Reichenburg

Polit. Gem. SZ., Bez. March. Das Gemeindegebiet erstreckt sich vom südl. Rand der Linthebene (411 m) bis über den Austock (1489 m) und grenzt an die Kt. St. Gallen und Glarus. Das ursprüngl. Strassendorf dehnte sich im 20. Jh. gegen den Linthkanal aus. 1300 Richenburg. 1850 967 Einw.; 1900 911; 1950 1'318; 2000 2'787. Der 1300 erstmals als Burgstelle bezeugte Hof R. war teils Eigentum des Hartmann, Meiers von Windegg, teils des Klosters Einsiedeln. 1370 kamen Hartmanns Güter an das Kloster Einsiedeln, dessen Herrschaft über R. bis 1814 dauerte. Seither gehört R. zum Bez. March. Spätestens ab 1463 bzw. 1473 im Sinne der Schenkung von Kg. Sigismund (1415) beanspruchte Schwyz in R. das Hochgericht, während das Niedergericht als äbt. Hofgericht unangetastet blieb. Das 1973 abgebrochene Gasthaus Zum alten Raben diente vermutlich als Einsiedler Amtshaus. 1831 erfolgte die rechtl. Gleichstellung mit den acht Marchgemeinden. 1498 wurde R. von der Mutterpfarrei Tuggen abgekurt, 1500 die Pfarrkirche St. Laurentius eingeweiht und 1600 die Beinhauskapelle (heute Friedenskapelle) errichtet. Der Neubau der Pfarrkirche erfolgte 1884-85 auf dem Burghügel. Noch heute bestehen zwei Korporationen: Die allg. Geschlechtergenossame (bis 2007 elf Geschlechter) hatte 2009 321 Mitglieder und besass 321 ha Wald, die Kistler-Genossame (bis 2007 nur Angehörige des Geschlechts Kistler) 191 Mitglieder und 129 ha Alpen. Neben kleineren Handwerks- und Gewerbebetrieben existierte in R. 1979-2006 mit der Hakle AG (Hygienepapierfabrik) nur ein einziges grösseres Industrieunternehmen. Frühere Betriebe (Watte-, Teppich- und Schalbretterfabrik, Sägereien) zogen im Lauf des 20. Jh. weg oder mussten schliessen. 2008 stellte der 1. Sektor noch 16%, der 2. und 3. Sektor je 42% der Arbeitsplätze. Seit 1875 besitzt das Dorf einen Bahnhof an der Linie Zürich-Chur, seit 1973 einen Anschluss an die A3.


Literatur
Kdm SZ, NF 2, 1989, 305-333
– B. Glaus, R.s Ablösung vom Kloster Einsiedeln 1798-1833, 2000
– B. Glaus, R. und die March während der Mediation, 2003

Autorin/Autor: Kaspar Michel sen.