• <b>Jougne</b><br>Ausschnitt aus einer anonym veröffentlichten Karte, die einen Teil des Waadtlands abbildet. Feder und Aquarell, um 1650 (Archives cantonales vaudoises, GC 406/B, Foto Rémy Gindroz). Das hier "Jognie" genannte Dorf liegt am Ausgang einer Juraklus an der von Orbe ("L'orba") nach Pontarlier führenden Strasse. Das Kreuz auf einem der Jurakämme bezeichnet den Mont-d'Or. Unten im Bild erkennt man das ehemalige Cluniazenserpriorat von Romainmôtier.

Jougne

Franz. Gem. und Pass an der schweiz. Grenze im Dep. Doubs. 1084 wird die Abhaltung eines Gerichtstags apud Joniam in einer Urkunde von Romainmôtier erwähnt. 1260 Joogne, 1266 Joigne. 1614 80 Haushalte; 1790 983 Einw.; 1851 1'331; 1901 1'169; 1975 858; 2005 1'217. Die Beziehungen zwischen J. und dem Mittelland gehen bis ins Altertum zurück, da die Gem. an einer wichtigen natürl. Verbindung durch eine Klus in der Jurakette lag; dieser folgte die in der Tabula Peutingeriana und im Itinerarium Antonini verzeichnete Römerstrasse, die von Lausanne und Orbe nach Pontarlier (Ariolica) und Besançon (Vesontio) führte. Der Aufschwung des europ. Fernhandels im 12. und 13. Jh. berührte auch J.: Die Lage des Orts an der Achse, die Flandern und die Champagne via Gr. St. Bernhard mit Norditalien verband, war der Grund für den Aus- bzw. Aufbau von Einrichtungen der Verkehrsinfrastruktur (Strassen, Brücken, Spitäler und Herbergen) oder zur Kontrolle des Handels (Zollstelle), die von 1266 an die Gf. von Chalon und dann ab 1580 die Gf. von Nassau ausübten. Der Warentransit über J. (Wolle, Tuch, Leinwand, Felle, Eisen, Pfeffer und Salz von Salins) erreichte im 13. Jh. einen Höhepunkt und ging dann - auch als Folge des Aufstiegs zuerst der Genfer und dann der Lyoner Messen - allmählich zurück. 1475 wurde J. von Bern besetzt, geplündert und in Brand gesteckt. Im 16. und 17. Jh. profitierte J. vom überregionalen Handel. 1780 wurde die Zollstelle aufgehoben. 1871 zog ein Teil der flüchtenden Bourbakiarmee durch J. in die Schweiz. Die 1875 eröffnete Eisenbahnlinie, die von Vallorbe über J. nach Pontarlier verlief, wurde nach 1945 wieder geschlossen. Vom 15. Jh. an spielte die Eisen- und Metallverarbeitung in J. eine wichtige Rolle, bis sie im Verlauf des 20. Jh. an Bedeutung verlor. Ab 1949 entwickelten sich der Sommer- und Wintertourismus (Skigebiet am Fuss des Mont-d'Or). 2005 war der Zoll von La Ferrière-sous-J. mit mehr als 7'000 Personenwagen und 900 Lastfahrzeugen pro Tag der bedeutendste Grenzübergang zwischen Frankreich und der Schweiz.

<b>Jougne</b><br>Ausschnitt aus einer anonym veröffentlichten Karte, die einen Teil des Waadtlands abbildet. Feder und Aquarell, um 1650 (Archives cantonales vaudoises, GC 406/B, Foto Rémy Gindroz).<BR/>Das hier "Jognie" genannte Dorf liegt am Ausgang einer Juraklus an der von Orbe ("L'orba") nach Pontarlier führenden Strasse. Das Kreuz auf einem der Jurakämme bezeichnet den Mont-d'Or. Unten im Bild erkennt man das ehemalige Cluniazenserpriorat von Romainmôtier.<BR/>
Ausschnitt aus einer anonym veröffentlichten Karte, die einen Teil des Waadtlands abbildet. Feder und Aquarell, um 1650 (Archives cantonales vaudoises, GC 406/B, Foto Rémy Gindroz).
(...)


Literatur
Dictionnaire des communes du département du Doubs 4, 1985, 1703-1713
– B. Olivier et al., Histoire de J., 1988
Les Pays romands au Moyen Age, hg. von A. Paravicini Bagliani et al., 1997, 67-70, 78-82

Autorin/Autor: Jean-Pierre Dewarrat / AHB