• <b>Schaffhausen (Kanton)</b><br>Oro- und hydrografische Karte mit den wichtigsten Ortschaften  © 2017 HLS und Kohli Kartografie, Bern.
  • <b>Schaffhausen (Kanton)</b><br>Quelle: Angaben von Markus Höneisen  © 2010 HLS und Marc Siegenthaler, Bern.
  • <b>Schaffhausen (Kanton)</b><br>
  • <b>Schaffhausen (Kanton)</b><br>Pfennige mit dem Widder, um 1160, um 1180/1190 und um 1250 (Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen; Fotografie Kurt Wyprächtiger).
  • <b>Schaffhausen (Kanton)</b><br>Quellen: Angaben von Roland E. Hofer; H.J. Leu, Allgemeines helvetisches, eydgenössisches oder Schweitzerisches Lexicon 16, 1760, 211–247  © 2011 HLS und Marc Siegenthaler, Bern.
  • <b>Schaffhausen (Kanton)</b><br>Riss zu einer Zunftscheibe der Schiffleute des "niederen Wassers", von  Daniel Lindtmayer dem Jüngeren,  1582 (Schweizerisches Nationalmuseum). Schaffhausen war ein wichtiger Umschlagplatz des Ost–West-Verkehrs auf dem Rhein. Unterhalb des Rheinfalls nahmen die Schiffer des niederen Wassers die Waren in Empfang und transportierten sie stromabwärts. Im Hintergrund sind das Schlösschen Wörth bei Neuhausen und das gegenüberliegende Laufen dargestellt.
  • <b>Schaffhausen (Kanton)</b><br>Gemeindescheibe Unterhallau.  Felix Lindtmayer dem Älteren   zugeschrieben, um 1531 (Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen). Die Menschen auf dem rechten Zwickelbild pflanzen neue Reben und schlagen die Rebstecken ein. Links ist ein wohlhabender Bauer mit einem Viergespann am Pflügen. Acker- und Weinbau waren die Eckpfeiler der ländlichen Wirtschaft. Die Bauern aus der Oberschicht, die das Glasgemälde gestiftet hatten, wollten mit diesen Bildern ihre eigene Hablichkeit darstellen.
  • <b>Schaffhausen (Kanton)</b><br>Fingerhutpokal der Zunft zur Schneidern, 1585  (Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen). Das kunstvoll verzierte silberne und vergoldete Tafelgeschirr drückt den Zunftstolz aus und bildete einen Teil des Zunftvermögens. Der Fingerhutpokal ist eines der ältesten Stücke des Schaffhauser Zunftsilbers. Er wurde von 29 Zunftmitgliedern gestiftet, deren Wappen auf dem oberen Pokalrand eingraviert sind. 1631 liess Zunftmeister Zimprecht Joos den Pokal erneuern.
  • <b>Schaffhausen (Kanton)</b><br>Diorama der jungpaläolithischen Fundstätte Kesslerloch, gestaltet von  Juri Richter,   deutscher Bühnenbildner, unter Mitarbeit von  Hans Wanner,   Museumstechniker, 1939 (Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen). Um auch die Arbeiterschaft als Zielpublikum des Museums zu erreichen, wurden Menschen in ihrer Alltagswelt dargestellt. Die von Generationen bestaunte Museumsinstallation prägte wie kaum eine zweite in der Schweiz das Geschichtsbild der "Höhlenbewohner". Inzwischen ist die Archäologie zur Überzeugung gelangt, dass die Menschen in der Steinzeit die Höhlen nur sporadisch aufgesucht hatten.

Schaffhausen (Kanton)

1501-1798 Ort der Eidgenossenschaft, 1798-1803 Kanton der Helvet. Republik, seit 1803 Kanton der Eidgenossenschaft. Amtssprache ist Deutsch. Franz. Schaffhouse, ital. Sciaffusa, rätorom. Schaffusa. Hauptort ist S.

S. liegt als einziger Kanton der Schweiz nördlich des Rheins. Nur der zu Stein am Rhein gehörende Teil Vor der Brugg wird im Süden nicht durch den Rhein begrenzt. Im Norden bildet der Höhenzug des Randen, ein Kalkausläufer des Juras, die Grenze zu Deutschland, im Westen der Klettgau, der als Kornkammer des Kantons gilt, v.a. aber als Weinbaugebiet national bekannt ist. Das Kantonsgebiet ist dreigeteilt in den südl. (unteren) Kantonsteil, den Hauptteil des Kantons mit der Stadt S. und den östl. (oberen) Kantonsteil. S. als Grenzkanton hat 151,8 km gemeinsame Grenze mit Deutschland, während die Grenze zu den benachbarten Kt. Zürich und Thurgau zusammen 33,6 km ausmacht.

Der Aufbau des Territoriums erfolgte im Wesentlichen durch den Erwerb von Herrschaftsrechten vom SpätMA bis ins 16. Jh. Spätere Versuche zur Arrondierung des Herrschaftsgebiets schlugen fehl. Die Stadt Stein am Rhein und die Dörfer Hemishofen und Ramsen im oberen Kantonsteil kamen 1798 zu S., wie auch das bisher zürcher. Dörflingen, das mit dem Kt. Zürich 1798 gegen Ellikon am Rhein getauscht wurde. Die letzte grosse Grenzbereinigung mit Deutschland erfolgte 1967, als der Weiler Verenahof, bisher eine dt. Enklave, an S. gelangte. Das Dorf Büsingen vor den Toren der Stadt S. blieb deutsch, wobei seit 1964 ein Staatsvertrag die gegenseitigen Beziehungen regelt. Die Zahl der selbstständigen Gem. verringerte sich 2004-09 durch Gemeindefusionen von 34 auf 27. Im Hauptort S. leben rund 45% der Bevölkerung.

<b>Schaffhausen (Kanton)</b><br>Oro- und hydrografische Karte mit den wichtigsten Ortschaften  © 2017 HLS und Kohli Kartografie, Bern.<BR/><BR/>
Oro- und hydrografische Karte mit den wichtigsten Ortschaften

Fläche (2006)298,5 km² 
Wald / bestockte Fläche128,6 km²43,1%
Landwirtschaftliche Nutzfläche134,3 km²45,0%
Siedlungsfläche31,8 km²10,6%
Unproduktive Fläche3,8 km²1,3%

Bevölkerungs- und Wirtschaftsstruktur
Jahr 18501880a1900195019702000
Einwohner 35 30038 24141 51457 51572 85473 392
Anteil an Gesamtbevölkerung der Schweiz1,5%1,4%1,3%1,2%1,2%1,0%
Sprache       
Deutsch  38 11740 29055 25761 51864 323
Italienisch  398861 4906 6821 897
Französisch  149264529553370
Rätoromanisch  41610113980
Andere  39581383 9626 722
Religion, Konfession       
Protestantisch 33 88033 89734 04644 40846 77237 025
Katholischb 1 4114 1547 40312 43123 27717 790
Christkatholisch    27519283
Andere 9297654012 61318 494
davon jüdischen Glaubens 93322572123
davon islamischen Glaubens     4394 254
davon ohne Zugehörigkeitc     1 1699 471
Nationalität       
Schweizer 33 93833 96333 86053 95058 90758 290
Ausländer 1 3624 2787 6543 56513 94715 102
Jahr  19051939196519952005
Beschäftigte im Kanton1. Sektor 11 36810 6183 1272 783d2 265
 2. Sektor 9 87315 33824 14414 04213 020
 3. Sektor 3 7425 0709 62220 86122 251
Jahr  19651975198519952005
Anteil am Schweiz. Volkseinkommen 1,2%1,1%1,0%1,1%1,0%

a Einwohner, Nationalität: Wohnbevölkerung; Sprache, Religion: ortsanwesende Bevölkerung

b 1880 und 1900 einschliesslich der Christkatholiken; ab 1950 römisch-katholisch

c zu keiner Konfession oder religiösen Gruppe gehörig

d gemäss landwirtschaftl. Betriebszählung 1996

Quellen:HistStat; eidg. Volkszählungen; BFS

1 - Ur- und Frühgeschichte

1.1 - Steinzeitliche Jäger und Sammler

Erste Siedlungsspuren datieren aus dem Spätglazial (Älteste Dryas). Zu den bekanntesten Fundstellen gehört die Höhle Kesslerloch bei Thayngen. Die dort gefundenen Mahlzeiten- und Werkabfälle wurden mittels C-14-Methode auf 15'500-12'000 v.Chr. datiert. Jägergruppen nutzten das Kesslerloch im Frühjahr als Basislager während der Rentierjagd. Möglicherweise für die Jagd hielten die Jäger bereits Hunde. Aus dem Kesslerloch sind Kleinkunstwerke erhalten, so die Ritzzeichnung des "Weidenden Rentiers" auf einem Lochstab. Weitere Fundstellen liegen im Fulachtal (Bsetzi, Vordere Eichen), im Freudenthal (Rosenhalde) und unter dem Abri Schweizersbild am Stadtrand von S., wo Siedlungsreste und eiszeitl. Kleinkunst, u.a. eine stilisierte Frauenstatuette aus fossiler Kohle, gefunden wurden.

Die Mittelsteinzeit ist dagegen kaum durch Funde belegt. Lediglich vom Schweizersbild liegen Reste von Feuerstellen und bearbeitete Hirschgeweihstangen vor, die mittels C-14-Methode um 7000 v.Chr. datiert wurden.

<b>Schaffhausen (Kanton)</b><br>Quelle: Angaben von Markus Höneisen  © 2010 HLS und Marc Siegenthaler, Bern.<BR/><BR/>
Ur- und frühgeschichtliche Fundorte im Kanton Schaffhausen (A)
<b>Schaffhausen (Kanton)</b><br><BR/><BR/>
Ur- und frühgeschichtliche Fundorte im Kanton Schaffhausen (B)

Autorin/Autor: Markus Höneisen

1.2 - Erste Bauern

Besser ist die Quellenlage wieder für die sesshaften Siedler der 2. Hälfte des 6. Jt. v.Chr. Erste Bauern errichteten im fruchtbaren Klettgau weilerartige Ansiedlungen mit Langhäusern und Kleinbauten. Sie hinterliessen Keramikgefässe, Beile und Äxte aus Stein, Erntemesser, Mahlsteine und Pfeilspitzen. Die bänderverzierte Keramik ist in Gächlingen mit einer Frühphase vertreten, zusammen mit Keramik der La-Hoguette-Gruppe. Die Schaffhauser Funde gehören zu den bisher südlichsten Zeugen der Linearbandkeramik (Bandkeramikkultur), während die Funde der La-Hoguette-Gruppe die südöstlichsten Ausläufer bilden. Aus mittelneolith. Zeit (5. Jt. v.Chr.) stammen Siedlungsspuren der Grossgartacher und Rössener Kultur. Die Siedlungsplätze liegen bevorzugt auf leichten Anhöhen entlang der Bachläufe (Gächlingen, Oberhallau, Neunkirch) sowie in markanter Höhenlage (Wilchingen-Flüehalde, Neuhausen-Ottersbühl, Stein am Rhein-Hohenklingen).

Siedlungsspuren aus dem frühen Jungneolithikum (um 4000 v.Chr.) sind auch in den Randentälern (S.-Grüthalde) und im Reiat (Büttenhardt, Lohn) vertreten. Anreiz zur Besiedlung bot offenbar das Vorkommen von Feuerstein. Die eher kleinen Knollen im Massenkalk wurden intensiv abgebaut und bevorzugt zu kleinen Bohrern, sog. Dickenbännlispitzen, verarbeitet, die in den nahen Bodenseeraum exportiert oder vor Ort zur Herstellung von Kalkröhren- und Knopfperlen verwendet wurden. Bestattungen unter Abris und in Höhlen der Region wiesen mehrfach einen derartigen Perlenschmuck auf. Zwischen 3800 und 3600 v.Chr. bestand auf einer Landzunge im Moorgebiet von Thayngen-Weier eine ausgedehnte Siedlung, die dank Feuchtbodenerhaltung einen Einblick in die Siedlungsweise und Wirtschaft der Pfyner Kultur ermöglichte. Die Keramik lässt Einflüsse der Michelsberger Kultur erkennen. Siedlungsfunde der Pfyner und der ihr folgenden Horgener Kultur sind zudem vom Ausfluss des Untersees (Stein am Rhein) und von Höhensiedlungen (Siblinger Schlossranden, Wilchingen-Flüehalde) belegt.

Autorin/Autor: Markus Höneisen

1.3 - Siedler der Bronze- und Eisenzeit

Während nur wenige Funde aus dem Spätneolithikum und der beginnenden Bronzezeit vorliegen, sind Gräber und Siedlungen ab der entwickelten Frühbronzezeit wieder besser bekannt. Umfangreiche spätbronzezeitl. Siedlungsspuren zeigen, dass zumindest der Klettgau um 1000 v.Chr. recht dicht besiedelt gewesen sein muss. In fast allen heutigen Siedlungszonen bestanden bereits damals Ansiedlungen. Erstmals dürften die Abhänge des Randen gerodet worden sein. Auf etlichen Höhenzügen befanden sich befestigte Siedlungen.

Demgegenüber sind eisenzeitl. Ansiedlungen nur spärlich nachgewiesen, ganz im Gegensatz zu zahlreichen Grabhügeln (z.B. Hemishofen-Sankert) und Gräbern. Eisenzeitl. Funde konzentrieren sich in der Nähe anstehender Eisenerze, was vermuten lässt, dass diese schon damals genutzt worden sind. Wie im benachbarten Süddeutschland fehlen aus dem letzten vorchristl. Jahrhundert auch im Kt. S. Funde vollständig, im Unterschied zum linksrhein. Gebiet.

Autorin/Autor: Markus Höneisen

1.4 - Römische Zeit

Die röm. Okkupation wird erst im Verlauf des 1. Jh. n.Chr. entlang der wichtigen Nord-Süd-Verbindungen fassbar: An der Strasse von Vindonissa (Windisch) nach Brigobannis (Hüfingen) entstand um 70 n.Chr. die Kleinstadt (Vicus) Iuliomagus, die auf der Tabula Peutingeriana eingezeichnet ist. Der Ort entwickelte sich im 1. und zu Beginn des 2. Jh. zu beträchtl. Grösse mit ausgedehntem Tempelbezirk und Thermen, Wohn-, Werkstatt- und Magazinbauten. Bereits nach der Mitte des 2. Jh. setzte sein Niedergang ein. Entlang der Verkehrswege im Klettgau wurden im 1. und 2. Jh. Gutshöfe und Wirtschaftsbauten errichtet. In den Randentälern, im Reiat und auch entlang des Rheins liessen sich solche nicht nachweisen.

Die zweite bedeutende Verkehrsachse am Ausfluss des Untersees war eine Strasse, die von Ad Fines (Pfyn) nach Tasgetium (Eschenz) und nordwärts weiter zur Donau verlief. Eine Holzbrücke, auf 81/82 n.Chr. dendrodatiert, führte beim Seeausfluss über die Insel Werd, die bereits im frühen 1. Jh. mit einem Militärposten gesichert gewesen sein dürfte.

Autorin/Autor: Markus Höneisen

1.5 - Spätantike und Frühmittelalter

Als Teil des Donau-Iller-Rhein-Limes wurde gegen Ende des 3. Jh. auf einem Hügel am rechten Rheinufer, 500 m flussabwärts von der älteren Siedlung Tasgetium, ein Kastell mit einem Brückenkopf errichtet (Stein am Rhein-Burg). An gleicher Stelle führte wohl auch eine neue Brücke über den Rhein. Zum Kastell gehörte an der Ausfallstrasse nach Süden ein Gräberfeld, dessen Bestattungen sich durch kostbare Glasbeigaben aus dem Rheinland auszeichnen (z.B. Jagdschale). Um 600 wurde im zerfallenen Kastell eine hölzerne Kirche als Grabbau einer germ. Adelsfamilie errichtet.

Gegen Ende des 4. Jh. wurde auch bei Schleitheim, abgesetzt vom ehem. römischen Vicus, eine germ. Ansiedlung gegründet, aus der sich das heutige Dorf entwickelte. Aus dem FrühMA ist ein umfangreiches Reihengräberfeld (Schleitheim-Hebsack) mit gegen 1'000 Bestattungen bekannt sowie eine zu Beginn des 7. Jh. errichtete Steinkirche, die anfänglich wiederum einer Adelsfamilie als Bestattungsort diente.

