Murbach

Die Abtei M. bei Gebweiler im Elsass wurde 727 von Gf. Eberhard aus der Fam. der Etichonen gegründet und durch den hl. Pirmin geweiht. Das Kloster kam dank der Unterstützung durch die fränk. Könige und den Bf. von Strassburg rasch in den Genuss umfangreicher Privilegien wie Immunität, freie Abtwahl, Zollbefreiungen und Gerichtsrechte. Dazu wurde es mit reichem Grundbesitz ausgestattet, dessen Schwerpunkte im Augstgau, Frickgau, Sundgau, Aargau, Breisgau, Elsass, in der Ajoie, in Montbéliard und an den Hauensteinpässen lagen, während sein Streubesitz von Rätien bis an den Mittelrhein reichte. Gegen die Mitte des 9. Jh. erscheint auch das Kloster Luzern im Besitz von M., das sich zu einem bedeutenden Reichskloster der Karolingerzeit entwickelt hatte. M. verfügte über eine grosse Bibliothek und ein eigenes Skriptorium, das neben vielen althochdeutschen literar. und liturg. Zeugnissen mit den Murbacher Annalen eine eigenständige Geschichtsschreibung produzierte. Die Ausstrahlung des Klosters zeigte sich auch in den Gebetsverbrüderungen mit den Klöstern Reichenau, St. Gallen, Remiremont (Vogesen) und Brescia. Während im 12. Jh. ein Zerfall der monast. Disziplin zu vermerken ist, unternahm M. im 13. Jh. einen starken Ausbau einer eigenen Landesherrschaft v.a. in den Tälern der Thur und Lauch (beide im Elsass), was zu Auseinandersetzungen mit dem Bf. von Basel und den Gf. von Habsburg, den Vögten des Klosters, führte. Finanzielle Probleme zwangen den Abt von M. 1291, seine Rechte an der Stadt Luzern sowie den Besitz in der Zentralschweiz und im Aargau an Kg. Rudolf I. von Habsburg zu verkaufen. Auf die Rechte an der Propstei Luzern musste M. 1456 verzichten. Trotz fehlender Reformen im SpätMA konnte M. seine Stellung bis zur Aufhebung 1789 behaupten; im 18. Jh. wurden die Klostergebäude umgebaut.


Literatur
– A. Rohr, «Die vier Murbacherhöfe Lunkhofen, Holderbank, Rein und Elfingen», in Argovia 57, 1945, 1-219
HS III/1, 872-895
LexMA 6, 939 f.
LThK 7, 538 f.

Autorin/Autor: Stefan Jäggi