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Appenzell (Kanton)

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1513-97 Ort der Eidgenossenschaft. 1597 Trennung in Appenzell (Ausserrhoden) und Appenzell (Innerrhoden). Amtl. Umschreibung: Land Appenzell. Alte Umschreibung: 1379 Appenzell daz lant (noch ohne Trogen, Herisau und das Vorderland); evtl. ab 1403, sicher 1429-1597 im Umfang der beiden nachfolgenden Halbkantone. Amtssprache war Deutsch, Hauptort der Flecken Appenzell.

Die Hügel- und Berglandschaft des Kt. A. gehört mit der Molassezone im nördl. Teil noch zum Mittelland, im südl. Teil mit dem Alpstein und dessen höchster Erhebung, dem Säntis, zu den Voralpen. Die Berg- und Hügelzüge verlaufen in der Regel von Südwesten nach Nordosten. Die Flüsse, welche den Raum fast ausschliessl. nach Norden entwässern (v.a. Urnäsch, Sitter, Rotbach, Goldach), gliedern das Kantonsgebiet mit ihren Tobeln bzw. Taltrögen in Teillandschaften: das Hinter-, Mittel- und Vorderland des heutigen Halbkt. A. Ausserrhoden sowie den Taltrog um den Flecken A. im heutigen Halbkt. A. Innerrhoden.

1 - Von der Urzeit bis ins Hochmittelalter

1.1 - Ur- und Frühgeschichte

Im Kt. A. wurden bisher keine systemat. archäolog. Geländeuntersuchungen durchgeführt. Ausgrabungen in der Höhlengruppe des Wildkirchli, auf ca. 1500 m, belegen die Anwesenheit altsteinzeitl. Jägergruppen im mittleren Abschnitt der letzten Eiszeit (vor ca. 40'000 Jahren). 1993 wurden in der Höhle Altwasser I, zwischen Sämtiser- und Fählensee im Alpstein, von Menschen bearbeitete Tierknochen (Steinbock, Gemse, Rotfuchs, Marderartige, Vögel) sowie Silizes aus der Zeit um 10'000 v.Chr. (Übergang Spätpaläolithikum-Frühmesolithikum) entdeckt. Geräte des Mesolithikums kamen bei der Ausgrabung der Burgruine Urstein (Gem. Herisau) zum Vorschein. Eine neolith. Axt aus Felsgestein fand sich im Seckbach (Bez. Schwende), ein spätbronzezeitl. Bronzebeil in einem ehem. Bachbett in der Forren (Bez. A.). Für anscheinend im Gebiet zwischen dem innerrhod. Oberegg und dem sankt-gall. Berneck gefundene röm. Münzen fehlen zuverlässige Ortsangaben. Aus alledem kann zumindest eine ur- und frühgesch. Begehung des Gebiets erschlossen werden.

Der Ortsnamenforschung sind keine Dauersiedlungsnamen aus der Zeit vor dem 7./8. Jh. bekannt. Die mit vordt. Namen bezeichneten Flüsse Sitter und Necker reichen nur im obersten Lauf in Appenzeller Gebiet hinein. Dagegen belegen versch. Berg- und Alpnamen, z.B. Säntis und Alp Sämtis am Sämtisersee (850-855 iugum Sambutinum), durch ihre rom. Herkunft, dass der Alpstein bereits in voralemann. Zeit bekannt war (und evtl. vom altrom. St. Galler Rheintal und obersten Toggenburg her alpwirtschaftl. genutzt wurde). Rom. Ursprungs ist auch der Flussname Urnäsch (9. Jh. Urnasca), verm. eine Ableitung von alpis orana = Grenzalp, einem älteren Namen für die Schwägalp. Nach dem Fluss wurde, entsprechend ihrer Lage, die alemann. Siedlung Urnäsch bezeichnet.

Autorin/Autor: Rainald Fischer

1.2 - Siedlung und Herrschaft im 8.-11. Jahrhundert

Die alemann. Besiedlung des Appenzellerlandes begann verm. erst im 8. Jh.; Reihengräber mit Beigaben und die für eine frühere Zeit charakterist. Siedlungsnamen auf -ingen und -inghofen fehlen. Vordt. Bergnamen wurden lautl. teils verschoben (Gäbris, von Gabrêta), teils unverschoben (Kamor, von ganda mora) übernommen. Die Siedlungsnamen der ältesten dt. Namenschicht im Appenzellerland, -wil-Orte, häufen sich im Gemeindegebiet von Herisau. Ihre Verbindung mit Personennamen wie Baldo, Ramo oder Wolfker deutet auf eine Besiedlung vom sankt-gall. Fürstenland her, wo ähnl. gebildete Siedlungsnamen bekannt sind. In den anderen Landesteilen sind Ortsnamen, die auf diese frühe Zeit hinweisen, seltener, doch dürften zumindest Namen wie Brülisau (Bez. Rüte) und Büriswilen (Bez. Oberegg) dazugehören. Umstritten ist, ob der Ortsname Hundwil in Verbindung zur frühma. Organisationsform der Huntari (Hundertschaft) steht.

Die frühesten schriftl. Belege von Siedlungen, Besitz-, Herrschafts- und kirchl. Verhältnissen im Gebiet des Kt. A. sind durch Urkunden des Klosters St. Gallen aus dem 8.-11. Jh. überliefert. Sie konzentrieren sich zuerst auf das Hinterland und betreffen später auch den Talkessel von A.; das Mittel- und das Vorderland sind erst in jüngerer Zeit urkundl. belegt. Personen, die verm. einem sich ausbildenden Adel angehörten, verfügten über grossräumig verbreiteten Güterbesitz. Der früheste Beleg einer Örtlichkeit im heutigen Kantonsgebiet betrifft die Siedlung Schwänberg bei Herisau (821 Suweinperac). 837 wird Herisau genannt, 854 die Sitter, Ende des 9. Jh. der Rotbach und die Urnäsch, 921 der Ort Hundwil. In der Gründungsurkunde der Kirche A. (Abbacella) aus dem Jahr 1071 werden als Teile bzw. Grenzen des zugehörigen Zehntbez. auch die Alpen Soll, Meglisalp und Potersalp sowie der Kronberg und die Hundwilerhöhe erwähnt.

Autorin/Autor: Rainald Fischer

2 - Herrschaft, Politik und Verfassung vom Hochmittelalter bis zur Landteilung (1597)

2.1 - Die St. Galler Klosterherrschaft im 12.-14. Jahrhundert

Grundherrl. Rechte des Klosters St. Gallen in A. gelangten womögl. bereits mit der Schenkung von Grundbesitz durch den Tribun Waltram an Abt Otmar um 719 in den Besitz des Klosters St. Gallen. Im Laufe des Hoch- und SpätMA fügten sich zahlreiche grund-, leib-, kirch- und gerichtsherrl. Rechte des Klosters zu einem Herrschaftsgebilde zusammen, das für viele, jedoch nicht alle Gebiete des Appenzellerlandes als Landesherrschaft bezeichnet werden kann. Zur Sicherung der fürstäbt. Herrschaft bauten Ulrich und Heinrich von Sax um 1210 die Feste Clanx. Das fakt. Ende der äbt. Landesherrschaft in A. brachten die eidg. Schiedssprüche, mit denen 1429 die Appenzeller Kriege ihren Abschluss fanden. Abgaben wie Grundzinsen und Zehnten, die auf anderen Rechtstiteln des Klosters beruhten, flossen allerdings noch bis ins 16. Jh. aus dem Land A. nach St. Gallen.