Die archäolog. Grabungen in den Kirchen von Stein am Rhein-Burg und Schleitheim sowie die bis ins 6. Jh. zurückreichenden Grabbeigaben mit christl. Symbolik aus dem Gräberfeld Schleitheim-Hebsack belegen eine frühe Christianisierung der Region. Für die fränk. Zeit typ. Patrozinien zeugen ebenfalls von einer frühen Ausbreitung des christl. Glaubens.

Im 6. und 7. Jh. wurden weitere Dörfer gegründet, deren Namen die Endungen -heim (Aazheim, Barzheim, Ramesheim) und -ingen (u.a. Siblingen, Löhningen, Beringen) tragen. Überwiegend liegen sie an den alten Verkehrswegen; erstmals entstanden nun aber auch in den Randentälern und auf den Hochflächen des Reiat dauerhafte Siedlungen. Am Stadtrand von S. wurde das einstige Dorf Berslingen fast vollständig ausgegraben. Es entwickelte sich aus einem um 600 errichteten Gehöft. In einer ersten Ausbauphase wurde auch eine einfache Steinkirche mit zugehörigem Friedhof angelegt. Um die Jahrtausendwende stand das Dorf in voller Blüte, ein Jahrhundert später aber wurde ein grosser Teil der Höfe wieder aufgegeben.

Autorin/Autor: Markus Höneisen

2 - Herrschaft, Politik und Verfassung vom Hochmittelalter bis zum Ende des 18. Jahrhunderts

2.1 - Hochmittelalterliche Herrschaftstrukturen

Mitte des 8. Jh. gliederte sich das Gebiet des Kt. S. politisch in den Klettgau im Westen und den Hegau im Nordosten. Im Reichsteilungsentwurf Ks. Karls des Grossen von 806 wird die Enge als Grenze zwischen den beiden Gauen erwähnt. Mit der Reichsteilung von 843 kam das Gebiet an das ostfränk. Reich. Als Teil des Stammesherzogtums Schwaben geriet es in die Auseinandersetzungen verschiedener um die Herzogswürde konkurrierender Adelsfamilien. Das unter den Ottonen erstarkende Hl. Röm. Reich nahm in der Folge vermehrt Einfluss auf die Geschicke im Herzogtum Schwaben. Die Benediktinerabteien St. Gallen, St. Blasien, St. Georgen, Reichenau, Rheinau, Petershausen, das Kloster Öhningen und der Bf. von Konstanz erwarben im Lauf der Zeit zusammenhängende Güterkomplexe und verstreute Besitzungen. Ursprünglich dem Adel gehörende Eigenkirchen, so in Merishausen, Erzingen und Schleitheim, gelangten in den Besitz einzelner der genannten Klöster. Wichtig für S. wurde das in der Region begüterte hochadelige Geschlecht der von Nellenburg.

Autorin/Autor: Oliver Landolt

2.1.1 - Hochmittelalterliche Städtegründungen: Stein am Rhein und Schaffhausen

Die Lage der Region am Verkehrsweg Rhein führte zur Gründung der Märkte Stein am Rhein und S. Hadwig (gestorben 994), Witwe des aus dem Geschlecht der Hunfridinger stammenden Hzg. Burchard III., stiftete auf dem Hohentwiel bei Singen ein Kloster, das lehensrechtlich dem Bistum Bamberg unterstellt war und 1007 durch Kg. Heinrich II. nach dem Fronhof Stein am Rhein verlegt wurde. Als Benediktinerkloster St. Georgen begünstigte es den Aufschwung der Siedlung Stein am Rhein zur Stadt. Für den Ort S. lassen sich Siedlungsspuren archäologisch bis ins 7. Jh. zurückverfolgen. 1045 erhielt Gf. Eberhard von Nellenburg für die villa Scafhusun das Münzrecht.

<b>Schaffhausen (Kanton)</b><br>Pfennige mit dem Widder, um 1160, um 1180/1190 und um 1250 (Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen; Fotografie Kurt Wyprächtiger).<BR/>
Pfennige mit dem Widder, um 1160, um 1180/1190 und um 1250 (Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen; Fotografie Kurt Wyprächtiger).
(...)

Autorin/Autor: Oliver Landolt

2.1.2 - Klosterstiftungen und deren Bedeutung für die Region

1049 stiftete Gf. Eberhard die Benediktinerabtei Allerheiligen als Eigenkloster. Die Nellenburger bauten S. danach zum Zentrum ihrer Herrschaft aus. Gf. Burkhard (gestorben um 1101/02) zog zur Klosterreform den Abt Wilhelm von Hirsau bei, verzichtete auf das Eigentumsrecht am Kloster, sicherte ihm freie Vogtwahl zu und liess den neuen Rechtsstatus 1080 durch Papst Gregor VII. bestätigen. Auch übergab er dem Kloster die villa Scafhusa "cum publica moneta, mercato et omnibus pertinentiis suis" und verzichtete damit auf die Stadtherrschaft. Damit wurde Allerheiligen Stadtherrin mit Münz- und Marktrecht sowie allen anderen Gerechtigkeiten. Als Reformkloster hirsauischer Richtung zog es aus seinen Herrschaftsrechten jedoch nur den wirtschaftl. Nutzen und übertrug die Herrschaftsausübung weltl. Vögten. In den 1080er Jahren liess Gf. Burkhard für seine Mutter Ita (gestorben um 1104) das Benediktinerinnenkloster St. Agnes errichten.

1092 schenkte Gf. Burkhard dem Kloster Allerheiligen die sog. Mundat am Randen, einen Wildbannbezirk. Der klösterl. Grundbesitz wurde im 12. Jh. durch Stiftungen wesentlich erweitert. Allerheiligen war die wichtigste Grundbesitzerin in der Stadt S. und den umliegenden Dörfern und verfügte über ausgedehnte Güter im süddt. wie schweiz. Raum. Daneben erwarben im MA auch das Benediktinerinnenkloster St. Agnes in S., das Benediktinerkloster St. Georgen in Stein am Rhein sowie lokal ansässige niederadlige Fam. umfangreichen Grundbesitz und Herrschaftsrechte in der Region.

Autorin/Autor: Oliver Landolt

2.2 - Städtische Entwicklung und kommunale Bewegung

Nach dem Aussterben der von Nellenburg zu Beginn des 12. Jh. kam es wiederholt zu Konflikten zwischen dem Kloster Allerheiligen als Stadtherrin und den weltl. Vögten, zumeist Angehörigen der weiteren nellenburg. Verwandtschaft, die zu ihren Gunsten in die klösterl. Herrschaftsrechte eingriffen. Rückhalt suchte das Kloster einerseits beim Reich, andererseits schreckte es aber auch nicht vor Urkundenfälschungen zurück, um seine Rechte zu wahren. Um 1190 wird Allerheiligen als direkt dem Reich unterstelltes Kloster erwähnt. Doch schon 1197 verlieh Philipp von Schwaben die Vogtei und Herrschaft über S. an Hzg. Berchtold V. von Zähringen. Mit dessen Tod 1218 endete die Zähringer Herrschaft über S. und die Stadt fiel an das Reich zurück. Da das Kloster Allerheiligen seine Herrschaftsrechte nicht selbst ausübte, gelang es einzelnen Stadtbürgern leicht, im 13. Jh. städt. Hoheitsrechte zu übernehmen. Gleichzeitig emanzipierten sich die Stadtbewohner von der klösterl. Herrschaft und organisierten sich als Bürgerschaft, wie die erstmalige Verwendung eines städt. Siegels 1253 durch die Stadtgemeinde und die Erwähnung eines Rats 1272 belegen. Auch aussenpolitisch wurde die Stadt S. ab dem 13. Jh. aktiv. Der in Finanznöten steckende Ks. Ludwig der Bayer verpfändete S. 1330 an die österr. Herzöge; begünstigt wurde diese Übergabe durch den habsburgfreundl. Stadtadel. Fortan unterstützte S. die habsburg. Herzöge militärisch und finanziell. S. war auf dem besten Weg, Residenzstadt in den österr. Vorlanden zu werden. Allerdings resultierte aus dieser Zeit eine Schuldenlast, die sich im 15. Jh. noch vergrösserte.

Autorin/Autor: Oliver Landolt

2.2.1 - Städtische Unruhen und Bündnispolitik

Innerhalb der Stadtmauern S.s kam es ab dem Ende des 13. Jh. wiederholt zu Konflikten. Dabei stritten sich einzelne Gruppen aus der Oberschicht um die Macht, aber auch Interessengruppen aus anderen Gesellschaftsschichten wie insbesondere die sich in Zünften organisierende Handwerkerschaft versuchten, ein polit. Mitspracherecht zu erringen. In der 2. Hälfte des 14. Jh. wurde die städt. Verfassung wegen polit. Differenzen zwischen der adligen Oberschicht und den aufstrebenden Kaufleuten und Handwerkern mehrmals abgeändert (1350, 1367, 1375, 1405) sowie 1388 und 1391 ein Verfassungsentwurf ausgearbeitet. Mit der Einführung der Zunftverfassung 1411 trat eine gewisse innenpolit. Beruhigung ein.

Nach dem Zerwürfnis zwischen Kg. Sigismund und dem österr. Herzog Friedrich IV. erlangte die Stadt S. 1415 wiederum die Reichsfreiheit. In den folgenden Jahrzehnten versuchte Habsburg wiederholt, die Stadt erneut unter seine Botmässigkeit zu zwingen. Erschwerend für die Stadt kam hinzu, dass die Habsburger ab den späten 1430er Jahren auch das Reichsoberhaupt stellten. S. sicherte deshalb seine Unabhängigkeit durch Bündnisse mit anderen Städten und Herrschaftsträgern (1312 Bund der Bodenseestädte mit Zürich, Konstanz und St. Gallen, 1420 Weinsberger Bund mit 32 anderen Reichsstädten, 1425 Juppenbund des Adels und der Städte am Hochrhein und im südl. Schwarzwald, 1407 Ritterschaftsbund zu Sankt Jörgenschild, Schwäbischer Städtebund). Diese Bündnisse waren nur von geringer Wirkung und boten dem bedrängten S. wenig Schutz, bezog die Stadt jedoch in krieger. Unternehmungen ein. Besonders schwerwiegende Folgen hatte dabei die Verwicklung in den süddt. Städtekrieg von 1449-50. Rund um die Stadt entbrannte ein Kleinkrieg meist österreichisch gesinnter Adliger unter dem Gf. von Sulz. In seiner Not suchte S. Hilfe bei der Eidgenossenschaft. 1454 schloss die Stadt ein auf 25 Jahre begrenztes Bündnis mit den Eidgenossen. Als zugewandter Ort war S. verpflichtet, an den eidg. Kriegszügen, u.a. nach Grandson, teilzunehmen. 1479 wurde das eidg. Bündnis um weitere 25 Jahre verlängert. Im Schwabenkrieg von 1499 wurde insbesondere die ländl. Umgebung von S. militärisch stark bedrängt. 1501 trat die Stadt als zwölfter Ort der Eidgenossenschaft bei.

Autorin/Autor: Oliver Landolt

2.2.2 - Die kommunale Entwicklung in den Dörfern und Kleinstädten

In den einzelnen Dörfern wie auch in der dem Bf. von Konstanz gehörenden Kleinstadt Neunkirch entwickelten sich im SpätMA kommunale Strukturen. Ausgeprägt waren diese z.B. in dem unter der Herrschaft des Bf. von Konstanz stehenden Dorf Hallau, wo bereits 1343 eine organisierte gebursami (Baursame) erwähnt wird, die sich im SpätMA zahlreiche Rechte sicherte und durch Zukäufe das Gemeindegebiet erweiterte. In den meisten anderen Dörfern wurden im 14. und 15. Jh. die grundherrschaftl. Abhängigkeiten ebenfalls zugunsten von genossenschaftl. Zusammenschlüssen, also sich weitgehend selbstverwaltenden Dorfgemeinden, abgeschwächt. Ihren Abschluss fand diese Entwicklung zu Beginn des 16. Jh., als der erstarkende Stadtstaat S. die Dorfgemeinden unter seine Herrschaft brachte. Beeinflusst von reformator. Ideen regte sich dagegen Widerstand, insbesondere im Bauernkrieg von 1525, der auf Hallau wie auch den schweiz. Klettgau übergriff und schliesslich niedergeschlagen wurde.

Die Kleinstadt Stein am Rhein, ein Reichslehen der Frh. von Klingen und ab 1419 im Besitz der von Klingenberg, erkaufte sich 1457 die Reichsfreiheit und gelangte in den Besitz der Burg Hohenklingen, des Dorfs Hemishofen und des linksrhein. Gebiets Vor der Brugg. 1459 trat das Städtchen in ein 20 Jahre dauerndes Schutzbündnis mit Zürich und S., wobei Zürich dieses Bündnis beherrschte. 1484 schloss Stein am Rhein schliesslich ein Burgrecht mit Zürich ab, das fortan die Landeshoheit ausübte und die städt. Autonomie weitgehend beschnitt.

Autorin/Autor: Oliver Landolt

2.3 - Territoriale Entwicklung

Eine aktive Politik S.s zum Erwerb eines städt. Territoriums lässt sich bis in die 1. Hälfte des 14. Jh. zurückverfolgen: Dazu wurden Burgrechte mit landsässigen Adligen und Klöstern (1330 Klarissenkloster Paradies) abgeschlossen, Herrschaftsrechte und Grundbesitz durch das erstmals 1253 erw. Heiliggeistspital gekauft und Gebiete gewaltsam durch die Stadt S. erobert. Doch machte sich immer wieder mächtige Konkurrenz bemerkbar. Während der österr. Pfandschaft (1330-1415) war eine eigene Territorialpolitik nicht möglich. Mit der Wiedererlangung der Reichsfreiheit war dieses Hindernis beseitigt, doch hatte inzwischen Zürich seine Nordgrenze an den Rhein vorgeschoben, was eine Ausdehnung S.s nach Süden erschwerte. 1434 kam sogar das nördlich des Rheins gelegene Dorf Dörflingen an Zürich und war Teil der Landvogtei Andelfingen. Einer Erweiterung nach Osten Richtung Hegau, dem natürl. Hinterland der Stadt S., war ebenfalls eine Grenze gesetzt, da die Landgrafschaft Hegau ab 1465 Österreich gehörte. Eine zusätzl. Belastung stellte die mangelnde Einbindung des lokalen Adels in die städt. Territorialpolitik dar, weshalb es der Stadt S. nicht gelang, alle Adelsvogteien ihrer Bürger aufzukaufen, sondern diese z.T. an Zürich verlor.

Im sog. Allerheiligenkrieg 1521 eroberte S. das dem Bf. von Konstanz gehörende Hallau und kaufte 1525 zusammen mit Neunkirch die Herrschaft mit allen Rechten. Mit der Säkularisation der Klöster gingen zahlreiche ländl. Herrschaften in den Besitz S.s über: 1524 trat das säkularisierte Kloster Allerheiligen Teile von Merishausen, Neuhausen, Hemmental, Reuthe im Hegau und Grafenhausen im Schwarzwald ab. 1529 verkaufte das von der Säkularisation bedrohte Klarissenkloster Paradies der Stadt S. Guntmadingen, halb Löhningen, Lohn, Opfertshofen, Altdorf und Büttenhardt. Die Vogtei über Buch erlangte die Stadt durch das Benediktinerinnenkloster St. Agnes.

Der Glaubensgegensatz nach der Reformation machte es noch schwieriger, sich auf Kosten des Nachbarn auszudehnen, also aus den einzelnen Landesteilen ein geschlossenes Territorium zu bilden, blieb das Umland doch katholisch. Gelang es dennoch, einen Kauf zu vereinbaren, wie 1638 denjenigen von Gailingen und Randegg, scheiterte der Abschluss am Veto Österreichs, das sich gegen eine Ausdehnung der Eidgenossenschaft auf Kosten des Reichs wehrte. Ausserdem entwickelte die im Rat stark vertretene Handwerkerschaft kaum Visionen für eine konsequente Schaffhauser Territorialpolitik und nahm Gelegenheiten zu Gebietsvergrösserungen nicht wahr.

Autorin/Autor: Oliver Landolt, Roland E. Hofer

2.4 - Staatsbildung und Verwaltung im Ancien Régime

2.4.1 - Verfassung

Der Habsburger Hzg. Friedrich IV. bewilligte am 1.7.1411 die Einführung einer Zunftverfassung in S. Der mit diesem Entscheid vielleicht beabsichtigte Versuch, die ab 1330 habsburg. Landstadt näher an sich zu binden, scheiterte, da S. 1415 wieder reichsfrei wurde. Mit der Einführung der Zunftverfassung wurden die Auseinandersetzungen um die Ausgestaltung des polit. Systems in S. beendet, die ab dem Beginn des 13. Jh. (Verbot der Zunftbildung 1332) immer wieder aufgeflammt waren. Die ab ca. 1250 nachweisbaren Handwerker erreichten damit einen gleichen Anteil an der polit. Herrschaft wie der Adel. Fortan teilten sich die zehn Handwerkerzünfte sowie die beiden Gesellschaften der Herren und Kaufleute die polit. Macht, mit je zwei Vertretern im Kl. Rat (24) und je sieben Vertretern im Gr. Rat (84).

