Vaduz (Gemeinde)

Polit. Gem. und Hauptort des Fürstentums Liechtenstein, Sitz des Fürsten und des Ebf. von V. Der Ort, der nie das Stadtrecht erhielt, liegt am Südwesthang eines Rüfeschuttkegels unterhalb des Drei-Schwestern-Massivs im Rheintal, überragt von Schloss V. Die Gem. umfasst das Dorf V., die Exklaven Riet und Forst im Rheintal, Dachsegg und Rüttistein oberhalb von Planken und die Genossenschaftsalpen Pradamee, Hahnenspiel und Hintervalorsch. 1175 Faduzzes. 1584 197 Einw.; 1812 717; 1930 1632; 1945 2415; 1960 3398; 2000 4'927. Ein Hockergrab, zwei Brandgräber sowie Fundmaterial vom Schlossplateau belegen eine Besiedlung von der frühen bis in die späte Bronzezeit. 1992-93 förderten Grabungen auf dem Areal der Kathedrale St. Florin röm. Objekte zutage, etwa eine Gemme aus dem 1. Jh. n.Chr. 1957 stiess man auf einen bedeutenden ma. Münzschatz.

Der Ort an der Transitstrasse Bregenz-Chur entwickelte sich aus dem Dorf am Hang und dem unter dem Schlossfelsen gelegenen Amtsquartier bei der Kirche. In V. wurde stets ein Wochenmarkt abgehalten. Bis Ende des 18. Jh. bildete V. mit Schaan und Planken eine Markgenossenschaft mit gemeinsamer Güternutzung. Grundherren waren neben den Landesherren die Feldkircher Patrizierfamilien Bock und Stöckli, die Weingüter besassen, sowie die Vaistli, die 1525 das sog. Rote Haus mit Weinberg dem Kloster St. Johann im Thurtal verkauften, welches das Gut bis zur Klosteraufhebung 1806 behielt. Die 1992-93 gesicherte Burgruine Schalun stammt vermutlich aus dem 12. Jh. Das Geschlecht der von Schalun ist erstmals im 13. Jh. bezeugt, 1314 wird ein Ammann zu V. erwähnt. Aus dem Gerichtsbezirk V. entstand 1342 durch Teilung der Grafschaft Sargans die Grafschaft V. Das aus dem 12. Jh. stammende, 1322 erstmals erw. Schloss V. wurde Herrschaftssitz, das Dorf Verwaltungszentrum, Landsgemeindeplatz, Sitz des Landvogts, Gerichts-, Richt- und Zollstätte. 1499 wurde das Schloss von den Eidgenossen gebrandschatzt, im 16. Jh. wiederaufgebaut; es zerfiel nach 1730. Im 19. Jh. diente es als Militärkaserne, Gefängnis und Gasthof, 1904-14 erfolgte eine Restaurierung. Seit 1939 ist das Schloss Sitz der Fürsten von Liechtenstein. Die zur Burg V. gehörende, im 10. Jh. erbaute Kapelle St. Florin war stets eigenständig und verzeichnete im SpätMA drei Kaplaneien. V. gehörte kirchlich zur Pfarrei Schaan, 1842 wurde es zur Kuratie erhoben. 1869-73 wurde die Kirche St. Florin erbaut und die Kapelle 1872-74 abgebrochen. Ab 1873 war V. eine selbstständige Pfarrei. Mit der Errichtung des Erzbistums V. 1997 wurde die Pfarrkirche zur Kathedrale erhoben. Im neuen Dorfteil Ebenholz entstand 1930-31 die St. Josefskapelle und 1962-63 die Kirche der evang. Gemeinde des Fürstentums Liechtenstein.

Vom 15. bis ins 18. Jh. herrschte oft Streit um Marken, Wuhrpflichten und Nutzungsrechte an den Gemeingütern innerhalb der Markgenossenschaft bzw. mit angrenzenden Gemeinden. 1355 führte die Markgenossenschaft die Alpgebietsabgabe als Erblehen an eingewanderte Walser ein, 1615 verkaufte sie die Alp Gaflei (1952-55 Rückkauf durch V.), 1652 den Grosssteg und das Malbuner Erblehen. 1643 und nach 1652 wurde der restl. Alpbesitz zwischen V. und Schaan aufgeteilt. 1797-1811 erfolgte die Aufteilung der gemeinsamen Güter im Rheintal zwischen V., Schaan und Planken. 1808 entstand die polit. Gemeinde V. und die Gemeindegüter wurden Schritt für Schritt privatisiert. Vom beginnenden 18. Jh. bis 1850 verkehrte die Rheinfähre von Burgerau (Gem. Buchs SG) nach Mühleholz, 1850-71 die Fähre nach Sevelen. 1871 erfolgte der Bau der Holzbrücke und 1975 jener der Betonbrücke. Die Bevölkerung lebte von der Viehzucht, der Landwirtschaft, dem Weinbau und dem Rodfuhrverkehr. Um 1800 gab es zwei Wirtshäuser, wenige Handwerker, im abgelegenen Dorfteil Mühleholz Pulver-, Gips- und Herrschaftsmühlen, eine Wasserschmiede, zwei Brettsägen und eine Hanfreibe. 1861 verzeichnete V. 35 Gewerbebetriebe. Im 19. Jh. arbeiteten zahlreiche Vaduzer im Ausland. Nach der Hinwendung des Fürstentums Liechtenstein zur Schweiz ab 1919 erfuhr V. einen wirtschaftl. Aufschwung, der eine starke Zuwanderung nach sich zog und die Erschliessung neuer Baugebiete nötig machte. Zudem entwickelte sich V. Ende des 20. Jh. zum internat. Finanzplatz.


Literatur
– O. Seger, V., 1956 (21989)
100 Jahre Pfarrkirche V. 1873-1973, 1973
– E. Castellani Zahir, Die Wiederherstellung von Schloss V., 1904 bis 1914, 2 Bde., 1993
– M. Bugg et al., V. und Schellenberg im MA, 1999
Kdm FL, 2007, 217-326

Autorin/Autor: Arthur Brunhart