818 hatte Ks. Ludwig der Fromme der Abtei St. Gallen die Immunität verliehen und sie zum Reichskloster erhoben. Die Klostervogtei und die daraus abgeleitete hohe Gerichtsbarkeit im fürstäbt. Territorium wurde vom Kloster in der Folge an Vögte vergeben. 1166 übertrug Abt Werinher die Vogtei Gf. Rudolf von Pfullendorf. Weil dieser ohne männl. Erben blieb, vererbte er sie 1180 dem stauf. Ks. Friedrich I. Barbarossa, wodurch sie zur Reichsvogtei wurde. In der nachstauf. Zeit wurde diese stückweise an Adlige aus dem Bodenseeraum verpfändet. Die Orte A., Hundwil, Teufen und Urnäsch sowie Nachbargebiete gehörten zur Reichsvogtei St. Gallen, daneben bestanden die kleineren Reichsvogteien Trogen, Herisau und Rheineck, zu welcher das später appenzell. Vorderland gehörte. Die Reichsvögte, welche u.a. das Vogtrecht und die Vogtsteuer einzogen, standen nun nicht mehr in einem unmittelbaren Abhängigkeitsverhältnis zur Abtei. Das Appenzellerland geriet dadurch in ein Spannungsfeld zwischen äbt. Herrschaftsrechten und dem eigenen Anspruch, reichsunmittelbar zu sein. Zwar versprach Ks. Ludwig der Bayer 1333 den gemeinden der telrer [Täler] A., Hundwil und Teufen in der Reichsvogtei St. Gallen, sie nie vom Reich zu versetzen. Doch bereits 1344-45 konnte Abt Hermann von Bonstetten die Pfandschaft über die Vogtei kaufen. 1353 erhielt er zudem ein kaiserl. Markt- und Zollprivileg für den Ort A., womit die Grundlage zur äbt. Landesherrschaft im Appenzellerland gelegt war.

Zweifelhaft ist, ob die St. Galler Grundherrschaft in A. im HochMA jemals villikationsmässig (Fronhof) organisiert war. Die Funktion der Meier dürfte sich auf den Einzug der grundherrl. Abgaben und die Ausübung der Niedergerichtsbarkeit beschränkt haben. Im Rahmen der Verfestigung ihrer Meierämter zu Erblehen und ihres Aufstiegs in die äbt. Ministerialität bauten die betreffenden Geschlechter im appenzell. Raum Steinhäuser in der Lank beim Ort A., im Sonder bei Hundwil sowie die Burgen Rosenburg und Rosenberg bei Herisau. Sie errichteten eigene Herrschaften, deren bedeutendste diejenige der Rorschach-Rosenberger war.

Aufschluss über den Umfang und die Organisation der spätma. Klosterherrschaft im Appenzellerland gibt die um 1420/21 von Abt Heinrich IV. von Mansdorf zuhanden des eidg. Schiedsgerichts verfasste Klagschrift. Dezentrale Verwaltungseinheiten waren die Ämter, die sich aus den grundherrl. niederen Gerichten entwickelt hatten: Belegt sind vor 1420/21 die drei Ämter A. (Pfarreigebiet), Hundwil (mit Urnäsch) und Teufen (bis um 1375, danach Teil des äbt. Hofamts). Teile des östl. Kantonsgebiets gehörten zum Meieramt Altstätten. Im westl. Hinterland hatte sich die Freivogtei Schwänberg-Baldenwil entwickelt. Der Ammann, ein vom Abt eingesetzter Appenzeller Landmann, war oberster Beamter eines Amts. Er übte die niedere Gerichtsbarkeit aus, zog bei Handänderungen den Ehrschatz ein, von Gotteshausleuten im Todesfalle Fall und Lass, und bot zu Fronarbeiten auf. Ammann und Steuersammler ("Rhodmeister") zogen den sog. Dienst, eine grundherrl. Abgabe an Käse und Vieh, die meist in Geldabgaben umgewandelt worden war, bzw. die Vogtlämmer und die Vogtsteuer ein.

Autorin/Autor: Rainald Fischer

2.2 - Der Weg zur Unabhängigkeit (1401-1566)

Die demograph. Krise des SpätMA führte im 14. Jh. zu einer Abnahme des Bevölkerungsdrucks, damit zu Besitzkonzentrationen, landwirtschaftl. Produktivitätssteigerungen und einer Intensivierung der Viehwirtschaft, was sich für die bäuerl. Appenzeller Bevölkerung insgesamt durchaus positiv auswirkte. Die herrschaftl. Einkünfte des Klosters St. Gallen dagegen gerieten unter Druck. Gründe dafür lagen in den sinkenden agrar. Erträgen, den verminderten personenbezogenen Abgaben und einer (mangels herrschaftl. Durchsetzungsvermögens) geringeren Abgabebereitschaft. Nach einer Phase der Aufweichung der herrschaftl. Rechte der Abtei versuchten die Äbte Georg von Wildenstein (1360-79) und v.a. Kuno von Stoffeln (1379-1411), die fürstäbt. Herrschaft wieder zu verdichten, indem sie bestehende, aber zuvor vernachlässigte Rechte (Ehrschatz-, Fall-, Freizügigkeitsabgaben) wieder konsequent einforderten. Dies führte zum Widerstand aus dem Land A. und der Stadt St. Gallen, die sich auf ihre hergebrachten Rechte beriefen. Mit ihrem Bündnis vom 17.1.1401 zum Schutz der vorgebl. alten Rechte bezügl. Freizügigkeit, Eheschliessung, Vererb- und Veräusserbarkeit der Stiftslehen sowie Jagd und Fischerei eskalierte der Konflikt in der krieger. Auseinandersetzung der Appenzeller Kriege. Diese erfuhren 1403 eine für die Folgezeit bedeutsame Ausweitung durch die Einflussnahme des Landes Schwyz, das mit einem eigenen Hauptmann bzw. Landammann die militär. und auch polit. Führung der Appenzeller wahrnahm. Mythologisierte die schweiz. Historiographie die Appenzeller Kriege noch bis in die 1970er Jahre als Freiheitskampf nach dem Muster der eidg. Befreiungstradition, so gelten sie heute als Beispiel einer bäuerl. Revolte gegen die Herrschaft, wie sie in ganz Europa im SpätMA zahlreich vorkamen. Im Ergebnis führten sie denn auch keineswegs direkt in die Eidgenossenschaft, sondern vorerst 1411 durch das Burg- und Landrecht mit den sieben eidg. Orten (ohne Bern) zu einem Prozess, der auch als "Domestikation der Appenzeller" durch die Eidgenossen charakterisiert worden ist. Der eidg. Schiedsspruch von 1421 reduzierte die klösterl. Rechte auf Rentenbezüge aus grund- und leibherrl. Rechten, auf eine jährl. Pauschale von 100 Pfund für Ehrschätze sowie auf eine verringerte Reichsvogteisteuer, während die niederen Gerichte, Twing und Bann den Appenzellern zugesprochen wurden. Die eidg. Schiedssprüche und die Friedensschlüsse von 1429 stellten die appenzell. Abgabepflichten gegenüber der Abtei St. Gallen (mit der Möglichkeit des Auskaufs) teilweise wieder her und bestätigten u.a. die territorialen Erweiterungen des Landes A. im heutigen Vorderland. Insgesamt können die Appenzeller Kriege als wesentl. Phase in der Ausgliederung des Landes A. aus dem äbt. Herrschaftsverband und als Beginn der Eingliederung in die Eidgenossenschaft gelten.