<b>Schaffhausen (Kanton)</b><br>Quellen: Angaben von Roland E. Hofer; H.J. Leu, Allgemeines helvetisches, eydgenössisches oder Schweitzerisches Lexicon 16, 1760, 211–247  © 2011 HLS und Marc Siegenthaler, Bern.<BR/>
Politisches System Schaffhausens im 18. Jahrhundert

Wer ein Gewerbe in der Stadt S. treiben wollte, musste Mitglied einer Zunft sein, wobei sich ab dem Ende des 16. Jh. die Vererbung des Zunftrechts durchsetzte. Theoretisch standen alle Staatsämter (z.B. beide Bürgermeister, beide Säckelmeister) allen Mitgliedern der Zünfte und Gesellschaften offen. Da diese Ämter aber kaum besoldet waren, wurden sie faktisch meistens von Vertretern der vermögenden Schicht übernommen, die über Einkünfte aus dem Handel und aus eigenem Grundbesitz verfügten. Dies galt zumindest für die Mitglieder des Kl. Rats, dessen Sitzungskadenz ab dem 16. Jh. stetig zunahm. Im 18. Jh. trat der Kl. Rat in der Regel zwei- bis dreimal wöchentlich zusammen.

Der mit der Zunftverfassung von 1411 erreichte Interessenausgleich erwies sich als stabil. Nur gelegentlich führte Kritik am Regiment zu einer Verfassungskrise, so 1525 im sog. Rebleuteaufstand, als sich die Rebleute- und die Fischerzunft weigerten, den Bürgereid abzulegen. Weiter reichende Folgen hatte die Verfassungskrise von 1688-89, die wegen der Ausbildung absolutist. Tendenzen im Regiment ausbrach. Die Kritik richtete sich im Wesentlichen gegen die allmähl. Monopolisierung der Macht durch den Kl. Rat. Durch den Widerstand der Zünfte wurde der Zugang zu den Ämtern demokratisiert, d.h. neu durch das Los bestimmt, und die Vermögenssteuer für die Bürger der Stadt S. abgeschafft (bis 1798). Diese Änderungen verhinderten die Herausbildung eines eigentl. Patriziats, das die Herrschaft unter sich teilte. Das demokrat.-republikan. Element blieb im Stadtstaat S. im Gegensatz zu anderen Stadtorten der Eidgenossenschaft dominierend. Im Zuge der Aufklärung wurde im 18. Jh. die Kritik der wirtschaftlich und politisch bevormundeten Landbevölkerung an der Herrschaft der Gnädigen Herren lauter und manifestierte sich in einigen Auseinandersetzungen zwischen dem Stadtregiment und der untertänigen Landschaft, so im Wilchingerhandel 1717-29 und in den Hallauer Unruhen 1790.

Der Solddienst spielte besonders nach der Reformation in S. keine grosse Rolle. In militär. Auseinandersetzungen wurde S. am stärksten während des Dreissigjährigen Kriegs einbezogen. Die stadtstaatl. Militärorganisation bewährte sich dabei mehr schlecht als recht. Eine überregionale Bedeutung erlangte S. v.a. während des 18. Jh. als Werbestation für Söldner.

Autorin/Autor: Roland E. Hofer

2.4.2 - Reformation

Eine wichtige Stütze fand das weltl. Regiment in der ref. Staatskirche. Der Kl. Rat lehnte noch 1528 in zwei Abstimmungen die Abschaffung der Messe mit wachsender Mehrheit ab, während der Gr. Rat die Einführung der Reformation in der Tendenz befürwortete. Letztlich dürfte der Entscheid zur Einführung der Reformation mehr (aussen-)polit. Kalkül als religiösem Eifer zuzuschreiben sein. Seit der Schaffung des Christl. Burgrechts der ref. Stadtorte der Eidgenossenschaft 1527 sah sich S. als rechtsrhein. Brückenkopf aussenpolitisch isoliert. Der Preis, den es für die Überwindung der aussenpolit. Isolation zu zahlen galt, war die Einführung der Reformation 1529, was den Beitritt zum Christl. Burgrecht ermöglichte. Zudem konnte der Kl. Rat mit diesem Schritt verhindern, dass radikale Elemente das Tempo der Reformation bestimmten. Die Lage dazu war günstig, lebte doch der Reformator Sebastian Hofmeister ab 1525 in der Verbannung, die auch nach 1529 nicht aufgehoben wurde. In S. wurde also die Reformation ohne Reformator eingeführt, was dem Kl. Rat die Möglichkeit gab, die Umsetzung der reformator. Forderungen gezielt zu lenken. Diese berechnend-behutsame Umsetzung der Reformation führte z.B. auch dazu, dass entgegen den Wünschen der ref. Geistlichkeit noch bis gegen Ende des 16. Jh. einzelne Katholiken im Kl. Rat vertreten waren.

Autorin/Autor: Roland E. Hofer

2.4.3 - Herrschaftsstruktur

Das Schaffhauser Staatsgebiet war in zehn Vogteien eingeteilt. Jede Vogtei wurde von einem Obervogt verwaltet. Die Vogteien bestanden aus einer Anzahl von Dörfern, deren Niedergerichtsbarkeit und teilweise auch das Hochgericht bei der Stadt S. lag. Die Gem. verfügten über eine grosse Autonomie, die der Rat in S. auch im Zeichen des aufkommenden Absolutismus nicht wesentlich einzuschränken vermochte. Entsprechend schwach war die stadtstaatl. Verwaltung auf der untertänigen Landschaft. Die Verdichtung der Herrschaft blieb insgesamt gering, auch wenn mit der Schaffung des Ehegerichts nach Einführung der Reformation ein zusätzl. Instrument zur Disziplinierung der Untertanen geschaffen wurde und der Stadtstaat einen beträchtl. Machtzuwachs erhielt, da er als Rechtsnachfolger die Eigentumstitel der aufgehobenen Klöster Allerheiligen und St. Agnes übernahm.

Obwohl sein Territorium klein und zersplittert war, pflegte S. auch nach der Einführung der Reformation enge und vielfältige Beziehungen über die Grenze hinweg. S. hielt z.B. Kirchenpatronate im kath. Reich und kath. Herrschaften hatten umgekehrt Patronate in Schaffhauser Gebiet inne. Die Stadt war für den Hegau das wirtschaftl. Zentrum und dank ihrer Finanzkraft eine Art Bank für benachbarte Fürsten und Prälaten. Die verzahnten und eingespielten grenzüberschreitenden Verbindungen zwangen zur Zusammenarbeit, die sich erst im 19. Jh. mit der Herausbildung der Nationalstaaten und der endgültigen Festlegung der Landesgrenzen allmählich lockerten.

Autorin/Autor: Roland E. Hofer

3 - Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur vom Hochmittelalter bis ins 18. Jahrhundert

3.1 - Bevölkerung und Siedlung

Über die demograf. Entwicklung von Stadt und Landschaft im MA und in der frühen Neuzeit ist wenig bekannt. Erst 1771 wurde eine einigermassen zuverlässige Volkszählung durchgeführt. Am besten dokumentiert sind die städt. Verhältnisse in S. und Stein am Rhein: Rödel des Klosters Allerheiligen über die grundzinspflichtigen Liegenschaften in der Stadt S. geben für einzelne Jahre (um 1100, 1253, 1299) die Zahl der Häuser an, aus denen sich die Bevölkerungszahl ungefähr errechnen lässt. Alle anderen Grundbesitzer sind dabei aber nicht erfasst. Die von 1392 bis zum Ende des 17. Jh. erhaltenen städt. Steuerbücher, in denen die steuerpflichtigen Stadteinwohner verzeichnet wurden, geben weitere Hinweise über die Bevölkerungsentwicklung der Stadt. Stein am Rhein verfügt über Steuerbücher aus dem 15. Jh., aus denen sich die städt. Bevölkerungszahl ungefähr ermitteln lässt (um 1500 rund 1'200 Einw.). Vom Rückgang der Bevölkerung auf dem Land zeugen die noch im MA abgegangenen Dörfer und Siedlungen (z.B. Berslingen, Hofstetten, Aazheim). 1530 liess der städt. Rat von S. in seinem Herrschaftsgebiet eine Zählung der "hertstetten" (Feuerstätten) durchführen, die 747 Feuerstätten ergab. Unterhallau und Thayngen waren mit je 120 Feuerstätten die grössten Dörfer. Angaben zur demograf. Entwicklung in den Städten und auf der Landschaft enthalten die ab dem 16. Jh. einsetzenden Kirchenbücher. 1540 wurden zuerst in der Stadt S. Tauf- und Eheregister eingeführt; 1558 folgte Lohn mit den Angaben für Altdorf, Bibern, Büttenhart und Opfertshofen. 1559 setzt die Überlieferung für Stein am Rhein und Hemishofen ein.

S. und Stein am Rhein wie auch die Landschaft wurden ab dem SpätMA wiederholt von epidemischen Seuchen wie der Pest heimgesucht. Besonders verlustreich waren der Pestzug von 1611 und diejenigen der späten 1620er Jahre. Letztmals wurde das Gebiet 1635 von der Pest verheert. Trotz einer hohen Geburtenrate stieg die Bevölkerungszahl wegen der hohen Kindersterblichkeit und wiederholt auftretenden Hungerkrisen nur langsam an. 1771 zählten die Stadt S. sowie die Landschaft zusammen 19'379 Personen. Wenn die zu dieser Zeit noch zum Stand Zürich gehörende Stadt Stein am Rhein sowie die Dörfer Hemishofen, Ramsen und Dörflingen dazugezählt werden, betrug die Bevölkerungszahl gegen 22'000 Einwohner. Die ökonom. Bevormundung durch die Stadt S. und die wirtschaftl. Not trieben die ländl. Untertanen ab dem 17. Jh. zur Auswanderung (nach Württemberg und in die Pfalz, im 18. Jh. nach Amerika). Der städt. Rat suchte die Emigration zumeist vergeblich zu verbieten.

Autorin/Autor: Oliver Landolt

3.2 - Wirtschaft

S. und Stein am Rhein entwickelten sich im MA von Marktsiedlungen zu Städten mit einem breit gefächerten Gewerbe. Dank der Diversifizierung wirkten sich ökonom. Einbrüche weniger schlimm aus als in Gebieten mit einer Konzentration auf wenige Güter. Der Nord-Süd-Verkehr über den beschwerl. Landweg hatte eine geringere wirtschaftl. Bedeutung als der Transport in ost-westl. Richtung über den Rhein. Die Grösse des Wirtschaftsraums und Marktgebiets von S. zeigt sich in der Verbreitung der Schaffhauser Münze und des Schaffhauser Getreidemasses, die im SpätMA vom dt. Klettgau im Westen bis in die Baar im Norden reichte. Im Süden und Osten wurde S. hingegen von den wirtschaftlich stärkeren Städten Zürich und Konstanz bedrängt.

<b>Schaffhausen (Kanton)</b><br>Riss zu einer Zunftscheibe der Schiffleute des "niederen Wassers", von  Daniel Lindtmayer dem Jüngeren,  1582 (Schweizerisches Nationalmuseum).<BR/>Schaffhausen war ein wichtiger Umschlagplatz des Ost–West-Verkehrs auf dem Rhein. Unterhalb des Rheinfalls nahmen die Schiffer des niederen Wassers die Waren in Empfang und transportierten sie stromabwärts. Im Hintergrund sind das Schlösschen Wörth bei Neuhausen und das gegenüberliegende Laufen dargestellt.<BR/>
Riss zu einer Zunftscheibe der Schiffleute des "niederen Wassers", von Daniel Lindtmayer dem Jüngeren, 1582 (Schweizerisches Nationalmuseum).
(...)

In der Region S. war die Landwirtschaft im MA und in der frühen Neuzeit der dominierende Wirtschaftszweig. Die klimat. Verhältnisse der im Windschatten der Vogesen und des Schwarzwalds gelegenen Gegend mit ihrer Niederschlagsarmut wie auch die Bodenqualität begünstigten die Agrarwirtschaft, die im Dreizelgensystem betrieben wurde. An den für den Ackerbau ungeeigneten Hanglagen wurden Weinreben angepflanzt. Das Exportgut Wein erlebte im 15. und 16. Jh. eine eigentl. Blütezeit. Absatzgebiete des Schaffhauser Weins waren v.a. die Zentral- und die Ostschweiz sowie der süddt. Raum. Der städt. Rat regelte den Weinbau, Ackerbau und Viehzucht vernachlässigte er dagegen eher. In normalen Erntejahren reichte die Getreideproduktion der Region zur Selbstversorgung und manchmal wurde sogar Getreide in den süddt. und schweiz. Raum exportiert. Fiel die Ernte schlecht aus, musste Getreide aus dem Elsass und aus Süddeutschland importiert werden. S.s Wirtschaftspolitik strebte in erster Linie eine ausreichende Versorgung der Stadt mit den wichtigsten Nahrungsmitteln und Gütern an: So verbot z.B. der städt. Rat 1757 und 1759 den Kartoffelanbau, um sicherzustellen, dass genügend Getreide für die Stadtbevölkerung angepflanzt wurde. Erst als der gesamte mitteleurop. Raum 1771 wegen Ernteausfällen von einer Teuerungswelle erfasst wurde, hob der Rat das Verbot auf. Obwohl grosse Wälder in der weiteren Umgebung der Stadt lagen, führte S. immer wieder Holz aus dem Schwarzwald, dem Allgäu und dem Vorarlberg ein, das kostengünstig über den Bodensee und den Rhein transportiert wurde. Die Schaffhauser Fischer belieferten den regionalen Markt mit Fischen. In vorreformator. Zeit reichten diese jedoch nicht aus, so dass als Fastenspeise konservierte Meerfische importiert wurden.

Aufgrund ihrer verkehrsgeografisch günstigen Lage nahm die Stadt S. eine wichtige Rolle im Salzhandel ein. Ein bedeutender Teil des Salzes wurde aus Bayern und Österreich über den Rhein und S. transportiert und gelangte so in das weitere Gebiet der Schweiz. Die Stadt erwirtschaftete aus dem Salzhandel beträchtl. Einnahmen und einzelne Stadtbürger erwarben damit grossen Reichtum. Im 13. Jh. beteiligte sich die Stadt, die zur Leinwandgewerberegion am Bodensee gehörte, am Fernhandel mit Tuchen: Die spärlich überlieferten Quellen erwähnen die Champagner Messen, Oberitalien und den Mittelmeerraum als Absatzgebiete für Leinwand aus S. Im 14. Jh. büsste die Stadt ihre hervorragende wirtschaftl. Stellung allmählich ein. Das einheim. Webergewerbe produzierte hauptsächlich geringwertige Grautuche für den örtl. wie regionalen Markt, die verschiedentlich auch in andere Regionen der Schweiz exportiert wurden.

Das Handwerk von S. und Stein am Rhein bediente die einheimischen städt. Märkte wie auch die Dörfer. In S. sorgten die Zünfte für die Qualitätskontrolle der produzierten Waren und die Protektion der Zunftangehörigen vor der Konkurrenz durch Fremde und Landhandwerker. Streng schützte die Stadt S. ihr Marktrecht, wobei hierfür auch die Vorherrschaft der Zünfte verantwortlich war: Sämtl. Bestrebungen, Märkte im Untertanengebiet zu errichten, wurden unterdrückt. So scheiterten im 17. und 18. Jh. z.B. alle Versuche des Städtchens Neunkirch, das Marktrecht zu erlangen. Einzig im Dorf Unterhallau wurde ein Kaufhaus für einheim. Untertanen toleriert. Weder Spezereiläden noch der Hausierhandel mit Tee, Zucker, Seife, Tabak, Indienne oder Eisen waren erlaubt. Obwohl die Stadt S. das Gewerbemonopol für sich beanspruchte, liess der Rat auf der Landschaft die für die Landwirtschaft notwendigen Gewerbe der Schmiede, Wagner, Schreiner, Maurer und Zimmerleute zu wie auch andere Handwerke, sofern diese für den lokalen oder regionalen Markt produzierten. Auch wurde die Weberei für den Hausgebrauch und im Nebenerwerb gestattet, wobei etwa in Unterhallau auch eine zunftähnl. Organisation entstand, die Ausbildung und Lehrabschluss kontrollierte.

