11/11/2008 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Lachen

Dieser Artikel wurde für die Buchausgabe des HLS mit einem Bild illustriert. Bestellen Sie das HLS bei unserem Verlag.

Polit. Gem. SZ, Bez. March. Auf dem Delta der Wägitaleraa am oberen Zürichsee gelegener Bezirkshauptort. Mit 519 ha ist L. flächenmässig die kleinste Gem. des Kantons. Das Gemeindeareal ist praktisch identisch mit der Dorffläche. 1217-22 de Lachun. 1850 1'506 Einw.; 1900 1'971; 1950 3'458; 2000 6'272. Die wenigen Streufunde, z.B. ein röm. Münzfund von 1857, vermögen keine vorröm. oder röm. Siedlung zu belegen. Mit der Verlegung des Sitzes der Rapperswiler von Altendorf (Muschelberg) auf die andere Seeseite (heute Rapperswil SG) verlor deren ursprüngl. Standort an Bedeutung, während L. zur wichtigsten Ortschaft in der March aufstieg. Im Rahmen des Landrechts der mittleren March mit Schwyz 1386 kam L. in den schwyz. Herrschaftsbereich. In die bestehende Kapelle zum Hl. Kreuz wurde im Laufe des 15. Jh. eine weiterhin dem Pfarrer von Altendorf unterstehende Kaplanei installiert, 1476 erfolgte eine Vergrösserung der Kapelle. 1520 wurde L. zur selbstständigen Pfarrei erhoben. Anfang des 15. Jh. ist ein Markt bezeugt. Kg. Sigismund verlieh den Schwyzern 1415 formell das Recht auf einen Wochenmarkt in der March. Damit festigte sich die Stellung L.s als Marktflecken; der Ort entwickelte sich zu einem regionalen Zentrum mit Hafen und eigener Sust am See. Diese diente als Warenumschlagplatz sowohl für den Transport in Richtung Bündnerpässe als auch zum Bodensee und nach Süddeutschland. Bau und Unterhalt der Sust und des Hafens waren Aufgabe der Landschaft March. Während des Schwabenkriegs war L. öfters Besammlungsplatz und Aufmarschort der Schwyzer Truppen zu Einsätzen in den Thurgau und ins Zürcher Oberland.

Die lokalen kirchl., polit. und wirtschaftl. Angelegenheiten wurden in der Zeit vor 1798 durch die Pfarr- bzw. die Genossengemeinde wahrgenommen. Die Lachner wählten neun Mitglieder in den 45-köpfigen Landrat der March. In der Helvetik gehörte L. zum Distrikt Rapperswil im Kt. Linth. Seit 1803 ist es Hauptort des neu geschaffenen Bez. March und Sitz der Bezirksbehörden. Während der polit. Auseinandersetzungen im Kt. Schwyz 1831-33 war L. abwechselnd mit Einsiedeln Hauptort des kurzlebigen Kt. Schwyz äusseres Land. L. entwickelte sich in diesen Jahren zu einem Zentrum liberal-fortschrittl. Gedankenguts innerhalb des Kantons.

Um die Mitte des 19. Jh. begann die Entwicklung der Textilindustrie, worauf Holz und Metall verarbeitende Betriebe folgten. In der neueren Zeit traten Metall- und Apparatebau, Möbelfabrikation, chem. Betriebe und eine Parfümfabrik in den Vordergrund. 1875 baute die Nordostbahn die Strecke Pfäffikon (SZ)-Ziegelbrücke der heutigen SBB-Linie Basel-Chur. Damit verloren die Sust (abgebrochen 1867) und der Hafen, der noch 1861 erneuert und ausgebaut worden war, an Bedeutung. Der Anschluss an die Grossregion Zürich verbesserte sich mit der 1973 eröffneten Autobahn A3 und dem S-Bahnanschluss Ende der 1980er Jahre. 2000 zählte L. bei über 400 Arbeitsstätten mit ca. 3'400 Beschäftigten rund 2'000 Wegpendler, vorab in die Stadt Zürich.

Der kleinstädtisch anmutende Dorfkern von L. wird von der spätbarocken Pfarrkirche zum Hl. Kreuz mit ihrer Doppelturmfassade dominiert, die 1707-10 von den Vorarlberger Baumeistern Gabriel und Peter Thumb erbaut wurde. Sie befindet sich am Standort der ehem. Kapelle zum Hl. Kreuz. Eine regionale Wallfahrtsstätte ist die von Baumeister Johann Joachim Schmid 1679-83 errichtete Kapelle zur Schmerzhaften Mutter im Ried. Der Marienbrunnen am Kreuzplatz (1794), das Bezirksrathaus (1506 erbaut, 1837 umgebaut), das Gemeindehaus von 1868, das Wohnhaus Schlössli aus der Mitte des 17. Jh. sowie zahlreiche stattl. Bürgerhäuser prägen das Ortsbild. L. ist seit 1915 Standort des Regionalspitals March-Höfe und seit 1975 Standort einer kaufmänn. Berufsschule. Der Tagestourismus profitiert von den attraktiven Hafen- und Quaianlagen (1935) und dem Seeplatz (1935), die früher als "Haab" bezeichnet wurden, aber auch von den Schul- und Sportanlagen.


Literatur
– K. Michel, L. 1-2, 1978-80
Kdm SZ NF 2, 1989

Autorin/Autor: Josef Wiget