Nach den Friedensschlüssen kamen die Appenzeller ihren finanziellen Verpflichtungen gegenüber der Abtei St. Gallen nach. Bis 1437 blieben eidg. Hauptleute aus Schwyz und Glarus den einheim. Ammännern vorgesetzt. Die eidg. Bevormundung schützte indes auch die appenzell. Gerichtskompetenzen. Die Fehde, die zwischen Zürich und Schwyz um das Erbe des 1436 verstorbenen letzten Gf. von Toggenburg ausbrach (Alter Zürichkrieg), kam den Appenzellern gelegen. Von Zürich und Habsburg-Österreich sowie von den Eidgenossen gleichermassen umworben, warteten sie zunächst ab, da sie gemäss dem Burg- und Landrecht von 1411 zur Neutralität verpflichtet waren. Ein Angebot Kg. Friedrichs III., der dem Land A. bei Bündnisfreiheit das Blutgericht verliehen und das Marktrecht von 1353 bestätigt hätte, vermochte sie Ende 1442 nicht zu verleiten. Als im März 1444 die Friedensverhandlungen zu Baden scheiterten, schickte A. Absagebriefe an Zürich und Österreich, schickte den Eidgenossen vor Greifensee einen kleinen Auszug zu, besetzte das Rheintal und nahm an einem Plünderungszug nach Vorarlberg teil. Ein österr. Gegenzug scheiterte am 11.6.1445 im Gefecht von Wolfhalden. Trotz der Parteinahme für die Eidgenossen brachte die Erneuerung des Bündnisses mit den sieben Orten (15.11.1452) nur unwesentl. Verbesserungen: Das Land A. musste eidg. Hilfe nicht mehr mit eigenen Mitteln bezahlen, und in einem allfälligen Bruderkrieg sollte sich A. der Mehrheit der Orte anschliessen. Die Appenzeller wurden zwar als "ewige Eidgenossen" angesprochen, aber nicht als solche behandelt. Sie erhielten weder Sitz an Tagsatzungen noch Anteil an Beute und Eroberungen. Ähnl. Bündnisse schlossen die Eidgenossen mit der Abtei und der Stadt St. Gallen und dokumentierten so ihr Interesse an der gesamten Ostschweiz.

Im Zwist zwischen dem St. Galler Abt Kaspar von Breitenlandenberg und der Stadt St. Gallen verband sich A., dem weder an einem äbt. Fürstenstaat noch an einer Vergrösserung der Stadt gelegen war, mit dem Grosskellner Ulrich Rösch, dem Konvent und den Gotteshausleuten gegen die Pläne des Abtes. Ulrich Rösch, später Pfleger und schliessl. Abt des Klosters, wurde allerdings bald zum Gegenspieler der Appenzeller in der Ostschweiz. In eidg. Schiedssprüchen der Jahre 1458-60 wurde die Nordgrenze des Landes A. festgelegt, die Pflicht zur Zahlung des Besthauptes an die Abtei und die Lehenspflicht von allen Gütern ausserhalb des Landes eingeschärft. Die Herisauer konnten die Zinsen der äbt. Höfe mit 1'600 rhein. Gulden auslösen. Für 6'000 Gulden lösten die Appenzeller 1460 die Pfandschaft über die Vogtei Rheintal von Jakob Payer ab. Allerdings unterlief ihnen dabei ein Formfehler, da sie die kaiserl. Zustimmung nicht eingeholt hatten. Hier hakte der Pfleger Ulrich Rösch ein, dem eine Urkunde Kg. Wenzels von 1379 das Recht gab, alle verpfändeten Vogteien über Klosterbesitz zu lösen. Die Appenzeller wandten die alte Taktik an, ausgeschriebene Rechtstage nicht zu besuchen oder Vertreter ohne genügende Vollmacht zu schicken. Am 17.9.1465 legten Schiedsleute aus Uri, Unterwalden und Zug die Rheintaler Grenze fest, entgegen den weitergehenden Forderungen des Abts, und im Wesentl. dem heutigen Verlauf entsprechend. 1465-1517 kamen die Appenzeller ihren Abgabenpflichten an die Abtei weitgehend nach. 1486 erreichten sie in einem Schiedsspruch der Stadt St. Gallen den formellen Verzicht des St. Galler Abts auf die Landeshoheit im Rheintal. Der Rorschacher Klosterbruch von 1489, ein von St. Gallern und Appenzellern gemeinsam verübter, krasser Landfriedensbruch, führte zur militär. Intervention der vier eidg. Schirmorte des Klosters, vor deren Macht zuerst die St. Galler Gotteshausleute, dann die Appenzeller (9.2.1490) und schliessl. auch die Stadt St. Gallen kapitulierten. A. verlor die Herrschaft über die Vogtei Rheintal an die vier Schirmorte.

Nach dem Bündnis von 1452 nahmen die Appenzeller auch an eidg. Auszügen teil: 1460 an der Eroberung des Thurgaus, 1468 am Sundgauer Zug und an der Belagerung von Waldshut. In den Burgunderkriegen machten sie nur zögernd mit, weil sie mit Bern nur indirekt verbündet waren. Wohl vom Zug nach Nancy von 1477 stammt ein erobertes Banner. Im Schwabenkrieg hatten die Appenzeller die eidg. Ostgrenze zu bewachen und die Besatzung von Schwaderloh zu verstärken. Die Teilnahme an den Kampfhandlungen von 1499 in Hard, bei Frastanz und an der Bündner Grenze zahlte sich aus mit dem Anteil an erobertem Geschütz, an Brandschatzsummen und v.a. mit der Mitregierung der Landvogtei Rheintal ab 1500. An den Mailänderkriegen waren Appenzeller Reisläufer auf beiden Seiten beteiligt. Beim Verrat von Novara (1500) waren sie, wie aus Kundschaften hervorgeht, kompromittiert. Als die Eidgenossenschaft um 1510 eine Kehrtwendung von Frankreich zu Papst Julius II. vollzog, waren die Appenzeller dabei und erhielten dafür u.a. ein sog. Juliusbanner.

Die Bestrebungen A.s zur Aufnahme in die Eidgenossenschaft als gleichberechtigter, dreizehnter Ort wurden von den Schirmorten der Abtei St. Gallen 1501, 1510 und 1512 abgelehnt. Erst die Krise nach dem Dijonerzug von 1513 machte die Eidgenossen bereit, A. am 17.12.1513 in den Bund aufzunehmen. An der nächsten eidg. Tagsatzung im Jan. 1514 setzte sich Ammann Hans Meggeli ostentativ vor Abtei und Stadt St. Gallen auf den dreizehnten Platz. Die Pensionsgelder, die A. jetzt erhielt, ermöglichten die allmähl. Ablösung der finanziellen Lasten gegenüber der Abtei, zuletzt 1566 des Todfalls.