<b>Schaffhausen (Kanton)</b><br>Gemeindescheibe Unterhallau.  Felix Lindtmayer dem Älteren   zugeschrieben, um 1531 (Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen).<BR/>Die Menschen auf dem rechten Zwickelbild pflanzen neue Reben und schlagen die Rebstecken ein. Links ist ein wohlhabender Bauer mit einem Viergespann am Pflügen. Acker- und Weinbau waren die Eckpfeiler der ländlichen Wirtschaft. Die Bauern aus der Oberschicht, die das Glasgemälde gestiftet hatten, wollten mit diesen Bildern ihre eigene Hablichkeit darstellen.<BR/>
Gemeindescheibe Unterhallau. Felix Lindtmayer dem Älteren zugeschrieben, um 1531 (Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen).
(...)

Familiär oder überfamiliär organisierte, im Fernhandel mit den unterschiedlichsten Produkten wie Tuch, Eisen, Kupfer, Buchsbaumholz, Salz, Wein und Getreide tätige Handelsgesellschaften lassen sich ab dem 16. Jh. in der Stadt S. feststellen. Zur Förderung des Handels wurde Anfang des 18. Jh. nach dem Vorbild anderer Städte ein Kaufmänn. Direktorium eingerichtet. Während der Rat zu Beginn des 17. Jh. die Seidenspinnerei im Verlagssystem noch verboten hatte, förderte er sie von der 2. Hälfte des 17. bis in die 1. Hälfte des 18. Jh., jedoch ohne grossen Erfolg. Nachdem die Obrigkeit 1754 die Baumwollspinnerei zugelassen hatte, beschäftigten städt. Verleger Heimarbeiter in Schleitheim, Beggingen, Hemmental, Merishausen und Bargen damit. Die Schaffhauser Baumwollspinnerei hatte aber gegen die grosse Konkurrenz aus dem Schwarzwald einen schweren Stand.

Geringfügige Eisenerzvorkommen im Merishauser Tal wurden bereits im MA ausgebeutet. Zur Verhüttung der im 17. Jh. im Lauferberg und auf den Hochebenen des Reiat entdeckten Bohnerze wurde 1630 am Rheinfall ein Eisenschmelzofen erbaut. Wegen Rohstoffmangels wurde der Ofen in der 2. Hälfte des 18. Jh. eingestellt. Bohnerz wurde aber noch bis ins 19. Jh. hinein gefördert. Gips, der in der Bau- wie der Landwirtschaft Verwendung fand, kam in der Umgebung Schleitheims vor und wurde ab dem 18. Jh. abgebaut. Reichhaltige Lehmvorkommen liessen schon früh Ziegeleien entstehen, u.a. in Lohn.

Autorin/Autor: Oliver Landolt

3.3 - Gesellschaft

Im HochMA entwickelte sich die Stadt S. zum Anziehungspunkt für die sozial breit gefächerte Bevölkerung aus dem näheren und weiteren Umland. Der Anteil geistl. Personen in der Stadt muss im Hoch- und SpätMA recht hoch gewesen sein (Benediktinerkloster Allerheiligen, Benediktinerinnenkloster St. Agnes, Franziskanerkloster, Leutpriester und Kapläne in den versch. Kirchen, Beginen). Lokal ansässige niederadlige Fam., deren Burgen sich vereinzelt als Ruinen oder fast vollständig erhalten haben (Radegg, Randenburg, Herblingen), nahmen vom 12. bis 14. Jh. Wohnsitz in der aufstrebenden Stadt S. und bestimmten hier mit der allmähl. Emanzipation von der klösterl. Stadtherrschaft als Bürger die städt. Politik. Infolge der krisenhaften wirtschaftl. Entwicklung im SpätMA verarmten einzelne dieser Fam. oder starben aus. Als Reaktion auf die Zunftbewegung des Handwerks schlossen sich die politisch an Einfluss verlierenden Stadtadligen sowie die reicheren, in Handel und Kaufmannschaft tätigen Bürger in Gesellschaften zusammen. Auch in der Stadt Stein am Rhein bildeten sich aus Handwerkern bestehende Einungen sowie aus Kaufleuten und Adligen zusammengesetzte Kaufleute- und Herrenstuben. Nach 1411 bestimmten diese Vereinigungen bis Ende des 18. Jh. das Alltagsleben ihrer Mitglieder in polit., wirtschaftl., gesellschaftl. und kultureller Hinsicht. Die in ärmeren Zünften organisierten Bevölkerungsgruppen wie die Rebleute bildeten soziale Unruheherde (Rebleuteaufstand 1525), die immer wieder für gesellschaftl. Spannungen sorgten. Die sich im SpätMA überregional organisierenden Handwerksgesellen einzelner Berufssparten machten sich auch in der Stadt S. in der 1. Hälfte des 15. Jh. bemerkbar, wogegen die städt. Obrigkeit im Verbund mit anderen Städten einschritt.

<b>Schaffhausen (Kanton)</b><br>Fingerhutpokal der Zunft zur Schneidern, 1585  (Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen).<BR/>Das kunstvoll verzierte silberne und vergoldete Tafelgeschirr drückt den Zunftstolz aus und bildete einen Teil des Zunftvermögens. Der Fingerhutpokal ist eines der ältesten Stücke des Schaffhauser Zunftsilbers. Er wurde von 29 Zunftmitgliedern gestiftet, deren Wappen auf dem oberen Pokalrand eingraviert sind. 1631 liess Zunftmeister Zimprecht Joos den Pokal erneuern.<BR/>
Fingerhutpokal der Zunft zur Schneidern, 1585 (Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen).
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Durch Handel und Kaufmannschaft reich gewordene Stadtbürger investierten ihr Geld in Liegenschaften und Herrschaften im städt. Umland, errichteten hier teilweise repräsentative Bauten (Sonnenburggut, Schloss Herblingen, Holländerhaus in Hofen) und kamen bisweilen in Konflikt mit den territorialpolit. Interessen der Stadt S. Dieses Stadtpatriziat orientierte sich an adligen Lebensformen und einzelne Fam. liessen sich auch Adelsbriefe ausstellen. Die Ansässigkeit von Juden in der Stadt S. ist ab der 2. Hälfte des 13. Jh. belegt. Als Kreditgeber spielten sie neben den im 14. und frühen 15. Jh. belegten christl. Geldverleihern, den Lombarden bzw. Kawerschen, eine wichtige Rolle für die städt. und ländl. Bevölkerung. Judenverfolgungen 1349 und 1401 löschten die jüd. Gemeinde jeweils vollständig aus. Nach wenigen Jahren siedelten sich jeweils wieder Juden an. 1472 wurde ihnen das Wohnrecht in der Stadt S. entzogen. Ein jüd. Arzt samt seiner Fam. erhielt im 16. Jh. dennoch das Aufenthaltsrecht. Auch in Stein am Rhein waren Juden ab der 2. Hälfte des 14. Jh. bis zur Aufkündigung ihres Aufenthaltsrechts Ende des 15. Jh. ansässig.

Die Steuerbücher der Städte S. (14.-17. Jh.) und Stein am Rhein bieten Einblick in die Vermögensverhältnisse und die soziale Schichtung der Bevölkerung. Eine kleine Schicht reicher bis sehr reicher Bürger stand einer grossen Masse armer oder sogar vermögensloser Menschen gegenüber. Besondere Spannungen ergaben sich zwischen den politisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich vollberechtigten Bürgern und den zumeist wenig vermögenden, mit minderen Rechten ausgestatteten Hintersassen. Ab dem 16. Jh. wurde es immer schwieriger, das in der Regel mit hohen finanziellen Kosten verbundene Bürgerrecht zu erwerben. Ende des 17. Jh. bestand beinahe ein Fünftel der städt. Bevölkerung S.s aus Hintersassen. In ähnl. Weise schlossen sich auch die Burger in den Landgemeinden gegenüber Neuzuzügern ab, die zumeist nur noch das Hintersassenrecht erwerben konnten. Durch Realteilung wurde der bäuerl. Grundbesitz in der frühen Neuzeit immer stärker zerstückelt, was dazu führte, dass die überwiegende Mehrheit aller Güterbewirtschafter Kleinbauern mit Kleinstbetrieben waren. Mittels gewerbl. Nebenverdienste versuchten besonders die ärmeren Kleinbauernfamilien ihren Lebensunterhalt aufzubessern. Neben Kleinbauern waren auch Taglöhner besonders im Rebbau begehrte Arbeitskräfte.

In der Stadt S. entstand im SpätMA und in der frühen Neuzeit eine Reihe von Fürsorgeinstitutionen, welche die unterschiedlichsten Gruppen von Bedürftigen auffingen: das Heiliggeistspital, das Leprosorium, die Spende für Hausarme, die Elendenherberge für fremde Handwerksgesellen, Pilger und Bettler, das Säckle, eine durch die Obrigkeit organisierte Almosensammlung, sowie das Lazarethus für kranke Dienstboten und andere Stadtbewohner. Geäufnet wurde das Vermögen dieser Institutionen insbesondere durch religiöse Stiftungen. Die Armenordnung von 1524 verbot den Gassenbettel, sie wurde aber, wie weitere Verordnungen auch, nur mangelhaft durchgesetzt. Die Zünfte übernahmen für die Angehörigen und ihre Fam. eine gewisse soziale Verpflichtung. In der Stadt Stein am Rhein existierte ab Beginn des 14. Jh. ebenfalls ein Spital und ein Siechenhaus. In den Dörfern beruhte die Armenfürsorge gleichfalls weitgehend auf kirchl. Stiftungen und Almosensammlungen.

Autorin/Autor: Oliver Landolt

3.4 - Kirchliches und religiöses Leben

Für die Entstehungszeit der Stadt S. bildete das 1049 gegr. Benediktinerkloster zu Allerheiligen das spirituelle und polit. Zentrum und ab 1080 eine der herausragenden Stützen der cluniazen. (hirsauischen) Reformbewegung. 1080-1150 erlebte das Skriptorium von Allerheiligen seine Blütezeit. Ab ca. 1250 machte die aufstrebende Bürgerschaft der Stadt S. dem Kloster Allerheiligen die Herrschaft streitig. Der Abt blieb zwar nominell Stadtherr und das Kloster gehörte im überregionalen Vergleich zu den grossen Grundbesitzern, doch schwand seine Bedeutung als geistiges Zentrum. Als Antwort auf den Bedeutungsverlust des Klosters Allerheiligen erfolgte die Gründung des Franziskanerklosters um 1250. Der Bettelorden wurde auch in S. schnell populär, die Klosterkirche und der dazugehörende Friedhof zu einem bevorzugten Bestattungsort. Ohne weitreichende spirituelle Ausstrahlung blieb das in den 1080er Jahren gegr. Frauenkloster St. Agnes.

Die Stadt S. wurde nicht zu einem eigentl. Wallfahrtsort, selbst wenn es eine lokale Verehrung des Grabs von Eberhard von Nellenburg in der Klosterkirche gab. Grössere Anziehungskraft erlangte der Grosse Gott von S., ein grosses Kruzifix, das in der Klosterkirche hing. In Hallau wurden die beim Bau der Bergkirche 1491 gefundenen Gebeine mit der Thebäischen Legion in Verbindung gebracht, worauf eine überregionale Wallfahrt dorthin einsetzte, die bis zur Reformation anhielt.

Nach dem Beschluss zur Einführung der Reformation 1529 brauchte der Aufbau einer neuen Kirchenorganisation Zeit. Erst der Generationenwechsel am Ende des 16. Jh. führte zur eindeutig ref. Ausrichtung des Stadtstaats S. und seiner Bevölkerung. Eine wichtige Rolle bei der Ausbildung der Staatskirche kam Johann Konrad Ulmer zu, der ab 1569 Antistes der ref. Kirche war. Er verfasste den ersten Katechismus von 1569, die erste Kirchenordnung von 1592 und 1596, die für die kommenden Jahrhunderte die Grundlage der Staatskirche bildete, und das erste ref. Gesangbuch für die Schaffhauser Kirche, das 1579 als eigenständige Publikation erschien. Der Organisationsgrad der Schaffhauser Staatskirche blieb im Vergleich zu anderen ref. Staatskirchen auch im 17. und 18. Jh. gering. So fanden z.B. keine regelmässigen Visitationen statt und das Führen von Kirchenbüchern blieb dem einzelnen Pfarrer anheimgestellt, auch wenn dafür weiterhin eine Bewilligung des Rats nötig war.

Die innerkirchl. und theol. Entwicklung der Schaffhauser Staatskirche folgte der ref. Orthodoxie, die sich in der Auseinandersetzung mit dem kath. Gegner ausbildete, wobei Zürich wichtiges Vorbild blieb. So übernahm die Schaffhauser Staatskirche die Haltung der ref. Staatskirchen gegenüber den Täufern, die mit Unterstützung der Schaffhauser Geistlichkeit vom Schaffhauser Rat verfolgt wurden, sich jedoch bis in die 1650er Jahre auf der Landschaft halten konnten. Im 18. Jh. bildete sich eine starke pietist. Strömung innerhalb der Schaffhauser Geistlichkeit aus, die aber von der Leitung der Schaffhauser Staatskirche argwöhnisch beobachtet und bekämpft wurde. Von einzelnen Pfarrern abgesehen ist kein wirklich entscheidender Einfluss der Aufklärung innerhalb der Schaffhauser Geistlichkeit festzustellen. Dies hing zum einen mit den überschaubaren Verhältnissen im Stadtstaat S. zusammen, zum anderen aber auch mit dem Fehlen einer Universität, die geistige Strömungen hätte aufnehmen können.

Die geistl. Karriere diente häufig der Versorgung von Söhnen mittelständ. Familien der Stadt S. Pfarrer konnte nur ein Stadtbürger werden. Ab 1540 erhielten angehende Pfarrer Stipendien für die universitäre Ausbildung, z.B. in Zürich (Carolinum), Strassburg, Marburg, Göttingen oder Basel. Der vom Rat auf die erste Pfarrstelle der Stadtkirche St. Johann gewählte Pfarrer übernahm zugleich als Antistes die Leitung der Schaffhauser Staatskirche. Die Geistlichen waren vom Rat gewählte Beamte, die dem Rat Rechenschaft schuldig waren und deren Spielraum eng begrenzt blieb. Auf der Landschaft vollzogen die Pfarrer obrigkeitl. Massnahmen wie das Verkünden von Sittenmandaten. Der Rat behielt sich auch in kirchl. Angelegenheiten das letzte Wort vor. Die Geistlichen hatten daher neben den seelsorger. Aufgaben auch konkret herrschaftsstützende Funktion.

Die Schulen wurden von der Geistlichkeit betreut, oft waren die Lehrer Geistliche. Auf der Landschaft blieben die Schulen trotz sporad. Versuche zur Verbesserung ungenügend und mangelhaft geführt. Das Collegium humanitatis in der Stadt S. bildete als gymnasiale Stufe die Spitze der Ausbildungsmöglichkeiten und diente im Wesentlichen als Vorbereitung auf universitäre Studien.

Nur wenige als Theologen ausgebildete Schaffhauser erlangten als Wissenschafter Bedeutung. Dazu zählen Johann Jakob Rüeger, der um 1600 die erste, auf umfassenden Quellenstudien basierende Geschichte der Stadt und Landschaft S. verfasste, sowie die Brüder Johannes von Müller und Johann Georg Müller. Ersterer als eigentl. Historiker der Eidgenossenschaft und europaweit bekannter Homme de lettres, Letzterer als Schul- und Kirchenreformer.

