Schübelbach

Polit. Gem. SZ, Bez. March. Streusiedlung, auf von Moränen durchzogenem Gebiet südlich des Obersees an der Kantonsstrasse Lachen-Reichenburg gelegen. Bestehend aus den Dörfern S., Buttikon und Siebnen-S. (Siebnen). Das Gemeindegebiet reicht von der Linthebene (410 m) im Norden bis zum voralpinen Chöpfenberg (1876 m) im Südosten. 1184 Subelnebach. 1652 420 Kommunikanten; 1743 1'168 Einw.; 1772 1'500; 1850 2'041; 1900 2'206, 1950 2'714; 2000 7'030.

An erhöhten Stellen im damals bereits verlandenden südwestl. Arm des Tuggenersees entstanden um 700 die Hofsiedlung Buttikon sowie im 9. oder 10. Jh. die Weiler S. und Siebnen. Dieser erste Landesausbau erfolgte durch die Beata-Sippe in der frühma. Mark Tuggen, einer grundherrl. Einheit, welche die Obermarch und das Wägital umfasste. Im Gebiet von S. treten ab dem 12. Jh. viele Grundherren (Gf. von Rapperswil, Gf. von Toggenburg, Österreich, mehrere Klöster) und deren Ministeriale (die von S., von Mülenen, von Luterberg und von Rambach, die Marschalken, die Ritter von Siebnen und von Haslen) auf, was auf konkurrierende Ansprüche hinweist. Diese betrafen u.a. die Wasserburg Mülenen (1100-1600, Ruine nach 1821 abgegangen, 1968-69 Grabung) und die Prestenburg (evtl. ein Pilgerhospiz aus dem 12. oder 13. Jh. für Klosterammänner auf dem Weg nach Einsiedeln, Ruine nach 1853 abgegangen). S. kam mit der Obermarch 1437 unter Schwyzer Landeshoheit.

S. war im MA eine Filiale der Grosspfarrei Tuggen. Ab 1370 ist eine Filialkapelle bezeugt; 1536 erfolgte deren Abkurung. Kirchenneubauten wurden Mitte des 16. Jh. und 1604 geweiht, zuletzt den hl. Konrad und Ulrich. Diese Patrozinien gingen von den Klöstern Pfäfers und Einsiedeln aus. Das Kollaturrecht wurde vom Schwyzer Rat 1644 gegen den Anspruch von Pfäfers den Kirchgenossen bestätigt, die 1652 auch Zinsen und Gefälle des Klosters ablösten. 1651 wurde eine Rosenkranzbruderschaft gegründet. Zur Kaplaneipfründe von 1672 gehörte der Schulunterricht; das erste, 1804-10 errichtete Schulhaus beherbergte auch die Kaplanwohnung. Die Pfarrei S. umfasste bis 1927 Siebnen und bis 1967 Buttikon; der Pfarreisprengel entsprach damit bereits dem heutigen Gemeindebann.

Auf spät erschlossenem oder zugekauftem Land bildeten sich Genosssamen, die ab ca. 1500 fassbar sind. Mit deren Allmeinden waren Nutzungsrechte (Viehatzung, Streu- und Obstgewinnung, Holzschlag, Fischenzen) und Pflichten (Zäunen, Schwenden, Melioration, Bachsäuberung, Arbeiten an Linth- und Bachwuhren sowie für Brücken- und Wegbau) verbunden, die häufig Gegenstand von Rechtsstreiten waren. Landwirtschaftl. Produkte (u.a. Butter, Ziger, Käse) und Fische kamen auf den Markt von Lachen, wo auch Importgetreide bezogen wurde. Als Handelswege dienten die Linth bzw. der 1816 eröffnete Linthkanal und die Landstrasse. 1451 wird erstmals ein Wirt in S. erwähnt; in der frühen Neuzeit erscheinen ferner Schiffer, Recker, Nagelschmiede, Schuhmacher, Bau- und Wegmeister und Krämer, wobei diese Gewerbe v.a. von Hintersassen betrieben wurden. Die Textilindustrie, die im 19. Jh. schon in Buttikon und Siebnen Fuss gefasst hatte, kam Anfang des 20. Jh. auch in S.-Dorf auf, zuerst die Stickerei und ab den 1930er Jahren die Zwirnerei. In zwei Schüben um 1940 und um 1970 folgten Fabriken der Metallindustrie. Als förderlich für die Ansiedlung von Betrieben erwiesen sich die ab den 1920er Jahren bestehende Elektrizitäts- und Wasserversorgung der Gem. sowie die gute Verkehrsanbindung. Die Haltestelle an der 1875 fertiggestellten Bahnlinie wurde 1914 eröffnet, die A3 1973. Um 1900 war Siebnen-S. eine Keimzelle der Arbeiterbewegung im Kt. Schwyz. Der 2. Sektor stellte 2005 immer noch gut 41% der Arbeitsplätze in der Gemeinde. Der Ausländeranteil betrug 2009 25%. Auf dem Weg zur Dienstleistungs-, Industrie- und Gewerbegemeinde nahmen Bevölkerung, Siedlungsfläche und Verkehr markant zu. 2001 errichtete der Bez. March in S. eine Oberstufenschule.


Literatur
– J. Mächler, Gesch. der Gem. S., 1979
Kdm SZ NF 2, 1989, 334-366

Autorin/Autor: Ralf Jacober