Autorin/Autor: Rainald Fischer

2.3 - Kommunale Bewegung, Territorialbildung und Verfassung

Im 13. und 14. Jh. wird eine bäuerl.-genossenschaftl. Bewegung im Appenzellerland erkennbar. Schwureinungen der Appenzeller mit St. Galler Stadtbürgern und anderen Gotteshausleuten sind unter den Äbten Konrad von Bussnang (1226-39) und Berchtold von Falkenstein (1244-72) bezeugt. Appenzeller Krieger belagerten 1278 Abt Rumo von Ramstein auf der Clanx, weil er heiml. den einheim. Ammann Hermann von Schönenbühl gefangengenommen hatte. In den Urkunden des 14. Jh. gewinnt der zunächst als Gebietsbezeichnung verwendete Begriff "Land/Länder" neben den obrigkeitl. "Ämtern" der Abtei St. Gallen an Bedeutung als Bezeichnung kommunaler Einheiten im Rahmen des Gemeindebildungsprozesses. Um 1367 müssen die Landleute der Ämter A. und Hundwil ein gegen den Fürstabt von St. Gallen gerichtetes Bündnis eingegangen sein. Das Bündnis mit dem Schwäbischen Städtebund führte schliessl. 1377 zur Konstituierung einer kommunalen Organisation der "Länder" (lendlin) A., Hundwil, Urnäsch und Teufen: Die Landleute wählten fortan 13 Männer, die wohl Ansprechpartner für den Städtebund waren; von einem Rat bzw. einem institutionalisierten, vom Kloster völlig unabh. Selbstverwaltungsorgan kann allerdings zu diesem Zeitpunkt noch nicht gesprochen werden. Der Schwäb. Städtebund suchte 1379 mit einem Schiedsspruch die Kompetenzfrage zwischen dem Land A. und Abt Kuno von Stoffeln zu klären: Der Abt durfte jährl. nur eine Steuer (Vogtsteuer) in der bisher üblichen Höhe erheben. Der von ihm eingesetzte Ammann sollte die klösterl. Herrschaftsrechte wahrnehmen, insbes. die Gerichtsbarkeit. Die erw. 13 Männer waren für das Steuerwesen zuständig. In den Städtebundsurkunden von 1379 und 1384 erscheinen die zusammengeschlossenen appenzell. "Länder" erstmals gemeinsam unter der überkommunalen Bezeichnung Appenzell daz lant, allerdings noch nicht im Umfang des späteren Landes A. Dieser wurde erst infolge der Appenzeller Kriege durch den endgültigen Anschluss von Herisau und des heutigen Vorderlandes erreicht. Auch Wappen und Siegel wurden in dieser Zeit verändert: Im Bündnis von 1401 mit der Stadt St. Gallen ging der Appenzeller Bär noch auf allen Vieren. Nach dem Sieg bei Vögelinsegg liessen die Appenzeller ein neues Siegel mit dem aufrecht schreitenden Bären prägen, das sie erstmals 1403 im Frieden mit den Bodenseestädten verwendeten.

In die Anfänge des 15. Jh. zu datieren sind erste Hinweise auf eine Landsgemeinde. Am Anfang einer Zusammenstellung von Rats- und Landsgemeindebeschlüssen des 15. und 16. Jh. befinden sich Schwurformeln, von denen die wesentl. Teile noch heute an der Landsgem. vorgelesen werden. Eingeleitet wird diese Zusammenstellung aus der Mitte des 16. Jh., die ungenau als Ältestes Landbuch betitelt worden ist, mit einer Datierung auf 1409. Diese Zeitstellung trifft am ehesten auf die Schwurformeln für Ammann, Weibel und Landleute zu sowie auf die Kriegsordnung, das Friedens- und das Erbrecht. Den Landammann stellten anfängl. die Schwyzer und Glarner. Als erster einheim. Landammann ist 1412 Ulrich En(t)z erwähnt. Einem von 1402 an vereinzelt erw. Rat kann im 15. Jh. noch nicht die Bedeutung der späteren Räte (Landrat, Kl. Rat) zugekommen sein.

Erstmals in Abgabenverzeichnissen und Urkunden des 14. Jh. wird eine rechtl. und wirtschaftl. Organisation in Rhoden fassbar. In den Ämtern A. und Trogen bildeten je sechs Rhoden die Unterabteilungen des jeweiligen Amtes: Das Amt Trogen bestand aus der Schneiter/Schwender, Füglisegger, Roter, Rotenwieser, Trogener und Tablater Rhode, das Amt A. aus den Rhoden Schwende, Rüte, Lehn, Schlatt, Gonten, Rinkenbach/Wies. Ihnen standen Rhodmeister vor, die in dieser Zeit als Steuersammler bezeugt sind. U.a. die Aufsplitterung der umfangreichen Rhode Trogen im 16. Jh. führte dazu, dass sich bis zur Landteilung die sechs äusseren Rhoden Urnäsch, Herisau, obere und untere Rhode Hundwil, Teufen und Trogen gebildet hatten; die Struktur der inneren Rhoden blieb unverändert. Die Aufspaltung der äusseren Rhoden, die Zusammenballung der inneren Rhoden in der Kirchhöre A. und die wachsende Bedeutung konfessioneller Fragen nach der Glaubensspaltung bewirkten vom 16. Jh. an eine Verlagerung des polit. Gewichts in die Kirchhören (Kirchspiele) als kommunale Einheiten.

Der Aufbau des appenzell. Staatswesens im 16. Jh. wird im Silbernen Landbuch von 1585 geschildert: Oberste Instanz war die Landsgem., es folgten der Gr. Zweifache Landrat, der Gebot(e)ne oder Gr. Rat und der Kl. Rat. Beschlüsse einer übergeordneten Instanz konnten von einer untergeordneten Behörde nicht umgestürzt werden. Krieg und Frieden sowie Bündnisse waren Angelegenheiten der Landsgem., die üblicherweise im Hauptort A. tagte und an welcher alle mind. 16-jährigen Landmänner von A. stimm- und wahlberechtigt waren. Es kam im 16. Jh. aber mehrfach vor, dass die inneren Rhoden sich zu Abstimmungen auf der Hofwiese beim Flecken A. versammelten, während die Stimmen der äusseren Rhoden schriftl. eingebracht wurden, wobei wohl nicht nach Köpfen, sondern nach Rhoden gezählt wurde. Der Gr. Zweifache Landrat setzte sich aus zwölf Klein- und zwölf Grossräten jeder der zwölf Rhoden, den Landesbeamten und den Altammännern zusammen und bildete damit ein Gremium von mehr als 288 Männern. Er kam zweimal im Jahr zusammen (sog. Neu- und Alt-Rät im Mai nach der Landsgem., sog. Gallenrat im Okt.), stellte die Landmandate auf, schloss Verträge und Bündnisse ab, wählte die Heimlicher (Mitglieder des Kl. Rats mit polizeil. Aufsichtsfunktion) sowie einzelne Landesbeamte (Baumeister, Spitalherr, Siechenpfleger). In schweren Fällen wie Notzucht und Ehebruch amtete er zudem als Richtergremium. Der Gebotne oder Gr. Rat umfasste die 144 Kleinräte der zwölf Rhoden und die Landesbeamten. Er wählte die Tagsatzungsboten und gab die Instruktionen, verhandelte mit Eidgenossen und fremden Fürsten und urteilte als Appellationsinstanz in Zivil- und Strafsachen. Der Kl. Rat, der sich verm. aus dem Landammann, den Heimlichern und zuweilen auch den Hauptleuten der zwölf Rhoden zusammensetzte, besorgte die laufenden Geschäfte. Als besondere Gerichte urteilten das Geschworenengericht (Landammann und zwölf Geschworene) in Eigentumskonflikten und das zunächst in der offenen Erdgeschosshalle des Rathauses tagende Gassen-, Weibel- oder Bussengericht unter dem Vorsitz des Landweibels v.a. über Frevel und kleinere Händel.