Autorin/Autor: Roland E. Hofer

4 - Der Staat im 19. und 20. Jahrhundert

4.1 - Politische und Verfassungsentwicklung

4.1.1 - Revolution und Helvetik (1798-1803)

Mit der Hallauer Huldigungsverweigerung und dem Hallauer Memorial von 1790 begann die vorrevolutionäre Bewegung auf der Schaffhauser Landschaft. Zwar forderte das Memorial die Wiedereinführung der vom Stadtregiment beschnittenen alten Rechte, war aber zugleich von den Ideen der Franz. Revolution beeinflusst. Die städt. Obrigkeit griff mit harter Hand durch. Weitere revolutionäre Regungen waren damit vorerst unterdrückt. Die Teilbesetzung der Schweiz durch Frankreich im Jan. 1798 wendete das Blatt. Im Kongress von Neunkirch vom 30.1.-1.2.1798 verlangten die Landgemeinden von der Stadt ultimativ gleiche Rechte und Pflichten für die Landbewohner, die Aufhebung der Obervogteien und eine gemeinsam ausgearbeitete Verfassung. Die Klein- und Grossräte der Stadt S. kamen den Forderungen am 6.2.1798 nach, und eine 48-köpfige Nationalversammlung entschied sich am 26. März für die Basler Konstitution von Peter Ochs. Statt dieser diktierte Frankreich am 2. April die Helvet. Einheitsverfassung. Von Aarau aus wurde der Regierungsstatthalter eingesetzt, eine fünfköpfige Verwaltungskammer organisierte den Kanton. Neu wurden dem Kt. S. die Distrikte Diessenhofen (bis 6.6.1800) und Stein am Rhein sowie die Gem. Dörflingen zugeteilt. In jedem Dorf bildete sich eine Urversammlung mit eigenen Behörden; die Hintersassen waren stimmberechtigt. In der Stadtgemeinde S. galten die hist. zwölf Gesellschaften und Zünfte je als eine Urversammlung. Ab 1800 umfasste der Kt. S. 36 Gemeinden.

Einschneidend für das Alltagsleben wurden die franz. Besetzung am 1.10.1798 und die Geschehnisse im 2. Koalitionskrieg ab dem 1.3.1799. Als rechtsrhein. Frontgebiet mit den Brückenorten S., Diessenhofen und Stein am Rhein war der Kanton zwar von hoher strateg. Bedeutung, militärisch aber gegen die anrückenden Österreicher und Russen nicht zu halten. Die Franzosen setzten sich daher am 13.4.1799 nach der verlorenen Schlacht von Stockach über den Rhein ab und zerstörten hinter sich alle Rheinbrücken. S. erlebte eine kurze Interimszeit. Erst die von der Koalition verlorene 2. Schlacht von Zürich schaffte die Voraussetzung für den erneuten Vorstoss der Franzosen nach Osten. Das Gebiet des Kt. S. gelangte am 1.5.1800 wieder unter franz. Oberhoheit.

Autorin/Autor: Eduard Joos

4.1.2 - Mediation und Regeneration (1803-1852)

Die Mediationsverfassung von 1803 schuf eine neue Kantonsorganisation. In den drei Distrikten S., Reiat/Stein und Klettgau wurden je sechs Wahlzünfte gebildet, auf der Landschaft durch Zusammenzug von Gem., in der Stadt durch Zusammenlegung von je zwei hist. Zünften. Die 18 Wahlzünfte wählten einen Kantonsrat von 54 Mitgliedern auf Lebenszeit. Diese bestimmten zwei sich jährlich ablösende Bürgermeister und einen 15-köpfigen Kl. Rat als Exekutive, der auch richterl. Funktionen wahrnahm. Die 1803 geschaffenen Distrikte (Gerichtsbezirke) wurden 1831 auf sechs erweitert und bestanden bis zu ihrer Aufhebung 1999. Das Gesetz über den Zehntenloskauf von 1805 ermöglichte den Gem., den Zehnten für den 20-fachen Jahresertrag von den Klosterämtern abzulösen und den Betrag den neuen Besitzern zu verrechnen. Die erst 1876 abgeschlossene Ablösung machte aus zehnt- und grundzinspflichtigen Bauern freie Landeigentümer.

Die Restauration von 1814 schuf einen Kantonsrat von 74 Mitgliedern, 52 davon aus den Städten S. und Stein am Rhein. Das Zurückdrängen der Landvertreter rächte sich, als 1818 22 Landgemeinden sich weigerten, das in der Stadt beschlossene neue Steuergesetz zu vollziehen. Der folgende Hochverratsprozess gegen 73 Kantonsbürger, darunter ein Kantonsrat, 13 Gemeindepräsidenten und 28 Gemeinderäte, erbitterte die Landschaft gegen die Stadt und war eine der Ursachen, die nach der Julirevolution in Paris 1830 zum liberalen Umschwung in S. führten. Ein bewaffneter Zug der Klettgauer in die Stadt am 16.5.1831 löste dort ein Umdenken aus: Bürgermeister und Räte demissionierten. An ihre Stelle trat ein nach Volkszahl gewählter Verfassungsrat, der das Repräsentationsverhältnis zwischen Stadt und Land im Kantonsrat auf 30 zu 48 Sitze festlegte. Vier Jahre später wurde eine proportionale Sitzverteilung von 18 zu 60 eingeführt. Die neue Kantonsverfassung von 1831 setzte Grundprinzipien des Liberalismus wie Volkssouveränität, Gewaltentrennung und Öffentlichkeit der Parlamentssitzungen durch.

Autorin/Autor: Eduard Joos

4.1.3 - Bundesreform und Kantonsreformen (1847-2002)

An vorderster Front trat der wirtschaftlich durch den dt. Zollverein bedrängte Kt. S. für einen starken Bundesstaat mit einheitl. Wirtschaftsraum ein. Zur Abwehr der Staatszersplitterung sandte er ein militärisch erfolgreiches Kontingent in den Sonderbundskrieg und stimmte der neuen Bundesverfassung mit 79% Jastimmen deutlich zu. Die Kantonsverfassung von 1852 ersetzte das bisher vorherrschende Regierungsprinzip mit kollektiv entscheidenden Räten und Kommissionen. Die auf sieben Mitglieder reduzierte Regierung arbeitete nun in einem Departementalsystem. Durch die beschleunigte Gesetzgebung des 57-köpfigen Kantonsrats wurden innert 33 Jahren alle wichtigen Staatsbelange in 82 Gesetzen geregelt, die dem neu eingeführten Volksveto unterstanden. Kommissionen wurden durch besoldete Beamte ersetzt, doch regelmässig lehnte das Volk die entsprechenden Besoldungsgesetze ab. Die demokrat. Verfassung von 1876, gegen den zähen Widerstand der ländl. Konservativen erst nach drei abgelehnten Entwürfen in der Volksabstimmung angenommen, brachte die Reduktion der Regierung auf fünf vollamtl., vom Volk gewählte Mitglieder, die Volkswahl der Ständeräte, ein fakultatives Gesetzes- und Finanzreferendum sowie die Volksinitiative (1'000 Unterschriften). Da fast jede der 36 Gem. zu einem Wahlkreis für den Kantonsrat wurde, bestand das Parlament bis 1956 zu gut einem Drittel aus Gemeindepräsidenten. 1895 erfolgte die Einführung des obligator. Gesetzesreferendums; bis 1980 wurden dem Volk 147 Gesetze vorgelegt, davon wurden 138 gutgeheissen und nur neun verworfen. 1895 wurde auch eine Totalrevision der Kantonsverfassung beschlossen, nach 82 Kommissionssitzungen, zwei Entwürfen und drei Volksabstimmungen aber 1899 erfolglos abgebrochen. Erst 2002 hatte, nach einem gescheiterten Versuch im Jahr zuvor, eine neue Kantonsverfassung wieder Erfolg. Sie brachte u.a. die Volksmotion und eine Abschwächung des obligator. Referendums. 2004 wurde eine FDP-Initiative zur Verkleinerung des Kantonsrats von 80 auf 60 Mitglieder vom Stimmvolk gutgeheissen.

Autorin/Autor: Eduard Joos

4.1.4 - Die Parteienherrschaft im 20. und zu Beginn des 21. Jahrhunderts

Im 19. Jh. entstanden polit. Strömungen aus bestimmten Anlässen und um führende Persönlichkeiten. Neben ersten sporad. Parteibildungen, wie sie etwa aus dem Streit um die Linienführung der Eisenbahn hervorgingen, kamen in der zweiten Jahrhunderthälfte mit dem Demokrat., dem Polit. und dem Grütliverein diejenigen Bewegungen auf, aus denen sich über Zwischenstufen die im selben Jahr 1904 gegr. Freisinnig-demokrat. Partei (FDP) und die Sozialdemokrat. Partei (SP) entwickelten. Von der bis zum Generalstreik alles beherrschenden FDP spaltete sich 1918 die Bauernpartei (BP) ab; sie trat 1943 der Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei Schweiz (ab 1971 Schweiz. Volkspartei, SVP) bei. Die drei grossen Parteien erreichen seit 1920 immer 68-94% aller Kantonsratssitze; alle weiteren Parteien - z.B. 1905 der Liberale Verein (LV), ab 1913 Liberal-demokrat. Partei (LDP), 1911 die Christlich-soziale Partei (CSP), später Kath. Volkspartei (KVP) bzw. Christlichdemokrat. Volkspartei (CVP), 1922 die aus dem Zusammenschluss von LDP und Evang.-sozialer Vereinigung entstandene Evang. Volkspartei (EVP), 1935 Jungliberale Bewegung (JBS), 1937 Landesring (LdU), 1974 POCH, 1988 Autopartei, 1990 die aus dem Zusammenschluss von JBS und Umweltforum Schaffhausen entstandene Ökoliberale Bewegung (ÖBS) - spielten belebende Nebenrollen. Alle drei grossen Parteien erlebten ihre besonderen Stürme. Die Schaffhauser SP trat unter Walther Bringolf überraschend der Kommunist. Internationale bei und nannte sich ab 1921 Kommunist. Partei (KP), nach dem Bruch mit dem Stalinismus 1931 Kommunist. Partei-Opposition, bevor sie sich 1935 als Sozialist. Arbeiterpartei wieder der SP Schweiz anschloss. Deren Namen übernahm sie aber erst 1961. Die überalterte FDP erlebte eine Zerreissprobe, als 1933 junge Parteimitglieder austraten und die Neue Front (später Nationale Front) gründeten. Zwischen dem scharfen Linkskurs der KP und dem Rechtskurs der Front wurde die Bauernpartei hin und her gerissen: Bis 1940 näherte sie sich unter Paul Schmid-Ammann der Linken an, 1940-42 huldigte sie unter Hans Zopfi einem rechtsbürgerl. Kurs und verstand sich danach als Mitte-Partei. Mit der Kriegswende im 2. Weltkrieg erlebte die Linke eine Hausse, die bis 1980 andauerte. Nach der Einführung des Frauenstimmrechts 1971 verdoppelte sich zwar der Wahlkörper von 18'875 auf 40'702 Stimmberechtigte, ein grundsätzl. Wechsel der Wählerstärke der Parteien war damit nicht verbunden. In der Wirtschaftskrise nach 1973 mehrten sich die Rufe nach Rückbau, Privatisierung und einem schlanken Staat, wobei insbesondere Doppelspurigkeiten in der Verwaltung zwischen Kanton und Stadt kritisiert wurden. Seither sind die Mitte- und Rechtsparteien wieder auf dem Vormarsch, insbesondere die SVP, die in den 1990er Jahren zur stärksten Kraft aufstieg..

Wahlen in die Bundesversammlung 1919-2015 (ausgewählte Jahre)
 191919221925192819311935194719591967197919872003200720112015
Ständerat
FDP2111111111 11  
BP/BGB/SVP 11111111111111
SP          1    
Parteilos             11
Nationalrat
FDP 111 1111111   
BP/BGB/SVP22111       111
SP     1111111111
KP/KPO  111          

Quellen:HistStat; BFS

Zusammensetzung des Regierungsrats 1904-2016 (ausgewählte Jahre)
 190419181920192419281935194719601968199920002004200820122016
FDP543232122122222
BP/BGB/SVP 12322221112222
SP     1212211111
ÖBS         11    
Total Sitze555555555555555

Quellen:Staatskanzlei; Eduard Joos

Kantonsratswahlen 1920-2016 (ausgewählte Jahre)
 192019241932193619441948195619641976198819962004200820122016
FDP2021211415182120191517141299
BP/BGB/SVP293229312926181816172327161619
SP1922263120302725262324141313
KP/KPO 1413            
CSP/KVP/CVP136235787643332
LdU     23362     
LV/LDP/EVP333212123221111
JBS/ÖBS     1112236542
POCH        211    
JSVP           3331
Autopartei         83    
Andere62211611 14261113
Total Sitze787776768080828080808080606060

Quellen:BFS; SchaffGesch.; Staatskanzlei

Autorin/Autor: Eduard Joos

4.1.5 - Medien

Seit 1664 sind Zeitungen aus S. erwähnt, das als Grenzort, Sammelpunkt der Postlinien und Eingangstor der Schweiz Nachrichten oft einen Tag früher verbreiten konnte. Ab 1798 publizierten die Zeitungen auch polit. Lokalnachrichten. 1840 entstand das liberal-freisinnige "Schaffhauser Tagblatt" (bis 1937), 1857 "Der Klettgauer", die erste Zeitung der Landschaft, die seit 2009 als "Schaffhauser Landzeitung" herauskommt. Das 1861 gegr., zu Beginn angriffige, um 1900 konservativ liberale "Schaffhauser Intelligenzblatt" heisst seit 1940 "Schaffhauser Nachrichten" und war 2010 die beherrschende Lokalzeitung, die durch die Verbindung mit Radio Munot (seit 1983) und dem Schaffhauser Fernsehen (seit 1994) fast eine Monopolstellung erlangt hatte. Die 1918 gegr. sozialdemokrat., 1921-35 kommunist. "Arbeiter-Zeitung" lebt im Wochenblatt "Schaffhauser az" weiter. Auch das wöchentl. Gratisblatt "Schaffhauser Bock" (seit 1965) verstand sich bis 2004 als streitbarer Gegenpol zu den bürgerl. "Schaffhauser Nachrichten". Ferner gab es 2010 noch die "Klettgauer Zeitung" (seit 1868), das "Heimatblatt" in Thayngen (seit 1953) und das 1993 gegr., seit 1998 regelmässig sendende Radio RaSa. 1933-43 erregte der "Grenzbote" als Organ des Frontismus nationales Aufsehen. Rund 20 weitere Schaffhauser Zeitungen haben ebenfalls nicht überlebt.

Autorin/Autor: Eduard Joos

4.1.6 - Schaffhausen als Grenzkanton

Als Umschlags- und Handelsplatz des Rheintransitverkehrs war S. mit Baden und Württemberg eng verknüpft, bis der Dt. Zollverein ab 1836 S. wirtschaftlich zum Grenzland machte. Der polit. Bruch erfolgte im 1. Weltkrieg, stärker und für Jahre nachwirkend ab 1933 und im 2. Weltkrieg, als sich die Bewohner des schwach verteidigten rechtsrhein. Brückenkopfs vom nationalsozialist. Deutschland umzingelt sahen. In zivilem Ungehorsam unterliefen Schaffhauser z.T. die offizielle Flüchtlingspolitik und ermöglichten Juden und anderen Flüchtlingen den Übertritt in die Schweiz, besonders vor Kriegsende. Nach dem Krieg normalisierte sich die Zusammenarbeit im engeren Grenzverkehr wieder: 1971 trat der Kanton der Internat. Bodenseekonferenz bei und 2006 wurde der Verein Agglomeration Schaffhausen gegründet, in dem die angrenzenden Kantone und Gem. ebenso wie die benachbarten Landkreise und dt. Kommunen vertreten sind. Hingegen zeigten sich die Schaffhauser in Volksabstimmungen zu europarelevanten Fragen skeptisch und ablehnend. Mit der Motorisierung stark zugenommen haben Einkäufe jenseits der Grenze, die immer weniger als solche empfunden wird.

Autorin/Autor: Eduard Joos

4.2 - Staatliche Tätigkeit und Verwaltung

4.2.1 - Kommunale und kantonale Verwaltung

Seit der Mediationsverfassung wählen die Gemeindebürger ihre Behörden selbst. Der Gemeinderat hatte Verwaltungs-, Polizei- und Gerichtsfunktionen und war Fertigungsbehörde. Ab 1846 übernahm die Gem. die Bannvermessung und das Grundbuch (1911 kantonalisiert), ab 1876 das Zivilstandswesen (2004 kantonalisiert).

1803 bestand die kant. Verwaltung, von der erst 1831 die Stadtverwaltung abgetrennt wurde, hauptsächlich aus dem Staatsschreiber, dem Ratsschreiber, dem Archivar, dem Oberschulherrn und den beiden Seckelmeistern, die sich auf die Amtsleute der Klosterverwaltung stützen konnten. Amtsgewalt wurde ferner durch Mitglieder der Kommissionen, u.a. Kirchen- und Schulrat, Sanitätsrat und Polizeikommission, ausgeübt. Ein Markstein in der Staatstätigkeit war die Einführung der obligator. Gebäudeversicherung 1809. Mit dem Übergang zum Departementalsystem begann 1852 der systemat. Verwaltungsaufbau, zuerst durch die Wahl von Sekretären, bald durch zusätzl. Beamte, Abteilungen und Institutionen (1883 Kantonalbank, 1905 Schleitheimerbahn, 1909 Kantonslabor, Elektrizitätswerk, 1912 Grundbuchamt, 1916 Vermessungsamt, 1930 Meliorationsamt). 1938 gab es 601 Staatsangestellte, 1949 waren es 732. 2009 wies der Stellenplan des Kt. S. inklusive Schulen und Spitäler 2'623 bewilligte Stellen aus. Der Kanton war grösster Arbeitgeber der Region geworden.

