03/03/2005 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Freienbach

Dieser Artikel wurde für die Buchausgabe des HLS mit Bildern illustriert. Bestellen Sie das HLS bei unserem Verlag.

Polit. Gem. SZ, Bez. Höfe, bestehend aus den fünf Dörfern F., Pfäffikon, Wilen, Bäch, Hurden und den beiden Inseln Lützelau und Ufenau (Ufnau). 972 Friginbach. Das Gemeindegebiet erstreckt sich vom Zürichsee (406 m) bis zum Etzel (1098 m). 1743 1'198 Einw.; 1850 2'058; 1900 2'270; 1950 3'950; 1970 8'429; 2000 13'055. 1935 wurden im See vor F. Spuren einer Seeufersiedlung (um 2750 v.Chr.) entdeckt; zahlreiche Fundgegenstände (Steinbeile, Pfeilspitzen, Keramikfragmente, Silex-Abschläge usw.) kamen später dort zum Vorschein. 965 schenkte Ks. Otto I. die grundherrl. Rechte über F. dem Kloster Einsiedeln, das in Pfäffikon um 1250 einen Turm errichtete. Kirchlich gehörte F. zunächst zur Pfarrei Ufenau. 1132 wurde eine Kapelle in Pfäffikon und 1150 eine im Dorf F. geweiht. 1308 erfolgte die Ablösung von der Mutterpfarrei; F. bildet seither eine eigenständige Pfarrei. Im Alten Zürichkrieg brannte das Dorf F. ab, als die Eidgenossen 1443 die Zürcher und Österreicher in einer Schlacht vertrieben. Die heutige Pfarrkirche St. Adalrich wurde 1672-74 gebaut. Das Kloster Einsiedeln errichtete 1762 auf seinem Rebgut das prächtige Leutschenhaus mit grossem Keller und Trotte. Politisch gehörten F., Pfäffikon und Hurden zum Vorderen Hof (Pfäffikon), Bäch und Wilen zum Hinteren Hof (Wollerau). Die Dorfbewohner von F. verwalteten ihr Allmendgut an Weiden, Wald, Reben und Sandsteinbrüchen in einer eigenen Korporation. Erst durch die Kantonsverfassung von 1848 erhielt die Kirchgemeinde auch polit. Aufgaben im nun vereinten Bez. Höfe. Die Gemeindeverwaltung befindet sich in Pfäffikon.

Im 18. Jh. sprengte einzig Bäch mit einer Sust, der Salzfaktorei und einer Papierfabrik den Rahmen landwirtschaftl. Tätigkeit. In den 1820er Jahren fasste die Textilindustrie in Bäch und Pfäffikon Fuss. Neue Impulse erhielten Gastronomie und Gewerbe, als 1875 die links des Sees geführte Eisenbahnlinie eröffnet wurde, 1878 die Bahnverbindung von Pfäffikon über den neuen Seedamm nach Rapperswil und 1891 diejenige nach Arth-Goldau. Der Bez. Höfe gründete 1923 eine Mittelpunktschule, die auch von den Oberstufenschülern der umliegenden Dörfer besucht wird. Der Kanton baute anfangs der 1970er Jahre die Sonderschule für den äusseren Kantonsteil (March, Einsiedeln, Höfe). Die Eröffnung der Autobahn A3 Richtung Zürich 1968 hatte eine stürm. Entwicklung des ganzen Gemeindegebiets zur Folge, v.a. des Dorfes Pfäffikon. F. wurde zur Wohn- und Industriegemeinde und zog dank eines tiefen Steuerfusses zahlreiche vermögende Zuzüger an. Als Knotenpunkt im Grossraum Zürich ist F. starkem Verkehr ausgesetzt. Doch die aufgelockerte Siedlungsweise mit Wiesen, Äckern, Rebbergen, Wäldern und einem grossen Naturschutzgebiet am See (Frauenwinkel) verleihen der Gem. trotz grosser Wohn- und Industriequartiere immer noch ein ländl. Gepräge.


Literatur
– R. Henggeler, Die Gesch. der Korporation F., 1959
– A. Suter, F.-Bäch 972-1972, 1972
– U. Schelbert, Bevölkerungsgesch. der Schwyzer Pfarreien F. und Wollerau im 18. Jh., 1989

Autorin/Autor: Paul Wyrsch