Die schriftl. Fixierung der Ratsgeschäfte setzt erst im Laufe des 16. Jh. ein, zuerst mit der fast lückenlosen Reihe der Landrechnungen ab 1519. Es folgten 1547 miner herren antwurtbuch, eine wenig systemat. Sammlung von u.a. Ratsmandaten, Gerichtsurteilen und Verhandlungsprotokollen, 1579-88 das Rats- und Urfehdbuch und in dessen Nachfolge ab 1589 die Landratsprotokolle, 1578 das Kirchhöre- und Feuerschaubuch, das über die Zeit der Landteilung hinausführt. Der parität. Staat A., der sich in den Wirren der Reformationszeit herausgebildet hatte, war keine Landsgem.-Demokratie nach heute gängigem Verständnis, sondern weitgehend ein Obrigkeitsstaat, gelenkt von den Räten und den darin führenden Persönlichkeiten und Geschlechtern.

Autorin/Autor: Rainald Fischer

3 - Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur vom Hochmittelalter bis zur Landteilung (1597)

3.1 - Bevölkerung und Siedlung

Während das Appenzeller Hinterland teilweise schon im 9. Jh. nachweisl. bewohnt war, fällt die Besiedlung des Talkessels von A. in die Zeit des hochma. Landesausbaus durch die Äbte von St. Gallen. Aufgrund der naturräuml. Voraussetzungen und der bäuerl. Produktionsweise (v.a. Vieh- und Alpwirtschaft) entstand eine Einzelhofsiedlung. Der äbt. Hof A. mit der 1071 gegr. Kirche wurde zum wirtschaftl., administrativen und kirchl. Zentrum. Ein wohl um 1200 angelegter Abgabenrodel nennt frühe Hofsiedlungen im heutigen Innerrhoder Gebiet. Im später besiedelten appenzell. Mittelland wird urkundl. um 1175 Trogen (de Trugin) genannt. Deutlich später, gegen Ende des hochma. Landesausbaus, sind 1268 Schwellbrunn sowie Schönengrund belegt, kurz danach Teufen und Gais, erst 1309 Speicher. Fragmente von Zinsrödeln bezeugen, dass im 14. Jh. ein Landesausbau im appenzell. Mittelland von St. Gallen her erfolgte. Für das u.a. auch vom Rheintal her besiedelte Vorderland tauchen im Einkünfteverzeichnis des Meieramts Altstätten um 1300 die ältesten Hofnamen auf. In Dokumenten aus dem 14. Jh. kommen Wienacht (Gem. Lutzenberg) und Walzenhausen vor. Auch die zeitl. und räuml. Abfolge von Kirchengründungen weist auf eine Besiedlung des Appenzellerlandes von Westen her gegen Innerrhoden sowie gegen das Mittel- und Vorderland hin. Am Ende des 15. Jh. hatten sich die wichtigsten Siedlungen und Dörfer im Kern gebildet, namentl. die Pfarrdörfer Herisau, A., Hundwil, Gais, Urnäsch, Trogen, Grub und Teufen. Die Zeit danach ist gekennzeichnet durch eine Siedlungsverdichtung, wobei (neben der Absenz von Städten) die Streusiedlung für das voralpine Appenzellerland typ. blieb. Dies zeigt sich z.B. im Vergleich einer Hofliste um 1500 mit der Abkurungsurkunde der Pfarrei Oberegg 1658.

Um 1400 sollen laut einem Waffenrodel in den inneren Rhoden 378 Haushalte bestanden haben. Für das Jahr 1535 sind in einem Steuerrodel 696 Haushalte überliefert, was einer Zunahme um 86% entspricht. Diese beruhte wohl ebenso sehr auf Zuwanderung -- v.a. aus der näheren Umgebung, aber auch aus dem Welschland oder Allgäu -- wie auf Geburtenüberschüssen. In den Landrechnungen und Rödeln detailliert festgehaltene Pensionen-Auszahlungen an die männl. Bevölkerung in den Jahren 1535, 1537, 1544 und 1547 gestatten ungefähre Angaben zur Bevölkerungsentwicklung. Demnach zählte das ganze Land A. in der 1. Hälfte des 16. Jh. 11'400-12'700 Einw. (innere Rhoden 3'400-3'700, äussere Rhoden 8'000-9'000). Nach den Pestjahren 1564, 1585, 1586 und 1594 betrug im Jahr der Landteilung eine, wohl auf Zahlen von Stimm- oder Wehrfähigen beruhende Erhebung rund 26'700 Einw. (innere Rhoden 8'100-8'800, äussere Rhoden 18'200), aber nach einer auf der Basis von Kommunikantenzahlen beruhenden Zählung ledigl. rund 13'500 Einw. (innere Rhoden 3'800-4'200, äussere Rhoden 9'000-10'000).

Autorin/Autor: Achilles Weishaupt

3.2 - Wirtschaft und Gesellschaft

Am 23.9.1353 erhielt der Abt von St. Gallen für den Flecken A. das königl. Privileg des Marktrechts. Fortan durften bei der Kirche zwei Jahrmärkte abgehalten werden. Zusammen mit den z.T. schon im 14. Jh. bezeugten appenzell. Geschlechtsnamen wie Beck, Müller, Binder, Fässler, Sutter, Schmid oder Salzmann ist dies ein Indiz dafür, dass sich in dieser Zeit im grundsätzl. von der Landwirtschaft geprägten Land A. ein bäuerl. Bedarfsgewerbe und ein lokaler Handel zu entwickeln begannen.

Sofern von den Abgabenforderungen der Abtei St. Gallen auf die landwirtschaftl. Produktionsstruktur geschlossen werden kann, diente bereits im HochMA ein beträchtl. Teil des Bodens der Viehwirtschaft. Trotzdem dürften noch im SpätMA v.a. im nordwestl. Landesteil und auch im inneren Land insbes. Hafer und Dinkel angebaut worden sein. In talnahen Hanglagen (Heiden, Lutzenberg, Oberegg, Reute, Walzenhausen, Wolfhalden) wurde zudem (erstmals im 14./15. Jh. belegter) Rebbau betrieben. Im 16. Jh. dürfte die Ackerfläche, ausser im Nordwesten des Landes, keine wesentl. Ausdehnung mehr gehabt haben. Wo auf den zerstreuten Einzelhöfen noch etwas Ackerbau unterhalten wurde, geschah dies wohl meistens in Form der Egartenwirtschaft und für den Eigenbedarf.

