Pontarlier

Unterpräfektur des Dep. Doubs (F), Hauptort des gleichnamigen Arrondissement. Verkehrsknoten und Etappenort am Doubs auf dem Plateau de la Chaux d'Arlier am nördl. Ausgang der von den Festungen Larmont und Château de Joux gesicherten Talenge La Cluse gelegen. Kreuzungspunkt der Wege nach Salins (route du sel), nach Besançon, zum Col de Jougne (Alpenpässe, Genfer Seebecken) und ins Val-de-Travers (Bern, Neuenburg). 1486 155 Feuerstätten; 1614 527; 1790 3'239 Einw.; 1901 5'714; 2006 19'906. Vom 12. Jh. und bis ins 17. Jh. unterhielt der Ort - über die Verbindung durch die Cluse und den Col des Verrières - enge wirtschaftl. Beziehungen zu Les Verrières, dem es als Markt diente. Die Einwohner von Les Verrières verkauften in P. Butter, Käse und Holz und erstanden Weizen, Gewürze, Mercerieartikel und Tuch. Auch Darlehen nahmen sie hier auf. Umgekehrt besuchten die Bewohner von P. die ab 1610 zweimal jährlich in Les Verrières abgehaltenen Jahrmärkte. P. liegt an der grossen Handels- und Poststrasse von Bern über Neuenburg nach Dijon. Es war auch regionaler Bahnknoten an der 1860-75 gebauten Strecke Bern-Paris; seit 1860 besteht die Verbindung nach Neuenburg. Zwischen 1805 und 1915 liessen sich neun Filialen von Absinthdestillerien aus dem Val-de-Travers in P. nieder (darunter Pernod und Duval). Vom Ende des 19. Jh. an siedelten sich Schweizer Firmen in P. an, die - befreit von Zoll- und Tarifeinschränkungen - für den franz. und später auch den europ. Markt produzierten, wie z.B. die Firmen Edouard Dubied (Ersatzteile für Zweiräder und Autos, Kleinmechanik, 1898-1959, übernommen von der Schrader Gruppe), Zedel (Automobile, 1902-27, Zurcher et Luthi), Jules Gurtner (Kleinmechanik, 1910-55, übernommen von Gévelot), Gerber (Käse, 1915 bis ca. 1960), Nestlé (Schokolade, 1918, später Sopad) und Weber (Grafik, 1989). Seit 1950 pendeln viele Grenzgänger aus P. in die Schweiz, v.a. nach Sainte-Croix und in das Val-de-Travers.


Literatur
– F. Loew, Les Verrières: la vie rurale d'une communauté du Haut-Jura au Moyen Age, 1954
– M. Malfroy, P., 2002

Autorin/Autor: Eric-André Klauser / AL