Autorin/Autor: Eduard Joos

4.2.2 - Finanzen

Seine Ausgaben finanzierte der Kt. S. hauptsächlich durch Erträge aus Regalien, Zoll und Wald. Das Postregal war bis 1833 an drei Fam. verpachtet, 1833-53 an das Haus von Thurn und Taxis; es brachte jährlich 3'180 Fr. ein. Daneben erhob der Kanton bei Bedarf Vermögenssteuern, meist 1-2‰. 1817 war die Staatsschuld durch Kriege, Truppendurchzüge und die Erneuerung des Strassennetzes auf 450'000 Fr. angewachsen. Das von der Landschaft vehement bekämpfte Finanzgesetz von 1818 brachte jährl. Einnahmen von 46'640 Fr. Zur Schuldentilgung wurde 1835-45 das Staatswaldrevier Staufenberg für 371'000 Fr. an eine Holzhandelsgesellschaft versteigert. Ab 1833 wurde die Kantonsrechnung öffentlich. Das damalige Umsatzvolumen von 200'000 Fr. stieg bis 2007 auf 617 Mio. Fr. Die Progressivsteuer wurde 1879 eingeführt. 1919 wurde S. zu einer Steueroase für Holdinggesellschaften. 1956-88 war diese Begünstigung aufgehoben. Seither steht S. wieder an der Spitze im schweiz. Steuerwettbewerb.

Autorin/Autor: Eduard Joos

4.2.3 - Recht und Justiz

Für Zivilfälle waren ab 1803 die in den Bezirken geschaffenen Stadt- und Landgerichte zuständig. Sie wurden 1831 auf sechs Bezirksgerichte mit sieben, ab 1852 mit fünf Mitgliedern vereinheitlicht. Das aus 13 Grossräten bestehende Appellationsgericht war auch Kriminalgericht. Um vier Kleinräte erweitert, bildete es das Malefizgericht. 1814-31 war der Kl. Rat wieder wie im Ancien Régime oberste Gerichtsinstanz. 1831 entstand die regierungsunabhängige Justiz mit einem Appellationsgericht (ab 1852 Obergericht) und einem Kantonsgericht, dem das Verhöramt zugeordnet wurde. Das erste kant. Strafgesetz von 1834 wurde vom Kt. Basel übernommen, das von 1859 nach dem Vorbild des Grossherzogtums Baden gestaltet. Das Privatrechtl. Gesetzbuch von 1863 war eine kant. Eigenleistung, die Bürgerl. Prozessordnung von 1869 wurde zu zwei Dritteln aus der Zürcher Zivilprozessordnung übernommen. Heinrich Bolli schuf die kant. Strafprozessordnung von 1909. 1822 wurde der letzte Verurteilte am Galgen hingerichtet, 1847 das letzte Todesurteil öffentlich mit dem Richtschwert vollstreckt. Bis 1912 wurden Freiheitsstrafen in der Strafanstalt an der Bachstrasse vollzogen, seit 1914 besitzt S. nur noch ein Untersuchungs- und Kurzzeitgefängnis. Die schwerfälligen Bezirksgerichte wurden 1928 durch Einzelbezirksrichter ersetzt und diese 1998 ins Kantonsgericht integriert. 2010 hatte das Obergericht fünf Mitglieder und fünf Ersatzrichter, das Kantonsgericht umfasste sechs Mitglieder und fünf Ersatzrichter.

Autorin/Autor: Eduard Joos

4.2.4 - Gesundheit und Sozialwesen

Zwischen 1810 und 1999 stieg die Zahl der im Kanton tätigen Medizinalpersonen von 16 auf 401. Die Aufsicht führte 1805-52 der Sanitätsrat, dann die Regierung, ab 1856 unterstützt durch Bezirksärzte, ab 1970 durch den Kantonsarzt. Aus dem städt. Krankenhaus ging 1901 das Kantonsspital hervor, das 1954 und 1976 erweitert wurde. Die Psychiatr. Klinik Breitenau entstand 1891. Diese beiden Anstalten wurden 2007 mit dem 1955 eingerichteten, 1969 neu erbauten kant. Pflegeheim zu den Spitälern S. vereinigt und unter eine Führung gestellt.

Bis 1935 waren die Bürgergemeinden für die Armenlasten zuständig, seither die Einwohnergemeinden. Ab 1832 entstanden auch in Landgemeinden Armenhäuser. In vielen Dörfern, besonders im Klettgau, unterstützten die Gem. die Auswanderung finanziell, um die Armenkasse zu entlasten. 1853-68 führte der Kanton eine Zwangsarbeitsanstalt auf dem Griessbach, die wegen des bescheidenen Erfolgs bald wieder aufgehoben wurde. Sozialfürsorge betrieben die Kirchen, die Gemeinnützige Gesellschaft und grosse Industrieunternehmen, die sich ab 1900 v.a. um den sozialen Wohnungsbau kümmerten. Unter dem Druck der Linksparteien übernahm der Kanton im 20. Jh. immer mehr Sozialaufgaben.

Autorin/Autor: Eduard Joos

5 - Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur im 19. und 20. Jahrhundert

5.1 - Bevölkerung und Siedlung

1798 lebten 24'889 Personen im heutigen Kantonsgebiet, 2007 waren es 74'527. Die Bevölkerungszunahme (+212%) blieb damit im schweiz. Vergleich (+348%) bescheiden. Von allen Kantonen im Mittelland und Jura wies S. die geringste Wachstumsrate auf.

5.1.1 - 19. Jahrhundert: Bescheidenes Wachstum, Massenauswanderung, Verstädterung

Bis zum Beginn der Industrialisierung nach 1850 nahm die Bevölkerung in allen Gem. deutlich zu, am wenigsten in den Städten S. und Stein am Rhein. Die Krisen um 1800 sowie von 1814 und 1834 machten sich auch in S. bemerkbar, führten aber nur 1814 zu einem Sterbeüberschuss. Dafür erreichte die Auswanderung nach Übersee nach der schweren Agrarkrise von 1846-47 einen ersten, zu Beginn der 1880er Jahre einen zweiten Höhepunkt. Insgesamt verliessen im 19. Jh. mehr als 10'000 Personen den Kanton. S. belegte damit einen der vordersten Ränge der schweiz. Auswanderungsstatistik. Die Bez. Unter- und Oberklettgau, in denen die Güterzerstückelung wegen der Realteilung ausgeprägt war, waren von der Übersee-Emigration besonders stark betroffen. Die kleinbäuerl. Emigranten zogen die Hoffnung auf eigenen Boden im fernen Ausland der Fabrikarbeit in der nahen Stadt vor. Zwischen 1850 und 1910 stieg hingegen die ausländ. Bevölkerung von rund 1'350 Personen auf über 10'000 (23%) an. Ca. 75% der Immigranten kamen aus Deutschland, ca. 17% aus Italien. Als Resultat der weitgehend auf die Agglomeration S. konzentrierten Industrialisierung und der entgegengesetzten Wanderungsbewegungen verschoben sich innerhalb des Kantons die Gewichte nachhaltig: 58% der Gesamtbevölkerung lebten 1910 in den drei stark industrialisierten Gem. S., Neuhausen und Thayngen. Noch 1850 hatte deren Anteil weniger als ein Drittel ausgemacht.

Bevölkerungsentwicklung 1850-2000
JahrEinwohnerAusländer-anteilAnteil ProtestantenAnteil KatholikenAlters-struktur (Anteil >59)ZeitraumGesamt-zunahmeaGeburten-überschussaWanderungs-saldoa
185035 3003,9%96,0%4,0% 1850-18600,5‰8,3‰-7,8‰
186035 5005,7%94,0%5,8%7,4%1860-18705,9‰12,1‰-6,2‰
187037 6428,2%91,6%8,1%8,5%1870-18801,6‰10,0‰-8,4‰
188038 24111,4%88,4%10,8%9,6%1880-1888-1,5‰8,7‰-10,2‰
188837 78313,2%86,9%12,6%10,8%1888-19007,9‰8,0‰-0,1‰
190041 51418,4%82,0%17,8%10,6%1900-191010,5‰8,6‰1,9‰
191046 09723,3%77,8%21,8%10,0%1910-19209,0‰6,9‰2,1‰
192050 42816,0%77,9%21,4%9,6%1920-19301,5‰5,7‰-4,2‰
193051 18713,2%77,5%21,3%10,9%1930-19414,5‰3,7‰0,8‰
194153 7727,0%78,2%21,0%13,0%1941-19507,5‰8,7‰-1,2‰
195057 5156,2%77,2%22,1%14,3%1950-196013,8‰6,5‰7,3‰
196065 98111,7%71,4%27,9%15,5%1960-197010,0‰7,4‰2,6‰
197072 85419,1%64,2%32,2%17,0%1970-1980-4,8‰2,1‰-6,9‰
198069 41316,0%62,0%27,9%20,3%1980-19903,9‰1,6‰2,3‰
199072 16017,8%57,6%27,2%21,7%1990-20002,0‰0,7‰1,3‰
200073 39220,6%50,4%24,2%23,1%    

a mittlere jährliche Zuwachsrate

Quellen:HistStat; eidg. Volkszählungen; BFS

Autorin/Autor: Markus Späth-Walter

5.1.2 - 20. Jahrhundert: Schwierige Zwischenkriegszeit, Babyboom und Stagnation

In den beiden Jahrzehnten nach dem 1. Weltkrieg wuchs die Schaffhauser Bevölkerung nur noch schwach. Dafür verantwortlich war in erster Linie das rasche Absinken der Geburtenrate ab 1920 aufgrund der Geburtenkontrolle und des Rückgangs der Säuglingssterblichkeit. Ein Grossteil der ausländ. Arbeitskräfte hatte zudem bei Kriegsausbruch 1914 die Schweiz wieder verlassen müssen; der Ausländeranteil sank während der ganzen Zwischenkriegszeit stetig und erreichte im 2. Weltkrieg mit nur noch 6% den Tiefpunkt.

1938-45 stieg die Geburtenrate noch einmal auf über 20‰ und verharrte während der 1950er und 60er Jahren auf hohem Niveau, während sich die Mortalität bei etwa 10‰ einpendelte. Daraus resultierte das markanteste Bevölkerungswachstum der jüngeren Schaffhauser Geschichte: Der Kanton zählte 1950 57'500, 1970 72'800 Einwohner. Gleichzeitig erhöhte sich die Zahl der ausländ. Arbeitskräfte deutlich (von weniger als 4'000 1950 auf rund 14'000 1970): Diese stammten bis 1960 v.a. aus Italien, später auch aus Jugoslawien, Spanien und der Türkei. Zwei von drei Personen lebten 1970 in der Stadt S. oder in Neuhausen.

Die Rezession von 1973-75 vernichtete im Kt. S. Tausende von Arbeitsplätzen, von denen drei Viertel von Ausländern besetzt gewesen waren. Der Kanton verlor zwischen den Volkszählungen 1970 und 1980 nicht weniger als 3'500 Einwohner, die meisten durch Rückwanderung von ausländ. Arbeitern. Erst 1990 erreichte der Kt. S. wieder den Stand von 1970; seitdem wächst er langsam. Während die Agglomeration S.s an Einwohnern einbüsste, nahm die Bevölkerung in praktisch allen ländl. Gemeinden zu, besonders deutlich in einem Gürtel rund um die Stadt S., zu dem auch die Gem. im nördl. Zürcher Weinland gehören.

Autorin/Autor: Markus Späth-Walter

5.2 - Wirtschaft

Um 1800 war die Stadt S. Zentrum von Handwerk, Handel und Transitverkehr. Die Zünfte wehrten sich bis 1855 mit Erfolg gegen die Einführung der Gewerbefreiheit. Nur gerade drei Fabriken produzierten in Ansätzen industriell: ab 1736 eine Baumwolldruckerei, eine 1813 gegr. Baumwollspinnerei am städt. Rheinufer sowie ab 1811 die Eisengiesserei Neher am Rheinfall, aus der die Aluminium Industrie AG (später Alusuisse) hervorging. Die Giesserei von Johann Conrad Fischer im Mühlental, Kern der späteren Georg Fischer (+GF+), blieb dagegen bis weit nach der Jahrhundertmitte ein bescheidener gewerbl. Betrieb. Für den Warenverkehr war die Schifffahrt auch in der 1. Hälfte des 19. Jh. noch wichtig: S. besass bis 1837 auf dem Oberen Wasser (rheinaufwärts) ein Schifffahrtsprivileg, auf dem Unteren Wasser (unterhalb des Rheinfalls) sogar bis 1864. Dt. Dampfboote bedienten S. ab 1824, Schweizer Dampfschiffe verkehrten auf der Rheinstrecke ab 1851. Die durch die napoleon. Kriege beschädigten Landstrassen wurden nach 1815 z.T. in Fronarbeit allmählich erneuert und befestigt.

Die Landschaft war weitgehend agrarisch geprägt. Die grosse Mehrheit der Bauern verfügte über zu wenig Ackerland, um davon leben zu können. Das Einkommen wurde durch Taglöhnerei, Weinbau und dörfl. Kleinhandwerk ergänzt. Dreizelgenordnung, Flurzwang und kollektiver Weidgang wurden erst allmählich und gegen hartnäckigen Widerstand der Kleinbauern abgeschafft. Die weite Verbreitung des ländl. Handwerks und des arbeitsintensiven Weinbaus in der dörfl. Unterschicht waren massgeblich dafür verantwortlich, dass sich in S. keine Heimindustrie etablieren konnte und die Landschaft bis ins 20. Jh. wenig zur wirtschaftl. Modernisierung beitrug.

Autorin/Autor: Markus Späth-Walter

5.2.1 - Aus der Krise zum industriellen Aufschwung

Erst in den 1840er Jahren erschütterte eine mehrfache Krise diese stabilen Strukturen: Der Beitritt der nördl. Nachbarn zum Dt. Zollverein erschwerte bereits ab 1836 den Handel mit den wichtigsten Partnern. Bis 1848 behinderte zudem das Fehlen eines einheitlichen schweiz. Wirtschaftsraums eine Neuausrichtung etwa des Weinhandels auf das schweiz. Gebiet. Gleichzeitig geriet die Drehscheibenfunktion von S. im Nord-Süd- und Ost-West-Transitverkehr zunehmend unter Druck. Missernten und die Kartoffelkrankheit von 1846-47 führten zu Teuerung und einer generellen Konsumkrise, unter der auch das Gewerbe zu leiden hatte. Diese Krise wurde zum eigentl. Katalysator der 1850 einsetzenden Modernisierung.

Die Gründung des schweiz. Bundesstaats, die Durchsetzung eines eidg. Wirtschaftsraums ohne Binnenzölle und mit mässigen Schutzzöllen an der Landesgrenze, die Professionalisierung der kant. Verwaltung, der Ausbau der direkten Demokratie in der Verfassung von 1852 sowie die Einführung der Gewerbefreiheit 1855 schufen günstige Rahmenbedingungen für einen raschen wirtschaftl. Aufschwung. Sie zeugen gleichzeitig auch von einem Mentalitätswandel bei einem beträchtl. Teil der städt. Bevölkerung. Diese neue Denkweise ermöglichte es z.B. Heinrich Moser, im Kt. S. neue Fabrikarbeitsplätze zu schaffen (1853 Waggonfabrik in Neuhausen, ab 1863 Schweizerische Industrie-Gesellschaft SIG) und mit dem Schaffhauser Grosskaufmann und Politiker Friedrich Peyer im Hof den Anschluss von S. ans schweiz. Eisenbahnnetz zu erkämpfen (Rheinfallbahn S.-Winterthur, 1857). Neben Moser und Peyer trugen eine ganze Reihe auswärtiger Investoren, aber auch vermögende Schaffhauser Fam. dazu bei, dass der Industrialisierungsprozess an Dynamik gewann. Ansässige gewerbl. und industrielle Unternehmungen nutzten die durch den Moserdamm erschlossene Wasserkraft des Rheins. Schon bald siedelten sich auch Industrien v.a. aus der Textil- und Maschinenbranche sowie der erste Vorläufer der späteren International Watch Co. (IWC) an. Vom Aufschwung profitierten entgegen den Befürchtungen auch das Handwerk und v.a. die Eisen- und Stahlproduktion am Rheinfall (Neher) und im Mühlental (+GF+). Ab 1862 unterstützten die Bank in S., ab 1883 die Schaffhauser Kantonalbank als erste moderne Universalbanken den industriellen Aufschwung. Zahlreiche Spar- und Leihkassen begannen gleichzeitig an Stelle der traditionellen städt. Kreditgeber die Bedürfnisse der Kleinbetriebe in Stadt und Land zu befriedigen.