Die wirtschaftl. Entwicklung des Appenzellerlandes im Übergang vom SpätMA zur frühen Neuzeit ist v.a. durch eine Verlagerung vom Getreidebau zur Viehwirtschaft charakterisiert. Mit der schon im SpätMA an Bedeutung gewinnenden Ausfuhr von Molken- und Fleischprodukten beschleunigte sich der Übergang zur Viehwirtschaft, die weniger arbeitsintensiv war. Der steigende Bedarf an Winterfutter konnte nur zu Lasten des Ackerbaus gedeckt werden. Gemäss dem eidg. Schiedsspruch von 1421 mussten die Grundlasten nicht mehr in Naturalien abgeliefert werden, wodurch der -- schon früher in der Praxis umgangene -- Zwang zum Getreidebau auch formal entfiel. Dank der nahegelegenen Kornmärkte in Süddeutschland war das Land A. vom 16. Jh. an nicht mehr auf die Eigenversorgung mit Korn angewiesen.

Die überzählige bäuerl. Bevölkerung fand teils als Gesinde, insbes. in der Innerschweiz, teils im Solddienst oder in der Leinwandfabrikation der Bodenseestädte ihr Auskommen. Die Textilverarbeitung -- vorerst das Spinnen von Flachs und Hanf zu Garn, später auch das Weben -- wurde im Appenzellerland im 15. und 16. Jh. eine immer wichtigere bäuerl. Nebenbeschäftigung und schliessl. für viele zur Haupttätigkeit. Zahlreiche Appenzeller Dörfer (v.a. Hundwil, Urnäsch, A., Herisau und Teufen) hatten als Leinwand webendes Hinterland Anteil am Wohlstand der Stadt St. Gallen, deren Rat 1477 der Appenzeller Leinwand bei entsprechender Qualität das St. Galler Schauzeichen zubilligte. Mit dem Bau einer eigenen Bleiche, eines Beuchhauses und einer Walke (1535-37) im Flecken A. sowie mit der Gründung einer Appenzeller Leinwandges. (1537) versuchten angesehene Landleute und Produzenten, sich aus der Abhängigkeit von St. Gallen zu lösen. Nach heftigen Auseinandersetzungen in den Leinwandhändeln von 1535-42 und 1579 konnte die Stadt jedoch ihr Schau- und Handelsmonopol behaupten. Die ländl. Weber, Spinner und Kleinverleger mussten sich weiterhin auf die Produktion für die städt. Kaufleute beschränken. Erlaubt blieb hingegen der Zwischenhandel mit Flachs, Werg und Garn. Nach einer Zusammenstellung der appenzell. Händler aus dem Jahr 1579 gab es im ganzen Land A. 82 Garnhändler, während im Käse- und Butterhandel zur gleichen Zeit nur 45 Molkengrempler tätig waren. Im Hinter- und Mittelland soll sich die Leinwandweberei, die von der Hochkonjunktur des sankt-gall. Leinwandhandels (1560-1610) begünstigt wurde, infolge der Nahrungsmittelteuerung von 1571 noch zusätzl. verstärkt haben.

Wirtschaftspolit. Massnahmen der Obrigkeit sind ab 1547 im sog. Antworten- und Mandatenbuch überliefert. Sie betrafen insbes. die Vieh- und Waldwirtschaft (z.B. 1548 Ausgleich bei Heumangel, 1551 Massnahmen gegen eine Viehseuche, 1555 bzw. 1557 Nutzungsordnungen zum Schutz der Wälder vor Ziegen bzw. "welschen" Harzsuchern, 1564 Weideverbot für auswärtiges Vieh auf Gemeinweiden), den Güter- und Geldmarkt (z.B. Verbot des Verkaufs von Gütern und Gülten ausser Landes), ehafte Berufe (v.a. Regelungen und Kontrollen für Wirte, Müller und Metzger), die Marktordnung (neben A. wurden in Herisau spätestens ab 1518, in Urnäsch ab 1592 Jahrmärkte abgehalten, in Herisau stand etwa ab Mitte des 16. Jh. ein Kaufhaus), den Wegunterhalt (z.B. 1555 ein Wegmeister pro Rhode) sowie Jagd und Fischfang (v.a. Schonzeiten, Bannbezirke).

Die appenzell. Gesellschaftsstruktur ist noch zu wenig erforscht, als dass allg. gültige Aussagen zur sozialen Schichtung gemacht werden könnten, z.B. zu Gruppierungen innerhalb der ländl.-bäuerl. Bevölkerung (Bauern, Sennen, Heimarbeiter, Handwerker), zur Verfestigung einer wirtschaftl. Oberschicht durch die Viehwirtschaft, das Verlagssystem oder fremde Dienste sowie zu polit. führenden Fam. Bekannt ist, dass sich gewisse Fam. im 15.-16. Jh. zu Ämterdynastien entwickelten, sowohl auf Landesebene wie auch in den einzelnen Rhoden, z.B. die Gartenhauser, Meggeli und Zidler im Land A., die Tanner und Schiess in der Rhode Herisau. Auch über innere gesellschaftl. Spannungen und Konflikte (z.B. 1521-22 Pensionenstreit um ein Soldbündnis mit der franz. Krone, 1535-39 Bannerhandel) sowie über die obrigkeitl. Sittenaufsicht, die ebenfalls in Mandaten des Antworten- und Mandatenbuchs (z.B. zum Fluchen, Trinken und Tanzen) zum Ausdruck kommt, sind erst einzelne Aspekte bekannt. Wichtige Orte der Geselligkeit, im Hauptort A. aber auch polit. Versammlungsorte (z.B. von Ratsherren im kleinen Rahmen oder mit eidg. Boten), waren zweifellos die Wirtshäuser: 1555 standen wohl deren 53 im Land A., davon allein neun im Flecken A.

Autorin/Autor: Achilles Weishaupt

3.3 - Kirche und Kultur vor der Reformation

Das ungeteilte Land A. gehörte zum Bistum Konstanz, in diesem zum Archidiakonat Thurgau und zum Dekanat St. Gallen (urspr. Arbon). Das religiöse Leben der Bevölkerung spielte sich vornehml. im Rahmen der Pfarreien ab. Den hochma. Pfarreigründungen von Herisau (907 erstmals erw.) und A. (1071) folgten im SpätMA und ausschliessl. in den äusseren Rhoden weitere Pfarreibildungen (Gais zwischen 1323 und 1360/70, Hundwil vor 1380, Urnäsch 1417, Trogen 1463, Grub 1474, Teufen 1479). Die Kirchen standen unter dem Patronat des Abts von St. Gallen, der somit auch die Kirchenzehnten bezog. Der bauliche Unterhalt und die Ausstattung (Pfrundstiftungen) der Kirchen legen Zeugnis über das religiöse Leben des Volkes ab. In diesem Zusammenhang zu nennen sind auch Schwesterngemeinschaften, die sich aus Niederlassungen von Beginen entwickelten und dem Dritten Orden des hl. Franziskus angehörten (Grimmenstein, Wonnenstein, A., Heilbrunnen bei Oberegg, Bendlehn bei Speicher), eine in Herisau gegr. St.-Anna-Bruderschaft, ein Bruderhaus im Bendlehn sowie Einsiedeleien von Brüdern im Ahorn, im Berndli (beide Bez. Schwende), an Bruderhalden (Gem. Trogen) und bei St. Jakob auf dem Kronberg (Bez. Gonten). Bedeutende Wallfahrtsorte gab es im Land A. keine. Grosse Anziehungskraft übten das Gnadenbild "Unserer Lieben Frau im Gatter" in der St. Galler Stiftskirche sowie der eidg. Wallfahrtsort Einsiedeln aus.

