• <b>Vorarlberg</b><br>Einladung zu einer Diskussionsveranstaltung. Unter Verwendung des von Emil Baumann gestalteten Briefkopfs der Vereinigung Pro Vorarlberg gedruckt bei Lips in Bern, 1919 (Schweizerische Nationalbibliothek). Nach der Volksabstimmung im Vorarlberg vom Mai 1919, bei der sich eine Mehrheit für einen Anschluss an die Schweiz aussprach, kam es in der Schweiz zu Diskussionen. Aus diesem Anlass lud das Berner Komitee zum Studium der Vorarlbergfrage in den Grossratssaal ein. Obwohl in der Tageszeitung "Der Bund" vom 30. September 1919 als kontradiktorische Veranstaltung angekündigt, hielt mit Gonzague de Reynold ein vehementer Befürworter das Hauptreferat.

Vorarlberg

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Österr. Bundesland mit einer Fläche von 2'601 km2 und einer 107 km langen gemeinsamen Grenze mit der Schweiz. 2010 370'552 Einwohner. Nachdem die Römer 15 v.Chr. den Alpenraum erobert hatten, wurde auch V. Teil der Provinz Raetia bzw. ab dem 4. Jh. n.Chr. von Raetia prima mit der Hauptstadt Chur. Durch den Vertrag von Verdun gelangte es 843 an das ostfränk. Reich. Unter den Gf. von Bregenz bzw. ab 1200 von Montfort blieb die enge Verbindung mit Churrätien lebendig (der Süden des Landes gehörte bis 1816 zum Bistum Chur). Die noch zu Beginn des 21. Jh. in Flurnamen fortlebende rom. Sprache wurde jedoch u.a. wegen der Städtegründungen im 13. Jh. und der Einwanderung der Walser ab 1300 immer mehr zurückgedrängt. Die Territorien der in mehrere Linien aufgeteilten Gf. von Montfort gingen ab dem späten 14. Jh. an die Hzg. von Österreich über, wodurch V. in den habsburg.-eidg. Konflikt hineingeriet. Obschon sich die meisten Vorarlberger Städte und Gerichte 1405-08 am Bund ob dem See beteiligten und das Gebiet 1417-36 eine Pfandschaft der Gf. von Toggenburg war, gelangte es anschliessend wieder an die Habsburger. Im Lauf des 15. Jh. entwickelte sich der Rhein zu einer Grenze, deren Bedeutung sich nach der Reformation durch die konfessionellen Gegensätze noch akzentuierte. Im Schwabenkrieg 1499 siegten die Eidgenossen in den Schlachten bei Hard und Frastanz gegen die Österreicher. Während des Dreissigjährigen Kriegs 1618-48 bemühte sich Österreich vergeblich um die Rekatholisierung Graubündens. Spanien erwog, V. im Tausch gegen das Veltlin anzubieten. Während des Span. Erbfolgekriegs (1701-14) plante Österreich 1702 den Verkauf des Landes an die Fürstäbte von St. Gallen, Einsiedeln und Kempten. Auch Napoleon bot der Schweiz 1809 einen Anschluss V.s an, um die Eidgenossen aus ihrer Neutralität zu locken.

Vom 18. Jh. an arbeitete ein erhebl. Teil der Bevölkerung V.s für Schweizer Textilunternehmer. Im 19. Jh. kamen mehrere Initiativen zur Industrialisierung des Landes aus der Schweiz, die mit V. ab ca. 1870 durch zahlreiche Brücken verbunden war (1867 Au-Lustenau, 1870 St. Margrethen-Höchst und Meiningen-Oberriet). Ab 1872 bestanden auch die Eisenbahnbrücken zwischen Lustenau und St. Margrethen bzw. Buchs und Feldkirch. Die internat. Rheinregulierung, die in enger Zusammenarbeit mit der Schweiz erfolgte, erzielte ab 1892 Erfolge in der lange Zeit vergebl. Bekämpfung von Überschwemmungen (sog. Rheinnot). Nach der Unabhängigkeitserklärung Österreichs im Nov. 1918 sprachen sich rund 80% der Stimmberechtigten V.s. am 11.5.1919 für die Aufnahme von Verhandlungen mit der Schweiz über einen mögl. Beitritt aus. Während der Bündner Bundesrat Felix Calonder das Ansinnen befürwortete, stellte sich Edmund Schulthess v.a. aus wirtschaftl. Erwägungen dagegen. Der Bundesrat gelangte vorerst zu keinem Entschluss. In der Schweiz waren die Meinungen geteilt, denn die Westschweiz und ein Teil der Reformierten sahen durch eine Aufnahme V.s die sprachpolit. und konfessionelle Balance in Gefahr. Schliesslich hielt der Bundesrat am Status quo fest, behielt sich aber vor, im Fall einer unerwarteten Auflösung Österreichs auf seinen Entscheid zurückzukommen. Die Friedensverträge von 1919 beendeten die Separationsbestrebungen, da die alliierten Sieger des 1. Weltkriegs einen selbstständigen demokrat. Staat Österreich wünschten. In der Weltwirtschaftskrise 1929-32 knüpfte die Schweiz, die schon im 1. Weltkrieg Hilfe geleistet hatte, ihr Hilfsangebot an die Bedingung, V. müsse (zum Schutz der Ostschweizer Textilindustrie) einen Teil seiner mechan. Webstühle zerstören. Der Vertragabschluss kam 1933 zustande. Nach dem 2. Weltkrieg entwickelten sich die Beziehungen zwischen der Schweiz und V. positiv; zahlreiche Grenzgänger aus V. arbeiten in der Schweiz. Zu Beginn des 21. Jh. besteht zwischen den Ostschweizer Kantonen und V. hauptsächlich im Rahmen der Arge-Alp (seit 1972) und der Euregio Bodensee eine enge Zusammenarbeit.

<b>Vorarlberg</b><br>Einladung zu einer Diskussionsveranstaltung. Unter Verwendung des von Emil Baumann gestalteten Briefkopfs der Vereinigung Pro Vorarlberg gedruckt bei Lips in Bern, 1919 (Schweizerische Nationalbibliothek).<BR/>Nach der Volksabstimmung im Vorarlberg vom Mai 1919, bei der sich eine Mehrheit für einen Anschluss an die Schweiz aussprach, kam es in der Schweiz zu Diskussionen. Aus diesem Anlass lud das Berner Komitee zum Studium der Vorarlbergfrage in den Grossratssaal ein. Obwohl in der Tageszeitung "Der Bund" vom 30. September 1919 als kontradiktorische Veranstaltung angekündigt, hielt mit Gonzague de Reynold ein vehementer Befürworter das Hauptreferat.<BR/>
Einladung zu einer Diskussionsveranstaltung. Unter Verwendung des von Emil Baumann gestalteten Briefkopfs der Vereinigung Pro Vorarlberg gedruckt bei Lips in Bern, 1919 (Schweizerische Nationalbibliothek).
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Quellen
DDS 7/II, 8, 10
Literatur
– B. Bilgeri, Gesch. V.s, 5 Bde., 1971-87
"Eidgenossen helft euren Brüdern in der Not!", 1990
Forsch. zur Gesch. V.s, NF, 1995-
"Kt. Übrig", Ausstellungskat. Bregenz, 2008

Autorin/Autor: Karl Heinz Burmeister