Autorin/Autor: Markus Späth-Walter

5.2.2 - Zweite Industrialisierungswelle um die Jahrhundertwende

Bis kurz vor dem 1. Weltkrieg setzte sich die Industrialisierung ungebremst fort. Basis war der Ausbau des Eisenbahnnetzes mit den Linien Waldshut-S.-Konstanz (1863), S.-Etzwilen-Stein am Rhein (1895), S.-Bülach-Zürich (1897) und die kant. Strassenbahn S.-Schleitheim (1905, seit 1964 Busbetrieb) sowie die Umstellung der Energieversorgung auf Elektrizität. Die Produktion von Strom durch die Stadt S. ab 1897 und das flächendeckende Verteilnetz des kant. Elektrizitätswerks ab 1908 erlaubten die Erschliessung neuer, wasserkraftunabhängiger Industrie- und Gewerbeareale und trugen zur Dezentralisierung der Industriestandorte bei. Mit der Gründung der Alusuisse 1888 in Neuhausen am Rheinfall und dem schnellen Wachstum der +GF+ sowie der SIG wurde der Kt. S. zu einem Zentrum der schweiz. Metall- und Maschinenindustrie. Um 1900 konnte der grosse Investitionsbedarf nicht mehr durch das lokale Finanzkapital gedeckt werden. Aktiengesellschaften und auswärtige Grossbanken spielten eine zunehmend beherrschende Rolle. Die Gesamtbeschäftigung wuchs zwischen 1888 und 1910 um 38%. Um die Jahrhundertwende arbeiteten erstmals mehr Menschen im 2. Sektor als in der Landwirtschaft, doch ging die Industrialisierung bis nach dem 1. Weltkrieg nicht zu Lasten der Landwirtschaft, die noch immer mehr als 6'000 Beschäftigte zählte. Obwohl die Arbeitskräfte, anfänglich insbesondere die Facharbeiter, v.a. von auswärts kamen, schuf die Industrie auch Verdienstmöglichkeiten für die Arbeiterbauern und trug damit zur Stabilisierung der ländl. Wirtschaft bei.

Erwerbsstruktura
Jahr1. Sektor2. Sektor3. SektorbTotal
18606 95243,4%5 38933,6%3 69423,0%16 035
1870c7 14247,6%5 71638,1%2 15214,3%15 010
1880c7 99749,0%5 94536,4%2 39014,6%16 332
18886 39641,5%5 55236,0%3 46522,5%15 413
19006 20833,4%8 10243,7%4 24522,9%18 555
19106 67730,5%10 18446,5%5 04423,0%21 905
19206 75927,4%11 81647,9%6 10824,7%24 683
19305 47722,0%12 80151,5%6 60426,5%24 882
19414 35517,0%14 26955,6%7 04327,4%25 667
19503 78914,7%14 52956,5%7 38028,7%25 698
19602 9289,7%18 45561,2%8 77629,1%30 159
19702 5647,3%20 59958,8%11 86133,9%35 024
19802 1246,3%17 05450,4%14 67143,3%33 849
19901 5214,1%14 56939,6%20 73356,3%36 823
2000d1 4573,9%10 22027,3%25 81968,8%37 496

a bis 1960 ohne Teilzeitangestellte

b Residualgrösse einschliesslich "unbekannt"

c ortsanwesende Bevölkerung

d Die Beschäftigtenzahlen der Volkszählung 2000 sind wegen der grossen Zahl "ohne Angabe" (5 194) nur begrenzt mit den vorhergehenden Daten vergleichbar.

Quellen:HistStat; eidg. Volkszählungen

Autorin/Autor: Markus Späth-Walter

5.2.3 - Weltkriege und Zwischenkriegszeit, Aufschwung und Krise

Die starke Stellung der Eisen- und Maschinenindustrie und die traditionell enge Verflechtung mit Deutschland verhalfen der Schaffhauser Wirtschaft in beiden Weltkriegen nach Anfangsschwierigkeiten zu rüstungsbedingtem Boom und Vollbeschäftigung. Weit schwieriger war die Zwischenkriegszeit. Der Einbruch zu Beginn der 1920er Jahre war für Industrie und Banken heftig. Die Bank in Schaffhausen und die Ersparniskasse Stein am Rhein überlebten den dt. Währungszerfall nicht, doch erholte sich die Wirtschaft bis 1929 wieder. Die Weltwirtschaftskrise traf ab 1930 v.a. die Metallindustrie hart. Die Arbeitslosigkeit vervierfachte sich zu Beginn der 1930er Jahre. Die 1928 beschlossene obligatorische kant. Arbeitslosenversicherung für Unselbstständige und gezielte Arbeitsbeschaffungsprogramme federten die schlimmsten sozialen Härten ab.

Autorin/Autor: Markus Späth-Walter

5.2.4 - Nachkriegszeit: Boom in der Metallindustrie

Die Frankenabwertung von 1936 und die beginnende Aufrüstung leiteten den längsten und nachhaltigsten Wirtschaftsaufschwung des 19. und 20. Jh. ein. Nach Kriegsende 1945 erfolgte, anders als nach dem 1. Weltkrieg, kein wirtschaftl. Einbruch. Die Schaffhauser Industrie profitierte von der gewaltigen Nachfrage nach Investitions- und Konsumgütern im zerstörten Europa. Der Anteil der Metall- und Maschinenindustrie nahm noch einmal zu, auch weil die Textilindustrie langsam, aber stetig schrumpfte. Ingesamt waren 1960 mehr als 61% aller Beschäftigten im 2. Sektor tätig. Die +GF+ entwickelte sich zu einem multinationalen Konzern mit mehr als 20'000 Mitarbeitenden um 1970. Die begrenzten Platzverhältnisse in den bestehenden Industriegebieten führten zur Verlegung der Fabriken aufs Land: Thayngen, Beringen, Neunkirch und Ramsen wurden zu neuen Industriestandorten. Die Stadt S. erschloss in den 1960er Jahren ein grosses Industrieareal im nördl. Herblingertal. Dort wurde 1979 auch das erste grosse Einkaufszentrum eröffnet.

Gleichzeitig mit dem Aufschwung der Metallindustrie durchlief die Schaffhauser Landwirtschaft einen späten, aber radikalen Strukturwandel. Meliorationen schufen in allen Gem. die Grundlagen für Mechanisierung und Spezialisierung. Die Abwanderung aus der Landwirtschaft nahm nach dem 2. Weltkrieg drast. Formen an. Von den mehr als 4'000 bäuerl. Betrieben, die um 1900 bestanden hatten, war Mitte der 1950er Jahre bereits die Hälfte verschwunden. 2007 existierten im Kt. S. nur noch 450 hauptberufl. Landwirte.

Autorin/Autor: Markus Späth-Walter

5.2.5 - Einbruch und späte Diversifizierung

Die Erdölkrise von 1973-75 traf S. heftig. Die starke Abhängigkeit von der Metallindustrie führte zu einem massiven Einbruch der Beschäftigung: Ein Drittel aller Industrieunternehmen musste zwischen 1976 und 1986 aufgeben. Die Fabrikarbeitsplätze verminderten sich von über 18'000 auf knapp 13'000. Die Stahlgiesserei, ab dem 19. Jh. ein Leuchtturm der Schaffhauser Wirtschaft, verschwand vollständig. Die Schaffhauser Arbeitslosenzahlen lagen deutlich über dem schweiz. Durchschnitt.

Die Erholung verlief schleppend. Pläne für den Ausbau der Hochrhein-Wasserstrasse hatten sich schon 1964 zerschlagen. Der Verzicht auf einen Beitritt zum Zürcher Verkehrsverbund trug dazu bei, dass der Kt. S. schlechter durch den öffentl. Verkehr erschlossen blieb als andere Zürcher Nachbarkantone. Die Verkehrsanbindung ans schweiz. und europ. Autobahnnetz erfolgte mit der A4 von Zürich nach Stuttgart erst 1996 nach langen Auseinandersetzungen um die Frage der Stadtdurchfahrt. Ab 1995 gelang es der Wirtschaftsförderung, neue Unternehmen mit rund 2'000 Arbeitsplätzen im Kanton anzusiedeln. Die Grenzlage und die bilateralen Verträge mit der Europ. Union spielten dabei eine entscheidende Rolle. Die Wirtschaftsstruktur veränderte sich rasch: Anstelle weniger grosser entstanden zahlreiche mittlere und kleinere Unternehmen. Der Anteil des 3. Sektors wuchs stark, blieb aber auch im 21. Jh. deutlich unter dem schweiz. Durchschnitt. Der Tourismus blieb trotz der nach wie vor hohen Anziehungskraft des Rheinfalls (2005 rund 1,5 Mio. Besucher) für die regionale Wirtschaft von geringer Bedeutung.

Autorin/Autor: Markus Späth-Walter

5.3 - Gesellschaft

Das soziale Gefälle war sowohl in der Stadt als auch auf dem Land während des ganzen 19. Jh. hoch: Bis 1870 wies S. die typ. Merkmale einer vorindustriellen Gesellschaft auf. Die kleine finanzstarke städt. Oberschicht aus Kaufleuten und Grossgewerbetreibenden verstand es, ihr Vermögen durch Heirat zusammenzuhalten. Sie spielte auch politisch eine dominante Rolle. Ihr stand eine vergleichsweise kleine Mittelschicht von ökonomisch erfolgreichen Handwerkern und Bürgern gegenüber. Mehr als 75% der städt. Bevölkerung zählten aber zur Unterschicht, neben ärmeren Handwerkern insbesondere die Hintersassen, Dienstboten und Gesellen. Sie blieben bis 1848 politisch und zivilrechtlich benachteiligt. Auch die ländl. Gesellschaft war im 19. Jh. stark fragmentiert. Auf wenige Grossbauern kam eine grosse Zahl von Kleinbauern, die wenig oder kein Land, oft nur einen Hausteil und etwas Kleinvieh besassen. Sie waren für ihren Unterhalt von Taglöhnerei oder einem Gewerbe abhängig. Die teilweise heftigen Konflikte um die Abschaffung des allg. Weidgangs sind Ausdruck der prekären Lebensverhältnisse der bäuerl. Unterschicht. Diese innere Spaltung der städt. und ländl. Bevölkerung überlagerte den tiefen Stadt-Land-Gegensatz, der durch den Umsturz von 1830 nur politisch überwunden wurde.

Autorin/Autor: Markus Späth-Walter

5.3.1 - Nach 1870: Industrie- und Klassengesellschaft

Die gesellschaftl. Verhältnisse auf dem Lande blieben bis weit nach dem 1. Weltkrieg stabil. Ganz anders in der Stadt. Die Industrialisierung führte zu hoher Fluktuation und Mobilität. Schaffhausen entwickelte sich bis 1910 zu einer ausgeprägten Arbeiterstadt; mehr als 60% aller Beschäftigten arbeiteten in einer Fabrik, darunter sehr viele Ausländer. Sie besassen kein Vermögen und verdienten weniger als 2'000 Fr. pro Jahr. Die Erwerbsquote der Frauen war hoch; sie erreichte 1910 mehr als 50%, sank in der Kriegs- und Zwischenkriegszeit auf rund 35% und überstieg erst nach 1980 wieder die 50%-Marke. Die Arbeiterfamilien lebten hauptsächlich in der Altstadt, in beengten und bis zum Bau der Schwemmkanalisation 1903 hygienisch oft problemat. Verhältnissen. Von den Arbeitersiedlungen, die zwischen 1872 und 1920 von Wohnbaugenossenschaften und Unternehmen ausserhalb des Stadtkerns errichtet wurden, profitierten v.a. besser gestellte Facharbeiter und Angestellte. Der Arbeiterschaft stand gemäss Steuerstatistik von 1910 eine Oberschicht von rund 12% Privatiers, Unternehmern, leitenden Angestellten und Angehörigen freier Berufe gegenüber. Die schlossähnl. Villen des Grossbürgertums auf den Hügeln vor den Toren der Stadt machten die scharfen sozialen Gegensätze sichtbar. Während des 1. Weltkriegs und in der Folge des Generalstreiks 1918 verfestigten sich die Klassenschranken. Erst die wachsende Bedrohung durch den Nationalsozialismus und die Überwindung der Weltwirtschaftskrise weichten die verhärteten gesellschaftl. Fronten auf und führten zu einer zunehmenden Integration der Arbeiterschaft in die bürgerl. Gesellschaft.

Autorin/Autor: Markus Späth-Walter

5.3.2 - Die individualisierte Konsumgesellschaft

Am langen Nachkriegsaufschwung partizipierten praktisch alle gesellschaftl. Gruppen. Die wachsende Kaufkraft und das billige Erdöl revolutionierten insbesondere die Mobilität: Die Anzahl der Motorfahrzeuge verfünfzehnfachte sich zwischen 1945 und 1974, die Zahl der Pendlerinnen und Pendler verdoppelte sich im gleichen Zeitraum, viele Dörfer wurden zu Schlafgemeinden. Für Arbeit und Konsum war die Mehrheit nicht mehr auf die örtl. Infrastruktur angewiesen. Der städt. und ländl. Raum durchdrangen sich zunehmend. Die Individualisierung der Gesellschaft zeigte sich im wachsenden Anteil der Paare ohne Kinder (1960 32%, 2000 rund 47%) und der Zunahme der Einpersonenhaushalte; ländl. Gemeinden weisen jedoch nach wie vor einen deutlich höheren Anteil "traditioneller" Fam. auf. Die Zahl der v.a. teilzeitlich erwerbstätigen Mütter erhöhte sich zwischen 1970 und 1990 von 25 auf über 50%. Der Anteil der über 80-Jährigen ist seit 1985 im Vergleich mit der Schweiz überdurchschnittlich gewachsen, während die jüngste Altersgruppe der unter 19-Jährigen absolut und relativ abgenommen hat. Die Gesellschaft ist seit dem 2. Weltkrieg immer internationaler geworden; während Italiener 1960 fast 60% der ausländ. Bevölkerung ausmachten, lebten 2007 Menschen aus mehr als 110 Staaten in S. Das grösste Kontingent stellte mit 3'875 Personen Deutschland, knapp gefolgt von den Nachfolgestaaten Jugoslawiens mit 3'855 Angehörigen. Italien und die Türkei belegten mit Abstand die nächsten Plätze.

Autorin/Autor: Markus Späth-Walter

5.4 - Kultur

5.4.1 - Vom Staatskirchentum zum religiösen Pluralismus

Die dominierende Rolle der ref. Staatskirche ging rechtlich mit der neuen liberalen Kantonsverfassung von 1876 zu Ende. Erst 1915 gelang die Bildung einer vom Staat unabhängigen öffentl.-rechtl. Landeskirche mit eigenen Organen. Einen Einbruch in den ref. Einheitsstaat bewirkte 1803 der Anschluss des Bez. Stein am Rhein. Die kath. Minderheit in Ramsen behielt ihren privilegierten Status bei und wurde zur ersten anerkannten andersgläubigen Gruppe im Kanton. Den rund 700 in den ersten Jahrzehnten des 19. Jh. meist aus Süddeutschland zugewanderten Katholiken in der Stadt S., überwiegend Gesellen und Dienstboten, gestand die Kantonsregierung 1841 die Errichtung einer kath. Pfarrei zu. Bis 1968 blieben die Schaffhauser Katholiken privatrechtlich organisiert. Seither sind sie wie die Reformierten und die Christkatholiken öffentlich-rechtlich anerkannt. Im letzten Viertel des 20. Jh. verringerte sich mit der veränderten Zusammensetzung der ausländ. Bevölkerung und aufgrund der zunehmenden Säkularisierung der Anteil der Katholiken und der Reformierten an der Gesamtbevölkerung, während die Zahl der Muslime deutlich zunahm.