Mit der fortschreitenden Entwicklung A.s zu einem selbstständigen Staatswesen wuchs auch das Bedürfnis, eine eigene Schule zu besitzen. Deshalb bestanden im Flecken A. wahrsch. noch vor der Mitte des 15. Jh. eine Dt. Schule sowie eine Lateinschule von gutem Ruf. Hier bereiteten sich angehende appenzell. Geistliche auf das Stud. (in der Regel der freien Künste) vor, das sie zur Hauptsache an den Univ. Basel, Wien, Erfurt, Freiburg i.Br. und Heidelberg absolvierten.

Autorin/Autor: Achilles Weishaupt

4 - Von der Reformation zur Landteilung (1597)

4.1 - Reformation und Nebeneinander der Konfessionen

Hatten das 15. und das frühe 16. Jh. die Bildung des Landes A. und die Besserstellung dieses Staatswesens in der Eidgenossenschaft gebracht, so vollzogen sich im 16. Jh. dessen Trennung in zwei konfessionelle Lager und letztl. die Teilung in zwei Halbstände.

Grundlegend für diese polit. Entwicklung war die Glaubensspaltung. Die Lehren Luthers und Zwinglis sollen gemäss einer 1565 geschriebenen Reformationschronik ab 1522 im ganzen Appenzellerland -- vornehml. in den äusseren Rhoden -- erste Anhänger (namentl. Johannes Dörig, Jakob Schurtanner, Walter Klarer, Matthias Kessler, Pelagius Amstein, Johannes Hess) gewonnen haben. Der Ansatz für den Beginn und Durchbruch des neuen Glaubens liegt in der Erklärung und Auslegung der Apostelgesch., die Joachim von Watt (Vadian) anfangs 1523 an die Hand nahm und befreundeten Geistlichen und Gesinnungsgenossen, darunter Jakob Schurtanner, vortrug. Eine einheitl. Lösung der Glaubensfrage war durch das im Okt. 1523 vom Rat aufgestellte und am 24.4.1524 von der Landsgem. bestätigte Prinzip der schriftgemässen Predigt ("Schriftprinzip" der ref. Theologie) nicht zu erreichen. Das Wirken der Täufer erfasste das Appenzellerland 1525 in grösserem Ausmass und wurde auch hier (wie in Zürich und St. Gallen) bald obrigkeitl. verfolgt (erste polizeil. Massnahmen im Juni 1525, Täufermandate, Täufer-Disputation in Teufen im Okt. 1529). Um das konfliktträchtige Nebeneinander von altem und neuem Glauben innerhalb der Kirchhören zu beenden, entschied die Landsgem. vom April 1525, dass jede Kirchhöre sich für einen Glauben entscheiden, danach aber Freizügigkeit bestehen solle, damit sich die konfessionelle Minderheit in einer Kirchhöre ihres Bekenntnisses niederlassen könne ("Kirchhöreprinzip"). Die äusseren Rhoden -- ausser Herisau, wo Joseph Forrer, ein energ. Verfechter des alten Glaubens, die Reformation bis 1529 verhinderte -- entschieden sich zusammen mit dem zu den inneren Rhoden gehörenden Gais für die neue Lehre. Die Bewohner der inneren Rhoden in der Kirchhöre A. unter Pfarrer Diepolt Huter verblieben mehrheitl. beim alten Glauben, obwohl eine rührige ref. Minderheit und Exponenten der äusseren Rhoden sowie Vertreter umliegender ref. Gebiete (v.a. Zürichs) auf einen Schulterschluss mit den äusseren Rhoden drängten und ihn 1531 beinahe auch erreicht hätten. Doch ein bewaffneter Zug von aufgebrachten Bewohnern aus dem benachbarten Gonten verhinderte die Abschaffung der Messe in A., und der für die kath. Orte siegreiche Ausgang des 2. Kappelerkriegs beendete die Pläne für eine vollst. Reformation des Landes A. und leitete eine rückläufige Bewegung ein.

Nach dem 2. Kappeler Landfrieden versuchten die beiden Glaubensparteien im parität. Stand A., trotz gelegentl. Missstimmigkeiten, ein friedl. Zusammenleben. Was sie verband, waren die gemeinsame Gesch., das gleiche Staats- und Rechtsverständnis, die gemeinsam getragene, auf Frankreich ausgerichtete Bündnispolitik und nicht zuletzt der Gegensatz zur Stadt St. Gallen. Das zeigte sich besonders in den Leinwandhändeln (1535-42, 1579), als sich die appenzell. Landleute von der Stadt St. Gallen im Leinengewerbe wirtschaftl. benachteiligt fühlten. Beinahe gleichzeitig flammte wegen eines angebl. durch appenzell. Politiker den St. Gallern verkauften, gemäss mündl. Überlieferung in der Schlacht bei Vögelinsegg eroberten stadtsanktgall. Banners der Bannerhandel (1535-39) auf. Wegen des provozierenden Druckes eines Kalenders mit einer Appenzeller Bärin neben dem männl. St. Galler Bären durch den ersten St. Galler Buchdrucker Leonhard Straub entbrannte 1579 der Kalenderstreit. Besser gestaltete sich das nachbarl. Verhältnis zur Fürstabtei St. Gallen. Es gelang den Appenzellern, die Beziehungen zum Galluskloster zu verbessern und sich 1566 von den letzten äbt. Hoheitsrechten (Todfall) loszukaufen.

Autorin/Autor: Achilles Weishaupt

4.2 - Katholische Reform, Gegenreformation und Landteilung

Von der Mitte des 16. Jh. an versuchte eine neue massgebende Gruppe von innerrhod. Politikern, vertreten durch die Landammänner Joachim Meggeli d.J., Bartholomäus Dähler, Johannes Heim (von Heimen) und Konrad Wyser, den (durch das gemeinsame Interesse an den Solddiensten gegebenen) polit. Verbindungen zu den Innerschweizer Orten eine religiöse Komponente zu geben. Die kath. Reform und die Gegenreformation sind mit der Appenzeller Gesch. der 2. Hälfte des 16. Jh. beispielhaft verflochten. V.a. die Visitation des Nuntius Giovanni Francesco Bonomi (Bonhomini) 1579 wirkte sich auf den kath. Teil des Landes nachhaltig aus. Landesmandate liessen halb vergessene kath. Bräuche (z.B. Marien- und Heiligenfeste) wieder aufleben. Das Kontrollrecht des Rats über die Geistlichkeit und über das Kirchenwesen wurde verschärft, der Gregorian. Kalender zur gleichen Zeit wie in der Innerschweiz am 8.1.1584 durch den Gr. Zweifachen Rat angenommen und der ref. Stadt Mülhausen (F) 1586 zusammen mit den kath. eidg. Orten der Bund aufgekündet. Dabei wurde das Fehlen von ref. Vertretern, die zuweilen auf den beschwerl. Weg in den kath. Hauptort verzichteten, in den an sich mehrheitl. ref. Räten wiederholt von der kath. Partei und ihren Führern ausgenützt. Auf der anderen Seite betonten auch die äusseren Rhoden ihre Eigenständigkeit in religiösen Fragen, was sich bis in alltägl. Angelegenheiten auswirken konnte (Abschaffung alter bzw. kath. Bräuche, Versuch der Trogener, den Altarstein aus der Kirche zu schaffen). Die Selbstständigkeit und das Selbstverständnis beider Teile kommt auch in der Hochgerichtsbarkeit (Richtstätten in A. und Trogen) und im sog. Gaishaus oder äusseren Rathaus zum Ausdruck, in dem sich die Ratsleute der äusseren Rhoden vor den gemeinsamen Ratssitzungen im Rathaus in A. versammelten.

