Radolfzell

Kreisstadt in Baden-Württemberg, am Nordwestufer des Untersees gelegen. 10. Jh. ratoltescella. 1800 ca. 1'000 Einw.; 1848 1'543; 1905 5'205; 1950 9'837; 2008 30'278. Namensgeber von R. war der Veroneser Bf. Radolf, der um 826 zwischen einem Reichenauischen Kelnhof und einer Fischersiedlung die cella Ratoldi gründete. Der daraus hervorgegangene Ort erhielt 1100 das Markt- und 1267 das Stadtrecht. 1298 gelangte die Vogtei über R. an das Haus Habsburg. Bürger der Stadt nahmen an zahlreichen Feldzügen des Landesherrn teil. Stadtbanner fielen den Glarnern bei Näfels und den Appenzellern in die Hände. Vom Handelsplatz R. aus gelangten mit Segelschiffen Korn und Wein in die Schweiz. Während der Reformation flohen viele Geistliche nach R., unter ihnen auch David von Winkelsheim, der letzte Abt des Klosters St. Georgen zu Stein am Rhein. Nach der Eröffnung der Eisenbahnlinie Basel-R.-Konstanz 1863 siedelte sich Industrie an. So verlegte 1875 der Thurgauer Kaufmann Jacques Schiesser seine Trikotweberei nach R. Aus den zahlreichen Hilfslieferungen, die nach dem 2. Weltkrieg von Amriswil an die Not leidende Bevölkerung von R. gesandt wurden, entwickelte sich eine Städtepartnerschaft, die 1999 amtlich besiegelt wurde.


Literatur
– P.P. Albert, Gesch. der Stadt R. am Bodensee, 1896
– F. Götz, Gesch. der Stadt R., 1967
Der Landkreis Konstanz, 1984, 72-91

Autorin/Autor: Achim Fenner