Annecy (Stadt)

Hauptort des Dep. Haute-Savoie (F), Zentrum einer über 125'000 Einw. zählenden Agglomeration. In der Bucht des Sees von A. lagen bronzezeitl. Seeufersiedlungen (3058-870 v.Chr.). Vom Beginn des 1. Jh. n.Chr. bis 406 dehnte sich der galloröm. Vicus Boutae auf der Fins-Ebene und dem Ablagerungskegel des Fier aus. 879 wird ein Königshof (Anericiacum) auf dem Hügel von A.-le-Vieux erw. Vom MA bis zur Reformation war das Schicksal A.s eng mit der Gesch. Genfs verbunden. Gegen 1000 entstand A.-le-Neuf am Fusse der den See dominierenden Burg und entwickelte sich zur zweitwichtigsten Stadt der Grafschaft Genf. 1401 fiel A. dem Haus Savoyen zu. Im 14. und 15. Jh. wurde die Burg wiederhergestellt und zu einer mächtigen Festung ausgebaut. 1514-1659 war A. Hauptort der Apanage der Genevois-Nemours, einer jüngeren Linie des herzogl. Geschlechts. Die Verlegung des Bischofssitzes von Genf nach A. (1536) verlieh der Stadt einen starken Auftrieb ( Annecy (Diözese)). Als savoyard. Bollwerk der Gegenreformation erlebte A. zu Beginn des 17. Jh. eine kulturelle Hochblüte mit Franz von Sales, Senatspräs. Antoine Favre und dessen Sohn, dem Sprachgelehrten Claude Favre de Vaugelas. Bis 1792 Verwaltungszentrum der Provinz Genevois, erlebte A. in der Revolutionszeit einen industriellen Aufschwung, der sich, gestützt auf die Metallverarbeitung und die Baumwollfabrikation, 1815-60 fortsetzte.

Nach dem Anschluss Savoyens an Frankreich (1860) wurden drei Viertel des neuen Dep. Haute-Savoie zur Freizone erklärt. A. verlor damit grosse Teile seines Hinterlands und erlebte eine Phase der demograph. Stagnation. Eine neuerl. starke Entwicklung setzte kurz vor dem 1. Weltkrieg ein, als einheim. Pioniere am Fier Wasserkraftwerke zur Versorgung der Fabriken erstellten. Die Abschaffung der Freizone 1918 führte zu einem Entwicklungsschub, der in der Hochkonjunktur von 1945-75 kulminierte. Neben der leistungsstarken Industrie und der Verwaltung gewannen in A. auch der Fremdenverkehr und die Kultur an Bedeutung.


Literatur
– P. Guichonnet et al., Histoire d'A., 1987

Autorin/Autor: Paul Guichonnet / MS