Autorin/Autor: Markus Späth-Walter

5.4.2 - Von der Standesschule zur allgemeinen Volksbildung

Der Schulbesuch war zwar schon in der 1. Hälfte des 19. Jh. obligatorisch, die Bildungsunterschiede zwischen Stadt und Land und zwischen den Schichten waren aber beträchtlich. Der kirchl. Einfluss blieb hoch, der Lehrstoff war eng begrenzt; in den Dorfschulen und für die Kinder der Hintersassen in der Stadt mussten Lesen, Schreiben und Katechismus genügen, für die städt. Bürgerkinder kamen Geschichte, Geografie, Geometrie und Zeichnen hinzu. Das Gymnasium mit einer humanist. und einer naturwissenschaftl.-mathemat. Abteilung war für Knaben der städt. Oberschicht reserviert. Der bildungspolit. Aufbruch nach 1850 stand in engem Zusammenhang mit dem gleichzeitigen ökonom. Umschwung. Für den ganzen Kanton galten fortan im Wesentlichen der gleiche erweiterte, konfessionsneutrale Fächerkanon und das Prinzip des Ganzjahresunterrichts. Für die begabteren Schülerinnen und Schüler wurden im ganzen Kanton Realschulen eingerichtet, die einerseits aufs Berufsleben, andererseits auf den Übertritt ans Gymnasium vorbereiteten. Alle kant. Schulen waren unentgeltlich. 1898 wurde das Gymnasium auch für Mädchen geöffnet und ein eigenes Lehrerseminar als weitere Abteilung des Gymnasiums eingerichtet. Seit 2003 führt der Kanton eine eigene pädagog. Hochschule.

Mit der Einführung der Gewerbefreiheit 1855 ging die jahrhundertealte Kontrolle der Lehrlingsausbildung durch die Zünfte zu Ende. Die Berufsbildung blieb bis weit ins 20. Jh. hinein weitgehend ohne Regelung. Allmählich entwickelte sich aus der Repetierschule für die 16- bis 20-Jährigen eine schul. Ergänzung zur Ausbildung am Arbeitsplatz. 1919 wurde auf kant. Ebene die Berufslehre rechtlich verbindlich geregelt und die Schulpflicht für alle Lehrlinge eingeführt. 1933 bewirkte das neue eidg. Berufsbildungsgesetz die Zentralisierung der Berufsschulen in der Stadt S. Mit dem anhaltenden Wirtschaftsaufschwung nach dem 2. Weltkrieg erlebte die Berufsbildung einen Höhenflug. Einen wesentl. Ausbau des Bildungswesens brachte die Schulgesetzrevision von 1981. Sie verpflichtete die Gem., einen zweijährigen Kindergarten anzubieten, brachte gleiche Lehrpläne für Knaben und Mädchen und führte die neue Orientierungsschule mit zwei Leistungszügen ein, welche die bisherige Oberstufe der Primarschule und die Realschule ersetzte. Auf der Sekundarstufe II näherten sich gymnasiale und berufl. Ausbildung in den letzten Jahrzehnten immer mehr an: Die Kantonsschule eröffnete 1975 eine Diplomabteilung (ab 2006 Fachmittelschule), erweiterte ihren Fächerkanon und das Angebot an Maturitätsprofilen und wurde damit für eine wachsende Zahl von Jugendlichen attraktiv. Bei der Einführung der Berufsmaturität gehörte der Kt. S. 1993 zu den schweiz. Pionieren: Diese führte in der Berufsbildung zu einer Stärkung der Allgemeinbildung und ermöglichte die Zulassung zu den Fachhochschulen.

Autorin/Autor: Markus Späth-Walter

5.4.3 - Von der Vereins- zur vielfältigen Freizeitkultur

Die Regenerationsverfassung von 1831 schuf mit der Vereins- und der Pressefreiheit wichtige Voraussetzungen für den kulturellen Aufbruch. Auf der Landschaft wurden Schützen-, Gesangs-, Musik- und Turnvereine, vereinzelt aber auch Kulturvereinigungen gegründet, die vaterländ. Schauspiele mit eidg. oder lokalen Sujets aufführten. Sie zeugten vom neuen Selbstbewusstsein der Landbevölkerung und wurden rasch zu wichtigen Trägern der Dorfkultur. Fünfmal war S. zwischen 1837 und 1897 Schauplatz grosser Eidg. Turn-, Sänger- und Schützenfeste. In der Stadt widmeten sich der Munotverein (gegr. 1839), der Kunstverein (gegr. 1847) und der Hist.-antiquar. Verein (gegr. 1856, seit 1940 Hist. Verein) der Erforschung und Erhaltung des kulturhist. Erbes. Die Naturforscher erreichten bereits 1843 die Einrichtung eines naturhist. Museums. Die Naturforschende Gesellschaft und der Hist. Verein edierten schon im 19. Jh. wissenschaftl. Publikationsreihen, die immer noch zu den wichtigsten Katalysatoren der regionalen Forschung zählen. Vom industriellen Aufschwung nach der Jahrhundertmitte profitierte auch das städt. Kulturleben. Mit privatem Kapital entstand 1865-67 auf dem Herrenacker das Imthurneum, ein repräsentatives Kuppelgebäude, das als Konzertsaal, Theater und Musikschule diente. Sein Programm richtete sich v.a. an die bürgerl. Ober- und Mittelschichten. Die Arbeiterbewegung, aber auch die kath. Minderheit organisierten sich in Vereinen mit eigenen Kulturprogrammen. Walther Bringolf, 1933-68 sozialist. Stadtpräsident von S., machte das Heranführen der Arbeiter an die Hochkultur zum polit. Programm. Unter seiner Ägide wurde auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise das Vielspartenmuseum Allerheiligen in den Gebäuden des ehem. Klosters eingerichtet sowie das Stadttheater ausgebaut. Nach dem 2. Weltkrieg verbreiteten grosse Kunstausstellungen und regelmässige Bach-Feste S.s Ruhm als Kulturstadt. War Bringolfs Kulturauffassung noch wesentlich am Kanon der Hochkultur orientiert, entstanden nach 1968 Kulturinitiativen, die sowohl nach neuen Inhalten wie nach neuen Veranstaltungsformen und -orten suchten. Neben die klass. Musik trat der Jazz, neben das Stadttheater eine Kleintheaterszene. Die 1979 stillgelegte Kammgarnfabrik am Rhein wurde zu einem wichtigen Kulturzentrum und mit den Hallen für Neue Kunst zu einem Museum mit internat. Ausstrahlung.

<b>Schaffhausen (Kanton)</b><br>Diorama der jungpaläolithischen Fundstätte Kesslerloch, gestaltet von  Juri Richter,   deutscher Bühnenbildner, unter Mitarbeit von  Hans Wanner,   Museumstechniker, 1939 (Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen).<BR/>Um auch die Arbeiterschaft als Zielpublikum des Museums zu erreichen, wurden Menschen in ihrer Alltagswelt dargestellt. Die von Generationen bestaunte Museumsinstallation prägte wie kaum eine zweite in der Schweiz das Geschichtsbild der "Höhlenbewohner". Inzwischen ist die Archäologie zur Überzeugung gelangt, dass die Menschen in der Steinzeit die Höhlen nur sporadisch aufgesucht hatten.<BR/>
Diorama der jungpaläolithischen Fundstätte Kesslerloch, gestaltet von Juri Richter, deutscher Bühnenbildner, unter Mitarbeit von Hans Wanner, Museumstechniker, 1939 (Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen).
(...)

Autorin/Autor: Markus Späth-Walter

Quellen und Literatur

Archive
– Museum zu Allerheiligen S.
– StadtA S.
– StadtA Stein am Rhein
– StadtB S.
– StASH
Quellen
– J.J. Rüeger, Chronik der Stadt und Landschaft S., 2 Bde., 1884-92
SSRQ SH I/1; I/2
Das Stifterbuch des Klosters Allerheiligen zu S., hg. von H. Gallmann, 1994
– R. Gamper et al., Kat. der ma. Hs. der Ministerialbibliothek S., 1994
– R. Gamper, S. Marti, Kat. der ma. Hs. der Stadtbibliothek S., 1998
– J. von Müller, J.G. von Müller, Briefwechsel und Familienbriefe 1766-1789, hg. von A. Weibel, 3 Bde., 2009
Kommentar zum Briefwechsel Johannes von Müller - Johann Georg Müller, hg. von A. Weibel, 3 Bde., 2011
Literatur
  • Historiografie

    – Johann Jakob Rüeger verfasste um 1600 auf der Basis der Urkunden des Klosters Allerheiligen eine illustrierte Chronik, in der er versuchte, Orts-, Schweizer- und Weltgeschichte miteinander zu verbinden. Band 5 enthält eine genaue topograf.-hist. Beschreibung der Stadt S., Band 7 die Genealogie der Geschlechter der Stadt. Die Chronik blieb ungedruckt, bis Carl August Bächtold sie 1884-92 als "Chronik der Stadt und Landschaft S." herausgab. Rüegers Werk blieb bis ins 19. Jh. die einzige, nach wissenschaftl. Kriterien verfasste Geschichtsschreibung. 1844 gab Hans Wilhelm Harder zusammen mit Eduard Im Thurn die "Chronik der Stadt S." heraus, die sich allerdings auf ein blosses Aneinanderreihen der Schaffhauser und auswärtigen Geschichte beschränkt. Zur 400-Jahr-Feier der Zugehörigkeit S.s zur Eidgenossenschaft erschien 1901 neben der "Festschrift der Stadt S. zur Bundesfeier 1901" die vom Gr. Rat in Auftrag gegebene und von einem Autorenteam mit wissenschaftl. Anspruch verfasste "Geschichte des Kt. S. von den ältesten Zeiten bis zum Jahre 1848". Diese teilweise bebilderte und in einem narrativen Duktus gehaltene Geschichte richtete sich an ein breites Publikum. Das Werk konzentriert sich auf die polit. Geschichte sowie die Kirchen-, Rechts-, Schul- und Kunstgeschichte. Die 1928-31 von Theodor Pestalozzi verfasste, dreibändige "Kulturgeschichte des Kt. S. und seiner Nachbargebiete im Zusammenhang der allgemeinen Kulturgeschichte" stellt einen eingehenden Abriss der allg. Kulturgeschichte dar, in den die Schaffhauser Lokalgeschichte eingearbeitet wurde. Das Werk geht thematisch weiter, indem es einige besonders aufschlussreiche Kapitel zur Kirchen- und Reformationsgeschichte, Stadt- und Dorfwirtschaft sowie zur Territorialbildung liefert. Die 1972 erschienene "Geschichte der Stadt und Landschaft S." von Karl Schib behandelt ausführlich die Zeit vom SpätMA bis ins 19. Jh., etwas knapper die Ur- und Frühgeschichte sowie das FrühMA. Erstmals werden hier die polit. Geschichte sowie die Wirtschafts-, Sozial- und Kulturgeschichte gleichwertig nebeneinandergestellt. Die von einem Autorenteam zum 500-Jahr-Jubiläum der Zugehörigkeit des Kantons zur Eidgenossenschaft geschriebene dreibändige "Schaffhauser Kantonsgeschichte des 19. und 20. Jh." (2001-02) verfolgt den Ansatz, Strukturen mit Ereignissen zu verbinden. Im Sinne einer histoire totale werden hier die Themen in einem Längsschnitt über 200 Jahre dargestellt.
  • Reihen und Bibliografie

    Beitr. zur vaterländ. Gesch., 1863-1936 (seit 1937 SchBeitr.)
    Bibl. zur Schaffhauser Gesch. und Kunstgesch., 1936-
    Kdm SH 1-3, 1951-60
    Schaffhauser Biogr., 6 Tl., 1956-2007
  • Allgemeines

    – T. Pestalozzi-Kutter, Kulturgesch. des Kt. S. und seiner Nachbargebiete im Zusammenhang der allg. Kulturgesch., 3 Bde., 1928-31
    – B. Bruckner-Herbstreit, Die Hoheitszeichen des Standes S. und seiner Gem., 1951
    – Schib, Schaffhausen
    – K. Bänteli et al., Das Kloster Allerheiligen in S., 1999
    Schaffhauser Recht und Rechtsleben, 2001
    – W. Elsener, M. Weigele, Der Kt. S. in alten Ansichten, 2005
    – E. Eugster et al., Stein am Rhein, 2007
    – I. Hermann et al., Die Bauernhäuser des Kt. S., 2010
  • Ur- und Frühgeschichte

    – W.U. Guyan, Erforschte Vergangenheit, 2 Bde., 1971
    Die Kultur der Eiszeitjäger aus dem Kesslerloch und die Diskussion über ihre Kunst auf dem Anthropologen-Kongress in Konstanz 1877, Ausstellungskat. Konstanz, 1977 (21984)
    – M. Höneisen, «Kesslerloch und Schweizersbild: Zwei Rentierjäger-Stationen in der Nordschweiz», in ArS 9, 1986, 28-33
    – M. Höneisen, «Die latènezeitl. Siedlungsfunde von Merishausen-Barmen», in JbSGUF 72, 1989, 99-126
    – M. Höneisen et al., Frühgesch. der Region Stein am Rhein, 1993
    – M. Höneisen, S. Peyer, Schweizersbild: ein Jägerlager der Späteiszeit, 1994
    – K. Bänteli et. al., Berslingen - ein verschwundenes Dorf bei S., 2000
    Ex terra lux, Ausstellungskat. S., 2002
    – A. Burzler et al., Das frühma. Schleitheim, 2 Bde., 2002
    – J. Trumm, Die römerzeitl. Besiedlung am östl. Hochrhein (50 v.Chr.-450 n.Chr.), 2002
    Im Schutze mächtiger Mauern, Ausstellungskat. Konstanz, Frauenfeld, S., 2004
    – K. Altorfer, M. Höneisen, «Neues zur frühen bäuerl. Besiedlung am Hochrhein», in HA 38, 2007, 2-12
    – H. Napierala, Die Tierknochen aus dem Kesslerloch, 2008
  • Mittelalter

    – E. Schudel, Der Grundbesitz des Klosters Allerheiligen in S., 1936
    – H. Ammann, Schaffhauser Wirtschaft im MA, [1949]
    HS III/1, 1490-1535, 1941-1951; V/1, 241-249; IX/2, 646-654
    – T. Hildbrand, Herrschaft, Schr. und Gedächtnis, 1996
    – M. Schultheiss, Institutionen und Ämterorganisation der Stadt S. 1400-1550, 2006
  • Frühe Neuzeit

    – J. Wipf, Reformationsgesch. der Stadt und Landschaft S., 1929
    – G. Leu, S. unter der Herrschaft der Zunftverfassung, 1931
    – E. Steinemann, «Die schaffhauser. Auswanderung und ihre Ursachen», in ZSG 14, 1934, 310-359
    – K. Bächtold, Beitr. zur Verwaltung des Stadtstaates S. von der Reformation bis zur Revolution, 1947, (Teildr.)
    – J. Zimmermann, Beitr. zur Militärgesch. S.s bis zum Beginn des 19. Jh., 1961
    – H.U. Wipf, Die Hallauer Unruhen von 1790, 1971
    – R.E. Hofer, "Üppiges, unzüchtiges Lebwesen", 1993
    – W.R.C. Abegglen, Schaffhauser Schreinerhandwerk, 1997
    – C. Ulmer, W.R.C. Abegglen, Schaffhauser Goldschmiedekunst, 1997
    – R.E. Hofer, «Zwischen Wahrheit und Legende», in Mit der Gesch. leben, hg. von O. Sigg, 2003, 135-151
    – R. Hasler, Die Schaffhauser Glasmalerei des 16. bis 18. Jh., 2010
  • 19. und 20. Jahrhundert

    – Die Kantonsgeschichte enthält in Bd. 3 ein umfassendes Literaturverzeichnis, das alle wesentl. Publikationen zur Geschichte des Kt. S. im 19. und 20. Jh., die bis 2002 erschienen sind, umfasst. Daher wird darauf verzichtet, dort genannte Literatur hier noch einmal aufzuführen.
    – E. Joos, Parteien und Presse im Kt. S., 1975
    SchaffGesch.
    – M. Wipf, Bedrohte Grenzregion, 2005
    Cilag 1936-2006, 2006
    – A. Knoepfli, «"... das äusserste herausgeholt"», in Der vergessene Wirtschaftskrieg, hg. von R. Rossfeld, T. Straumann, 2008, 171-199
    – C. Koller, «Kriegs- oder Friedensgewinnler?», in Der vergessene Wirtschaftskrieg, hg. von R. Rossfeld, T. Straumann, 2008, 225-257
    – A. Knoepfli, Im Zeichen der Sonne, 2010

Autorin/Autor: Roland E. Hofer