Comersee

Wichtiger nordital. Kommunikationsraum zwischen den Regionen der Alpennordseite und der Poebene. Neben dem Schiffsverkehr bestand schon in röm. Zeit eine Strasse entlang des westl. Ufers (via Regi[n]a). Wegen der strateg. Bedeutung des Sees (ital. Lago di Como) als Teil der Splügen- und Septimerroute war die Zone häufig Einfällen von Norden ausgesetzt. Der C. erstreckte sich in röm. Zeit bis nach Samolaco (summum lacum), wo sich bei Vigazzolo der Hafen befand. Durch Ablagerungen der Mera wurde dieser im MA bis nach Riva (Mezzola) vorverschoben. Der Lago di Mezzola zwischen den Ebenen Piano di Spagna und Piano di Samolaco entstand durch fortgesetzte Überschwemmungen der Adda und wurde vom Lario (Oberer C.) abgetrennt. Riva, nördl. von Novate, blieb weit über das 16. Jh. hinaus oberster Hafen des C.s und Umschlagplatz. Im SpätMA war an vielen Orten, insbesondere in Torno am unteren C., die Tuchindustrie verbreitet; Handel wurde mit bündner., eidg. und dt. Kaufleuten betrieben. Die nahe der Einmündung von Adda und Mera in den C. gelegene ma. Festung Torre Olonia wurde Anfang des 16. Jh. von Bündnern zerstört. Zwischen 1500 und 1512 begann Gian Giacomo Trivulzio, den Piano di Chiavenna, eine von Sümpfen geprägte, überschwemmungsgefährdete Landschaft, mit Kanälen zu entwässern und fruchtbar zu machen. Weiter gehende Korrektionen folgten im 20. Jh. Auf dem Hügel Monteggiolo bei Còlico bauten die Spanier 1603-04 die Festung Fuentes. Der untere C. war seit dem MA häufig benutztes Transitgebiet für die Eidgenossen auf Zügen und Reisen über den Gotthard und durch die ennetbirg. Landvogteien. Aus dem Tessin wanderten im 17.-19. Jh. u.a. viele Maurer, Kaminfeger, z.T. saisonal, in den unteren Comerseeraum aus. Nach dem 2. Weltkrieg setzte in umgekehrter Richtung eine starke und noch andauernde Zuwanderung (auch Grenzgänger) in den Kt. Tessin ein.


Literatur
Guida azzura di Como e dintorni, 1989

Autorin/Autor: Martin Bundi