Entscheidenden Einfluss auf den Fortgang der kath. Erneuerung, aber auch auf das Aufkeimen konfessioneller Spannungen hatten 1586 die Berufung der Kapuziner nach A. und 1588 die Einladung zum Eintritt in das 1587 abgeschlossene Sold- und Militärbündnis der fünf inneren Orte und Freiburgs mit Spanien (inkl. Herzogtum Mailand). Die gegenreformator. Tätigkeit der Kapuziner, v.a. des Konvertiten Pater Ludwig von Sachsen, führte zunächst zum Glaubensvertrag vom 1.3.1588, welcher das Kirchhöre- und das Schriftprinzip erneuerte. In strenger Auslegung des Kirchhöreprinzips wurde in der Kirchhöre A. die ref. Minderheit vor die Wahl gestellt, sich zur kath. Konfession zu bekennen oder auszuwandern, wodurch die konfessionelle Einheit der inneren Rhoden wiederhergestellt wurde. 1589 wurde der parität. Kultus in der zur Rhode Trogen gehörenden Kirchhöre Grub eingerichtet. Weitere Rekatholisierungsversuche scheiterten jedoch. Der Glaubensvertrag bewirkte eine grosse Verstimmung in den äusseren Rhoden, die in ihrem Gebiet mit gleichen Massnahmen gegenüber den kath. Minderheiten reagierten.

Die kath. eidg. Orte versuchten, A. in ihr Bündnis mit Spanien hineinzuziehen, das damit dem franz. Einfluss in der Eidgenossenschaft wirksamer zu begegnen hoffte. Von einem solchen Schritt versprachen sich die polit. Führer der inneren Rhoden, den nach den Dorfbränden von Herisau (1559) und A. (1560) sowie wegen des Ausbleibens der franz. Bundesgelder zunehmenden Finanzproblemen zu begegnen, der angewachsenen Bevölkerung ein neues Betätigungsfeld zu schaffen und, wie Geheimdokumente beweisen, die kath. Konfession zu festigen sowie die Glaubenseinheit im Land A. wiederherzustellen. Die führenden Köpfe der äusseren Rhoden leisteten den Bündnisplänen unter Beihilfe der ref. Städteorte hartnäckigen Widerstand, so dass die inneren Rhoden unter Berufung auf ihr stolzes Staatsbewusstsein (u.a. als namengebender Teil des Landes) für sich das Recht beanspruchten, das Bündnis für das ganze Land A. einzugehen. Mit Hilfe der Innerschweizer Orte gelang es, den zunächst widerstrebenden span. Kg. Philipp II. von der Wichtigkeit eines Beitritts des Landes A. zu überzeugen. Den kath. Orten ging es dabei auch um die Behauptung ihrer Stellung in der Eidgenossenschaft, da sie gegenüber den ref. Orten nur eine ganz knappe Mehrheit bildeten. Ein Zusammengehen mit den äusseren Rhoden kam für die polit. Führer der inneren Rhoden nicht in Frage, hätten doch die von Zürich unterstützten ref. Appenzeller einem span. Bündnis nicht zugestimmt. Die Angelegenheit zog sich in die Länge, bis am 24.8.1596 die Kirchhöre A. ohne Einwilligung der äusseren Rhoden den folgenschweren Vertrag mit der aufstrebenden kath. Vormacht in Europa unterzeichnete.

Der Graben zwischen den im Glauben und in der Aussenpolitik zerstrittenen Appenzellern war nun so tief geworden, dass die eidg. Vertreter nach dem Scheitern aller Vermittlungsversuche eine Trennung der beiden unverträgl. Landesteile nicht mehr ausschlossen. Am 2.6.1597 stimmten die äusseren Rhoden an einer ausserordentl. Landsgem. in Hundwil der Teilung des Landes zu, und am 15.6.1597 fällte die Kirchhöreversammlung von A. denselben Entscheid. Sechs anlässl. der eidg. Tagsatzung vom 29.6.1597 in parität. Zusammensetzung gewählte Schiedsrichter von Zürich, Luzern, Schwyz, Nidwalden, Glarus und Schaffhausen führten in A. Verhandlungen mit den beiden Parteien und legten am 8.9.1597 den Landteilungsbrief vor, der die endgültige Trennung in zwei Staatswesen in die Wege leitete. A. Innerrhoden und A. Ausserrhoden erhielten fortan den Status von Halbständen und nahmen in Kauf, dass ihr Einfluss in der Eidgenossenschaft wegen ihres konfessionellen Gegensatzes geschwächt wurde. Mit dem Teilungsbeschluss konnte in bemerkenswerter Ruhe und ohne Blutvergiessen eine dauerhafte Konfliktlösung gefunden werden. Die als europ. Ausnahmeerscheinung zu betrachtende friedl. Landteilung dürfte vielleicht auch deshalb ohne krieger. Auseinandersetzungen erfolgt sein, weil die inneren und äusseren Rhoden im 15. und 16. Jh. nie gemeinsam ein einheitl. organisiertes Staatswesen bildeten, das man 1597 auseinandergeschnitten hätte.

Autorin/Autor: Achilles Weishaupt

Quellen und Literatur

Archive
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– StAAR
– StiA St. Gallen
Quellen
– B. Bischofberger, Appenzeller Chronic, 1682
– G. Walser, Neue Appenzeller Chronick, 1740
– J.C. Zellweger, Urk. zu Johann Caspar Zellwegers Gesch. des appenzell. Volkes, 7 Bde., 1831-38
UB SG
AUB
Chartularium Sangallense, hg. von O. Clavadetscher, Bde. 3-5, 1983-88
Literatur
– Das Land A. verfügt seit 1964 über eine ausführl., schwergewichtig ereignis- und politikgesch. Darst. seiner Gesch. bis zur Landteilung von 1597. Abgesehen von wenigen Ausnahmen befasste sich die appenzell. Historiographie bis in die 1970er Jahre im Wesentl. mit den Ereignissen im 16. Jh. (Reformation, Landteilung). Seither versuchen einige auf neue Methoden und Ansätze gestützte Arbeiten ein modernes, jedoch immer noch lückenhaftes Bild der Sozial- und Wirtschaftsgesch. des Landes A. im 15. und 16. Jh. zu geben.

Autorin/Autor: Achilles Weishaupt