Rothenthurm

Polit. Gem. SZ, Bez. Schwyz, die neben dem Strassendorf R. die Siedlungen in der Altmatt und im Raum Biberegg umfasst und auf einer Hochebene mit dem grössten Heidemoor der Schweiz liegt. 1487 bey dem rothen thurn. 1850 925 Einw.; 1900 964; 1950 970; 1980 1'321; 2000 2'089. Die Hochebene von R. gehörte zu den umstrittenen Gebieten im Marchenstreit zwischen den Schwyzern und dem Kloster Einsiedeln, in dessen Gefolge um 1310 eine Letzimauer errichtet wurde. Die Mauer mit Graben erstreckte sich von Berghang zu Berghang. Die 1487 erstmals erw. Türme, von denen der östliche noch steht, gaben dem Dorf seinen Namen. Die Hochebene von R. wurde 1350 den Schwyzern zugesprochen und bildete in der Folge einen Teil des Viertels und der Kirchhöre Steinen. Mit der endgültigen Abkurung Sattels von der Mutterpfarrei Steinen 1598 wurde R. ein Teil dieser neuen Pfarrei, von der es sich 1776 trennte. Um 1600 muss in R. eine Kapelle (St. Anton) gestanden haben. Die erste Kirche datiert von 1700. Die heutige Pfarrkirche im Stil des späten Historismus wurde 1873-86 gebaut und 1993-94 restauriert. Ein weiterer kirchl. Mittelpunkt war die Loretokapelle (1679) im Weiler Biberegg. Heute noch besitzt die Fam. Reding das Stiftungsrecht. R. wurde 1798 zum Schauplatz des vorerst erfolgreichen Abwehrkampfs der Schwyzer gegen die Franzosen. 1891 erfolgte der Anschluss R.s ans Netz der Südostbahn auf der Linie Pfäffikon-Goldau. Lebten bis zum 2. Weltkrieg die Einwohner R.s v.a. von der Land- und Holzwirtschaft sowie vom Torf- und Eisabbau, entwickelte sich R. danach zum Industriedorf. In den Weilern der Altmatt und im Raum Biberegg dominiert nach wie vor die Landwirtschaft. Vorab in den 1980er Jahren erlebten die Möbelindustrie, Fensterfabrikation und Textilverarbeitung einen Aufschwung. R. ist ein Ausflugsziel für Langlauf- und Skisportler. 1987 verhinderte die Annahme der sog. R.-Initiative einen Waffenplatz im Heidemoor, das seither wie alle Moore unter Schutz steht.


Literatur
Brevier Schwyz, 1994, 52 f.
– M. Bamert, Die Pfarrkirche St. Antonius in R., Kt. Schwyz, 1998

Autorin/Autor: Andreas Meyerhans