24/03/2014 | Rückmeldung | PDF | drucken

Alpnach

Polit. Gem. OW, mit A. Dorf, Alpnachstad und Schoried. Um 870 Alpenacho. A. liegt auf den Schuttkegeln zweier Wildbäche, der Gr. und Kl. Schliere. Von der Mitte des 19. Jh. an entwickelte sich A. zum Strassendorf, in jüngerer Vergangenheit zum verstädterten Haufendorf. 1799 1'157 Einw.; 1850 1'622; 1900 1'779; 1950 3'022; 2000 4'932.

1913 wurde ein röm. Gutshof entdeckt, der gegen Ende des 1. Jh. n.Chr. entstanden und bis zum 3. Viertel des 3. Jh. besetzt war. Er unterhielt Beziehungen zu Vindonissa und dürfte für die Verkehrsachse Rengg-Brünig-Grimsel-Griespass eine Rolle gespielt haben. Grundbesitz des Klosters Murbach-Luzern ist ab ca. 870 bezeugt. Neben freien Bauern waren die Gf. von Lenzburg (bis 1036), das Stift Beromünster, das Benediktiner- und das Frauenkloster Engelberg, St. Blasien (D), die Habsburger und die Frh. von Wolhusen Grundherren. Die schwache Erfassung durch auswärtige Herrschaften stärkte die lokalen bäuerl. Führungsgruppen, die im 14. und 15. Jh. die Verlagerung vom Acker-Weide-Betrieb zur intensiven Weidewirtschaft (Alpwirtschaft, Vieh- und Käseexport in die Lombardei) betrieben. 1368 lösten die Alpnacher Kirchgenossen von der Gräfin Margarethe von Strassberg, Freifrau von Wolhusen, alle Steuern, Gülten, Gerichte und Rechte ab, die sie in A. hatte. Sie begründeten damit die Kirchgenossengem., die bis 1850 die polit. Gewalt innehatte, danach als Bürgergem., seit 1998 als Korporation ihren Besitz (Allmenden, Wälder, Alpen) verwaltet. Dieser Besitz wurde 1427 auf zwei Korporationen aufgeteilt, die sich 1487 und 1498 erste Verordnungen gaben, sog. Einungen. Die erste Kirche ist 1173 erw. (Marienpatrozinium, später Maria Magdalena). Patronatsinhaber waren Beromünster und Murbach-Luzern, letzteres im 13. Jh. allein, 1291-1460 die Habsburger. Die heutige klassizist. Pfarrkirche wurde 1821 geweiht. Kapellen: St. Michael (Beinhaus) 1501, St. Joseph in Alpnachstad 1702, St. Theodul in Schoried 1711, Rengg 1567, Lütholdsmatt 1969. 1861 wurde die Strasse nach Luzern eröffnet. Um die Mitte des 18. Jh. setzten Auswanderungen nach Übersee ein; ref. Haslitaler übernahmen die verlassenen Berggüter und bauten 1872 in A. die erste ref. Kirche der Urschweiz. Die Abgeltung alter Nutzungsrechte auf dem Alpnacher Ried 1887 ermöglichte vom Beginn des 20. Jh. an Grossmeliorationen. Diese -- und die Verbauung der beiden Schlieren ab 1879 -- führten zu bedeutender Steigerung der landwirtschaftl. Produktion. Die Bevölkerungszunahme von 1888 ist begr. im grossen Ausländerbestand beim Bau der Brünig- (1888-89) und der Pilatusbahn (1889), jene um 1910 im Aufschwung der Hausindustrie (Strohhüte), der Parkettfabrikation (ab 1865) und der Eröffnung des Steinbruchs Guber (1903). Die bäuerl. Wirtschaftsstruktur wurde nach dem 2. Weltkrieg durch ein starkes Gewerbe verdrängt (Bau, Holzverarbeitung, ab 1966 Normmöbelfabrik). Der erste Zonenplan 1971 förderte die Industrialisierung (1990 43% Arbeitsplätze im 2. Sektor). Der 1940 in Betrieb genommene Militärflugplatz ist seit 1964 Helikopterbasis der Armee.


Literatur
– O. Camenzind, A., 1991

Autorin/Autor: Otto Camenzind