kath. Jugend- und Erwachsenenorganisationen hatten ihre Blütezeit vor dem 2. Weltkrieg. Schweizweite Aufmerksamkeit wurde den seit 1970 alljährlich von Blauring und Jungmannschaft organisierten Ranfttreffen zuteil.

Die ersten Reformierten wanderten aus dem Berner Oberland in Giswil und in Alpnach ein, wo sie 1862 eine eigene Kirchgemeinde bildeten und eine eigene Schule führten. 1907 entstand die evang.-ref. Kirchgemeinde O. (alter Kantonsteil), 1972 jene von Engelberg. Der Anteil der ref. Kantonsbevölkerung lag 1888 bei 2,2%, 1950 bei 3,7% und 2000 bei knapp 8%. In der 2. Hälfte des 20. Jh. wanderten auch Mitglieder von Freikirchen und Moslems v.a. aus dem Balkan zu. Auch in O. stieg die Zahl der Konfessionslosen.

Mit der Abnahme der Religiosität in der Gesellschaft ging ein Rückgang der Wallfahrten zu den Bruder Klausen-Stätten in Sachseln und auf dem Flüeli einher. Von 1947, dem Jahr der Heiligsprechung von Bruder Klaus, bis zum Ende des 20. Jh. ging der jährl. Strom der Pilger um die Hälfte auf rund 100'000 Personen zurück.

Autorin/Autor: Niklaus von Flüe

Quellen und Literatur

Archive
– StAOW
– StiA Engelberg
Quellen
Slg. der Gesetze und Verordnungen des Kt. Unterwalden ob dem Wald 1-6, 1853-[1900]
Amts-Bl. des Kt. Unterwalden ob dem Wald, 1854-, (versch. Titeländerungen, seit 1979 Amtsbl. des Kt. O.)
Amts-Ber. über die Staatsverwaltung und über die Rechtspflege des Kt. Unterwalden ob dem Wald, 1868-84, (ab 1903 Fortsetzung in zwei Reihen)
Landbuch für den Kt. Unterwalden ob dem Wald 1-, 1899-, (ab 1972 Landbuch des Kt. O.)
Literatur
– Historiografie
– Die hist.-krit. Erforschung der Obwaldner Gesch. beginnt nach der Mitte des 19. Jh. mit der Edition des Obwaldner "Landbuchs" von Johannes Schnell und Hermann Christ und des Talrechts von Engelberg von Johannes Schnell sowie mit Andreas Heuslers Abhandlung über die Rechtsverhältnisse am Gemeinland. Anton Küchler leistete im lokalhist., Robert Durrer im kunsthist. Bereich im späten 19. bzw. im frühen 20. Jh. Pionierarbeit. Benediktinerpater Emmanuel Scherer leitete 1915-16 die Ausgrabungen der röm. Villa in Alpnach ein. Ignaz Hess und Gall Heer setzten sich in der 2. Hälfte des 20. Jh. v.a. mit Engelberg auseinander, Ephrem Omlin betrieb prosopograf. Forschungen über die Landammänner und die Geistlichen, Leo Ettlin verfasste die Biografie Johann Baptist Dilliers, Rupert Amschwand ergänzte Robert Durrers Quellenwerk über Bruder Klaus, Daniel Rogger befasste sich mit O.s Landwirtschaft im SpätMA und Niklaus von Flüe widmete sich v.a. den gesellschaftl. Umbrüchen vom ausgehenden 18. und bis in die 2. Hälfte des 19. Jh. Ludwig von Moos schrieb über die Gesch. der Obwaldner Kantonalbank sowie die Verfassungsgesch. des frühen 20. Jh., und Remigius Küchler edierte die Gerichtsprotokolle von 1529-71 und erforschte die Geschichte des Handels über das Val d'Ossola. Ergänzt wurden diese Arbeiten durch die Befunde der archäolog. Grabungen, welche die Univ. Basel und Zürich von den frühen 1980er Jahren an vornahmen. 1995 legte Peter Felder seinen Überblick über die Kunstlandschaft Innerschweiz vor; 2000 erschien die von Angelo Garovi verfasste "Obwaldner Geschichte" als erste Gesamtdarstellung.

Autorin/Autor: Angelo Garovi